Man entwickelt sich weiter (oder so)

Weniger ist manchmal mehr, und genau aus diesem Grund verabschiede ich mich von der Leitline, dieses Blog mit wöchentlichen Beiträgen zu befeuern. Es funktionierte eh nur mehr schlecht als recht und oftmals gefallen mir die Resultate bis heute nicht.

Stattdessen sollst du, liebes Blog, mehr Platz bekommen für ausführlichere, längere Texte, die aber dafür gerne mal wie ein abstoßender französischer Stinkekäse ein halbes Jahr (okay, Extremfall) auf dem Server reifen. Mehr schönes Schreiben, oder vielleicht – zur Abwechslung – überhaupt mal schönes Schreiben, indes weniger regelmäßig. So sollte es in Zukunft aussehen. Stelle ich mir vor.

Fokus auf das, was wichtig ist.

Wichtig sind derzeit: Geliebte Menschen, der Job, die Musik. In dieser Reihenfolge. Und da das Priorisieren im letzten Jahr bereits (leider) dazu führte, dass die absolut faszinierenden, aber mitunter auszehrenden Bunker-Stories einstweilen am Nagel hängen müssen, gibt es nun eben ein weiteres, äh, Opfer. Wobei dieses Blog genaugenommen gar kein Opfer ist, sonder eher meine IronBlogger-Mitgliedschaft, die – erwartbarerweise – verloren gehen wird.

Man stellt sich diesem dunklen Gefühl, irgendetwas verpassen zu können. Verpassen ist manchmal besser als durch alles nur oberflächlich hindurch rushen zu wollen. Mehr Zeit für das, was zählt.

“No matter how careful you are, there’s going to be the sense you missed something, the collapsed feeling under your skin that you didn’t experience it all. There’s that fallen heart feeling that you rushed right through the moments where you should’ve been paying attention.”
- Chuck Palahniuk

Vielleicht einfach erwachsen werden. Was weiß ich denn schon.

Bloggen: Vom Sinn und Unsinn

Yeah, es gibt mal wieder eine Blogparade. Und am besten sind bekanntermaßen jene, bei denen man einfach ungefragt mitmacht. Wie zum Beispiel die von Ellen: Sie fragt sich und uns, warum wir denn überhaupt bloggen. Was das alles soll. Da sie mit ihrem Job als Lehrerin einem ähnlichen Schicksal wie ich ins Angesicht schaut, fühle ich natürlich empathisch mit und gebe meinen unnötigen Senf dazu.

Also, warum bloggt man überhaupt?

Das Blog ist mein Mülleimer. Meine Kreativitätsfabrik. Hier kommt einfach alles rein, was mir so auf dem Herzen liegt. Vieles allerdings auch nicht, zumal die Funktion des richtigen, wirklich negativen Seelenmülleimers immer noch meinem analogen, aus Papier bestehendem und mit Füller ausgefülltem Tagebuch obliegt. Würde jemand dieses gut versteckte Schriftstück alleine lesen, dann könnte diese Person vermutlich denken, ich sei vollkommen fertig und reif für die netten Leute in weiß. Allein deswegen stellt das Blog natürlich eher die harmlosere Mülleimer-Variante dar.

Auf Ideen kommt man dabei immer. Zeit ist berufsbedingt schon eher das Problem. Ich habe dafür aber eine ganz passable Lösung gefunden: Jedes Mal, wenn mir ein Blog-Thema einfällt, schreibe ich es in meine To-Do-Liste oder lege direkt einen Kurzentwurf in WordPress an. Idealerweise stehen da schon ein paar Stichpunkte drin, an denen ich mich dann später im eigentlichen Artikel entlang hangeln möchte. So geht mir ein potenziell interessanter Text, den ich erst später schreiben kann, nicht völlig durch die Lappen. Manchmal dauert es dann auch richtig lange, bis so ein Beitrag fertig ist. Meine Entwürfe gammeln zuweilen mehrere Wochen und manchmal Monate auf dem Server vor sich hin. Für den nötigen Schreibdruck sorgen derweil die Ironblogger – aber dazu später mehr.

Ein weiterer Grund: Tradition. Beständigkeit. Oder wesentlich ehrlicher zu sich selbst formuliert: Ein dauerhaftes, diffuses Mitteilungsbedürfnis. Diese Domain existiert seit 2014, insgesamt blogge ich schon etwas länger. Es begann im Jahr 2005 –  man machte irgendwie Abitur und fing mit dem Zivildienst an – mit einer zum Blog mutierenden eigenen Homepage (wer erinnert sich noch an die lustigen .de.vu-Domains?); dann kam Blogspot, war halt bequemer; dann eine sehr lange Zeit auf Englisch auf der mittlerweile geschlossenen Plattform my.opera.com, denn da gabs eine richtig coole Community (hauptsächlich andere Opera-User, also Nerds); schließlich schrieb ich ein Auslandsblog, um meine Erfahrungen in England auch ins Internet und damit an meinen deutschen Freundeskreis und die Verwandtschaft zu tragen. Nach dem Ausland folgten zwei neue Anläufe mit my.opera und mit tumblr, bis ich schlussendlich mal ein Blog unter einer eigenen .de-Domain aufgesetzt habe – dieses hier. Kurzum: Bloggen begleitet mich schon über ein Jahrzehnt, ich kann es irgendwie nicht lassen.

Und was bringt das?

Lernen. Das Blog hält mich im Oberstübchen fit. Ganz im Ernst: Man lernt, Gedanken ordentlich zu strukturieren (wie zum Beispiel in stillose Listen, die mit fett gedruckten Schlagwörtern á la Bento beginnen…), aber auch Themen zu analysieren und sachlich (mehr oder weniger) zu kommentieren. Das bedeutet für mich, dass das Bloggen – auch, da man sich der Sprache durchaus bewusst sein sollte – mehr als nur eine kleine Fingerübung für das Schreiben zwischendurch darstellt.

Auch klinkt man sich, weil man ja neben den ganzen Quatsch-Beiträgen gelegentlich einen Artikel mit etwas Substanz schreiben möchte, stark in die einzelnen Inhalte ein. Ich hätte vermutlich niemals so viel über Verschlüsselung und Messenger gelernt, wenn ich dazu keine Blogartikel geschrieben hätte.

Auch interessant: Vernetzung. Eine Sache, die eigentlich nicht mehr zu „warum“, sondern zu „Sinn“ zählt. Ein Nebeneffekt nämlich, dessen ich mir bis zu diesem Blog gar nicht bewusst war. Denn durch das Bloggen habe ich jede Menge Leute in Bonn kennengelernt, vor allem über die bierseligen Ironblogger. Aber auf die immer weiter wachsende Bonner Community auf Twitter bin ich im Grunde nur hierdurch gestoßen. So haben sich viele schöne Bekanntschaften und manchmal auch richtige Freundschaften entwickelt. Das ist (subjektiv) bedeutender, als mir das vorher gedacht habe – ich zog in eine neue Stadt und kannte im Grunde niemanden außer meiner damaligen Freundin. Damit war das Ironblogger-Treffen sozial schon irgendwie interessant. Das führte dann neben neuen Bekanntschaften auch zu Barcamp-Besuchen (das Format war mir vorher kein Begriff), der Entdeckung diverser digitaler Veranstaltungen in Bonn, einem Engagement bei bundesstadt.com und schlussendlich auch zu einem Praktikum bei bonn.digital. All das hätte es ohne Blog nicht gegeben.

Zudem lese ich gerne andere Blogs. Dabei folge ich manchen über einen Feedreader, andere Artikel werden mir von den Linktipps, dem Feed der Bonner Blogs oder einfach durch Twitter-Empfehlungen in die Timeline gespült.

Sinn? Durchaus. Ich kann den Themen, die mir wichtig sind, manchmal einen größere Reichweite geben (beispielsweise durch das Google-Ranking). Da es häufig kleinere Spartenthemen wie z.B. unsere Bunker-Touren oder meine Band sind, ist das gelegentlich also in eigener Sache praktisch. Aber nur so lange, wie es auch andere Leute außer mir interessiert – was ich hoffe.

Und: Es macht Spaß. Sehr viel Spaß.