2015 – Alben des Jahres

Es folgt: Ein Beitrag für Freunde abstruser Musik. Vor allem von Musik mit Gitarren drin. Und guten Texten.

Die für mich – gefühlt – besten Platten dieses Jahres sind mehrere. Leider bin ich nicht in der Lage, diese in eine Reihenfolge zu bringen. Ich finde Reihenfolgen aber sowieso doof. Vor allem aber eine Platte hat sich für mich als das Knalleralbum des Jahres herausgestellt, ein Machwerk, das sich ganz bequem und mit großem Abstand über alles andere erhebt. Die Rede ist von Lamb of Gods Sturm und Drang, denn hier entwickelt die Band Stärken und Vielseitigkeiten, die ihnen kaum zuzutrauen waren. Und selbstredend knüppelt es auch ordentlich. Am besten finde ich die Tracks, die von beidem etwas haben – wie zum Beispiel diesen hier mit Deftones-Sänger Chino Moreno. Hier mischt sich die Frustration des lyrischen Ichs, das sich über vergangenen Kram auskotzt, mit ordentlichem Instrumentalgedresche und Chinos alptraumhaft wabernden Lines am Schluss. Große Kunst!

Auch ganz oben dabei sind Puscifer mit Money Shot, was an dieser Stelle aufgrund des Mitwirkens von Maynard James Keenan schon per Definition nicht weiter begründet werden muss. Wer sie nicht kennt: Puscifer klingen ein wenig wie Nine Inch Nails, denen man das Fell abgezogen hat und worunter dann Reste von Tool zum Vorschein kommen. Die Mainstream-Fans freuen sich über Melodien und die Profimusiker über technische Finessen, die wiederum die Mainstreamer nicht belästigen. Eine Kombination, mit der viele Menschen sehr glücklich werden können. Leider nervt bei den Puscifer-Videos auf Youtube stets die Gema, aber immerhin ein Song ließ sich auftreiben:

Ein weiterer Favorit dieses seltsamen Jahres sind für mich die Oldschool-Satanisten aus dem Hause Ghost mit ihrem mittlerweile dritten Album Meliora. Ganz skurrile, aber wunderschöne Musik mit Orgeln, Gitarren und famosem 70s-Sound, muss man sich einfach anhören. Live ist diese schwarze Messe mit tränenrührig schönen Liedern übrigens auch eine echte Empfehlung, das erste Mal konnte ich die feinen Herren 2011 als Vorband von Paradise Lost in London begutachten. (Knew it before it was cool, höhö.) Auch hier: Wohl gemabedingt kaum auf dem deutschen Youtube vertreten, aber man kann sich trotzdem mal einen Eindruck verschaffen:

Speaking of: Paradise Lost sind dieses Jahr auch mit einer neuen, ziemlich (be-)drückenden Platte zurückgekommen. Bedrückend? Ja, die müssen bedrücken. Eine der deprimierendsten Bands dieses Planeten, die dabei aber immer einen gewissen Charme entfachen. The Plague Within ist jedenfalls eines der schwärzesten, bösesten Werke der britischen Doomer, deren Œu­v­re mich seit dem zarten Alter von 14 Jahren durch mein Leben begleitet.

Nachdenklich geht es dann auch weiter, nur mit anderem Sound – auch aus der Elektropunk-Ecke kam neue Musik. Frittenbude liefern mit Küken des Orion eine Wucht an Textkunst, die sich paart mit tanzbarer Musikuntermalung. Kein Wunder, dass Einslive die Band dieses Jahr für sich entdeckt hat. Ich übrigens auch.

Last but not least: Meine Neu-Entdeckung des Jahres. Wir sind wieder zurück im Rockbereich – wenngleich nicht komplett heavy, geht es hier doch ganz gut zur Sache. Die Rede ist von Highly Suspect, die mit Mister Asylum eine formidable Rock ’n‘ Roll-Scheibe vorgelegt haben. Ehrlich, dreckig, direkt. Muss man reinhören. Und natürlich gehts auch bei denen textlich relativ viel um Vergangenheitsbewältigung. Was wohl auch mein ganz persönlicher roter Faden dieses bescheuerten Jahres sein dürfte. Was wäre der Mensch ohne Musik?

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