Fernbus: Eine Erfahrung mit Flixbus

Oder: Wie ich mit Flixbus lernte, die Bahn wieder zu schätzen

Am liebsten hätte ich ja geschrieben, dass meine erste Fernbusfahrt sehr angenehm verlaufen wäre. Denn der Bahn täte Konkurrenz wahrlich gut – nicht nur wegen der Streiks, sondern auch in Anbetracht unzähliger Verspätungen. Aber leider kann ich nicht schreiben, dass meine erste Fernbusfahrt eine angenehme Erfahrung war. Das Gegenteil war der Fall. Doch fangen wir von vorne an.

Wegen meiner Prüfungen und Sprechstundentermine bin ich zur Zeit oft in Trier – traditionell mit der Bahn, was für einen Studi – obwohl ab Koblenz mit Semesterticket unterwegs – immer noch reichlich teuer ist. Die Fahrt ist zudem langwierig, um die drei Stunden ist man von Bonn aus eigentlich immer unterwegs. Da kann mir die Einrichtung einer Fernbuslinie zwischen Bonn und Trier gerade recht sein, dachte ich mir. Bedient wird diese vom Unternehmen Flixbus, das derzeit im Begriff ist, sich zu einem der größten Anbieter in Deutschland aufzuschwingen.

Zwei gute Argumente – Preis und Fahrzeit

Vor allem der Preis ist ein starkes Argument für die Linie – die Rückfahrt aus Trier habe ich einen Tag vorher gebucht, sie kostete mich 7 Euro. Das ist selbst trotz Studententicket (was im Bus ja nicht gilt) noch erheblich günstiger als die Schiene. Allein für die Fahrt nach Koblenz zahle ich für den Regionalexpress der Bahn immer noch 11,80 Euro. Zahlt man für die volle Strecke nach Trier, dann sind es bei der Bahn bereits im Regionalverkehr über 35 Euro.

Das zweite starke Argument für den Bus ist die kürzere Fahrzeit – obwohl die Verbindungen ja meist den Ruf haben, deutlich langsamer zu sein als die Bahn. Das mag im Durchschnitt korrekt sein, trifft aber auf die Relation Trier – Bonn nicht zu, denn eine schlecht ausgebaute Moselstrecke und die lange Umsteigezeit in Koblenz (+35 Minuten) bremsen die Züge hier ziemlich aus. Somit ist ist man per Flixbus mit ca. 2 Stunden Fahrzeit eine ganze Stunde schneller am Ziel. Naja, dachte ich.

Denn in Trier selbst nahm das Unheil dann seinen Lauf. Es begann damit, dass ich am späten Nachmittag eine SMS des Unternehmens bekam:

Zwei Argumente dagegen: Verspätungen und unentspanntes  Fahren

Damit war der Zeitvorteil dann schon einmal dahin. Gut, dachte ich mir, dann gehe ich eben noch einen Kaffee trinken. Das empfahl sich auch, denn die Haltestelle am Trierer Hauptbahnhof ist weder überdacht noch windgeschützt. Bei nasskaltem Wetter also kein guter Ort, um auf einen über 45 Minuten verspäteten Bus zu warten.

An der Haltestelle selbst hängt am Fahrplan ein QR-Code, über den aktuelle Informationen zur Fahrt abgerufen werden können. Das probierte ich natürlich sofort aus – und lernte dadurch, dass solche Verspätungen bei Flixbus kein Einzelfall sind:

Flixbus-Verspätungen
http://flixbus.de/aktuelle-streckeninfos, 11.11.14
http://flixbus.de/aktuelle-streckeninfos
http://flixbus.de/aktuelle-streckeninfos, 11.11.14

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach einem leckeren Kakao im Café Lecca direkt am Hauptbahnhof und der Rückkehr zur Haltestelle fanden sich dann gegen 8 Uhr die ersten genervten Fahrgäste ein, darunter viele, die zum ersten Mal in einen Fernbus steigen sollten. Ein Paar aus Solingen war dabei regelrecht verzweifelt, denn die beiden würden aufgrund der Verspätung in Düsseldorf keinen Anschluss mehr bekommen. Sie rechneten bereits, was das Taxi kosten würde.

Schließlich kam dann auch unser Bus – nach kurzem Check des Tickets (man kann dem Fahrer einfach die Email des Unternehmens auf dem Smartphone zeigen) stiegen wir ein. Nach ein paar Minuten waren die Koffer alle eingeräumt, die Fahrgäste hatten es sich gemütlich gemacht, der Motor lief, unser Busfahrer saß vorne – und fuhr nicht los. So ging das 10, 20, 30 Minuten… bis ich aus Neugier nach vorne ging und höflich fragte, warum sich denn unsere Weiterfahrt noch einmal verzögerte. Der nette Fahrer zeigte daraufhin auf die Uhr und erklärte mir schulterzuckend, dass er seine Pflichtpause machen muss und erst in drei Minuten losfahren darf. Dafür kann der Mann natürlich nichts – aber ich finde es mindestens interessant, dass Flixbus die Fahrpläne wohl sehr, sehr eng taktet. Zu eng für gesetzlich vorgeschriebene Pausen und erst recht für andere Verspätungen.

Mit mittlerweile über 60 Minuten Verspätung ging es dann endlich los, raus aus Trier, rauf auf die Autobahn. Der Bus entpuppte sich dabei als leise und komfortabel – aber nur, weil er nicht mal zur Hälfte besetzt war und so alle Fahrgäste zwei Sitzplätze zur Verfügung hatten. So konnte man sich breit machen und entspannt dem Ziel entgegenschaukeln. Bei einem voll besetzten Bus wären die engen Sitze dagegen deutlich mehr zu spüren.

Deutlich zu spüren war dann später der ruppige Fahrstil des Fahrers. Vor allem auf einem kurzen Landstraßenabschnitt bei Mayen, bei dem eine seit Wochen bestehende Umleitung vermutlich für Verwirrung sorgte, reihten sich einige scharfe Bremsungen und sportliches in-die-Kurve-legen aneinander. So sehr, dass manche Taschen von den Sitzen flogen. Auch sonst war der Bus spürbar zügig unterwegs. Vermutlich müssen sich die Passagiere während der Fahrt auch anschnallen – was  aber niemand tat, denn eine entsprechende Ansage des Fahrers gab es nicht. Es wäre auch schwergefallen, denn zumindest mein Gurt zog mich so feste an den Sitz, dass mir das unangenehm war. Zu lockern war er auch nicht mehr, sodass ich ihn umgehend wieder löste.

„Fernbusbahnhof“ – ein schlechter Witz

„Entspannt“ war die Fahrt also nicht gerade und wir erreichten Bonn trotz des rasanten Fahrstils erst um 22.30 Uhr – also immer noch eine gute Stunde zu spät. Die einmal entstandene Verspätung wieder einzuholen lässt der Flixbus-Fahrplan also nicht zu.

Was mich dann in Bonn erwartete, sollte auch nicht gerade ein Anblick der Freude sein. Der Bonner „Fernbusbahnhof“ verdient seinen Namen nicht wirklich – über einen unbeleuchteten und nicht ausgeschilderten Weg, der über düstere Parkplätze und Fahrradwege an den Schienen entlang führt, muss man sich dann noch die 800 Meter lange Route zum Bonner Hauptbahnhof suchen. Zuhause war ich schlussendlich nach 23:00 Uhr. Eine Fahrt mit der Bahn wäre schneller und entspannter gewesen – vermutlich auch bei einer Verspätung. Mein Experiment „Fernbus“ wird sich wohl in absehbarer Zeit nicht wiederholen.

2 Gedanken zu „Fernbus: Eine Erfahrung mit Flixbus“

  1. Der „Fernbusbahnhof“ ist wirklich gruselig, ich lief da letztens mal bei einbrechender Dunkelheit durch.

    Wenn du das nächste Mal im Lecca sitzt, grüß‘ meine Schwester nett. Die arbeitet dort. :)

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