Neu in Bonn

Seit heute bin ich offiziell Bonner. So richtig mit Eintrag im Personalausweis und ’nem Stapel Gutscheine als Willkommensgeschenk. Fühlt sich trotzdem noch etwas seltsam an. Denn obgleich ich hier aus der Gegend stamme, gewöhnt man sich doch sehr an den eigenen Studien- und Arbeitsort – was in meinem Fall Trier war (und noch ist). Sieben Jahre lang war die „älteste Stadt Deutschlands“ quasi mein Wohnzimmer. Am Schluss kam es mir wirklich so vor, zumal die Entfernungen nie sehr groß waren – es sei denn, das Ziel lag woanders als in Trier. Dann kam man faktisch nicht vom Fleck. Trotzdem ein nettes, sympathisches Loch Städtchen, bei dem die Betonung auf dem Diminutiv „-chen“ liegen sollte. Eigentlich wirklich perfekt, um dort zu leben. Nette Stadt, nette Menschen (meistens), gute Freunde, ein absurd steiler Berg zur Uni, und innerhalb von einer halben Stunde konnte man mit dem Bus jeden Punkt des Stadtgebiets erreichen.

Nun aber Bonn. Aus nur einem Grund – der Liebe. Passiert, kann man wohl guten Gewissens zu stehen. Auch wenn einen viele schief ansehen.

Bonn ist anders als Trier, in mehrfacher Hinsicht. Nicht schlechter oder besser, aber anders. Wenn man das nach gerade einmal drei Tagen in der ’neuen‘ Stadt behaupten kann, dann sind die Unterschiede wohl doch beträchtlich. Zum einen ist Bonn größer. Bei weitem keine Millionenstadt wie Köln, aber doch fast genau das Dreifache von Trier. Das macht sich vor allem in den Entfernungen, einer schönen Stadtbahn (wobei eine solche auch Trier einmal hatte) und besser ausgebauten Straßen bemerkbar. Ein weiterer Unterschied, der im Vergleich zu Trier sofort auffällt: Die Bonner können diese Sache mit dem Fahrrad. Störenfried und Todfeind aller Trierer Autofahrer. Gefühlt sind in Bonn überall entweder Radwege oder -streifen, manchmal auch ganze Fahrradstraßen, die sich zudem reger Benutzung erfreuen. Enge Straßen werden in Bonn eben noch enger, damit ein Radstreifen hin passt. Bei der ziemlich ausführlichen Webseite der Stadt bezieht man sich scheinbar gerne auf’s „Strategiepapier Fahrradhauptstadt 2020“ – womit ein weiterer Unterschied zu Trier gefunden wäre. Da gibt’s zwar auch einen Haufen kommunalpolitischer Planungen und Überlegungen für dies und das, aber eher selten konkrete Ergebnisse. Eher schon außergewöhnlich ist es dort, wenn gerade einmal 100 Meter Straße einen Radstreifen bekommen sollen.

Da man so einen Umzug natürlich nicht mit dem Fahrrad machen kann, muss man sich als Autofahrer bei den ersten Besorgungen zunächst mal umgewöhnen und gefühlt mit einem zweiten Augenpaar unterwegs sein. Dennoch bin ich froh, mein Fahrrad mitgenommen zu haben. Zwar ist die Stadt gut drei mal so groß, aber als Radfahrer muss ich mich vermutlich nicht mehr so sehr um’s eigene Leben fürchten wie in Trier.

Das ist schon einmal ein ausgesprochen guter erster Eindruck. Weitere werden folgen. Hoffentlich.