Landleben. Landlust. Landfrust.

Man muss ja alles im Leben irgendwann einmal ausprobieren. Nachdem er als Studi das Leben in zwei Städten als auch im Ausland mal kennenlernen durfte, probiert sich der Protagonist dieses Blogs derzeit berufsbedingt am (deutschen) Landleben aus. Und lernt immer mehr, dass die Vorteile (kursiv) dieses Wohnens mehr Schein als Sein sind.

Die Stadt ist so laut, dagegen ist es hier wirklich sehr ruhig.

Wäre es, wenn da nicht der Durchgangsverkehr wäre. Ohne Auto geht hier nämlich gar nichts, also muss viel gefahren werden. Plus Mähdrescher, Traktoren und ziemlich viele LKW. Einen ähnlichen Pegel gibt’s tagsüber in Bonn und Köln nur an vierspurigen Straßen. Das betrifft übrigens nicht nur das Wohnen an sich – fährt man mit dem Rad raus auf die Felder, dann ist der Sound von Landstraßen, Berufsverkehr und naher Autobahn ziemlich allgegenwärtig.

Günstige Nahversorgung durch eine Bäckerei im Ort.

Beste DDR-Verhältnisse – zu humanen Zeiten gibt es zumeist keine Waren mehr. Daher fährt man auch zum Brot kaufen zum nächsten Supermarkt (ein Aldi) zwei Dörfer weiter. Was okay ist, aber im Grunde keine Nahversorgung mehr darstellt.

Sport kann man auch machen.

Da hat man hier sogar Auswahl: Im teuren Golfclub ein paar Bälle weghauen oder beim Joggen von einem Landfahrzeug / GTI überfahren werden. Neulich kamen mir auf einem asphaltierten Feldweg sogar mehrere verdammt breite, vielachsige Abschleppkräne entgegen. Freizeitspaß pur.

Man ist eigentlich schnell überall.

Nur mit dem eigenen Auto. Mit dem Fahrrad: cf. Joggen/Landfahrzeug/GTI. Mit dem ÖPNV: cf. nada.

Man wohnt sehr günstig.

True story. Wären da nicht überteuertes Internet (normale Anbieter bieten nur um die 2Mbit, außer man beißt in den sauren Apfel und kommt beim VDSL-Lokalmonopolisten unter) und horrende Benzinkosten, die den vermeintlichen Vorteil vollständig aufzehren.

Fazit: Notfallmäßig war es okay und eine richtige Entscheidung, es musste in meinem Fall vor allem schnell gehen. Da war kein Spielraum, um lange genug zu warten, bis mir die perfekte, für einen Referendar bezahlbare Wohnung in Bonn oder Köln unterkommt. Zudem sind die Vermieter hier verdammt sympathisch und zuverlässig, die Wohnung ist schön und sauber und die Nachbarn nerven auch nicht. Nein, ein Fehler war das nicht. Eher „das Beste draus machen.“

Aber die maximal trostlose Umgebung ist dann doch keine Langzeitlösung. Es muss später wohl wieder Bonn oder Köln werden. Oder ich gehe nach dem Ref nach Leipzig oder sonstwo hin. Wider der Auschließeritis.

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