Bahnhofsreflexionen

Bonn – Bad Godesberg: Einstieg. Langsam verrottender Bahnhof mit wegbröckelnder Unterführung, auf die selbst Sprayer keine Lust mehr haben. Meistens steht man rum. Entweder, weil die Bonner Stadtbahn mal wieder den Anschluss verpasst, oder weil der Regionalexpress wie gewohnt über 20 Minuten verspätet ist.

Oberwinter: Niemandsland. Der Bahnsteig ist fast zu kurz für den Regionalexpress. Niemand steigt aus oder ein. Die Fahrt wäre kürzer, wenn hier kein Bahnhof wäre.

Remagen: Irgendwie wichtig. IC-Halt, Knotenpunkt, hier liegen mehr Gleise rum als im Bonner Hauptbahnhof. Von Remagen zweigt die Ahrtalbahn ab. Sie transportiert vor allem an Wochenenden Heerscharen von weißhaarigen und zumeist schlecht gelaunten Touristen in die entlegene Bergregion.

Sinzig: Kaufland.

Bad Breisig: „Verehrte Fahrgäste, leider verzögert sich unsere Weiterfahrt um einige Minuten, da uns ein verspäteter Intercity überholt.“ Spätestens an dieser Stelle reift die Erkenntnis heran, dass der Anschluss in Koblenz nicht mehr zu schaffen ist.

Andernach: Pittoresker Blick auf viele mit Stahlteilen beladene Güterwaggons.

Koblenz-Stadtmitte: Mit einem Schlag leert sich der gesamte Zug. Wer in Koblenz wohnt, arbeitet oder einkauft, steigt hier aus. Ebenso viele verwirrte Fahrgäste, die den Haltepunkt mit dem Hauptbahnhof verwechseln.

Koblenz Hauptbahnhof: Das Gegenteil von Koblenz-Stadtmitte – hierhin fährt nur, wer nicht nach Koblenz möchte. Schnelles Rennen zum Anschlusszug, der ausnahmsweise extra-pünktlich abfährt und einen alleine auf dem kältesten aller Bahnsteige zurücklässt. Trostpreis: McDonald’s, freies WiFi, Landesbibliothek.

Bonn bekommt ein „Flüchtlingslager“…

….und Aufmacher wie dieser hier vom Wochenende zeigen auf, wie die ehemalige Hauptstadt-Presse ein heikles Thema mindestens ziemlich ungeschickt angeht:

"Bonn bekommt Flüchtlingslager" - wenn ich überlege, wie viele Menschen nur auf Überschrift + Bild achten und den Text nicht lesen, dann wird mir anders
„Bonn bekommt Flüchtlingslager“ – wenn ich überlege, wie viele Menschen nur auf Überschrift + Bild achten und den Text darunter nicht lesen, dann wird mir anders

Darauf folgte ein kurzer Kommentar auf Seite 2 und zwei halbwegs nüchterne und gar nicht schlecht geschriebene Artikel auf Seite 3. Leider richtet aber eine solche Aufmachung binnen Sekundenbruchteilen ein Bild in den Köpfen der LeserInnen an, was selbst eine komplette und ausführliche Seite 3 zum Thema später nicht mehr löschen kann. Guter Journalismus sieht irgendwie anders aus.

Ach übrigens, der Unterhalt des „Lagers“ wird an einen privaten Betreiber ausgelagert. Dessen schön klingender Name lautet „European Homecare“, die Firma wurde gerade deutschlandweit im Zusammenhang mit systematischen Misshandlungen an AylbewerberInnen bekannt.

Das erwähnte der General-Anzeiger in der Ausgabe mit keinem Wort.

Saft trinken in Bad Godesberg: Das Ananda

Vor ein paar Tagen trieb uns der Durst unmittelbar vor einem eigentlich geplanten Einkauf in einem örtlichen Supermarkt noch einmal in die Bad Godesberger Innenstadt. Einfach kurz was trinken, es war heiß, alles klebte unangenehm und irgendwo würde man schon gerade eine Cola zu trinken bekommen. Aufgrund des kurzen Weges und wegen ein wenig Neugier landeten wir im „Ananda“ – ein kleines vegetarisches Restaurant in der Villichgasse, direkt dem Theaterbistro.

Anstelle der üblichen Cola kann man dort eine Vielzahl an selbst gemixten Säften bestellen, die frisch zubereitet werden – vom Pressen der Frucht bis zum Zusammenmixen geschieht also alles erst nach der Bestellung. Die Säfte sind verdammt lecker und die Bedienung sehr freundlich; angemessene und nicht überteuerte Preise sowie ein kleines Angebot an warmen Speisen runden den sehr guten ersten Eindruck ab. Mittags ist es dort allerdings immer recht voll, unter den Geschäftsleuten scheint das schon länger ein Insidertipp zu sein. Das ist auch der Grund, warum wir nicht schon vorher mal da waren – bisher sahen wir immer die Schlangen vor der Theke stehen und entschieden uns, lieber doch woanders hinzugehen.

Es lässt sich nun aber – nach diesem ersten Besuch – mit Fug und Recht behaupten, dass sich die Einkehr in diesem kleinen, aber feinen Laden sehr lohnt. Wir bestellten zwei irrsinnig leckere Fruchtsäfte und ärgerten uns fast, diesen Laden nicht schon früher für uns entdeckt zu haben. Für den Durst zwischendurch perfekt, für den Hunger vermutlich auch. Denn das Essen, was andere Gäste auf dem Tisch hatten, sah hervorragend aus.

Nur eine kleine Einschränkung gibt es: Das Posten von Links oder gar einer Speisekarte muss entfallen. Denn scheinbar kommt das Ananda sehr gut ohne Homepage und Vertretung in sozialen Netzwerken aus. Selbst das sonst beinahe allwissende Google Maps scheint es nicht zu kennen, man wird nur zu irgendwelchen Yoga-Schulen und Tantra-Massagen gelotst. Ähm, nein, das suchte ich nicht. Daher hier zumindest ein direkter Link mit der Location bei OpenStreetMap.

Fazit: Hingehbefehl!