Notizen: Der Maibaum

Sowas wie ein Maibaum.
Sowas wie ein Maibaum.

Vor dem Haus steht nun ein Maibaum. Oder eher ein Mai-Ast. Mutmaßlich das, was irgendwie noch zu bekommen war. Der nächste Ikea ist dann doch ein bisschen zu weit weg und Wald gibt es, bis auf den Privatwald am Golfplatz, auch nicht wirklich. Vielleicht gab die Böschung der Autobahn gerade noch etwas karges Geäst her. Gleichwohl stelle ich mir die Frage, wer denn nun der Adressat dieses wider aller Größenprobleme stolz und liebevoll geschmückten Stückchen Holz sein soll. Denn mir war bislang nicht bekannt, dass in diesem feinen Hause junge Frauen (= U30) wohnten. Männer könnten derweil schon infrage kommen, schließlich ist Schaltjahr. Aber wer bloß? In diesem Fall träfe nämlich wohl dasselbe Problem wie bei den Damen zu. Und mich, zarte, zerbrechliche 30, wird es kaum getroffen haben, da ich es bisher (vor allem in Anbetracht der Arbeit) äußerst erfolgreich umgangen habe, irgendjemanden in diesem Ort – außer meiner Nachbarn und meiner Vermieter – kennenzulernen. Mangels Beschilderung verbleiben wir also bei einem vorerst unlösbaren Rätsel und verweisen stattdessen auf einen schönen Text, den Sascha Gaul bei bundesstadt.com zum Thema verfasst hat. Da gehts auch um Maibäume und auch ein bisschen um Jugenderfahrungen beim Stellen selbiger.

Meine Jugenderfahrung dazu ist übrigens in zwei Sätzen erzählt: Mit 17 (?) zogen wir los, um Maibäume in der Stadt zu stellen und landeten danach irgendwann auf dem Hänger eines Traktors, mit welchem wir in die umliegenden Dörfer fuhren, um den bereits besinnungslos betrunkenen Junggesellen auszuhelfen. Da eine Gruppe Teenager – Junggesellen oder nicht – nun aber zumeist dazu neigt, den Alkoholpegel gruppenintern zu homogenisieren, zog der Abend auch nicht völlig spurlos an meiner Verfassung vorüber und so kam es, dass es irgendwann wieder Tag und meine Kleidung vom ganzen Schlamm und den Traktorfahrten sehr schmutzig war.

Aus irgendwelchen Gründen kam ich seither nicht mehr dazu, mich mit der rheinischen Maibaum-Tradition aktiv auseinanderzusetzen.

Quo vadis, liebes Blog? (stuff that happened)

Tja, ich weiß es nicht.

Die aus besten Bonner Zeiten gewohnte Schreibfrequenz kann ich ob der beruflichen Situation kaum halten, vor allem passiert in diesem Swisttal einfach auch nicht so viel, über das man wirklich berichten könnte.

Und naja, privat und insidermäßig über den Job zu schreiben – also in meinem Fall über Schule – ist mir aufgrund der Rechtslage zu Dienstgeheimnissen derzeit auch zu heikel. Und selbst, wenn es möglich wäre: Von der ursprünglich angedachten Idee, zusammen mit einem Kollegen eine Art virtuellen Gedankenmülleimer für die antizipierten schlechten Erfahrungen des „Refs“ anzulegen, habe ich aus purem Materialmangel Abstand genommen. Es gibt schlicht und einfach kaum Negatives, was wirklich berichtenswert wäre. Wahrscheinlich gehöre ich zu den wenigen Glücklichen, die mit der Zuteilung von Schule und FachleiterInnen eine sehr angenehme und konstruktive Arbeitsatmosphäre erwischten. Und auch noch halbwegs umgängliche SchülerInnen. Das geht ja bekanntermaßen nicht jedem so. Klar, es ist viel Arbeit, sehr viel Arbeit; und es wird auch immer mehr – auf der anderen Seite stand das aber auch bereits vorher fest und somit gibt’s an dieser Front auch kaum Überraschendes zu vermelden. Fakt ist: Man hat – trotz anfänglicher Skepsis – recht viel Spaß.

Bleiben natürlich noch meine anderen Themen: Der IT-Kram, die Bunkerführungen und die Band. Zum Thema IT halte ich mich derzeit etwas zurück, einfach keine Zeit. Bei der Bunkergeschichte gibt es bald ein paar Neuigkeiten, die setze ich hier noch rechtzeitig rein.

Und die Band… hat eine eigene Homepage mit mittlerweile auch ersten Konzertterminen, zu der ich hier noch einmal gerne verlinken möchte. Anfang August veröffentlichten wir unsere erste EP Angel of Decay und bislang haben wir dazu recht viel positives Feedback erhalten. Sogar aus Übersee, was ich einigermaßen überraschend finde. Ebenso überraschend übrigens wie die Tatsache, dass unsere kostenlose EP binnen 24 Stunden auf allen üblichen Warez-Seiten neben den ganz großen Namen auftauchte… Bots regieren das Internet, daran gibt es keinen Zweifel.

Landleben. Landlust. Landfrust.

Man muss ja alles im Leben irgendwann einmal ausprobieren. Nachdem er als Studi das Leben in zwei Städten als auch im Ausland mal kennenlernen durfte, probiert sich der Protagonist dieses Blogs derzeit berufsbedingt am (deutschen) Landleben aus. Und lernt immer mehr, dass die Vorteile (kursiv) dieses Wohnens mehr Schein als Sein sind.

Die Stadt ist so laut, dagegen ist es hier wirklich sehr ruhig.

Wäre es, wenn da nicht der Durchgangsverkehr wäre. Ohne Auto geht hier nämlich gar nichts, also muss viel gefahren werden. Plus Mähdrescher, Traktoren und ziemlich viele LKW. Einen ähnlichen Pegel gibt’s tagsüber in Bonn und Köln nur an vierspurigen Straßen. Das betrifft übrigens nicht nur das Wohnen an sich – fährt man mit dem Rad raus auf die Felder, dann ist der Sound von Landstraßen, Berufsverkehr und naher Autobahn ziemlich allgegenwärtig.

Günstige Nahversorgung durch eine Bäckerei im Ort.

Beste DDR-Verhältnisse – zu humanen Zeiten gibt es zumeist keine Waren mehr. Daher fährt man auch zum Brot kaufen zum nächsten Supermarkt (ein Aldi) zwei Dörfer weiter. Was okay ist, aber im Grunde keine Nahversorgung mehr darstellt.

Sport kann man auch machen.

Da hat man hier sogar Auswahl: Im teuren Golfclub ein paar Bälle weghauen oder beim Joggen von einem Landfahrzeug / GTI überfahren werden. Neulich kamen mir auf einem asphaltierten Feldweg sogar mehrere verdammt breite, vielachsige Abschleppkräne entgegen. Freizeitspaß pur.

Man ist eigentlich schnell überall.

Nur mit dem eigenen Auto. Mit dem Fahrrad: cf. Joggen/Landfahrzeug/GTI. Mit dem ÖPNV: cf. nada.

Man wohnt sehr günstig.

True story. Wären da nicht überteuertes Internet (normale Anbieter bieten nur um die 2Mbit, außer man beißt in den sauren Apfel und kommt beim VDSL-Lokalmonopolisten unter) und horrende Benzinkosten, die den vermeintlichen Vorteil vollständig aufzehren.

Fazit: Notfallmäßig war es okay und eine richtige Entscheidung, es musste in meinem Fall vor allem schnell gehen. Da war kein Spielraum, um lange genug zu warten, bis mir die perfekte, für einen Referendar bezahlbare Wohnung in Bonn oder Köln unterkommt. Zudem sind die Vermieter hier verdammt sympathisch und zuverlässig, die Wohnung ist schön und sauber und die Nachbarn nerven auch nicht. Nein, ein Fehler war das nicht. Eher „das Beste draus machen.“

Aber die maximal trostlose Umgebung ist dann doch keine Langzeitlösung. Es muss später wohl wieder Bonn oder Köln werden. Oder ich gehe nach dem Ref nach Leipzig oder sonstwo hin. Wider der Auschließeritis.

Alles neu

Neue Wohnung, neuer Ort, neuer Job, neue Leute.

Gerade ändert sich alles. Weshalb auch mein Ironblogger-Konto kurzzeitig ins Minus rutschen musste, denn mit der Organisation eines Umzugs und dem Quasi-Neuerfinden meiner selbst (ähm…) blieb keine Zeit mehr zum Bloggen.  Tatsache ist: Es ist alles neu. Und es fühlt sich gar nicht mal so schlecht an. Was von Bonn bleibt, ist die Band. Mitsamt einer EP-Veröffentlichung im Sommer, stay aufmerksam, sie wird recht hübsch – und danach gibt es Konzerte. Auch bleiben werden mir liebgewonnene Institutionen wie die Bonner Blogs, die Ironblogger und das gemeinsame Schreiben für bundesstadt.com. Denn wirklich weit weg ist die Stadt nicht. Tatsächlich liegt das beschauliche Swisttal und damit mein neuer Wirkungskreis (ähm…) genau auf halbem Wege zwischen Bonn und Euskirchen, ganz idyllisch an der Bundesstraße 56 – eine ehemalige Römerstraße, auf der heute statt Römern GTI-Fahrende mit Böhse-Onkelz-Heckscheibenaufkleber um das möglichst optimale Fortkommen konkurrieren. Trotz ausgewiesenem Nicht-GTI-Fahrzeug sind es nur 15 Minuten bis nach Bonn, per S-Bahn dann schon 35. Immerhin fahren die Züge auch noch recht spät in der Nacht, der Anschluss bleibt gewahrt. Und da die neue Arbeitsstelle in Euskirchen liegt, wähne ich mich nun in dem glorreichen Gefühl, mich ein bisschen der Quadratur des Kreises angenähert, zumindest aber zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen zu haben.

In Zukunft werde ich also eher aus dem Bonner Umland bloggen, dazu gibt’s dann auch wieder eine eigene Sektion. Analog zur bereits bestehenden Kategorie „Stadt“ gesellt sich dann noch „Land“ dazu. Total sinnvoll und durchdacht, natürlich.