Sehenswert: Die Brücke [update]

Bühne und Zuschauerraum vor der Aufführung
Bühne und Zuschauerraum vor der Aufführung

In der letzten Woche stand Theater auf dem Programm. In Erpel am Rhein, eine Viertelstunde von Bonn entfernt, bekannter Stoff: „Die Brücke von Remagen“ – die Thematik müsste den meisten noch als amerikanische Nachkriegsverfilmung geläufig sein. Dabei bietet die Inszenierung der Romanvorlage von Rolf Palm ein kleines Feature, was sonst auf kaum einer offiziellen Bühne machbar ist: Sie findet am – oder besser gesagt: im – Originalschauplatz statt. Denn Bühne und Zuschauerraum befinden sich mitten in dem alten Eisenbahntunnel, von wo aus die damalige Rheinbrücke gegen die schnell vorstoßenden amerikanischen Verbände verteidigt werden sollte. Deswegen und wegen nicht zuletzt vieler positiver Empfehlungen hatte ich dann auch entsprechend hohe Erwartungen an das Stück.

Und die wurden beileibe nicht enttäuscht. Schon der Beginn reißt das Publikum mit – erkennbar daran, dass der ganze Zuschauerraum im Tunnel von einer Sekunde auf die nächste totenstill wird: Ein amerikanischer Soldat mit deutscher Abstammung („Zimmermann“) stellt sich vor die ZuschauerInnen, der Schweinwerferspot liegt nur auf ihm. Er berichtet mir ruhiger, aber fester Stimme über die Vorgeschichte der Erstürmung, wie seine Truppen in Kontakt mit der Zivilbevölkerung der umliegenden Dörfer kamen. Die schauspielerische Leistung des mir unbekannten Darstellers ist hochprofessionell, vermag er seine Rolle dermaßen glaubhaft und authentisch zu spielen, dass nach seinem kleinen Solostück erst einmal Applaus aufbrandet. Die spektakuläre Akustik des Tunnels unterstützt zudem die Stimme der DarstellerInnen – später werden dadurch auch bestimmte Szenen stark aufgeheizt. Beispielsweise, wenn sich einzelne Protagonisten gegenseitig anbrüllen. Verstärkt durch den Tunnel fliegen dann den ZuschauerInnen bei Streitereien auf der Bühne fast die Ohren weg – ebenso bei den eingespielten Einsturzgeräuschen der Brücke am Schluss des Stücks.

So spielt der Originalschauplatz auch selbst seine eigene Rolle in diesem Stück. Alle DarstellerInnen können sich zudem wirklich auf die Schulter klopfen, das Stück ist absolut erstklassig besetzt. Obgleich es mit grob 90 Minuten zwar eher kurz daherkommt, wird dem Publikum zu keinem Zeitpunkt langweilig – dabei geht es ja eigentlich nur um die banale Erstürmung einer einzigen Brücke. Aber die Struktur, die exzellenten DarstellerInnen und die unterschiedlichen Perspektiven, derer sich die Inszenierung bedient, machen „Die Brücke“ wirklich sehenswert.

Bedenkt man dann noch, dass die ganze Chose „nur“ von einem Verein getragen wird, dann ist das wirklich eine Leistung. Ebenso die ganze Organisation „drumherum“ und die Versorgung mit kleinen Snacks und Getränken, die vor dem Stück angeboten werden. Chapeau, ad Erpelle.

Karten gibt es hier, das Stück läuft bis zum 14.09. – also noch diese Woche.

 

#update 10.09.2014:

In einer ersten Version des Beitrags wurde der gleichnamige Roman von Gregor Dorfmeister als Vorlage angegeben. Das ist allerdings falsch: Tatsächlich war es „Die Brücke von Remagen“ von Rolf Palm.

Kleiner Vorgeschmack… aus der Tiefe

Ein kleiner Teaser zu meinem nächsten Artikel für 16vor:

Aus der Tiefe... vermutlich ein Notausgang
Hier geht’s runter… vermutlich ein Notausgang

 

So viel sei gesagt: Es handelt sich um eine Recherche zu einem gut versteckten und etwas vergessenen Trierer Atombunker, den ich bis dato noch gar nicht auf der Rechnung hatte. Das Ergebnis könnte, sofern man mich reinlässt, gar nicht mal unspektakulär werden. Denn größentechnisch könnte das Objekt alle anderen Anlagen in der Römerstadt in den Schatten stellen. Und fast jedeR hat sich schon einmal darüber aufgehalten. Nächste Woche werde ich dann wohl mehr wissen…

Schutzräume auf meinem Weg durch Bonn (Vorbereitung Zombie-Apokalypse)

Obacht: Dieser Beitrag handelt erneut von Bunkern. Der Nächste wird garantiert wieder von etwas anderem handeln, aber es ließ sich gerade einfach nicht anders einrichten. Denn das, was mir neulich mehr nebenbei auffiel, sollte zumindest erwähnt werden – weil es mich als Bekloppten „vom Fach“ selbst amüsierte und für BonnerInnen vielleicht gar nicht uninteressant ist.

Auf meinem Weg nach Trier – den ich vom schönen Plittersdorf öfter mal fahren werde in diesem Sommer – durchquere ich mit der Stadtbahn gleich drei Bunkeranlagen. Nicht irgendwelche Nazidinger, sondern moderneren Kram aus dem Kalten Krieg. Was in Bonn per se keine Überraschung ist, denn die ehemalige Bundeshauptstadt wurde damals im Vergleich zu anderen Städten recht solide untertunnelt. Was mich überrascht hat, ist eher, dass ich sowieso nur drei Haltestellen Stadtbahn bis zum Bahnhof in Bonn – Bad Godesberg zu fahren habe – und alle drei sind ausgebaute Zivilschutzanlagen. Wenn also nun plötzlich beim Sitzen in der Stadtbahn die Zombie-Apokalyse losbricht, kann ich bequem an der Wurzerstraße, der Plittersdorfer Straße oder direkt in der Godesberger U-Bahn-Station rausspringen. Diese Stationen können unter der Erde hermetisch abgeriegelt werden, nach oben hin wie zu den U-Bahn-Tunneln. Zumindest ein paar Stunden ließen sich hier also sicher verbringen. Bis man dann mal auf Klo muss oder Hunger bekommt. Denn es war auch im Kalten Krieg nicht vorgesehen, hier irgendwelche Lebensmittel zu lagern. Sanitäranschlüsse u.ä. müssten auch erst einmal installiert werden, genauso wie Betten (Pritschen) und andere Einrichtungsgegenstände. Diese für eine Zombie-Apokalypse eher unvorteilhafte Auslegung geht auf die Vermutung eines relativ langen Vorlaufs zurück, der dem atomaren Inferno der 60er/70er/80er-Jahre-Kriegsspielchen stets vorausging. Man bräuchte also erst mal eine Weile, bis man so einen Atombunker für Zivilisten ans Laufen brächte. Zwei Wochen, um’s genau zu sagen. Wieso und warum öffentliche Schutzräume nicht von heute auf morgen funktionieren können, habe ich letzten Sommer hier näher erklärt. Der Artikel handelt zwar von einer Trierer Anlage, aber die Sachlage ist im Prinzip identisch. Fun Fact: Atombunker funktionieren fast immer auf dieselbe Weise. Ob in Bonn, Trier, Berlin oder Woauchimmer. Auch der Großschutzraum unter dem Bonner Hauptbahnhof, von dessen Existenz immer noch viele nichts wissen, funktioniert nach demselben Muster. Darüber hat Christoph Lubbe einen sehr lesenswerten und schön bebilderten Artikel geschrieben (den Herrn Lubbe kann man übrigens des Öfteren bei unseren bunker-doku.de-Führungen live erleben).

Und was macht man, wenn die Zombies in der U-Bahn rumlaufen? Dann könnte man versuchen, in einen der zahlreichen Schulschutzräume oder gleich in den Godesberger B9-Tunnel zu gelangen. In Letzterem hätten gleich 7200 Menschen Platz. Gemütlich wäre das allerdings nicht unbedingt und das Problem mit der langen Vorbereitungszeit gibt es auch hier. Nicht unbedingt die beste Lösung, wenn es schnell gehen muss.

Mit „Up With People“ unter der Erde

Oder: Wie man einen Bunker mal eben zur Konzerthalle verwandelt.

Jaja, schon wieder ein Bunkerbeitrag. Dieses Mal aus der Gästeführer-Perspektive. Muss einfach sein – denn es ist echt selten, dass ich mal von einer Gruppe wirklich ins Schwärmen komme. Obwohl natürlich die meisten Leute, die wir durch den Bunker führen, echt nett und zumeist wirklich interessiert sind.

Die internationalen Jugendlichen der Gruppe „Up With People„, die wir am heutigen Freitag zu Gast hatten, zogen mir aber regelrecht die Schuhe aus. Selten konnte ich so eine enthusiastische und offene, freundliche Truppe erleben. Obwohl mein Englisch gelegentlich bei Fachtermini vor sich hin bröckelte und die Führung über anderthalb Stunden dauerte – der Gruppe merkte man keinerlei Müdigkeitserscheinungen an. Schweden, USA, Philippinen, Italien, Barbados, Belgien – das sind nur ein paar der Heimatländer, der Mix ist wirklich heterogen. Zur Zeit sind sie zu Gast im Ahrtal, lernen die Region kennen und leben in Gastfamilien. Naja, und zur Region gehört dann wohl auch der olle Regierungsbunker. Meine Gruppe für die Führung bestand aus gut 25 Leuten, insgesamt war „Up With People“ mit 100 jungen Menschen in der Anlage zu Gast. Und alle 100 trafen sich – gut abgesprochen mit den drei anderen GästeführerInnen – um 13 Uhr auf der „Plattform“. Darunter verstehen wir das Ende des Museums, was unser Aussichtspunkt zum Rest der ab dieser Stelle komplett entkernten Tunnelröhre ist. Da nun eben jene 1,3 Kilometer lange Röhre mit einem gewissen akustischen Reiz vor ihnen lag, gaben sie auch ein kleines Ständchen. Und das ist wirklich nicht von schlechten Eltern. Leider kam ich erst mittendrin auf die Idee, die letzte Minute dieser Darbietung mit meiner oldschooligen Handykamera mitzufilmen. Aber der Effekt kommt – denke ich – dennoch ganz gut rüber.

Regierungsbunker und Spiegel-Affäre

Es war die Hochphase des Kalten Krieges, mit Bunkerbau, Kubakrise, Mauerbau, der Angst vor dem sogenannten inneren Feind – auch vor der Presse -; und der berüchtigten NATO-Übung „Fallex 62“. Die Ergebnisse aus Letzterer wurden dann zur Grundlage des SPIEGEL-Artikels ‚Bedingt abwehrbereit‘, was der Beginn einer Staatsaffäre war, die mit der Stürmung der Redaktion, Festnahmen, dem Vorwurf des Landesverrats und am Ende dem Rücktritt von Franz-Josef Strauß ihren Höhepunkt fand.

Eine anschauliche Dokumentation zum Thema strahlte die ARD am Mittwochabend aus und ist nun als Stream abrufbar. Auch Wolfgang Müller, Gästeführer in der Dokumentationsstätte Regierungsbunker, kommt hier zu Wort. Denn „Fallex 62“ blieb nicht das einzige NATO-Manöver, spätere Fallex- und Wintex-Übungen spielten sich im Zwei-Jahres-Rhythmus auch mit teilweise bis zu 2500 Teilnehmern in der Bunkeranlage im Ahrgebirge ab. Geprobt wurden Szenarien vom Spannungs- bis Verteidigungsfall, die zumeist von einem atomaren Inferno als Finale ausgingen. Ich mag die Offenheit dieser Dokumentation: Wie bei unseren Führungen im alten Regierungsbunker wird hier kein Blatt vor den Mund genommen und klar formuliert, was mit Deutschland (Ost wie West) im Falle einer militärischen Eskalation passiert wäre – und was die damalige Bonner Bundesregierung mit einem Zeitfenster von 30 Tagen unter der Erde hätte anfangen sollen.

Vermutlich wird die ARD diesen wirklich sehenswerten Film aber nur etwa zwei Wochen lang streamen – wer ihn also sehen möchte, sollte sich beeilen.

Objekt 5001: Der „Honecker-Bunker“

Die Meisten haben davon schon gehört, viele kennen sie: Über 350.000 Menschen waren seit der Eröffnung im Jahr 2008 schon zu Besuch im alten Bunker der (westdeutschen) Bundesregierung in Ahrweiler. Die Dokumentationsstätte Regierungsbunker ist eine Erfolgsgeschichte, wie sie sonst kaum ein deutsches Museum vorweisen kann. Dabei war es historisch betrachtet großes Glück, dass von dem ehemals 17 Kilometer langen unterirdischen Atombunker im Ahrgebirge überhaupt die heutigen 200 Meter übrig blieben, um sie museal nutzen zu können. Das Interesse an dem Thema wurde weithin unterschätzt – hätten die Verantwortlichen in der Politik im Jahr 2001, zu Beginn des „Rückbaus“, geahnt, wie viele Besucher die heutige Dokumentationsstätte fluten würden, dann wäre es durchaus möglich gewesen, wesentlich mehr der alten Anlage als Museum und historisches Mahnmal für zukünftige Generationen zu erhalten. Stattdessen pumpte das Land Rheinland-Pfalz vor allem jede Menge Geld in den Nürburgring-Freizeitpark, mit den altbekannten Folgen…

Auch auf dem Gebiet der ehemaligen DDR gab es mehrere Pendants zu den westdeutschen Bunkeranlagen – zu den wohl berüchtigsten Bauwerken zählt der „Bunker 17/5001“ in Prenden, im Volksmund auch als „Honecker-Bunker“ bekannt. Heute schimmelt die Anlage in Ruhe vor sich hin – aber noch ist sie vollständig erhalten. Das Bauwerk steht seinem Gegenstück in Ahrweiler in nichts nach – zwar ist der Komplex von der Fläche her deutlich kleiner, aber dafür ist die technische Ausstattung ein beeindruckendes Zeugnis der Ängste damaliger Staats- und Regierungschefs. Kosten und Mühen wurden nicht gescheut – so hängt ein Teil des Innenlebens hängt komplett gefedert im Betonrahmen, um mögliche Druckwellen abfangen zu können. Der ganze Bau ist enorm aufwendig, auch bedingt durch die spätere Bauzeit als der Bunker in Ahrweiler.

Ohne nun in nerdige Technik-Schwärmerei ausbrechen zu wollen: Wenn Regierungen solche Anlagen aus Angst vor einem Atomkrieg bauten, dann zeigt das, wie ernst die Lage im kalten Krieg tatsächlich war. Und es sollte möglich sein, diese Ängste und Befürchtungen, die die gesamte Weltpolitik dominierten, auch in Zukunft anschaulich darstellen und erklären zu können. In Ahrweiler wird das bereits getan, in Prenden möchte man dieses Ziel ebenfalls erreichen. Ein Team von fähigen Leuten arbeitet daher zur Zeit hart daran, einen Erhalt und eine damit einhergehende museale Nutzung möglich zu machen. Das Projekt ist enorm aufwendig und hochinteressant, zumal der „Honecker-Bunker“ im Gegensatz zum Ahrweiler Regierungsbunker nicht nur ein kleines Stückchen vom ehemals Dagewesenen bietet, sondern gleich ein weitgehend vollständig erhaltenes Gelände mitsamt vollständiger Bunkeranlage. Die Chance, die man seinerzeit im Westen durch die Verschrottung von über 99 Prozent des Innenlebens verstreichen ließ, sollte man also nun wirklich nutzen.

Daher: Schaut auf den Seiten des Projekts 5001 vorbei, informiert euch, teilt den Link in euren Netzwerken und unterstützt unbedingt die daran angeschlossene Crowdfunding-Kampagne, damit der Traum eines Museums Wirklichkeit werden kann. Nirgendwo lässt sich – auch gerade für Kinder – besser und anschaulicher vor Augen führen, zu welchen Auswirkungen Waffenwahn und Atombombenbau führten und hätten führen können.