Nicht-Ort, die zweite

Ach hallöchen, liebes V., alte Kackbratze. Lange habe ich nicht mehr über dich hergezogen, da müsste es doch eigentlich einmal wieder Zeit werden, dachtest du dir ganz bestimmt, denn als wenig liebgewonnene Einöde im Brachland der Zülpicher Börde gibt ja auch sonst für dich und deine Nörgelbürger nichts zu lachen. Ja, jedenfalls, V., eben diese Nörgelbürger haben sich nun einen neuen Nörgelstreich ausgedacht, der mir recht gut in dein perfektioniertes Bild zu passen scheint, ja deinen gesamten Existenzsinn: nämlich möglichst jeden Besuch von außerhalb maximal unangenehm zu gestalten. Dies gelingt dir heute auf neue, perfide Art, denn die Ordnungshüter, die du gezielt auf die den Seminarstandort umgebenden Parkplätze ansetzt, haben es natürlich auf uns, die völlig überbezahlten und daher finanziell teilungsfreudigen Referendare abgesehen.

Freilich, V., man muss es dir lassen: In Deutschland gelten immer noch Recht und Ordnung. Darauf legst du Wert, das ist dir wichtig. Bei dir kann nicht einfach jeder irgendwo sein Auto abstellen. Wo kämen wir denn da hin – also schon schon mal nicht zu dir. Vor allem darf man seinen Wagen auf keinen Fall auf den Parkplätzen rund um das von dir so verhasste Studienseminar für die Lehrerausbildung abstellen, denn wir seien ja schließlich, wie deine Ordnungshütenden mahnend feststellen, Zitat, „jung und dynamisch (…) und können gefälligst vom Ortseingang zum Seminar laufen.“ Was du dabei ignorierst: Jung und dynamisch ist bei End-20ern und Anfang-30ern durchaus schon mal Definitionssache, und selbst wenn es so wäre, scheint diese wohlfeile Charakterisierung bei strömendem Regen nicht zielführend. Aber egal, was kümmert’s dich, V., du musst schalten und walten und die leeren Parkplätze leer halten. Und natürlich mit den Ordnungsgeldern deine Finanzen aufbessern. Drum können auch deine Nörgelnden brav hinter ihren Gardinen hocken und darauf lauern, dass erneut fußlahme und überraschend wenig dynamische Referendare die maximale Parkdauer von zwei Stunden um wenige Minuten überschreiten.

Was ich dir jedoch dringend empfehlen möchte: Schaffe Verbindungen mit Bus und Bahn zu dir. Auch wenn deine eigenen Schildbürger möglicherweise nie mit solchen Verkehrsmitteln führen, denn wozu sollte man schon über seinen eigenen Horizont blicken – viele von uns würden sie sicher nutzen. Und: Stelle Schilder in deinen Seitenstraßen auf. Zum Beispiel solche hier: Halteverbot

Dann wird sich auch niemand mehr mit seinem Auto in deine Sträßchen verirren. Sowieso wird sich ab September niemand mehr von uns in deinen Ortskern verirren. Wozu auch? Man kommt ohne Auto nicht hin, darf aber gleichzeitig nirgendwo parken und zu sehen oder zu verweilen gibt es gleich auch nichts.

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