Ausweichsitz Rheinland-Pfalz: Führungen am 1. November

alzey-treppeAus Gründen weise ich mal unauffällig auf meinen Beitrag aus dem letzten Jahr hin. Denn an diesem Sonntag, dem ersten November, finden wieder die einmal im Jahr stattfindenden Führungen durch den Ausweichsitz der rheinland-pfälzischen Landesregierung in Alzey statt, gute 30 Minuten von der Landeshauptstadt Mainz entfernt. Zu sehen gibts einen Atombunker im Spardosenformat, nicht vergleichbar mit dem monströsen Moloch der Bundesregierung im Ahrtal, aber deswegen seinerzeit lange nicht unwichtig. Zumal man genau wie im Ahrtal auch hier alles vorfindet, was es zur Apokalypse braucht.

Schwerpunkt der Führungen in diesem Jahr wird die Flüchtlingskrise sein. Nicht die, die uns gerade alle mehr oder weniger beschäftigt – sondern jene, die Westdeutschland und Europa zu Zeiten des Kalten Krieges erwartet hätte. Hier geht es also um eine Situation, die aus heutiger Sicht kaum noch im kollektiven Bewusstsein steckt: Deutsche, die im Angesicht eines heraufziehenden Atomkrieges die Koffer packen und alles hinter sich lassen.

Infos zu den Führungen, Preisen und Zeiten gibt es hier.

Notizen: Zu Gast in Leipzig

Schon wieder ein Wochenende in Leipzig. Und es war nicht das letzte für dieses Jahr in dieser wunderbaren Stadt. Dieses Mal gab es sogar mal gutes Wetter, das natürlich für ein paar Klischeefotos genutzt werden musste.

Vor allem waren wir aber im Umland unterwegs. Genauer gesagt in Machern. Noch genauer: Unter der Erde. Bei der Stasi. Dort – in der alten Ausweichführungsstelle des Bezirks, dem „Stasi-Bunker“ – organisiert der Verein Bürgerkomitee Leipzig e.V. am jeweils letzten Wochenende eines Monats Führungen durch den imposanten Atombunker. Mein Besuchsdatum war natürlich kein Zufall, denn nach einem Rundgang über das große Außengelände liefen wir bei einer Führung mit und waren sichtlich beeindruckt. Nicht nur von der Anlage selbst, die in einem technisch wirklich bemerkenswerten Zustand ist. Sondern wir sind auch von der guten Führung und der Aufarbeitung des Vereins begeistert, der ausschließlich auf ehrenamtlicher Basis eine ganz tolle und wertvolle Arbeit macht. Einen Besuch kann man also wirklich empfehlen!

Ausweichsitz Rheinland-Pfalz – ein „Atombunker light“

"Atombunker light" im beschaulichen Rheinland-Pfalz
„Atombunker light“ im beschaulichen Rheinland-Pfalz

Kurze Eigenwerbung: An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass wir am 2. November unsere jährlichen Führungen durch den ehemaligen Ausweichsitz der rheinland-pfälzischen Landesregierung anbieten werden. Der Anfang der 80er Jahre entstandene zweigeschossige Atombunker mit etwas über 1100 Quadratmetern Nutzfläche liegt in Alzey – circa eine halbe Stunde entfernt von der Landeshauptstadt Mainz – ganz unauffällig unter der Turnhalle des Staatlichen Aufbaugymnasiums. Die Kreisverwaltung Alzey verwendet die ausgeräumte Anlage heute als Lager, trotzdem ist die technische Einrichtung (ABC-Filter, Netzersatzanlage) noch weitgehend erhalten. Wir werden mit der ersten Gruppe morgens um 10 starten (Treffpunkt Turnhalleneingang); eine Anmeldung wäre von Vorteil, muss aber nicht zwingend sein. Denn Führungen wird’s den ganzen Tag über im 40-Minuten-Takt geben (eventuell etwas Wartezeit einkalkulieren).

Dekonschleuse, Abwurfschacht für verseuchte Kleidung
Dekonschleuse, Abwurfschacht für verseuchte Kleidung

Während einer solchen Führung bekommen die Gäste beide Etagen der äußerlich eher unauffälligen Anlage zu sehen. Unsere Route führt durch ehemalige Büros der damaligen Verkehrs- und Landwirtschaftsministerien im 2. UG und auch mitten durch die technische Einrichtung im 1. UG hindurch. Mit Notstromsystem, Diesel- und Wassertanks sowie Luftfiltern sollte die Anlage der Landesregierung ermöglichen, im Krisen- oder Kriegsfall zwei Wochen lang unabhängig von der Außenwelt handlungsfähig zu bleiben. In den Lage- und Kommunikationszentren des Bunkers wird dann im letzten Drittel der Tour erklärt, welche Szenarien für das Bundesland in geheimen NATO-Übungen innerhalb der Anlage durchgespielt wurden – und somit auch, was das Land in einem Kriegsfall wohl erwartet hätte. (Spoiler: Es sah nicht unbedingt gut aus.)

Bis auf die dicke Betonarmierung zum Parkplatz der Schule ist das Bauwerk eher unscheinbar
Dickes Fundament für eine Turnhalle: Bis auf die massive Betonarmierung zum Parkplatz ist das Bauwerk eher unscheinbar

Mehr Informationen zu Eintritt, Zeiten und Anfahrt gibt hier. Falls jemand schon einmal vorab sehen möchte, was man dabei so erwarten kann – ein kleiner Video-Teaser findet sich im Sat1-Archiv. (Die öffentlich-rechtlichen Sender haben uns auch schon besucht, aber deren Filmbeiträge sind leider nirgendwo mehr aufzufinden.)

Wir freuen uns jedenfalls über jedeN einzelneN BesucherIn – die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass die Führungen trotz der spärlichen Ausstattung des Bunkers immer auf äußerst positive Resonanz stießen.

Bunkerblogger II

Bisher habe ich noch nie über den schönen Weg zu meinem kleinen Nebenjob geschrieben (oder besser gesagt: ein Foto gepostet). Nun gut, bislang gab es dafür auch keinen Grund: Zumeist regnete es und ich war froh, wenn mich jemand vom Bahnhof aus mit dem Auto mitnehmen konnte. Oder ich war froh, einfach selbst mit dem Auto fahren zu können.

Das muss ich nun revidieren – gestern war ein wunderschöner Tag (ist das jetzt eigentlich schon der „goldene Oktober“ oder so?) und mein Weg zur Arbeit entpuppte sich als die pure Idylle bis auf das nervige, 600 Meter langen Steilstück. Diese sichtbar zu machen fiel nicht ganz so leicht, da die Qualität meiner Handycam stets zu wünschen lässt. Aber es lässt sich trotzdem ein Eindruck gewinnen – der Schnappschuss in Richtung Ahrgebirge entstand zwischen dem Walporzheimer Bahnhof und der Dokumentationsstätte Regierungsbunker (vor dem steilen Anstieg):

walporzheim-regierungsbunker

Bunkerblogger

Burgenblogger? Papperlapapp. Bunkerblogger gilt jetzt. Die MitarbeiterInnen der Dokumentationsstätte Regierungsbunker haben im Büro zwar keinen Mobilfunkempfang, dafür aber ein halbwegs funktionierendes Wifi. Da ich als aber gerade nur ca. zehn Minuten Zeit habe bis zu meiner nächsten Führung, muss ich mich etwas sputen. Bis jetzt habe ich bereits zwei großen Menschengruppen die Reste des einst gigantischen Denkmals des Kalten Krieges von innen gezeigt, gleich kommt dann Gruppe Nummer drei. Das wird gleichzeitig auch die letzte Tour für heute sein, danach geht es für mich wieder zurück nach Bonn. Ein schöner Nebenjob eigentlich, man lernt ständig neue Menschen kennen und kommt gleichzeitig nie dazu, auf seinem Wissensstand stehen zu bleiben.

Publikumstechnisch läuft es derzeit allerdings etwas seltsam. Möglicherweise erklären das die zahlreichen Weinfeste an der Ahr (heute in Dernau): Manche Gäste kommen in diesen Tagen regelrecht betrunken hier oben an, anderen schaut man schon vor der Führung beim Trinken vor dem Museumseingang zu und wundert sich dann auch nicht, wenn die Hälfte der Gruppe nach 30 Minuten zur Toilette muss.

Die Führung dauert 90 Minuten und es gibt innen keine Klos.

Aber auch die Weinfestzeit wird bald ein Ende finden. Und somit werden dann auch wieder vermehrt normale nüchterne Menschen ihren Weg zu unserem kleinen, aber feinen Museum finden… ich bin da guter Dinge.

Kleiner Vorgeschmack… aus der Tiefe

Ein kleiner Teaser zu meinem nächsten Artikel für 16vor:

Aus der Tiefe... vermutlich ein Notausgang
Hier geht’s runter… vermutlich ein Notausgang

 

So viel sei gesagt: Es handelt sich um eine Recherche zu einem gut versteckten und etwas vergessenen Trierer Atombunker, den ich bis dato noch gar nicht auf der Rechnung hatte. Das Ergebnis könnte, sofern man mich reinlässt, gar nicht mal unspektakulär werden. Denn größentechnisch könnte das Objekt alle anderen Anlagen in der Römerstadt in den Schatten stellen. Und fast jedeR hat sich schon einmal darüber aufgehalten. Nächste Woche werde ich dann wohl mehr wissen…

Objekt 5001: Der „Honecker-Bunker“

Die Meisten haben davon schon gehört, viele kennen sie: Über 350.000 Menschen waren seit der Eröffnung im Jahr 2008 schon zu Besuch im alten Bunker der (westdeutschen) Bundesregierung in Ahrweiler. Die Dokumentationsstätte Regierungsbunker ist eine Erfolgsgeschichte, wie sie sonst kaum ein deutsches Museum vorweisen kann. Dabei war es historisch betrachtet großes Glück, dass von dem ehemals 17 Kilometer langen unterirdischen Atombunker im Ahrgebirge überhaupt die heutigen 200 Meter übrig blieben, um sie museal nutzen zu können. Das Interesse an dem Thema wurde weithin unterschätzt – hätten die Verantwortlichen in der Politik im Jahr 2001, zu Beginn des „Rückbaus“, geahnt, wie viele Besucher die heutige Dokumentationsstätte fluten würden, dann wäre es durchaus möglich gewesen, wesentlich mehr der alten Anlage als Museum und historisches Mahnmal für zukünftige Generationen zu erhalten. Stattdessen pumpte das Land Rheinland-Pfalz vor allem jede Menge Geld in den Nürburgring-Freizeitpark, mit den altbekannten Folgen…

Auch auf dem Gebiet der ehemaligen DDR gab es mehrere Pendants zu den westdeutschen Bunkeranlagen – zu den wohl berüchtigsten Bauwerken zählt der „Bunker 17/5001“ in Prenden, im Volksmund auch als „Honecker-Bunker“ bekannt. Heute schimmelt die Anlage in Ruhe vor sich hin – aber noch ist sie vollständig erhalten. Das Bauwerk steht seinem Gegenstück in Ahrweiler in nichts nach – zwar ist der Komplex von der Fläche her deutlich kleiner, aber dafür ist die technische Ausstattung ein beeindruckendes Zeugnis der Ängste damaliger Staats- und Regierungschefs. Kosten und Mühen wurden nicht gescheut – so hängt ein Teil des Innenlebens hängt komplett gefedert im Betonrahmen, um mögliche Druckwellen abfangen zu können. Der ganze Bau ist enorm aufwendig, auch bedingt durch die spätere Bauzeit als der Bunker in Ahrweiler.

Ohne nun in nerdige Technik-Schwärmerei ausbrechen zu wollen: Wenn Regierungen solche Anlagen aus Angst vor einem Atomkrieg bauten, dann zeigt das, wie ernst die Lage im kalten Krieg tatsächlich war. Und es sollte möglich sein, diese Ängste und Befürchtungen, die die gesamte Weltpolitik dominierten, auch in Zukunft anschaulich darstellen und erklären zu können. In Ahrweiler wird das bereits getan, in Prenden möchte man dieses Ziel ebenfalls erreichen. Ein Team von fähigen Leuten arbeitet daher zur Zeit hart daran, einen Erhalt und eine damit einhergehende museale Nutzung möglich zu machen. Das Projekt ist enorm aufwendig und hochinteressant, zumal der „Honecker-Bunker“ im Gegensatz zum Ahrweiler Regierungsbunker nicht nur ein kleines Stückchen vom ehemals Dagewesenen bietet, sondern gleich ein weitgehend vollständig erhaltenes Gelände mitsamt vollständiger Bunkeranlage. Die Chance, die man seinerzeit im Westen durch die Verschrottung von über 99 Prozent des Innenlebens verstreichen ließ, sollte man also nun wirklich nutzen.

Daher: Schaut auf den Seiten des Projekts 5001 vorbei, informiert euch, teilt den Link in euren Netzwerken und unterstützt unbedingt die daran angeschlossene Crowdfunding-Kampagne, damit der Traum eines Museums Wirklichkeit werden kann. Nirgendwo lässt sich – auch gerade für Kinder – besser und anschaulicher vor Augen führen, zu welchen Auswirkungen Waffenwahn und Atombombenbau führten und hätten führen können.