Zeiten

In was für bescheuerten, wirklich hirnfreien Zeiten leben wir eigentlich? Auf der einen Seite islamistische Vollidioten mit Bomben und Maschinenpistolen, auf der anderen Seite Front National und AfD und dann noch immer näher an Europa heranrückende Kriege, natürlich von Europa (mit-)verursacht; inklusive Millionen auf der Flucht, die gibts mit ihrer Kriegserfahrung als blutigen Soundtrack dazu. Eigentlich bedingt sich das alles, nähme man (bis auf die Fliehenden) eine Variable raus, wären alle anderen ungleich schwächer. Mich schockiert und erschüttert, macht sprachlos, dass dieses Europa sich nun auch noch seine Politik von einem Terrorsystem auf syrischem und irakischem Boden aufdiktieren lässt. Als gäbe es nicht genug Probleme. Rechtsruck, Angst, ein Keil durch die offene Gesellschaft – Daesh freut sich, und mit ihm die Rechten.

Notizen: Afterjobparty Köln

Die Kurzfassung: Langweilig.

Die Langfassung: Lohnt sich nicht. Also… lohnt sich nicht zu schreiben. Ich mach’s trotzdem. Man dachte also, man sei nun endlich alt genug, um an einem derartigen Event in hochnobler Location (Wolkenburg) teilzunehmen. Vor allem ja auch als Teil der arbeitenden Bevölkerung, sich also durch die eigene Erwerbstätigkeit und Steuernummer wohlfein absetzend vom studierenden, vergeistigten Pöbel, zu dem man vorher zwar selber noch gehörte, aber egal, wir sind jetzt wer. Bestimmt. Oder so. Die erwerbstätige Masse war an diesem Freitag nur leider irgendwie komisch. Vermutlich hatte sie Frühschicht. Und zwar am Samstag. War jedenfalls meine erste Hypothese, als wir dort ankamen und sahen, wie doch auffällig viele Menschen die Garderobe betraten, um ihre Sachen abzuholen und den Platz räumten. Im Gegensatz zu unserer Ulktruppe aus vier absolut plattgearbeiteten ReferendarInnen, die nach dem obligatorischen Vorglühen in des Mitreferendars Wohnung gegen circa 1 Uhr erst richtig loszulegen gedachte. Als dann einmal die Tanzfläche der in der Tat sehr hübschen und auch nett angeleuchteten Wolkenburg erreicht war, wurden wir einer ganz anderen Erkenntnis und Erklärung für den Exodus gewahr: Der an diesem Abend von Radio Köln eingesetzte DJ war vermutlich wegrationalisiert worden, stattdessen stand da ein Praktikant vom Sender. Oder irgendwas anderes, jedenfalls kein DJ oder niemand, der sich wie einer benahm. Fehlte nur noch, dass er Helene Fischer spielte (was er zum Glück nicht tat), aber sowohl Musikauswahl als auch Übergänge und Längen der Songs (die teilweise nicht einmal bis zur Hälfte gespielt wurden) ließen arg an den Qualitäten des Kapellmeisters zweifeln. Der gab sich derweil redliche Mühe, möglichst viele der noch anwesenden Mittvierziger (jedenfalls sahen sie so aus, wahrscheinlich waren sie aber so alt wie wir) von der Tanzfläche zu vergraulen. Das kann jeder betrunkene Feuerwehr-DJ auf Bauernpartys in der Eifel besser – wo im Übrigen auch mehr Stimmung herrscht als dort, mitten in Köln, mitten um die scheiß Partymeile, wovon ich mir irgendwie doch mehr erwartet habe. Jedenfalls wurde uns relativ schnell klar, dass diese Party stinkt und die Leute waren ja eh alle schon im Weggehen begriffen, wir brauchten also etwas anderes. Das fanden wir auch, denn es wurde auch noch ein echt hübscher Abend und auch Morgen, nachdem wir an diversen Bayern-Oktoberfest-Partys in der Zülpicher (wtf?) vorbeigehend schlussendlich in irgendeiner netten, definitiv nicht-bayrischen Spelunke versackten und dort noch reichlich Spaß hatten. Sogar der Wirt wollte uns des Morgens am Weggehen hindern, weil er dann ja schließen müsse. An Köln lag’s also nicht und ich mag Köln seit diesem schönen Sommer ja sowieso, aber eine Afterjobparty werde ich sicher so schnell nicht mehr betreten.

Notizen: Zu Gast in Leipzig

Schon wieder ein Wochenende in Leipzig. Und es war nicht das letzte für dieses Jahr in dieser wunderbaren Stadt. Dieses Mal gab es sogar mal gutes Wetter, das natürlich für ein paar Klischeefotos genutzt werden musste.

Vor allem waren wir aber im Umland unterwegs. Genauer gesagt in Machern. Noch genauer: Unter der Erde. Bei der Stasi. Dort – in der alten Ausweichführungsstelle des Bezirks, dem „Stasi-Bunker“ – organisiert der Verein Bürgerkomitee Leipzig e.V. am jeweils letzten Wochenende eines Monats Führungen durch den imposanten Atombunker. Mein Besuchsdatum war natürlich kein Zufall, denn nach einem Rundgang über das große Außengelände liefen wir bei einer Führung mit und waren sichtlich beeindruckt. Nicht nur von der Anlage selbst, die in einem technisch wirklich bemerkenswerten Zustand ist. Sondern wir sind auch von der guten Führung und der Aufarbeitung des Vereins begeistert, der ausschließlich auf ehrenamtlicher Basis eine ganz tolle und wertvolle Arbeit macht. Einen Besuch kann man also wirklich empfehlen!

Notizen

Wow. Wahnsinn. Was für eine Zeit. Gleich bei zwei Konzerten mit der eigenen Band am Wochenende die Hütte(n) abgerissen, einmal in Bergisch-Gladbach (seltsamer Ort, aber sehr nette Leute) und tags darauf irgendwo im Westerwald (noch seltsamerer Ort, aber ebenfalls sehr nette Leute). Dann sonntags noch Führungen unter der Erde veranstaltet und zwischen all dem Schulkram vorbereitet und die Geschwisterchen im Ahrtal besucht. Frei? Ich? Nö, eher nicht. Dann ging es gleich weiter ins Studienseminar, von 8 bis 17 Uhr, und im Anschluss wird man zwischen Ausbildungsunterricht (=sehr, sehr viel Arbeit und viel [sinnvolle] Kritik), selbstständigem Unterricht (=mehr Stunden) und Unterrichtsbesuchen (vielen mehr als Lehrproben geläufig) zünftig zu Mehl verarbeitet. Bis zu den Herbstferien seit Wochen kein freies Wochenende. Vom Faulus zum Paulus (äh?). Oder so in der Art. Dabei war ich doch gar nicht so. Aber jetzt irgendwie schon. Und es macht auch noch Spaß. Alles, irgendwie. Man kann so leben. Verdammt. Jedenfalls läuft es definitiv nicht so wie bei AnnenMayKantereit in diesem Liedchen hier:

Denn getanzt wird auch noch.