Mit dem Smartphone bezahlen

Kurz vor Ostern 2017 bezahle ich zum ersten Mal mit dem Smartphone, und auch zum ersten Mal per NFC. Die Kassiererin an der Tankstelle sieht mich etwas verdutzt an; meint, sie könne jetzt nicht garantieren, ob das funktioniert. Nun, dennoch lasse ich mich von diesem Vorhaben nicht abbringen, so fuhr ich doch extra spät zur Tanke, um möglichst keinen Menschen bei diesem Test aufzuhalten oder zu stören. Und durch NFC als technische Basis kann ich mir auch relativ sicher sein, dass es mit den gängigen Karten-Terminals funktionieren muss. Schließlich sind kontaktlose Kredit- und EC-Karten ja auch schon eine Weile im Umlauf.

So rufe ich also die kurz zuvor installierte seqr-App auf und halte mein Smartphone einfach neben das Gerät, in welches man sonst überlicherweise seine EC-Karte steckt. Selbiges verlangt umgehend nach Eingabe einer von der App vergebenen PIN, da mein Betrag beim Tanken natürlich höher als 25 Euro liegt. Nachdem das erledigt ist, bekomme ich von der staunend dreinblickenden Kassiererin („ich habe das gerade zum ersten Mal so gesehen“ – „…und ich habe das zum ersten Mal ausprobiert“) meinen Kassenzettel ausgehändigt und ziehe zufrieden von dannen. Wenig später folgen ein Einkauf bei Aldi und einer bei Rewe, beides funktioniert ebenfalls sehr rasch.

Einen wirklichen Mehrwert bietet der ganze Spaß meiner Meinung nach noch nicht. Denn um mobil zu bezahlen, muss man das Handy entsperren, die App aufrufen und bei hohen Beträgen noch mal eine PIN am Kartengerät eintippen. Eine Zahlung läuft somit also in etwa gleich schnell ab wie mit der guten alten Karte. Trotzdem mag ich das Konzept, und das nicht nur, weil ich so endlich mal die so stiefmütterlich behandelte NFC-Technik nutzen kann: Man muss einfach kein Portemonnaie aus der Hose ziehen und keine Karte dort herausfummeln.

Ein kleiner, noch zu verifizierender Nebeneffekt wäre zudem, dass seqr angeblich auf jeden Einkauf 3 Prozent am Ende des Monats erstattet. Ob das der Wahrheit entspricht, werde ich dann feststellen.

Das eigentliche Killer-Argument scheint mir in der Einfachheit des Konzepts zu liegen. Ich finde jedenfalls bislang keinen Anbieter, bei dem mobiles Bezahlen einfach nach Hinterlegung der Kontodaten funktioniert. So weit ich weiß, gibt es noch boon, aber das scheiterte bei mir bereits an der umständlichen Registrierung. Zudem muss boon wie eine Prepaidkarte immer wieder manuell aufgeladen werden. Android Pay und Apple Pay werden in Deutschland derzeit noch nicht angeboten.

*Update: Die Nachteile*:

Leider dauert es ziemlich lange, bis die App das anfängliche Limit von 75 Euro heraufsetzt. Und leider dauert es noch viel länger, bis sich bezahlten Beträge automatisch automatisch aktualisieren. Will heißen: Wenn ich an der Tankstelle einmal 50 Euro bezahle und wenig später noch für 25 Euro einkaufen gehe, ist seqr aufgrund des Limits dann mindestens für eine Woche unbenutzbar. Laut einer Mail des immerhin schnellen und freundlichen Kundensupports dauert das automatische Wiederaufladen des Guthabens in etwa sieben Werktage. Dadurch, dass in meinem Fall Ostern dazwischen lag, habe ich zwei Wochen warten dürfen, ehe ich seqr wieder nutzen konnte. Das finde ich ein bisschen schade, so bleibt das Bezahlen mit dem Smartphone weiterhin nicht wirklich massentauglich.

Stichwort massentauglich: Apple-Nutzer/-innen sind bis jetzt von der NFC-Nutzung ausgesperrt. Ihr könnt mit seqr zwar auch mobil bezahlen, aber nur über das Scannen von QR-Codes.

Sofern jemand noch weitere Alternativen kennt, die auf nicht gebrandeten Smartphones und vielleicht auch bei Apple-Geräten funktionieren, bin ich der Neugier halber für Hinweise in den Kommentaren dankbar.

Whatsapp-Fasten (Facebook-Fasten II.)

Um Facebook kommst du einfach nicht drumherum. Das soziale Netzwerk an sich lässt sich vielleicht schon umgehen, aber der gesamte Konzern ist mit seinen Apps so allgegenwärtig und mächtig, dass dagegen kaum ein Kraut gewachsen ist. Das schwant mir zumindest, seit ich darüber nachdenke, in der Fastenzeit (höhö) auf alle Facebook-Apps zu verzichten und ausschließlich Alternativen zu verwenden. Also auch ein Verzicht auf Instagram, was meinem Herzen wohl ziemlich weh tun wird, denn ich mag diese App sehr; und, viel schwieriger eigentlich, Whatsapp.

Das Problem bei einem Whatsapp-Verzicht liegt auf der Hand: Nahezu mein gesamtes persönliches Umfeld nutzt die kleine Messaging-App, über Gruppen organisieren sich mehrere Freundeskreise, ein Sprachkurs, eine Band, viele ArbeitskollegInnen. Wie kann man das umgehen, frage ich mich – und zwar so, dass man trotzdem mit den meisten Leuten in Kontakt bleibt und man sich nicht selbst vom eigenen Leben ausschließt?

Vermutlich werde ich das wieder genau so wie im letzten Jahr machen. Wenn man nicht religiös ist, macht man letzten Endes eben doch seine eigenen kultischen Gewohnheiten auf. Diese Apps fliegen schlicht vom Smartphone für die 40 Tage.

Um die Leute darauf hinzuweisen, fiel mir bislang nicht mehr ein, als die relativ unbekannte Broadcast-Funktion von Whatsapp zu nutzen. Darüber schicke ich dann eine Nachricht an meine gesamte Kontaktliste, um die Leute über meinen temporären Verzicht zu informieren. Und viel wichtiger: Um sie auf meine anderen genutzten Messenger aufmerksam zu machen. Folglich würde ich meinen Kontakten via Broadcast den Vorschlag machen, dass man mich in besagter Zeit nicht über Whatsapp, aber weiterhin über Signal, Threema und Wire erreichen kann. Vielleicht schicke ich die Links zu diesen guten, Ende-zu-Ende verschlüsselnden Apps direkt mit in den Broadcast.

Bei der Familie und einigen engeren Freunden habe ich diese Ankündigung schon testweise vorgezogen. Und siehe da: Wir haben plötzlich eine Signal-Gruppe für die Familie und meine Kontaktliste in der schicken blauen Krypto-App ist mittlerweile zweistellig. Andere Freunde hingegen beschwerten sich, dass sie die besagten Apps nicht haben. Auf die Idee, diese einfach zu installieren, kamen sie nicht.

Durch dieses Whatsapp-Fasten mit Ankündigung kann ich, denke ich mir jedenfalls, einige Menschen dazu bewegen, endlich einmal alternative Chat-Apps auszuprobieren. Ob das funktioniert, weiß ich freilich nicht, aber den Versuch scheint es mir wert zu sein. Auch wenn es vermutlich enorm nerven wird.

Anniversary Update vs. Wlan (Rant inside)

Super gemacht, Microsoft. Ein Zwangs-Update (ist aus Sicherheitsgründen keine verkehrte Sache – eigentlich) zerschoss mir vor zwei Monaten den Wlan-Empfang am PC. Komplett. Tolles Geburtstags-Update. Man probierte daraufhin rum, frickelte, was das Zeug hielt, gar auf fast linuxesque Weise; löschte das Netzwerk und gab das Passwort neu ein, suchte nach neuen Treibern, die es nicht gab und gibt… nichts. Das Ergebnis? Ja genau, nichts. Nada. Außer unglaublich viel Zeitverschwendung, die schlussendlich darin mündete, das System zurückzusetzen. Worauf sich das Update erneut einspielte, schließlich aber doch nur crashte und eine erneute Rücksetzungsschleife eingeleitet wurde. Seitdem habe ich auf meinem Desktop zwar wieder Wifi-Emfpang, aber kein Anniversary Update und es sieht irgendwie auch nicht so aus, als würde Microsoft das für mich als Kunden noch vorsehen. Über den Twitter-Account verwies man mich auf Anfrage zu einer komplizierten manuellen Installationsroutine, die ich mir aus Zeitgründen einfach nicht geben wollte und will. (Auch: Weil mir das Risiko zu groß ist, dass bei meinem Arbeitsgerät wieder etwas schief geht.)

Das darf einem solchen Großkonzern nicht passieren. Man arbeitet mit so einem nicht ganz billigen Computer, man lebt quasi davon, ist in Prüfungssituationen sowie im Job maximal darauf angewiesen. Und dann sowas. Wenn die Herrschaften aus Redmond ihre Kunden weiter zu Apple treiben wollen… einfach genau so weitermachen.

Und schade, wirklich schade schade schade, dass Linux für den Arbeitsplatz nach wie vor keine Alternative darstellt.

Bloggen: Vom Sinn und Unsinn

Yeah, es gibt mal wieder eine Blogparade. Und am besten sind bekanntermaßen jene, bei denen man einfach ungefragt mitmacht. Wie zum Beispiel die von Ellen: Sie fragt sich und uns, warum wir denn überhaupt bloggen. Was das alles soll. Da sie mit ihrem Job als Lehrerin einem ähnlichen Schicksal wie ich ins Angesicht schaut, fühle ich natürlich empathisch mit und gebe meinen unnötigen Senf dazu.

Also, warum bloggt man überhaupt?

Das Blog ist mein Mülleimer. Meine Kreativitätsfabrik. Hier kommt einfach alles rein, was mir so auf dem Herzen liegt. Vieles allerdings auch nicht, zumal die Funktion des richtigen, wirklich negativen Seelenmülleimers immer noch meinem analogen, aus Papier bestehendem und mit Füller ausgefülltem Tagebuch obliegt. Würde jemand dieses gut versteckte Schriftstück alleine lesen, dann könnte diese Person vermutlich denken, ich sei vollkommen fertig und reif für die netten Leute in weiß. Allein deswegen stellt das Blog natürlich eher die harmlosere Mülleimer-Variante dar.

Auf Ideen kommt man dabei immer. Zeit ist berufsbedingt schon eher das Problem. Ich habe dafür aber eine ganz passable Lösung gefunden: Jedes Mal, wenn mir ein Blog-Thema einfällt, schreibe ich es in meine To-Do-Liste oder lege direkt einen Kurzentwurf in WordPress an. Idealerweise stehen da schon ein paar Stichpunkte drin, an denen ich mich dann später im eigentlichen Artikel entlang hangeln möchte. So geht mir ein potenziell interessanter Text, den ich erst später schreiben kann, nicht völlig durch die Lappen. Manchmal dauert es dann auch richtig lange, bis so ein Beitrag fertig ist. Meine Entwürfe gammeln zuweilen mehrere Wochen und manchmal Monate auf dem Server vor sich hin. Für den nötigen Schreibdruck sorgen derweil die Ironblogger – aber dazu später mehr.

Ein weiterer Grund: Tradition. Beständigkeit. Oder wesentlich ehrlicher zu sich selbst formuliert: Ein dauerhaftes, diffuses Mitteilungsbedürfnis. Diese Domain existiert seit 2014, insgesamt blogge ich schon etwas länger. Es begann im Jahr 2005 –  man machte irgendwie Abitur und fing mit dem Zivildienst an – mit einer zum Blog mutierenden eigenen Homepage (wer erinnert sich noch an die lustigen .de.vu-Domains?); dann kam Blogspot, war halt bequemer; dann eine sehr lange Zeit auf Englisch auf der mittlerweile geschlossenen Plattform my.opera.com, denn da gabs eine richtig coole Community (hauptsächlich andere Opera-User, also Nerds); schließlich schrieb ich ein Auslandsblog, um meine Erfahrungen in England auch ins Internet und damit an meinen deutschen Freundeskreis und die Verwandtschaft zu tragen. Nach dem Ausland folgten zwei neue Anläufe mit my.opera und mit tumblr, bis ich schlussendlich mal ein Blog unter einer eigenen .de-Domain aufgesetzt habe – dieses hier. Kurzum: Bloggen begleitet mich schon über ein Jahrzehnt, ich kann es irgendwie nicht lassen.

Und was bringt das?

Lernen. Das Blog hält mich im Oberstübchen fit. Ganz im Ernst: Man lernt, Gedanken ordentlich zu strukturieren (wie zum Beispiel in stillose Listen, die mit fett gedruckten Schlagwörtern á la Bento beginnen…), aber auch Themen zu analysieren und sachlich (mehr oder weniger) zu kommentieren. Das bedeutet für mich, dass das Bloggen – auch, da man sich der Sprache durchaus bewusst sein sollte – mehr als nur eine kleine Fingerübung für das Schreiben zwischendurch darstellt.

Auch klinkt man sich, weil man ja neben den ganzen Quatsch-Beiträgen gelegentlich einen Artikel mit etwas Substanz schreiben möchte, stark in die einzelnen Inhalte ein. Ich hätte vermutlich niemals so viel über Verschlüsselung und Messenger gelernt, wenn ich dazu keine Blogartikel geschrieben hätte.

Auch interessant: Vernetzung. Eine Sache, die eigentlich nicht mehr zu „warum“, sondern zu „Sinn“ zählt. Ein Nebeneffekt nämlich, dessen ich mir bis zu diesem Blog gar nicht bewusst war. Denn durch das Bloggen habe ich jede Menge Leute in Bonn kennengelernt, vor allem über die bierseligen Ironblogger. Aber auf die immer weiter wachsende Bonner Community auf Twitter bin ich im Grunde nur hierdurch gestoßen. So haben sich viele schöne Bekanntschaften und manchmal auch richtige Freundschaften entwickelt. Das ist (subjektiv) bedeutender, als mir das vorher gedacht habe – ich zog in eine neue Stadt und kannte im Grunde niemanden außer meiner damaligen Freundin. Damit war das Ironblogger-Treffen sozial schon irgendwie interessant. Das führte dann neben neuen Bekanntschaften auch zu Barcamp-Besuchen (das Format war mir vorher kein Begriff), der Entdeckung diverser digitaler Veranstaltungen in Bonn, einem Engagement bei bundesstadt.com und schlussendlich auch zu einem Praktikum bei bonn.digital. All das hätte es ohne Blog nicht gegeben.

Zudem lese ich gerne andere Blogs. Dabei folge ich manchen über einen Feedreader, andere Artikel werden mir von den Linktipps, dem Feed der Bonner Blogs oder einfach durch Twitter-Empfehlungen in die Timeline gespült.

Sinn? Durchaus. Ich kann den Themen, die mir wichtig sind, manchmal einen größere Reichweite geben (beispielsweise durch das Google-Ranking). Da es häufig kleinere Spartenthemen wie z.B. unsere Bunker-Touren oder meine Band sind, ist das gelegentlich also in eigener Sache praktisch. Aber nur so lange, wie es auch andere Leute außer mir interessiert – was ich hoffe.

Und: Es macht Spaß. Sehr viel Spaß.

Warn-Apps – meine große Verwirrung

Seit dem verheerenden Amoklauf von München ist Katwarn in aller Munde. Als eine der beiden großen erhältlichen Warn-Apps soll sie die Stadtbevölkerung vor Gefahren warnen, worunter Unwetter, Blitzeis und eben auch eine sogenannte Amoklage zählen. Zu den „Partnern“ von Katwarn zählen unter anderem Fraunhofer Fokus und die Versicherungsbranche. Verständlicherweise.

So weit, so gut. Klasse Idee, denn das Smartphone ist weitverbreitet, im Grunde läuft kein Mensch mehr ohne rum. Über eine solche Warn-App können also binnen kürzester Zeit enorm viele Menschen erreicht und gewarnt werden. Und so habe ich Katwarn auch mal selbst ausprobiert, denn für mich persönlich sind gute Warnungen gerade in Bezug auf die Wetterlage schon irgendwie wichtig. Vor allem, da mir die meisten gängigen Wetter-Apps echt stinken – häufig entpuppten sich diese in Vergangenheit als Akkukiller, ungenau und buggy.

Und da fängt mein Leid mit diesen Apps auch schon an – Stichwort „buggy“: Auch bei Katwarn hakt es leider in puncto Zuverlässigkeit – so wurden beispielsweise während des Amoklaufs von München nicht alle Menschen erreicht, da dass System durch die große Relevanz der Warnungen schlicht überlastet war. Auch in meinem eigenen Test konnte die App ihre Stärke der genauen und detaillierten Warnungen eigentlich nie ausspielen, und dabei ging es nicht mal um großflächige Amoklagen: Bei jeder kleinen Unwetterwarnung kam ich nie über die Vorschau in der Informationsleiste des Smartphones hinaus, denn der Aufruf der jeweiligen Warnmeldung führte in aller Regel zum Totalabsturz von Katwarn. Es sei dazu gesagt: Ich benutze ein aktuelles Mittelklasse-Smartphone mit 2 Gigabyte Ram und einem sehr schlanken, gut gepatchten Android 6, auf dem alle gängigen Installationen flüssig laufen. Leistungsprobleme sollten hier also nicht zugrunde liegen und auch meine Leitung ist ziemlich fix. Dass die App durch ihre inhärente Instabilität kaum nutzbar war, ist sehr schade.

Dazu bringt Katwarn für mich noch ein weiteres Problem mit: Nicht alle Landkreise und Städte sind hier kooperationsbereit, der Rhein-Sieg-Kreis speist seine Meldungen beispielsweise bei Katwarn ein, die Stadt Bonn dagegen gar nicht. Das ergibt für mich als Endnutzer irgendwie keinen Sinn.

Die Alternative: NINA
Nützlich: NINA bietet nicht nur Warnungen, sondern auch allgemeine und konkrete Verhaltenstipps
Nützlich: NINA bietet nicht nur Warnungen, sondern auch allgemeine und konkrete Verhaltenstipps

Und dann gibt es da noch die Konkurrenz. Wie in der digitalen Welt üblich, gibt es auch beim Thema Katastrophenschutz mehr als eine App für ein- und dieselbe Sache. Und in diesem Fall ist die Konkurrenz sogar hochoffiziell: Sie heißt NINA (Notfall-Informations und Nachrichten-App des Bundes) und zieht ihre Informationen aus dem modularen Warnsystem des Bundes (MoWaS). Dahinter steckt, kurz gesagt, das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Die müssens ja wissen, denkt man sich. Leider hat aber auch diese App dasselbe Problem wie Katwarn: So deckt auch NINA nicht alle Landkreise bei lokalen Gefahrenlagen ab – eine Übersicht kann man auf der Homepage einsehen. Aber immerhin: Im Gegensatz zu Katwarn funktionierts. Das ist bei einer App, die man in eher selteneren, aber dann dringenden Fällen unbedingt braucht, für mich ein unerlässliches Kriterium. Wie das mit NINA allerdings bei einer umfangreichen Gefahrenlage wie in München aussähe, vermag ich nicht zu beurteilen. Bei Unwetterwarnungen funktionierte die App auf meinem Durchschnittsphone bislang sehr zuverlässig.

Meine vorsichtige, grundsätzliche Empfehlung tendiert bei diesem schwierigen Thema also zu NINA. Vorausgesetzt, man lebt in einer Gegend, in der das System unterstützt wird. Nordrhein-Westfalen kommt da schon ganz gut weg, bei anderen Bundesländern sieht es – sprichwörtlich – katastrophal aus. Um die Verwirrung perfekt zu machen, gibt mir NINA auf der Deutschlandkarte aber dennoch Warnungen für nicht unterstützte Landkreise aus. Ebenso erinnere ich mich an Warnungen von Katwarn, während ich mich in Bonn aufhielt – obwohl die Stadt das System offiziell nicht unterstützt. Vielleicht liegt es daran, dass Wetter-Warnungen immer bundesweit rausgegeben werden. Zumindest die Erklärungen zur Funktion der beiden Apps sind dann aber sehr intransparent.

Abschliessende Fragen

Was ich mich nun frage: Warum bekommen wir es in Deutschland nicht hin, EINE App zur Warnung zu entwickeln? Oder zumindest auf EIN transparentes System zu setzen, aus dem sich App-Entwickler bedienen können? Warum können Katwarn und NINA nicht kooperieren? Der Zweck ist doch schließlich ein gemeinnütziger. In Anbetracht dieses Durcheinanders ist es natürlich kein Wunder, dass es nicht einmal der WDR schafft, eine eindeutige Empfehlung auszusprechen. Vielleicht liegt die Zukunft der Warn-Apps dann im Bereich Open Data, schön wäre es jedenfalls.

Notizen: Facebook-Fasten

Bald ist Fastenzeit. Da ich weder religiös bin noch sonst mit kirchlichen Gebräuchen zu tun habe, könnte mir das eigentlich egal sein. Andererseits  bietet sich damit aber ein wunderbarer Grund, für eben jene 40 Tage bewusst auf etwas zu verzichten und gleichzeitig die perfekte Ausrede zu haben. Und was liegt da näher, als komplett auf Facebook zu verzichten? Facebook-Fasten als Variante für digitale Menschen? Klar, wirklich entsagenden Charakter hat das trotzdem nicht, der religiöse Mensch kann auch zu Recht dagegenhalten, dass man ja dann auch auf Twitter & Co oder gleich das ganze Internet verzichten müsse, sonst könne man wohl kaum von Fasten reden.

Aber: Das Internet ist nützlich und notwendig. Soziale Medien sind nützlich und notwendig. Facebook ist es nicht. Facebook nervt. Und meine Hypothese wäre, dass ich mich komplett ohne besser fühle. Auf meinem Smartphone gibts schon länger keine App mehr, aber man guckt trotzdem noch rein, über den Browser oder auf dem Desktop, weil man ja Angst hat, irgendetwas verpassen zu können. Weil man Social Media – Auftritte von zum Beispiel der eigenen Band verwaltet und da irgendwie auf der Höhe bleiben muss. Bei jedem Login erscheinen dann mindestens vier bis fünf Benachrichtungen in Form von Events, Einladungen zu irgendwas (i.d.R. nicht von Freunden), oder weil irgendeine Seite irgendeiner anderen Seite was auf die Pinnwand gepostet hat und neuerdings hatte ich sogar ein Statusupdate einer entfernten Bekanntschaft als Benachrichtung (wtf?) – logge ich mich mal 24 Stunden nicht ein, sammelt sich das schnell im zweistelligen Bereich an. Das Meiste ist dabei ziemlich irrelevant. Den Wald vor Bäumen nicht sehen. Dazu kommt, dass ich die Timeline subjektiv als unbrauchbar empfinde, zumindest die von Algorithmen zusammengestellte Standard-Timeline, die defaultmäßig bei jedem Login erscheint. Ich likte zum Beispiel einst ein paar Anti-Nazi/Pegida-Seiten, mit der Konsequenz, dass Facebook nun denkt, mich würde nur noch dieses Thema interessieren. Meine TL ist vollgemüllt mit rechtem Mist.

Lange Rede, kurzer Sinn: Wegen dieser Nerverei und eigenen Zweifeln am Nutzen des Netzwerks erreicht man mich von Aschermittwoch bis Ostern nicht auf Facebook. Ein Zeitkiller weniger. Einfach mal weg sein (okay, hallo Twitter). Jegliche Kommunikation mit mir muss also an Fb vorbei geführt werden, was für vermutlich 99% meiner Kontakte kein großes Problem sein dürfte, da ja sowieso alle über andere Kanäle zu erreichen sind.

Nur werde ich etwas verpassen? Das finde ich raus.

Nach Ostern.

Software aus grauer Vorzeit

Mit Erstaunen über mich selbst stellte ich vorhin Folgendes fest: Ich benutze jede Menge alten Kram auf dem PC, den man eigentlich gar nicht mehr braucht. Das fiel mir auch nur deswegen auf, weil ich mir die nativen Windows 10 – Apps einmal genauer ansah. Im Prinzip ersetzen diese jede Menge Tools, die man früher von Betriebssystem zu Betriebssystem mit umzog. Weil das Betriebssystem an sich einfach keine guten Alternativen bot, oder weil man Microsoft irgendwie nicht traute (wer kennt noch XP Antispy?) und deswegen lieber für alle denkbaren Tasks auf Drittsoftware zurückgriff. Zum Beispiel, jedenfalls in puncto Bildbetrachtung, auf Irfanview – ein kleines Grafikprogramm aus der Vorzeit, das wir schon in meiner Jugend, damals am Familienrechner, zu (sprichwörtlich) grauen Windows 95/98 – Zeiten zur Anzeige von Bildern nutzten. Nebenbei bietet das Tool aber auch einige praktische Funktionen, wie zum Beispiel die umfassende Batch-Konvertierung von Dateinamen und -Formaten sowie einige grundlegende Bearbeitungsmöglichkeiten, die alle sehr basismäßig daherkommen: Format, Größe oder Belichtung eines Bildes lassen sich fix ändern, für mehr Details und umfassende Bearbeitung braucht man aber ein richtiges Grafikprogramm. Aber gerade wegen ihrer Leichtigkeit empfand ich die Software immer als angenehm, und anstelle direkt Photoshop oder Gimp anzuwerfen, nutzte man meistens Iview. Und selbst professionell habe ich bereits damit gearbeitet: In unserem Handschriftenprojekt erstellten wir die komprimierten Dateiformate für den Browser (einschließlich PDFs) von grob 400 mittelalterlichen Kodizes mit relativ simplen Iview-Batches.

Im Zeitalter von Windows 10 könnte Irfanview also auch weiterhin nicht überflüssig sein. Das denkt sich auch der Entwickler und setzt noch eine 64-Bit-Version obendrauf. Und irgendwie habe ich mich über die Jahre so daran gewöhnt, dass es bei mir auch als Bildanzeige-Programm nicht weichen mag. Trotz Windows 10, trotz dem Jahre 2016.

(Wäre auch so ein Mitschlepp-Kandidat, wurde von mir mittlerweile aber abgeschafft: Winamp. Bei Freunden sehe ich aber selbst das immer noch installiert, auch auf Win 10 – Systemen.)

Messenger-Statistik

Wie viele meiner Kontakte nutzen welchen Messenger?

Signal (vormals TextSecure): 7

Telegram: 14

Threema: 7

Whatsapp: 82

Leider ein eindeutiges Bild.

Gründe? Wilde Spekulationen, teilweise auf Basis von meinen Überzeugungsversuchen im Freundeskreis für die Krypto-Apps:

Signal: Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, Open Source, mit Open Whisper Systems ein erfahrener Anbieter im Bereich Kryptographie, aber nur für iOS und Android verfügbar. Windows Phone-NutzerInnen bleiben außen vor – und das sind in meinem Freundeskreis einige.

Telegram: Nur unsichere Verschlüsselung und unverschlüsselte Cloud-Speicherung, aber vollständig plattformübergreifend. Zumindest war Telegram aus diesem Grund dann auch unser favorisierter Ausweichmessenger während des Whatsappdowns über Silvester.

Threema: Vollständig plattformübergreifend, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, aber eine ein bisschen umständliche Bedienung und eben: Bezahl-App. Auch wenn man nur einmalig ’n Appel und ’n Ei zahlt: Bezahlung am Telefon einrichten ist dann wohl doch ein Hindernis für viele.

Whatsapp: Da sind halt alle.

Was auch ein Grund für diese Messenger-Statistik sein könnte: Nicht jeder hat Lust, sich zig Apps zum Chatten aufs Smartphone zu laden. Populäre, aber nicht verschlüsselnde Tools wie Snapchat, FB-Messenger etc. bleiben bei mir zum Beispiel auch noch außen vor. Ein ganz netter Vergleich diverser verschlüsselnder und nicht verschlüsselnder Whatsapp-Alternativen findet sich derweil bei androidpit.

Textsecure (ein cooler Messenger) wird zu Signal (und bleibt cool)

Tja, in der Überschrift stehts ja schon geschrieben. Textsecure, der Krypto-Messenger, über den ich mich in diesem Blog auch schon lang und breit ausgelassen habe und das überaus positiv, bekommt einen neuen Namen. Also eigentlich keinen ganz neuen Namen, sondern lediglich jenen der iPhone-Version. Eigentlich ist es nichts Besonderes, eine App für mehrere Systeme gleich zu benennen. Unter der Haube ändert sich dann aber doch noch etwas, jedenfalls bekommt Android nun auch, was die iPhone-Version schon hat: Mit der Integration von RedPhone soll es nun möglich sein, verschlüsselte Telefonate zu führen. Systemübergreifend. Auch interessant: Die Textsecure/Signal-Technik zur Verschlüsselung wird beispielsweise auch von Whatsapp genutzt (leider relativ intransparent) – bislang aber nur für die Android-Version. Schreibt man mit WA eine iPhone- oder Windows-Nutzerin an, bleibt die Kommunikation unverschlüsselt. Noch.

Vielleicht – hoffentlich – möglicherweise ist Signal also wieder einmal ein Vorreiter dessen, was dann später in puncto Datenschutz bei Whatsapp verbessert werden könnte. Wäre ja auch nicht die schlechteste Idee, wenn kryptobegeisterte Firmen die Technologie in den Mainstream tragen und die Five Eyes massiv nerven. Und solange kann man ja fleißig Werbung machen für den viel besseren Messenger- welcher kürzlich auch ein offizielles Gütesiegel von Edward Snowden erhielt: