Im Weinberg

Ein Serienplot wie ein kafkaesker Albtraum, Thriller und Film Noir, gewürzt mit einem Schuss The Ring und der englischen Schauerroman-Tradition der Gothic Novel (und auch ein bisschen E.A. Poe), tänzelnd auf der Grenzlinie zwischen rational und irrational und darüber hinaus, mit exzellenten DarstellerInnen, ruhigem Duktus und doch unfassbar packend erzählt – und das aus Deutschland? Vor ’nem Jahr hätte ich Vergiss es gesagt.

Vor einem Jahr.

Jetzt gibt es Weinberg. Läuft unter anderem auf TNT. Unfassbar: Eine deutsche Serie, die es gefühlt ganz locker mit den Qualitätsformaten aus dem anglo-amerikanischen Raum aufnehmen kann (jedenfalls bis jetzt, Stand: Folge 3).

Und wäre vor einem Jahr dann noch der Nachsatz Ach übrigens, das Setting ist deine Heimat gefallen, ich hätte jedem den Vogel gezeigt.

Aber: Das Setting ist meine Heimat. Das Ahrtal, ein Seitental des Rheins, südlich von Bonn gelegen. Bekannt hauptsächlich für Wein und Weinfeste. Gedreht wurde die erste Staffel im beschaulichen Mayschoss, das hier als Kulisse für den fiktiven Ort Kaltenzell dient – und für einen Gruselplott vom Allerfeinsten herhalten muss. Inklusive feindseliger, hinterwäldlerischer Bewohner (und natürlich Weinfesten). Inwiefern die Bewohner fiktiv sind oder nicht, sei mal den Ahrtal-BesucherInnen selbst zu bewerten überlassen. Die Serie jedenfalls hat mich jetzt schon gepackt. Nicht, weil ich da jede Ecke kenne. Sondern weil das Stück genau meinen Nerv trifft.

Und das alles läuft auf einem kleinen, winzigen Sender. Große deutsche TV-Produzenten bekommen derartige Leistungen anscheinend noch lange nicht auf die Kette. Sagt dann auch sehr viele über die Medienlandschaft hierzulande. Jedenfalls… was rede ich hier. Genießt doch einfach den Trailer oder schaut rein. Es lohnt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.