Notizen: Referendariat – dickes Fell

Derzeit häufen sich meine persönlichen Jubiläen – manche weniger, manche mehr erwähnenswert. Zu letzteren gehören definitiv die zwei Jahre Blog mit *.de-Domain und quasi auch noch zeitgleich ein Jahr Referendariat. Von den Betroffenen zumeist nur „Ref“ genannt – die Zeit, die einem gefühlte 99 Prozent der erfahrenen LehrerInnen bei jeder Begegnung als ihre persönliche Hölle beschreiben.

Auch die Zeit, in der einem die für die eigene Ausbildung verantwortlichen Leute erläutern, man solle auch unbedingt auf seine Partnerschaften aufpassen, die fielen ja zu schnell hinten runter. Stets in diesem „Wir wissen, worüber wir reden“-Duktus.

Die Zeit, in der die FachleiterInnen Witzchen darüber machen, dass man als Referendar gar nicht erst versuchen sollte, Rechtfertigungen zu verhindern, da man sich eh dauernd rechtfertigen müsse.

Tatsache: Man braucht wirklich ein verdammt dickes Fell. Tatsache Nr. 2: All das wusste ich vorher und habe mich trotzdem darauf eingelassen. Sehenden Auges in die Kreissäge rennen, oder so. Es ist eine Zeit voll Rechtfertigungsdruck und Dauerbewertung. Phasen ständiger Korrektur, Kritik und Benotung von außen wechseln sich mit Zeiten kritischer Selbstreflexion, ständigen Verbesserungsversuchen, erneuten Feedback-Loops und  gelegentlichen Totalzusammenbrüchen ab. Ganz nebenbei trägt man auch noch eine riesige Verantwortung für einen Haufen SchülerInnen.

Und dabei habe ich echt noch Glück. Mein Seminar ist im Großen und Ganzen gut strukturiert, über die Schule würde mir kaum ein schlechtes Wort über die Lippen gehen. Eigentlich also eine perfekte Ausgangslage: Man kommt gut mit den KollegInnen klar, die Kids sind völlig in Ordnung und ziehen bei Unterrichtsbesuchen gut mit, das Feedback der MentorInnen und FachleiterInnen ist zumeist konstruktiv.

Und trotzdem treibt einen das Dauerfeuer an die eigenen Grenzen: Es geht richtig an die Substanz. Die Kombination aus Workload (ich bin zum ersten Mal in einer Situation in meinem Leben, in der mir die Benutzung dieses Worts gerechtfertigt scheint) und Dauerbewertungssituation bei gleichzeitig extrem hoher Verantwortung schleift mich so langsam runter. Man kommt nicht selten an den Punkt, an dem man sich fragt, ob man wirklich noch etwas lernen kann. Und dabei gibt es – wie überall im Leben – immer etwas zu lernen. Im Ref ist dieses Lernen nur eben ökonomisch komprimiert auf anderthalb Jahre. Verdammt wenig Zeit. Und oft bleibt nur das Gefühl, nicht hinterher zu kommen.

Endspurt bis September. Wie in meiner Branche üblich gibts dazu nur eine unübersichtliche Aussicht auf die Zukunft.

Motivieren muss man sich mit anderen Dingen. Indem man sich zum Beispiel immer wieder vor Augen hält, wie hart es anderen Refs ergehen kann. Jenen, die keine so gute Schule und nicht so ein angenehmes Seminar erwischt haben.

Absolutes Glück im Chaosfall, man weiß das zu schätzen.

Zwei Jahre und Spaß dabei

Bisschen lang. Bisschen kurz. Keine Ahnung. Mehr als zwei Jahre lang schon lebt dieses Blog und dokumentiert damit den langsamen, aber stetigen Niedergang seines Autors. Gestartet als Tiger, gelandet als Bettvorleger. Was mal als Vernetzungsgedöns während meiner kurzen Zeit in Bonn gedacht war (und auch noch funktionierte), dann mit einigen, vornehmlich digitalen, manchmal auch politischen Themen glänzte (naja…), schließlich Zeugnis über Lebenskrisen und Lebensveränderungen ablegte, mutierte letzten Endes zu einem recht unbunten Sammelsurium von flapsigen Kommentaren zu meinem Privatleben, manchmal auch Musikpräferenzen. Völlig flach und Spaß dabei, passt schon, oder? Zwischenfazit: Den professionellen roten Faden gibts nicht, gabs nie, für eine spätere Business-Visitenkarte oder gehobene Lehrer-Homepage muss dann wohl wieder was Neues her.

Aber, weil es so Spaß macht – mein Vorsatz für die nächsten zwei Jahre: Hier muss eindeutig mehr Literatur rein. Gemeint sind damit: Texte über Literatur. Wenn man schon von Berufs wegen viel lesen muss und das auch gerne macht, wäre es doch ein Leichtes, das hier schriftlich zu dokumentieren. Dann schauen wir mal.

Notizen: Der Maibaum

Sowas wie ein Maibaum.
Sowas wie ein Maibaum.

Vor dem Haus steht nun ein Maibaum. Oder eher ein Mai-Ast. Mutmaßlich das, was irgendwie noch zu bekommen war. Der nächste Ikea ist dann doch ein bisschen zu weit weg und Wald gibt es, bis auf den Privatwald am Golfplatz, auch nicht wirklich. Vielleicht gab die Böschung der Autobahn gerade noch etwas karges Geäst her. Gleichwohl stelle ich mir die Frage, wer denn nun der Adressat dieses wider aller Größenprobleme stolz und liebevoll geschmückten Stückchen Holz sein soll. Denn mir war bislang nicht bekannt, dass in diesem feinen Hause junge Frauen (= U30) wohnten. Männer könnten derweil schon infrage kommen, schließlich ist Schaltjahr. Aber wer bloß? In diesem Fall träfe nämlich wohl dasselbe Problem wie bei den Damen zu. Und mich, zarte, zerbrechliche 30, wird es kaum getroffen haben, da ich es bisher (vor allem in Anbetracht der Arbeit) äußerst erfolgreich umgangen habe, irgendjemanden in diesem Ort – außer meiner Nachbarn und meiner Vermieter – kennenzulernen. Mangels Beschilderung verbleiben wir also bei einem vorerst unlösbaren Rätsel und verweisen stattdessen auf einen schönen Text, den Sascha Gaul bei bundesstadt.com zum Thema verfasst hat. Da gehts auch um Maibäume und auch ein bisschen um Jugenderfahrungen beim Stellen selbiger.

Meine Jugenderfahrung dazu ist übrigens in zwei Sätzen erzählt: Mit 17 (?) zogen wir los, um Maibäume in der Stadt zu stellen und landeten danach irgendwann auf dem Hänger eines Traktors, mit welchem wir in die umliegenden Dörfer fuhren, um den bereits besinnungslos betrunkenen Junggesellen auszuhelfen. Da eine Gruppe Teenager – Junggesellen oder nicht – nun aber zumeist dazu neigt, den Alkoholpegel gruppenintern zu homogenisieren, zog der Abend auch nicht völlig spurlos an meiner Verfassung vorüber und so kam es, dass es irgendwann wieder Tag und meine Kleidung vom ganzen Schlamm und den Traktorfahrten sehr schmutzig war.

Aus irgendwelchen Gründen kam ich seither nicht mehr dazu, mich mit der rheinischen Maibaum-Tradition aktiv auseinanderzusetzen.

Notizen: Laufen gehen

Eine Hassliebe. Ich hasse Sport. Wirklich. Es gibt kaum etwas, dass mir aus logischer Sicht unnötiger erscheint: Wieso sollte man sich abquälen und seinen an sich gesunden Körper mittels „Laufen gehen“ verschleißen, wenn man ihn nicht viel besser auf der Couch schonen und die Jahre mit Bier und Chips überdauern lassen kann?

Und doch, verdammt, ja, bin ich 30 und so langsam „in einem Alter“ (wie ich diesen Satz hasse*), in dem man so langsam anfangen sollte, auf sich aufzupassen. Nicht nur in puncto Finanzen (haha) oder Beziehung (haha²), sondern eben auch körperlich. Und da gerade die letzten Wochen arg an meiner Substanz zehrten und mein Konditionsproblem bei den letzten Bühnenauftritten auf überdeutliche Weise offenbar wurde, laufe ich jetzt. Wieder. Schon wieder.

Denn da war schon mal was. Bereits vor etwas über einem Jahr konstatierte ich mir selbst ein ähnliches Problem und ging dann konsequenterweise zum ersten Mal joggen. Allerdings zum ersten und dann auch einzigen Mal, denn einen Tag später gönnte sich der widerspenstige, matte Körper erst einmal einen veritablen grippalen Infekt – quasi nach Lehrbuch. Mitten in der Examensphase war ich ein paar Tage ausgeknockt, wertvolle Lernzeit ging verloren und mein gesunder (naja) Geist war ob des kranken Körpers reichlich genervt. Und vom Laufen hatte selbiger vorerst auch genug.

Jetzt, über ein Jahr später: Selbe Situation, besser funktionierendes Gehirn. Nicht übertreiben ist die Devise. Denn wer am Anfang, völlig untrainiert, zu viel Gas gibt (und die Gefahr, dies zu tun, ist schon sehr groß), sorgt dafür, dass der eigene Körper ein bisschen zu viel auf die Reserven geht. Und dadurch das Immunsystem schwächt. Da man also nicht krank werden will, wird jetzt nur entspannt ums Dorf gelaufen. Für den Anfang reichen mir 1,3km, jeden zweiten Morgen vor der Schule. Meine Kondition ist so mies, dass ich die erst einmal durchlaufen können will, ohne mich dabei wild keuchend zu verausgaben. Das ist das Ziel. 30 Jahre alt und ein völliger Lauch in Anti-Bestform.

Aber deswegen scheint mir Laufen opportun. Keiner nervt mich, kein Wettbewerb (ich hasse Wettbewerbe), und morgens ist der Pfad ums Dorf wirklich menschenleer. Kleine Brötchen backen. Zwei, drei Wochen lang. Dann eine Schippe drauf. Und dann noch eine. So oder so, ich hasse Sport. Ich verachte Bewegung. Aber was muss, das muss.

*ein schönes Lied, welches diesen weniger schönen Satz auf herrliche Art neu interpertiert – wir sind ja jetzt alle furchtbar gesund und das Kochen lerne ich dann auch noch, oder so:

#bcbn16: Für mehr Barcamps

Ja, so könnte ich DIE zentrale Erkenntnis meines gestrigen Barcamp-Besuchs in Bonn nennen. Dass dieses Veranstaltungsformat Spaß macht, unglaublich viel bildet und zudem eine ausgeprägte soziale Komponente besitzt, war mir zwar schon vorher irgendwie klar – sonst wäre ich nicht freiwillig an einem Samstagmorgen um zehn vor sieben aus meinem herrlich komfortablen Bett gekrochen.

Was mir aber dieses Mal, bei meinem zweiten Barcamp-Besuch, auch noch ganz deutlich wurde: Warum dieses Format überhaupt so funktioniert. Warum dort Ideen entstehen, Projekte initiiert werden (gibt es davon eigentlich eine Auflistung?) und alle unfassbar nett zueinander sind. Klar, die Art der BesucherInnen hat natürlich einen gewissen Anteil daran, man kann allen eine gewisse Offenheit zuschreiben. Aber der andere Grund liegt für mich in der zugrunde liegenden Methode: Ein Barcamp organisiert sich im Prinzip wie ein Open Space, das heißt, Sessions werden zwar zeitlich festgelegt, aber ob es eine Session gibt, wie viele Leute dann dorthin kommen, wie lange die Leute im Raum bleiben oder ob man nur dort ist, um die 20 Euro für das Ticket in Form von Essen und Trinken wieder rauzuschlagen, bleibt jedem selbst überlassen. So ist man am ganzen Tag komplett flexibel, die Türen bleiben offen und wenn man aus einer Session nicht so viel mitnehmen kann, dann geht man halt Kaffee trinken oder setzt sich in eine andere Session. Zwischendurch bleibt genug Zeit, zm sich mit den neu kennengelernten Menschen zu unterhalten – was in meinem Fall zum Beispiel dazu führte, dass ich nun auch Freifunker aus beinahe meiner Nachbarschaft kenne. Das und die Tatsache, dass viele Sessions mehr einen offenen Workshop-Charakter haben statt frontaler Vortrag zu sein, sorgt dafür, dass in den 45 Minuten (gerade mal eine Schulstunde!) pro Session eine Vielzahl an Ideen generiert wird. Die Menschen sind einfach offen, haben Spaß, wollen dazulernen und helfen; und das Format sorgt dafür, dass jede/r BesucherIn den eigenen Bedürfnissen gerecht wird. Und wenn ich von dem vielen Input einfach nur erschlagen bin, dann ziehe ich mir eben eine Session zu Urlaubsberichten über Neuseeland („Warum Neuseeland scheiße ist“) oder Hausbooten rein. Ja, Hausboote. Ich wäre hingegangen, wenn ich nicht unbedingt zu den Freifunkern gewollt hätte. (Was definitiv kein Fehler war.)

Kurzum, es sollte deutlich mehr von solchen offenen Veranstaltungen geben, man kann als erwachsener Mensch einfach kaum mehr Inspiration in so kurzer Zeit mitnehmen.

Das nächste Barcamp in der Region findet übrigens in Koblenz statt.

Notizen: Facebook-Fasten

Bald ist Fastenzeit. Da ich weder religiös bin noch sonst mit kirchlichen Gebräuchen zu tun habe, könnte mir das eigentlich egal sein. Andererseits  bietet sich damit aber ein wunderbarer Grund, für eben jene 40 Tage bewusst auf etwas zu verzichten und gleichzeitig die perfekte Ausrede zu haben. Und was liegt da näher, als komplett auf Facebook zu verzichten? Facebook-Fasten als Variante für digitale Menschen? Klar, wirklich entsagenden Charakter hat das trotzdem nicht, der religiöse Mensch kann auch zu Recht dagegenhalten, dass man ja dann auch auf Twitter & Co oder gleich das ganze Internet verzichten müsse, sonst könne man wohl kaum von Fasten reden.

Aber: Das Internet ist nützlich und notwendig. Soziale Medien sind nützlich und notwendig. Facebook ist es nicht. Facebook nervt. Und meine Hypothese wäre, dass ich mich komplett ohne besser fühle. Auf meinem Smartphone gibts schon länger keine App mehr, aber man guckt trotzdem noch rein, über den Browser oder auf dem Desktop, weil man ja Angst hat, irgendetwas verpassen zu können. Weil man Social Media – Auftritte von zum Beispiel der eigenen Band verwaltet und da irgendwie auf der Höhe bleiben muss. Bei jedem Login erscheinen dann mindestens vier bis fünf Benachrichtungen in Form von Events, Einladungen zu irgendwas (i.d.R. nicht von Freunden), oder weil irgendeine Seite irgendeiner anderen Seite was auf die Pinnwand gepostet hat und neuerdings hatte ich sogar ein Statusupdate einer entfernten Bekanntschaft als Benachrichtung (wtf?) – logge ich mich mal 24 Stunden nicht ein, sammelt sich das schnell im zweistelligen Bereich an. Das Meiste ist dabei ziemlich irrelevant. Den Wald vor Bäumen nicht sehen. Dazu kommt, dass ich die Timeline subjektiv als unbrauchbar empfinde, zumindest die von Algorithmen zusammengestellte Standard-Timeline, die defaultmäßig bei jedem Login erscheint. Ich likte zum Beispiel einst ein paar Anti-Nazi/Pegida-Seiten, mit der Konsequenz, dass Facebook nun denkt, mich würde nur noch dieses Thema interessieren. Meine TL ist vollgemüllt mit rechtem Mist.

Lange Rede, kurzer Sinn: Wegen dieser Nerverei und eigenen Zweifeln am Nutzen des Netzwerks erreicht man mich von Aschermittwoch bis Ostern nicht auf Facebook. Ein Zeitkiller weniger. Einfach mal weg sein (okay, hallo Twitter). Jegliche Kommunikation mit mir muss also an Fb vorbei geführt werden, was für vermutlich 99% meiner Kontakte kein großes Problem sein dürfte, da ja sowieso alle über andere Kanäle zu erreichen sind.

Nur werde ich etwas verpassen? Das finde ich raus.

Nach Ostern.

Elf Fragen

Zum ersten Mal in meiner seit 2005 währenden Bloggerkarriere (okay, mit Unterbrechungen) wurde mir das Stöckchen mit den elf Fragen an den Kopf geworfen. Von Johannes, dem dafür nur zu danken ist, denn irgendwie schmeichelt einem das ja. Kurzum: Hierbei handelt es sich um so eine Art verbloggte Form der guten, alten Email-Fragebögen, die ich noch von viel früher kenne, Anfang der 2000er, vielleicht waren es sogar die 90er.

Los gehts:

  • Was­ser mit oder ohne Koh­len­säure? Mit. Bekennender Sodastreamer.
  • Das, der oder die Nu­tella? Was sagen die Rechteinhaber dazu?
  • Ap­ple oder PC oder was ganz an­de­res? Kein Apple, sonst Erfahrungen mit allem. Zum Arbeiten präferierterweise ein stationärer PC, großer Bildschirm ftw.
  • Wie viele Smart­pho­nes ste­hen dir ak­tu­ell zur Ver­fü­gung? Ich habe nur eine Sim-Karte.
  • Hast du Angst vor Eis­bä­ren? Noch keinen kennengelernt. Möglich wärs.
  • Rot­kohl oder Blau­kraut? Ganz klar Rotkohl. Das andere kenne ich nicht, ich komme vom Dorf. Muss wohl ähnlich schmecken, sagt man.
  • Wann hast du das letzte Mal auf Eng­lisch ei­nen Small­talk ge­führt? Wenn per Messenger quatschen zählt: Heute. Wenn Face-to-face, dann kurz vor Weihnachten.
  • Wie hoch ist die Pi­xel­dichte dei­nes Com­pu­ter­mo­ni­tors? 96 ppi beim ganz großen und 135 ppi beim kleinsten Gerät.
  • Haft­be­fehl oder Po­li­zis­ten­sohn? Haftbefehls „Chabos wissen…“ habe ich mal im Unterricht zum Thema Sprachwandel thematisiert. Spiel und Spaß für die ganze Klasse.
  • Dein Ac­count­name bei Snap­chat? Sobald ich den Sinn dieser App verstanden habe und nicht ständig aus Versehen Fotos von mir selber mache, gebe ich diesen hier bekannt.
  • Weißt du, warum der Kar­ne­val am 11.11. um 11:11 Uhr star­tet? Keine Ahnung. Schnapszahl? Schnaps trinken?

Zur Natur dieses Stöckchen-Schmeißens gehört natürlich auch, dass man sich neue elf Fragen ausdenkt und jene dann weiteren wehrlosen Bloggern – Sven, Maxim, Carsten und Stefan – an den Kopf wirft:

  • Bier oder Wein?
  • Magst du den Winter?
  • Welches Buch liest du gerade?
  • Welche Serie kannst du derzeit empfehlen?
  • Döner oder Falafel?
  • Deine nächste technische Anschaffung?
  • Wie stehst du zu Clowns im Allgemeinen?
  • Lernt man in der Schule für das Leben oder für die Schule?
  • Suggestivfragen sind blöde, oder?
  • Tesla oder Porsche oder was ganz anderes?
  • Worauf willst du am Ende der Woche stolz sein?

Das, was es zu sagen gibt (ein Rant)

Ich will nicht, dass Hysterie und lautes Geschrei eine Debatte entscheidet. Leider findet gerade genau das statt in diesem Land. Lange habe ich mit mir selbst gehadert, ob ich mich überhaupt zu dem Thema äußern soll. Ich wusste anfangs nicht einmal, ob ich mir eine Meinung dazu bilden möchte – zu viel Unklarheit, zu viel Durcheinander, zu viel Geschrei auf allen Kanälen, zu wenig konkrete Information. Aber es tat (und tut) mir emotional weh, wenn ich sehe, was da passiert ist. Ich möchte nicht, dass es so etwas passiert. Ich möchte nicht, dass Frauen zu Objekten werden und einer besoffenen Männermeute zum Opfer fallen. Genauso wenig möchte ich, dass mein Land (ja, es ist halt auch mein Land) den Nazis und ihren feigen Mitläufern überlassen wird. Die jetzt ziemlich laut werden, weil sie sich in all den schlauen Sprüchen bestätigt fühlen, mit denen sie seit jeher über die Begriffe „Ausländer“, „Südländer“ und „Flüchtlinge“ die sozialen Netzwerke vergiften. Ich würde gerne sehen, dass man sich um die Opfer kümmert. Dass über Lösungen diskutiert wird. Nüchtern, unaufgeregt, unideologisch und ohne pauschalisierende Hasstiraden.

Aber das passiert nicht. Stattdessen wird munter drauflos pauschalisiert.

Dass es ein Problem beim Frauenbild einiger Männer aus dem arabischen Raum gibt – geschenkt, ist bekannt.

Dass es ein Problem beim Frauenbild einiger Männer aus dem deutschen Raum gibt – sollte vielleicht im Anschluss auch mal thematisiert werden.

Als Mann ist es auch gar nicht schwer, das zu erkennen (Spoiler: Jetzt wird didaktisch reduziert). Zwar sind wir privilegiert, in vielen Bereichen übervorteilt und von Sexismus nur auf andere, wenigstens nicht übergriffige Weise betroffen – aber wer von euch Jungs hat eine Freundin? Fragt sie doch mal selbst, wie das so ist, als Frau allein durch den Kölner Karneval zu tingeln. Spätestens anhand eines so banalen Beispiels sollte man(n) merken, dass das Problem ein wenig tiefer liegt, als es pauschal auf eine bestimmte Herkunft abzuwälzen. Das machen allerdings viele gerade gerne – wohl auch, weil die schiere Masse an beteiligten Männern den Eindruck erweckt, dass nun also alle Flüchtlinge so sein müssen. Dieses Urteil ist natürlich falsch, es sind nie alle. Verstand und Vernunft sollten uns eigentlich lehren, dass es sich nie lohnt, Menschen pauschal über einen Kamm zu scheren.

Was wiederum nichts daran ändert, dass die Übergriffe in Köln nun mal eben von einer ganz bestimmten Tätergruppe ausgingen. Von Arschlöchern mit demselben sexistischen Frauenbild, wie man es auch in Deutschland finden kann – mit dem Unterschied, dass hier einfach jegliche Hemmungen fielen. Welche Rolle hier Sozialisation, Kultur, Alkohol und Gruppendynamik spielten – ich weiß es nicht. Es ist verachtenswert.

Aber ist das jetzt ernsthaft ein Grund für aufrechte Biodeutsche™, nun ebenfalls jegliche Hemmungen fallen zu lassen? Soll das wirklich eine Rechtfertigung für Gewaltaufrufe á la Pegida-Festerling und andere sein? Für das Zerlegen alternativer Stadtviertel wie in Leipzig oder selbstherrliche „Bürgerwehren“ wie in Köln? Für das Angreifen von wehrlosen Menschen, weil sie zufällig wie Araber aussehen? Und was ist mit der überwältigenden Mehrzahl aller arabischstämmigen Menschen in diesem Land, die sich gar nichts zu Schulden hat kommen lassen? Warum müssen die jetzt wegen der paar Vollidioten Angst haben? Gehts eigentlich noch?

Wenn ich mich derzeit in meinem Land umsehe, dann graut mir vor der Zukunft. Davor, wie schnell doch einige viele Deutsche bereit sind, jegliche Werte eines zivilisierten Miteinanders über Bord zu werfen, sobald ein paar Ausländer randalieren. (Ja, hier geht es um Werte, unsere Werte, ich fühle mich gerade furchtbar konservativ.) Die Schicht der Zivilisation über der rohen Primitivität ist anscheinend auch nach 70 Jahren Frieden in Europa noch reichlich dünn, wie Sascha Lobo leider nicht zu Unrecht in seiner Kolumne feststellt.

Nein, ich will das nicht verharmlosen, was in Köln passiert ist. Das muss und wird hoffentlich Konsequenzen haben. Aber doch bitte nicht so. Denn die pauschalen Gegenreaktionen sind keinen Deut besser, sie sind den Bahnhofsgrabschern in puncto Primitivität und Niedertracht absolut ebenbürtig.

Und dafür schäme ich mich für mein Land.

Notizen: 2015, zurückgeblickt

Prüfungen, Staatsexamen, Freundin weg, Wohnung weg, krank wie Scheiße aber trotzdem Hingehen, neuer Job, neues Auto, neue Wohnung, neuer Ort, Köln lieben (nicht Fußball, niemals) und das Landleben hassen gelernt, tolle neue Menschen ins Herz geschlossen, blöde alte Menschen vergessen, Terroranschläge, über Pegida aufgeregt, über andere Volltrottel lustig gemacht, Band, Auftritte, Rockstarleben, endlich wieder auf Bühnen rumturnen, endlich wieder im Publikum abspacken, Antilopen Gang, Soilwork, Fliehende Stürme, laue Sommerabende, Balkonien, Underground Cologne, Bochum, Luxemburg, Leipzig, Leizpig, Leipzig, Bunkerabenteuer, Referendariat, Stress galore, creepy Unterrichtsbesuche, deprimierendes Feedback, positives Feedback, oben und unten, Organisation, nette Schüler, beste Kollegen, kompetente Fachleiter, seltsame KS-Erlebnisse, sich rächende Fehler.

Zeit also, jene Fehler des alten Jahres zu vergessen und sich auf die Fehler des neuen zu konzentrieren. In wenigen Stunden gilts.

Notizen: 2015 – Mein Jahr in Songtiteln.

Januar: Keine Lust (Rammstein)

Februar: Determined (Mudvayne)

März: Distrust (Katatonia)

April: Love Will Tear Us Apart (Joy Division)

Mai: Walk With Me In Hell (Lamb Of God)

Juni: Tapetenwechsel (NMZS & Danger Dan)

Juli: Freidrehen (Clueso)

August: Ode To The Sun (Dredg)

September: Alive And Well (Rise Against)

Oktober: Zurück in Schwarz (Broilers)

November: Von allem zu viel (Frittenbude)

Dezember: Summer (Beatsteaks)