Klischeehafter Touristentrip zum Drachenfels.

Mal ein kurzer Reisebericht. Vielleicht interessant für all jene, die dort noch nicht waren.

Am vergangenen Samstag hatten wir die glorreiche Idee, mal einen Tagesausflug in der neuen Heimat zu machen. Mit dem Fahrrad. Dass wir dabei ziemlich zielgenau den Drachenfels ansteuerten, lag mehr oder weniger auf der Hand: Die „Alternative“ wäre an diesem Tag die Godesburg gewesen, auf der jedoch auch noch Kirmes Mittelaltermarkt war. Da meine Wenigkeit kein großer Fan von solchen Veranstaltungen ist und uns außerdem der Drachenfels bei jeder Vorbeifahrt am Rhein immer wieder anlachte, war er also fällig.

Daher setzten wir uns morgens – wenn auch erst nach 10 Uhr – in Bewegung, radelten den Rhein ein Stück flussaufwärts und setzten mit der Fähre über. Schon vom Rheinufer ist der sagenumwobene Ort gut zu erkennen. Siegfried soll hier – sagen jedenfalls die Bonner – den Drachen Fafnir getötet und in seinem Blut gebadet haben. Also ist unser Ziel zumindest theoretisch das Setting einer der Schlüsselszenen des Nibelungenliedes – einem (früh-) mittelalterlichen Stoff mit Weltruhm.

Drachenfels mit Burgruine obendrauf
Drachenfels mit Burgruine obendrauf

 

Den eigentlichen Weg hoch zum 220m über dem Rhein thronenden „Gipfel“ bewältigten wir dann lieber nicht mehr mit dem Velo, stattdessen präferierten wir den Anstieg mit der schnuckeligen Drachenfelsbahn. Hätte Siegfried sicher auch so gemacht, wenn es die Bahn damals schon gegeben hätte. Auch wenn sie im Vergleich zu den Nibelungen eher neueren Datums ist, kommt bei diesem kleinen Zahnrad-Schienenbus richtiges 50er/60er-Jahre-Feeling auf. Inklusive langem Warten, denn es fahren nur zwei Wagen alle Viertelstunde. Demzufolge reichte die Warteschlange gegen 11 Uhr bis vor die Tür der Station. Jede Menge schlecht gelaunter Menschen mit grauem Haar und vordrängelnde Opas mit Sonnenbrille sorgten für zusätzliche Heiterkeit.

Die grandiose Aussicht auf dem Gipfel entschädigt jedoch für alles. Hinzu kommt, dass wir an unserem Besuchstag eine Wetterlage vom allerfeinsten vorfanden und die Fernsicht so gut war, dass am Horizont Kölner Dom und Fernsehturm auftauchten. Leider ist meine 10 Jahre alte Kompaktkamera nicht ganz so talentiert wie das durch entspiegelte Brillengläser geschärfte Auge, daher gibt’s auf dem Bild „nur“ Bonn und den Rhein zu sehen.

Blick auf Bonn
Blick auf Bonn

 

Die Burgruine ist interessant, allerdings haben Schweden und ein über Jahrunderte betriebener Steinbruch ganze Arbeit geleistet – wirklich viel ist nämlich nicht mehr übrig. Lediglich ein paar bröckelnde Umfassungsmauern und der ebenfalls nicht so wirklich glücklich wirkende Burgfried vermochten die Jahrhunderte bis heute zu überdauern.

Quasi zur Kompensation baute man ein modernes Restaurant unterhalb der Burg. Als wir uns dort stärken wollten, schauten wir jedoch nicht nur 200 Meter ins Rheintal hinunter, sondern auch tief in den Abgrund deutscher Ausflugsgastronomie: Verwirrung, wo muss man hier hin, wie bestellt man was? Bereits essende Gäste halfen uns schließlich weiter: Bedienung am Platz gab’s nämlich nicht, die Bestellung war nur über neben dem Gelände stehende Wagen mit langen Schlangen möglich; und dann hatten sie nichtmal das, was auf der Karte stand. Das fanden wir eher unsexy – kein Wunder, dass trotz Menschenmassen reichlich viele Tische leer blieben. Wir beschlossen kurzerhand, uns noch eine Weile zu entspannen und das mit dem Essen auf später zu verschieben. Bis dahin mussten halt Äpfel und Schokolade als Stärkung für die nächste Etappe reichen: Schloss Drachenburg. Eins muss man den Königswinterern ja lassen – mit den Drachen haben sie’s hier.

Schloss Drachenburg, vom Weg unterhalb des Drachenfels
Schloss Drachenburg, vom Weg unterhalb des Drachenfels

 

Das gar nicht mal so alte, da aus dem 19. Jahrhundert stammende Schloss entpuppte sich dann neben der bereits erwähnten, auch von dort immer noch prächtigen Aussicht als absolutes Highlight der ganzen Tour. Ein ziemlich guter Gästeführer gab uns dabei viele Hintergründe mit auf den Weg, unter anderem zu den vielen Geschichten, die die Architektur über seine vielen Zimmer und Statuen erzählt. Und die Infos zu den teilweise abgedrehten Inhabern waren auch hochinteressant – allen voran natürlich zu Paul Spinat, der dort in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts auf einer falschen Kirchenorgel seine Playback-Shows zum Besten gab. Definitiv eine kurzweilige und sehr empfehlenswerte Sache. Übrigens ist das Schlossgelände recht groß, wer noch die umliegenden, verwunschen wirkenden Gärten erkunden möchte, sollte etwas Zeit mitbringen. Ich würd’s übrigens sofort kaufen, wäre ich denn solvent genug.

Weiter ging es von dort aus noch zur Nibelungenhalle Richard Wagners, die wir leider wegen Renovierungsarbeiten nur geschlossen vorfanden. Das hätte man uns zwar beim Ticketkauf für die drei Ziele auch sagen können, aber naja, wir wollen mal nicht meckern. Statt in die Halle warfen wir dann noch einen Blick in den Reptilienzoo, der, um es ehrlich zu sagen, wegen seiner engen Käfige und Terrarien keinen besonders guten Eindruck machte. Ich kann mich aber auch täuschen, denn von Reptilien habe ich dann doch überhaupt keine Ahnung.

Mit den Drachensagen hat man es hier.
Mit den Drachensagen hat man es hier.

 

Der Trip endete dann nach einem kleinen Fußweg den Berg herunter in einem Restaurant an der Rheinpromenade. Sah von außen aus wie die übliche Touristenklitsche, entpuppte sich dann aber doch als wirklich lecker. Chapeau, Königswinter.

Übrigens habe ich bisher noch nicht so ganz herausgefunden, wieso jetzt genau diese spezielle Siegfried-vs-Drachen-Szene aus dem Nibelungenlied hier gespielt haben soll. Im Text selbst findet sich – zumindest meiner bescheidenen Meinung nach – kein richtiger Hinweis auf diesen Ort. Wenn da also von den heimatbeflissenen BonnerInnen jemand mehr weiß, wäre ich äußerst dankbar für Anregungen und Hinweise.