Zur Dropbox-Alternative Tresorit

Kapitel 2 auf der Suche nach der perfekten Krypto-Cloud

Ich hatte mich ja bereits lang und breit mit SpiderOak als sicherem Dropbox-Konkurrenten beschäftigt. An dieser Stelle möchte ich mit dem ungarisch-schweizerischen Tresorit einen weiteren verschlüsselnden Cloud-Service vorstellen, der gegenüber dem durch Edward Snowden bekannt gewordenen SpiderOak ein paar Vorteile hat.

Auch wenn man sich schnell an SpiderOak gewöhnen kann, hat der Dienst nach wie vor ein (zumindest gefühltes) Problem: Mobile Uploads wie beispielsweise von einem Android-Handy sind nicht möglich. Überhaupt erkennt der Client das eigene Telefon nicht einmal als eigenständiges Gerät, somit lassen sich mit der Android-App lediglich die auf dem PC abgespeicherten Dateien anschauen. Mehr geht nicht. Eine Dropbox-Funktion wie der automatische Kamera-Upload scheint bei SpiderOak noch in weiter Ferne zu liegen.

Ein anderer Dienst – sozusagen der Konkurrent des Dropbox-Konkurrenten Spideroak – leistet genau das: Tresorit. Möchte ich also meine privaten Fotos sicher in der Cloud speichern und dabei nicht auf das potenzielle Datenleck Dropbox zurückgreifen, dann lohnt sich der Dienst schon. Davon abgesehen, dass Tresorit mit seiner Lage und Datenspeicherung in Europa noch einen möglichen Vorteil gegenüber SpiderOak mitbringt, werden hier die vom Nutzer ausgewählten Daten des Handys synchronisiert, je nach Einstellung vollautomatisch. Zudem verhält sich die klar und einfach strukturierte Android-App von Tresorit wesentlich flüssiger und weniger absturzanfällig als SpiderOak. Dazu gibt’s noch 5 Gigabyte Cloudspeicher gratis – in der kostenlosen Version ist das mehr als das Doppelte von dem, was die Konkurrenz aus Amerika bietet.

Eine ganze Weile schon läuft die Software bei mir auf Handy und PC, bislang fehlerfrei und absolut zuverlässig. Selbst mein altes Budget-Smartphone mit Singlecore-Prozessor kam durch den Kryptodienst nicht ins Schwitzen.

Der Desktopclient ist übersichtlich und klar strukturiert
Der Desktopclient ist übersichtlich und klar strukturiert

Wie es in puncto Sicherheit wirklich aussieht, vermag ich wie bei SpiderOak nicht zu beurteilen. Tatsache ist, dass Tresorit mit Ende-zu-Ende Verschlüsselung wirbt. Tatsache ist auch, dass die Firma demjenigen 50.000 Dollar verspricht, der erfolgreich die Sicherheitssysteme überwinden kann. Bisher scheint das wohl noch nicht gelungen zu sein, zumindest laut eigener Homepage (Screenshot vom 05.11.2014):

Unterordner? Fehlanzeige.

Klingt gut? Auf den ersten Blick zumindest schon. Allerdings hat eine gute Krypto-Cloudspeicherung wohl leider immer einen Preis. Im Fall von SpiderOak ist das eine fast unzumutbare Smartphone-App und eine generell langsame Synchronisierung, bei Tresorit sind es weitreichende Funktionseinschränkungen in der Free-Version: Die Ungarn lassen in dieser nur 5 synchronisierbare Ordner zu und gestatten maximal drei synchronisierbare Geräte. Unterordner-Strukturen werden vom Client überhaupt nicht verstanden, sie führen zu einer Fehlermeldung. Wer also seine Daten fein sortiert speichert und nicht nur alles in einen Ordner wirft, der  kommt damit schnell an die Grenzen. Warum das bei Tresorit nicht funktioniert, ist mir nicht ganz ersichtlich – SpiderOak hat damit  beispielsweise überhaupt keine Probleme.

Das kann dazu verleiten, Tresorit für die Synchronisation mit dem Smartphone zu verwenden und SpiderOak für die Arbeit an Dateien von zwei oder mehr verschiedenen PCs. Und Dropbox wird man letzten Endes trotzdem nicht los – denn das eigene Umfeld ist traditionell schwer motivierbar, auf andere Software umzusteigen. Hat diese auch noch Nachteile oder deutliche Funktionseinschränkungen gegenüber Dropbox, dann ist ein Umstieg de facto kaum vermittelbar. Ordner teilt man somit also weiter mit Dropbox – ähnlich wie vermutlich die meisten Threema-NutzerInnen auch noch Whatsapp installiert haben, weil dort immer noch die meisten Menschen registriert sind.

tl;dr

Die perfekte Krypto-Cloud wäre wohl eine Mischung aus SpiderOak und Tresorit. Oder sollte ich mir in absehbarer Zeit doch mal Owncloud näher anschauen? Wer Tresorit jedenfalls einmal ausprobieren möchte, kann das auch gerne über meinen Download-Link tun, dann bekomme ich mehr Speicher ;)

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