PEGIDA in Bonn: „Bogida“

Allem Anschein nach unternehmen besorgte Bürger Nazis nun auch im gemütlichen Rheinland den Versuch, über systematische Angstmache und Islamophobie ihre politische Agenda gesellschaftsfähiger zu gestalten. In Bonn soll die von ostdeutschen Entwicklungen inspirierte Aktion unter dem Namen „Bogida“ am 15. Dezember um 18:30 Uhr starten, über 1400 Facebook-Likes (viele allerdings von außerhalb) hat die eindeutige Seite bereits.

Eine Gegendemo mit dem Bündnis „Bonn stellt sich quer“ und der Linksjugend (+ FB-Link für aktuelle Infos) wird es ebenfalls geben, diese startet um 17:30 am Kaiserplatz in Bonn. Mehr Informationen zu den Motiven der neurechten Bewegung wie auch zu deren Verbindungen zu „Identitären“ und „HoGeSa“ finden sich zum einen auf dieser Seite der Antifa Köln und zum anderen bei der Aktion Refugees Welcome Bonn. Beides sind lesenswerte Stücke, die die vermeintlich besorgten Bürger auf solide Weise als Kleinkriminelle (Organisator der „Pegida“-Demo: Vorbestrafter Einbrecher…) und politisch  einschlägig Bekannte entlarven.

In diesem Zusammenhang scheint die Erwähnung der Person interessant, die Bogida in Bonn verantwortet. Organisiert wird die ganze Sache anscheinend von einer Frau aus Bornheim, die auf ihrer öffentlichen Facebook-Seite Banner mit der Aufschrift „Famile, Volk, Heimat, Kultur, Identität“ und „Deutschland wacht auf“ postet und auch mit dem Logo der „Identitären Bewegung“ klar macht, wessen Geistes Kind sie ist. Besorgte Bürger? Man kann sich ja selbst ein Bild machen. Wie sich bei Indymedia nachlesen lässt, scheint die Organisatorin ganz zufällig gut in der rechten Szene vernetzt und unter anderem „Sektionsleiterin der Identitären Bewegung Bonn / Rhein-Sieg“ zu sein. Und das sind natürlich keine Nazis, nein, niemals.

Eine Sache noch in puncto Indymedia: Ich weiß natürlich, dass diese Quelle von ganz linksaußen kommt und ein relativ unkontrolliertes Netzwerk ist. Einen Zweifel an deren Recherchearbeit habe ich aber derzeit nicht – schließlich sind die Belege durch Screenshots und das dort gezeigte öffentliche Facebookprofil der Organisatorin ganz gut (das lässt sich dann auch relativ leicht finden). Wovon ich mich an dieser Stelle allerdings mit Nachdruck distanzieren möchte, sind die bei Indymedia ebenfalls zu findenden Gewaltaufrufe gegen eben jene Frau (die ich hier nicht verlinken werde). Egal, wie sehr ich mit einer Gruppe oder Person nicht übereinstimme – Gewalt ist immer ein verdammtes No-Go, überall. Das können sich auch die paar Spinner hinter die Ohren schreiben.

Diskussion und Auseinandersetzung mit dem Thema muss der Weg sein. Man kann und muss gewaltfrei zeigen, dass bestimmte Ansichten Ekel hervorrufen. Und ich hoffe, dass viele engagierte BonnerInnen den plumpen Rechten von Bogida am 15. Dezember diese Auseinandersetzung bieten werden. Denn ich möchte nicht, dass diese widerwärtige Bewegung jemals etwas zu sagen hat in diesem Land.

“Als sie kamen, um die Juden zu holen, schwieg ich, weil ich kein Jude war. Als sie kamen, um die Kommunisten zu holen, schwieg ich, weil ich kein Kommunist war. Als sie kamen, um die Gewerkschafter zu holen, schwieg ich, weil ich kein Gewerkschafter war. Dann, als sie kamen, um mich zu holen, gab es keinen mehr, der für mich seine Stimme hätte erheben können.” – Pastor Martin Niemöller

„Es ist auch mein Zuhause, selbst wenn’s ein Zufall ist – irgendwann fällt es auch auf mich zurück“

2 Gedanken zu „PEGIDA in Bonn: „Bogida““

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