Neumitgliedertag: Einer Partei beitreten

Eigentlich hatte ich diese Entscheidung schon länger gefällt. Eigentlich. Die Umsetzung folgte dann aber erst im Juni. Zumindest formal – offizieller Beitritt und so, mit Willkommenspaket, Mitgliedsausweis (!) und ein paar aus der Zeit gefallenen Gimmicks wie Sprüche-Postkarten. Der Kram sieht hübsch aus, liegt dann aber in dieser stressigen Ref-Zeit doch eine Weile in meine Wohnung rum, verschwindet schließlich in einer Schublade, ich habe einfach keine Zeit.

Bis jetzt. Zum denkbar allerungünstigsten Zeitpunkt, den es so geben kann – unmittelbar vorm großen, letzten Staatsexamen – dachte ich mir, dass es jetzt mal losgehen soll. Ich wollte mir eine einmalige Gelegenheit nicht nehmen lassen, denn die Partei veranstaltete einen Neumitgliedertag in der Landeshauptstadt und sowas findet ja nun nicht alle Tage statt. Und zwischendurch mal eine Auszeit von dem ganzen Stress schadet ja auch nicht. Also schloss ich mit Franziska, dem zweiten Neumitglied aus dem Rhein-Sieg-Kreis, kurz und wir fuhren gemeinsam zu diesem Treffen nach Düsseldorf.

Empfangen werden wir überaus freundlich durch zwei MitarbeiterInnen der Landesgeschäftsstelle, Anke und Wolfgang; direkt am Eingang mit Handschlag und per Du, bisschen quatschen inklusive. Wo kommt ihr denn so her, wie seid ihr zur Partei gekommen, kennt ihr schon Leute und so weiter. Drinnen bereits ein Haufen Menschen, teilweise noch schüchtern in der Ecke stehend, teilweise schon direkt in Gespräche vertieft, man hört Leute lachen, man spricht in gelöster Atmosphäre auch locker völlig Fremde an, denn hier kennt eh keiner keinen. Man sieht Jackets, Kapuzenpullis, kurze Hosen und Flip Flops – die Mode repräsentiert irgendwie auch Vielfalt. Ein paar Leute sind auch noch etwas schüchterner, die werden dann schließlich auch angeheizt durch Ankes „Find someone who…“-Spielchen, das die Gruppe erst mal ordentlich umrührt. Pädagogik goes politics, so wirds gemacht.

Danach geht es dann inhaltlich los, wir, so um die 25 bis 30 Neumitglieder, sollen wohl etwas lernen und hören uns erst einmal zwei Impulsvorträge zum Aufbau und zur Geschichte der Partei an. Das richtet sich vor allem an jene, die sich noch nicht wirklich mit dem Thema Politik beschäftigt haben. Mir fällt auf, dass man sich von Anfang an große Mühe gibt, alle mit ins Boot zu holen. Fragen werden geduldig beantwortet, man lässt die Leute ausreden und hört ihnen zu. Überhaupt ist die Stimmung sehr entspannt, die beiden MitarbeiterInnen der Landesgeschäftsstelle wirken einfach enorm sympathisch.

Hunger überkommt mich allerdings auch recht rasch und das ist kurzzeitig weniger sympathisch, schließlich musste ich für diesen Tag schon um halb sieben aufstehen. Irgendwie wird es dann aber doch schnell Mittag und wir werden mit überzeugendem Catering versorgt, was allerdings auch zum Image der Partei passt (ein derbes Holzfäller-Schnitzel darf man nicht erwarten). Auch während des Essens verfallen wir immer wieder in den Austausch und in Gespräche, ich merke mehr und mehr, dass es einer größeren Anzahl von Leuten so geht wie mir – nur wenige haben sich bereits voll in die Arbeit bei den Orts- und Kreisverbänden reingehangen. Einige dagegen schon, und hier fällt auf, dass jene häufig schon Ämter bekleiden. Nach gerade zwei, drei Monaten Parteimitgliedschaft. Das ist wohl auch ein Vorteil einer kleinen Partei: Wenn man will, kann man hier relativ schnell Fuß fassen.

Nach dem Essen dann kommen wir ins Gespräch mit Leuten aus den Landesarbeitsgemeinschaften – das sind 28 Gruppen innerhalb der (Landes-) Partei, die man sich im Prinzip als eine Art Motor hinter der parlamentarischen Arbeit vorstellen kann. Hier werden die Inhalte diskutiert, hieraus kommen auch die Vorlagen für das Wahlprogramm, man ist mit den Abgeordneten vernetzt. So interessiert mich natürlich besonders die Gruppe zur Bildungspolitik, aber auch das Thema Verkehr hat es mir angetan. Leider können sich nicht alle LAGs vorstellen, so ist aus meiner (natürlich subjektiven) Sicht vor allem die Abwesenheit der Netzpolitik zu beklagen. Trotzdem sind die Gespräche interessant, man wird dann auch direkt zu den nächsten Treffen eingeladen – anscheinend werden wir gebraucht. Oder zumindest ernst genommen. Das ist überhaupt der dominierende Eindruck dieses ganzen Tages. „Wir sind an eurer Meinung interessiert und wollen euch“ – so ungefähr nehme ich die Grundstimmung wahr.

Und das manifestiert sich auch, als wir zum Abschluss noch mit der Landesvorsitzenden Mona über anderthalb Stunden diskutieren. Auch hier ist man übrigens per Du und ich bin erstaunt, wie ausführlich sie auf jede Stellungnahme antwortet. Besonders deutlich wird das, als sie von einer anwesenden Neuntklässlerin in eine Diskussion über die Frauenquote verwickelt wird. Ja, richtig, neunte Klasse vs. Landesvorsitzende. Und obwohl der Ball mehrmals hin und her gespielt wird, habe ich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass man sich streiten würde.

Jedenfalls muss man bei dieser Partei auch nicht immer auf Linie sein. Eine offene, streitlustige Gruppe, die Raum lässt, miteinander ins Gespräch zu kommen und Positionen durch Diskussion erarbeitet. Vielleicht ist das eine arg idealisierte Vorstellung von mir und es ist gut möglich, dass das in den nächsten Monaten wieder zerbröselt, gar in Enttäuschung mündet, denn naiv bin ich nicht mehr; aber zumindest am Neumitgliedertag hält man dieses Bild auf sehr angenehme Weise. Es ist einfach nicht der geschlossene Club der Hinterzimmer-Entscheidungen und Altherren-Runden in bleiverglasten Eckkneipen am Stammtisch des Ortsvereins, in dem man erst mal in der Jugendorganisation bis ins 30. Lebensjahr Karriere gemacht haben muss, um überhaupt etwas zu sagen zu haben. So überhaupt nicht.

Und egal wie sich das entwickelt: Ich habe mir zwar vorgenommen, beim Wahlkampf dabei zu sein, aber meine eigene kritische Distanz möchte ich nicht aufgeben. Ich bin nicht bei allen Themen einer Meinung mit der Parteilinie, bei weitem nicht; tatsächlich ist es eher so, dass sie für die politische Partizipation das am wenigsten üble Vehikel darstellt. Und das geht an diesem Tag auch mehreren Leuten so, mit denen ich ins Gespräch komme. Dass dieser Beitrag insgesamt recht wenig kritisch und eher extrem positiv daherkommt, liegt nun aber vor allem daran, dass er meine persönliche Begeisterung ob dieses einen Tages widerspiegelt. Und das ist eben auch nur ehrlich.

Wer jetzt noch nicht weiß, um welche Partei es sich handelt...
Überraschung.

Muss das jetzt wirklich sein?

Anscheinend schon.

Dass ein Beitrag wie dieser heutzutage überhaupt noch geschrieben wird… es ist schon bitter, in einem Land zu leben, in dem ein Herr Gauland als führendes Mitglied einer 10+X Prozent-Partei offen rassistisch rumpöbelt. Und andere hohle Fritten aus eben jener Politgruppierung ebenfalls, teilweise läuft das ja schon seit Jahren. Unwidersprochen bleiben solche bewusst lancierten Aufmerksamkeitsakionen in den sozialen Netzwerken natürlich nicht, aber ich finde es dennoch traurig, dass sich überhaupt jemand traut, sein Profil offen mit derart verblödeten Aussagen zu schärfen.

Ja, dumm, verblödet, völlig gehirnamputiert. Was anderes fällt mir dazu nicht mehr ein. Dumm im Sinne von biologisch falsch. Dieses ganze Gelaber von Rassen und Hautfarbe, was gerade – im Jahr 2016! – aus dem Gullideckel der Geschichte wieder hoch blubbert: Es kotzt mich an. Menschen, die sich solcher Aussagen bedienen, wenden sich rhetorisch gegen jede Form von Miteinander und Zusammenleben und offenbaren darüber hinaus ein fundamentales Nichtwissen über Genetik und Biologie. Professor Harald Lesch bringt das mit den vermeintlichen Menschenrassen schön auf den Punkt und mehr möchte ich darüber auch gar nicht verlieren.

Vegetarier und Veganer gesucht (und auch sonst alle anderen)

CC-BY-ND lostintheredwoods, Flickr
Bild: lostintheredwoods, Flickr (CC-BY-ND )

Nein, nicht zum Essen gehen. Sondern streng für die Dienste der Wissenschaft. Denn eine gute Freundin von mir hat einen Fragebogen für euch gebastelt, den man recht schnell (wirklich ganz schnell) ausfüllen kann. Und soll. Vor allem männliche Vegetarier und Veganer werden noch gesucht. Die Daten kommen dann ihrer Bachelorarbeit zugute, deren Ergebnisse ich hier sicher ausführlich interpretieren werde.

Bestimmt. Vielleicht. Eventuell. Weiß nicht…

Jedenfalls: Hier gehts zur Umfrage, macht bitte alle fleißig mit und helft der Wissenschaft. Ich gehe auch mit gutem Beispiel voran und fülle diesen Bogen nun ebenfalls aus. Dauert auch garantiert nicht lange und danach esse ich erst mal ein schönes Käsebrot.

Jan Böhmermann stellt ein paar Fragen

und sowohl die Welt als auch „severin tatarczyks blogmagazin“ finden darauf bemüht wirkende und lustig sein wollende, aber letztendlich doch eher unlustige Antworten.

Dabei sollte man mit Jans Fragen lieber machen, wofür sie gedacht sind: Sie lesen und stehen lassen. Und mal nicht sofort im Reflex auf alles, immer und überall, eine Antwort parat haben. Einfach mal die Fr…

Und sich auf das Wesentliche konzentrieren.

Rant: Die ultimative Sixt-Erfahrung…

…begann damit, dass mein Bruder einen Transporter beim besagten Autovermieter reservierte. Für seinen Umzug. Und wie das bei Umzügen so üblich ist, verlässt man sich ja dann auf ein paar Dinge. Da hat man natürlich einen ganzen Batzen Organisation an der Backe: Leute zum Helfen, die koordiniert werden müssen, Schlüsselübergabe, Nachmieter etc. Man kennt das. Unter anderem verlässt man sich aber in erster Linie darauf, dass der Mietwagenanbieter das gebuchte Fahrzeug tatsächlich am Start hat. Ohne Transporter kein Umzug. (Man kann ahnen, worauf das hier hinausläuft, ja.) Übrigens – laut Buchungsbestätigung – ist eine Reservierung im Hause Sixt verbindlich, denn man selbst wird zu teils harschen Strafzahlungen verdonnert, wenn man nicht püntklich zum Abholtermin erscheint.

So weit, so gut.

Am Vorabend des geplanten Umzuges dann sprach ein Sixt-Vertreter meinem Bruder auf die Mailbox, dass der gebuchte Wagen einen Unfall gehabt hätte und man sich um Ersatz bemühe. Man wollte uns „auf jeden Fall mobil halten“, wie es hieß. Auf Rückruf (10 Minuten später) war bei der zuständigen Filiale in Bonn-Bad Godesberg niemand mehr erreichbar, bei der Sixt-Kundenhotline gab man sich verwundert und wusste von nichts. Zu dem gebuchten Fahrzeug läge keine Information vor.

Am Umzugstag selber rief die Sixt-Filiale dann um halb 8 an und eröffnete uns, dass sich die Abholung verzögern würde, wahrscheinlich bis ca. 10 Uhr. Sie würden sich bei uns noch einmal melden. Das bedeutete: Wir mussten erst einmal alles umorganisieren und nach hinten verschieben. Darauf, dass der geplante Umzug für diesen Tag mit einem Sixt-Transporter aber gar nicht mehr zustande käme, wären wir zu diesem Zeitpunkt selbst noch nicht gekommen. Es sah ja durchaus danach aus, als ob man sich bei Sixt Mühe gäbe.

Leider entpuppte sich das als schöner Schein. Nachdem nämlich bis 9 Uhr niemand anrief und wir ja auch so langsam Richtung Bonn hätten losfahren müssen, versuchten wir selbst eine dreiviertel Stunde lang, bei der Niederlassung in Bonn irgendjemanden an die Strippe zu bekommen. Leider vergebens, das Telefon klingelte durch. Also setzten wir letztendlich alles auf eine Karte, fuhren zu Sixt in der Wurzerstraße und erkundigten uns vor Ort nach dem Zustand unserer Buchung, die eigentlich ja schon vor zwei Stunden fällig gewesen wäre und zu der uns niemand mehr angerufen hat. Dort war dann nicht nur massig Personal vor Ort (ich zählte über 4 Leute), das ans Telefon hätte gehen können, sondern auch ein dezent überforderter Mitarbeiter, der mir fast schon wieder leid tat. Jener gab dann zu Protokoll, dass man „wirklich alles“ versucht hätte, für uns noch ein Fahrzeug zu organisieren. Auf die Idee, mal bei der Konkurrenz anzurufen, kam er aber erst, nachdem ich dann selber dezent und unauffällig explodierte. Natürlich gab es spontan auch bei der Konkurrenz keinen Umzugswagen mehr – für den wir zudem, so es ihn denn gegeben hätte, auch noch einen Aufpreis hätten zahlen sollen.

Das Ende vom Lied: Kein Umzugswagen am Umzugstag, weil man sich auf Sixt verlassen hat. Bei dieser Firma würde ich selber nun niemals ein Fahrzeug buchen und auch jedem davon abraten. Anscheinend bestehen im Schadensfall keinerlei Reserven, sodass man wie in unserem Fall schlicht nicht auf die Buchung bauen kann. Davon abgesehen finde ich es schon bemerkenswert, dass es ein derart großer, globaler Logistikdienstleister wie Sixt nicht auf die Reihe bekommt, innerhalb von 15 Stunden ein Ersatzfahrzeug zu organisieren.

Der Ärger bleibt schön beim Kunden.

Jedenfalls beim Privatkunden.

Konservative Werte. (Ein bisschen auch: Ein Rant.)

Oh, hoppla, upps, Schock, schwere Not. Nach den „katholischen Iren“ wurde die von Leitmedien wie der Tagesschau so titulierte „Homo-Ehe“ (eigentlich: Ehe für alle, in der Onlineversion auch so genannt) nun auch in den USA per Gerichtsbeschluss quasi-legalisiert. Ernsthaft, von den Amis? Ja, von den Amis. Von unseren stockkonservativen Freunden auf der anderen Seite des Atlantiks. Von dem höchsten Gericht eines Landes, in dem der Durchschnitt gefühlt zehn Jahre früher als bei uns heiratet und früh Kinder bekommt. Der Hochburg evangelikaler Christen, Waffenfans und anderer irrer Fanatiker. In puncto Konservatismus kann selbst unser katholisches Irland nicht dagegen anstinken.

Ausgerechnet dieses Land öffnet die Institution Ehe nun für alle BürgerInnen. Das Land of the Free macht seinem Namen also (ausnahmsweise) alle Ehre. Und ich frage mich ernsthaft, was uns noch davon abhält, es endlich ebenso zu tun. In der ganzen Debatte gab es bislang kein einziges wirkliches Gegenargument mit Substanz. Allein die Tatsache, dass darüber überhaupt debattiert werden muss, ist mehr als arm. Denn eigentlich – ja eigentlich – gäbe es wirklich wichtigere Dinge. Die ganze Welt versinkt gerade in Terroranschlägen total verblödeter Islamisten, in der Ukraine wird munter weiter von ebenso dummen Deppen gezündelt und Europa steht dank einem großen Haufen politischer Inkompetenz am Abgrund. Echt jetzt, es gibt tatsächlich Wichtigeres als diese Diskussion, um mich mal dezent in die Ecke der professionellen Troll-Derailer zu schlagen. Aber: Warum kann man diese leidige Diskussion dann nicht einfach beenden, indem man den Leuten erlaubt, zu heiraten? Wo ist das Problem in diesem Land? Ich sehe es einfach nicht. Aber ich sehe etwas anderes: Das gerade pseudoreligiöses Gequatsche (in der Regel zu übersetzen mit: „Mir passt es geschmacklich nicht, wenn sich zwei Männer oder zwei Frauen küssen und deswegen ist bestimmt auch der Jesus dagegen“) verhindert, dass sich dieses Land weiterentwickelt. Dass dieses bornierte Weltbild immer noch so viel Macht in den Köpfen hat, um es den Menschen zu versagen, füreinander Verantwortung übernehmen zu dürfen. Wait, Verantwortung für einen anderen Menschen übernehmen: Ist das nicht eigentlich sehr konservativ? Nicht etwa ein Wert? Gar ein konservativer Wert?

Das ganze Elend

Der Schaden – verursacht durch ein Leck in der Wasserleitung – kam langsam, aber stetig, und man sah über das mutmaßlich monatelange Entstehen nie etwas davon. Manchmal roch es muffig im Schlafzimmer, aber das hatten wir durch Lüften eigentlich gut im Griff. Es war dann schließlich der Donnerstag vor zwei Wochen. Und es war der Zufall, der uns den dunklen Schimmer hinter den Kleiderschränken zeigte. Als wir sie nach vorne rückten, offenbarte sich das ganze Ausmaß biochemischer Zerfallsproduktivität von Mutter Natur. Eine komplett durchnässte untere Wandhälfte bietet einen erstaunlich stabilen und funktionierenden Lebensraum für einen Haufen heiterer Mikroorganismen. Gut versteckt hinter zwei Kleiderschränken hält die Tarnung auch entsprechend lange und die Kolonie kann sich produktiv in alle Richtungen verbreitern. Die Folge: Unser eigener Lebensraum war ab da erst einmal nicht mehr stabil. Konkurrenz, sozusagen. Das Schlafzimmer wurde vom einen Tag auf den anderen unbenutzbar, bei meinem Kleiderschrank musste ich die Rückwand erneuern und ein Teil meiner Klamotten ist in Tüten abgepackt, da diese schon zünftig angefressen sind (die, die man nicht so oft anzieht und daher hinten im Schrank lagen – weshalb das auch so lange unentdeckt blieb). Mal schauen, ob ich noch über die Hausratversicherung was rausbekomme. Über die Ursache der lebendig gewordenen Wand lässt sich derweil nur spekulieren. Vielleicht, weil das Haus generell bis auf die Grundmauern marode ist, vielleicht auch, weil der Abriss des nebenan angebauten Hauses doch ein paar Vibrationen zu viel für den Altbau waren. Zumindest brachten Presslufthammer und Rüttelmaschinen im vergangenen Sommer die Wände regelmäßig zum Wackeln. Vielleicht zu viel für die alten Rohre. Vielleicht war’s auch einfach die nicht fachmännisch eingebaute Dichtung der Duschamatur. Wie auch immer – der Vermieter machte jedenfalls Andeutungen, dass es wohl ein Gutachten brauchen werde, um die Schuld des benachbarten Bauherrn  festzustellen. Für uns bedeutete das: Wird dauern. Lange dauern. Worauf wir wiederum eine relative Unlust verspürten, eine Mietminderung ankündigten und generell eher ungemütlich wurden. Und siehe da: Es ging dann doch in zwei Wochen alles über die Bühne. Inklusive einem geschassten Handwerker. Und keine Rede mehr von einem Gutachter. Ich blicke zwar nicht mehr durch, bin aber froh, dass das Thema durch ist.

Nun ziehen wir wieder ins Schlafzimmer um. Seit zwei Wochen nächtigen wir nämlich im Wohnzimmer – auf einer auf Dauer ziemlich unkomfortablen, da vor allem für mich zu kurzen Schlafcouch. Inklusive dröhnendem Bautrockner in der Wohnung und massivem Platzproblem, da der gesamte Schlafzimmerinhalt auf Büro und Wohnzimmer verteilt werden musste. Zumal wir uns nicht wirklich ausquartieren konnten, wir brauchen die Wohnung beide schon wegen des gemeinsamen Arbeitszimmers. Die Nerven lagen blank. In der Summe: Ein Desaster. Und nach all dem, was wir hier schon an durch die neuen Nachbarn bedingtem Baulärm, Dreck, gröhlenden Bauarbeitern und einem durch die Baustelle zerstörten und nicht wie im Mietvertrag abgemacht benutzbaren Keller ertragen mussten, ist das Maß jetzt endgültig voll. Kommt das Problem (oder irgendein anderes) wieder, dann steht wohl ein Umzug vor der Tür. Wider das ganze Elend.

Auch wenn mein Vermieter ein netter Kerl ist und für die Gesamtlage denkbar wenig kann. Aber irgendwann ist es dann auch mal gut.

Und nebenbei erfährst du noch die übelsten Storys über das Haus: Hier traf sich, so erzählt man sich zumindest, bis in die späten 90er Jahre die zweite und dritte Garde der Bundes-CDU, um auf ihr Feierabendbier in die Gaststätte im Erdgeschoss einzukehren. Die Wohnungen im ersten und zweiten Stock gab es damals noch nicht, stattdessen bestanden die oberen beiden Stockwerke aus den Gästezimmern des Gaststättenbetriebs. Und in eben jenen Räumlichkeiten verschwanden dann besagte CDU-Herren nach Essen und Feierabendbier mit ihren „Freundinnen“, wie mein Vermieter jovial bemerkte. Unsere an sich ganz hübsche Wohnung war also mal so eine Art Politbordell. Was sich jedoch durch den Bonn-Berlin-Umzug nicht mehr halten konnte.

Man lernt nie aus.

Bahnhofsreflexionen

Bonn – Bad Godesberg: Einstieg. Langsam verrottender Bahnhof mit wegbröckelnder Unterführung, auf die selbst Sprayer keine Lust mehr haben. Meistens steht man rum. Entweder, weil die Bonner Stadtbahn mal wieder den Anschluss verpasst, oder weil der Regionalexpress wie gewohnt über 20 Minuten verspätet ist.

Oberwinter: Niemandsland. Der Bahnsteig ist fast zu kurz für den Regionalexpress. Niemand steigt aus oder ein. Die Fahrt wäre kürzer, wenn hier kein Bahnhof wäre.

Remagen: Irgendwie wichtig. IC-Halt, Knotenpunkt, hier liegen mehr Gleise rum als im Bonner Hauptbahnhof. Von Remagen zweigt die Ahrtalbahn ab. Sie transportiert vor allem an Wochenenden Heerscharen von weißhaarigen und zumeist schlecht gelaunten Touristen in die entlegene Bergregion.

Sinzig: Kaufland.

Bad Breisig: „Verehrte Fahrgäste, leider verzögert sich unsere Weiterfahrt um einige Minuten, da uns ein verspäteter Intercity überholt.“ Spätestens an dieser Stelle reift die Erkenntnis heran, dass der Anschluss in Koblenz nicht mehr zu schaffen ist.

Andernach: Pittoresker Blick auf viele mit Stahlteilen beladene Güterwaggons.

Koblenz-Stadtmitte: Mit einem Schlag leert sich der gesamte Zug. Wer in Koblenz wohnt, arbeitet oder einkauft, steigt hier aus. Ebenso viele verwirrte Fahrgäste, die den Haltepunkt mit dem Hauptbahnhof verwechseln.

Koblenz Hauptbahnhof: Das Gegenteil von Koblenz-Stadtmitte – hierhin fährt nur, wer nicht nach Koblenz möchte. Schnelles Rennen zum Anschlusszug, der ausnahmsweise extra-pünktlich abfährt und einen alleine auf dem kältesten aller Bahnsteige zurücklässt. Trostpreis: McDonald’s, freies WiFi, Landesbibliothek.

AfD Trier: Lehrstunde in Sachen Fremdenfeindlichkeit (update)

Die AfD Trier macht vor, wie einfach es ist, Stimmung gegen die hilflosen BewohnerInnen eines vollkommen überbelegten Flüchtlingsheims zu machen. In der der Trierer Aufnahmeanstalt für Asylbegehrende (AfA) sind über 1000 Menschen einquartiert, jeweils nur für ein paar Wochen, teilweise unter desaströsen Bedingungen. Trotzdem und vor allem wegen der vielen Kinder dort erhalten sie umfassende Hilfe aus der Bevölkerung. Das passt einigen Mitmenschen natürlich nicht. So ziehen die AfD-Verantwortlichen der ältesten Stadt Deutschlands eine Aussage von Integrationsministerin Irene Alt heran, um bei ihren reinlichen deutschen WählerInnen Stimmung zu machen. Selbstverständlich werden alle weiteren Informationen zu dem schwierigen Thema vorenthalten. Naja, seht selbst, wie das funktioniert und mit welchen Reflexen die Anhänger der Partei auf Facebook reagieren:

Screenshot 01.11.2014, Quelle: https://www.facebook.com/afdtrier

Die sanitären Anlagen der AfA sind natürlich eine Katastrophe – sonst würde Frau Alt nicht eine solche Stellungnahme abgeben. Was die AfD geflissentlich ignoriert: Sie wären es ziemlich sicher auch, wenn man in diesen beengten Verhältnissen 1000 Volksdeutsche von der Alternative einquartiert hätte. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Menschen dort auf eine Toilette kommen. Für unsere deutsch-alternativen Reinigungsfachleute ist dieser Umstand in jedem Fall der beste Vorwand, um sich weiter in den Sphären der NPD zu profilieren.

Man möchte brechen.

#Update: Bei der Landesschau des SWR gibt es ein paar Hintergründe zu den Zuständen in den beiden Aufnahmeeinrichtungen Trier und Ingelheim.