Saft trinken in Bad Godesberg: Das Ananda

Vor ein paar Tagen trieb uns der Durst unmittelbar vor einem eigentlich geplanten Einkauf in einem örtlichen Supermarkt noch einmal in die Bad Godesberger Innenstadt. Einfach kurz was trinken, es war heiß, alles klebte unangenehm und irgendwo würde man schon gerade eine Cola zu trinken bekommen. Aufgrund des kurzen Weges und wegen ein wenig Neugier landeten wir im „Ananda“ – ein kleines vegetarisches Restaurant in der Villichgasse, direkt dem Theaterbistro.

Anstelle der üblichen Cola kann man dort eine Vielzahl an selbst gemixten Säften bestellen, die frisch zubereitet werden – vom Pressen der Frucht bis zum Zusammenmixen geschieht also alles erst nach der Bestellung. Die Säfte sind verdammt lecker und die Bedienung sehr freundlich; angemessene und nicht überteuerte Preise sowie ein kleines Angebot an warmen Speisen runden den sehr guten ersten Eindruck ab. Mittags ist es dort allerdings immer recht voll, unter den Geschäftsleuten scheint das schon länger ein Insidertipp zu sein. Das ist auch der Grund, warum wir nicht schon vorher mal da waren – bisher sahen wir immer die Schlangen vor der Theke stehen und entschieden uns, lieber doch woanders hinzugehen.

Es lässt sich nun aber – nach diesem ersten Besuch – mit Fug und Recht behaupten, dass sich die Einkehr in diesem kleinen, aber feinen Laden sehr lohnt. Wir bestellten zwei irrsinnig leckere Fruchtsäfte und ärgerten uns fast, diesen Laden nicht schon früher für uns entdeckt zu haben. Für den Durst zwischendurch perfekt, für den Hunger vermutlich auch. Denn das Essen, was andere Gäste auf dem Tisch hatten, sah hervorragend aus.

Nur eine kleine Einschränkung gibt es: Das Posten von Links oder gar einer Speisekarte muss entfallen. Denn scheinbar kommt das Ananda sehr gut ohne Homepage und Vertretung in sozialen Netzwerken aus. Selbst das sonst beinahe allwissende Google Maps scheint es nicht zu kennen, man wird nur zu irgendwelchen Yoga-Schulen und Tantra-Massagen gelotst. Ähm, nein, das suchte ich nicht. Daher hier zumindest ein direkter Link mit der Location bei OpenStreetMap.

Fazit: Hingehbefehl!

Klischeehafter Touristentrip zum Drachenfels.

Mal ein kurzer Reisebericht. Vielleicht interessant für all jene, die dort noch nicht waren.

Am vergangenen Samstag hatten wir die glorreiche Idee, mal einen Tagesausflug in der neuen Heimat zu machen. Mit dem Fahrrad. Dass wir dabei ziemlich zielgenau den Drachenfels ansteuerten, lag mehr oder weniger auf der Hand: Die „Alternative“ wäre an diesem Tag die Godesburg gewesen, auf der jedoch auch noch Kirmes Mittelaltermarkt war. Da meine Wenigkeit kein großer Fan von solchen Veranstaltungen ist und uns außerdem der Drachenfels bei jeder Vorbeifahrt am Rhein immer wieder anlachte, war er also fällig.

Daher setzten wir uns morgens – wenn auch erst nach 10 Uhr – in Bewegung, radelten den Rhein ein Stück flussaufwärts und setzten mit der Fähre über. Schon vom Rheinufer ist der sagenumwobene Ort gut zu erkennen. Siegfried soll hier – sagen jedenfalls die Bonner – den Drachen Fafnir getötet und in seinem Blut gebadet haben. Also ist unser Ziel zumindest theoretisch das Setting einer der Schlüsselszenen des Nibelungenliedes – einem (früh-) mittelalterlichen Stoff mit Weltruhm.

Drachenfels mit Burgruine obendrauf
Drachenfels mit Burgruine obendrauf

 

Den eigentlichen Weg hoch zum 220m über dem Rhein thronenden „Gipfel“ bewältigten wir dann lieber nicht mehr mit dem Velo, stattdessen präferierten wir den Anstieg mit der schnuckeligen Drachenfelsbahn. Hätte Siegfried sicher auch so gemacht, wenn es die Bahn damals schon gegeben hätte. Auch wenn sie im Vergleich zu den Nibelungen eher neueren Datums ist, kommt bei diesem kleinen Zahnrad-Schienenbus richtiges 50er/60er-Jahre-Feeling auf. Inklusive langem Warten, denn es fahren nur zwei Wagen alle Viertelstunde. Demzufolge reichte die Warteschlange gegen 11 Uhr bis vor die Tür der Station. Jede Menge schlecht gelaunter Menschen mit grauem Haar und vordrängelnde Opas mit Sonnenbrille sorgten für zusätzliche Heiterkeit.

Die grandiose Aussicht auf dem Gipfel entschädigt jedoch für alles. Hinzu kommt, dass wir an unserem Besuchstag eine Wetterlage vom allerfeinsten vorfanden und die Fernsicht so gut war, dass am Horizont Kölner Dom und Fernsehturm auftauchten. Leider ist meine 10 Jahre alte Kompaktkamera nicht ganz so talentiert wie das durch entspiegelte Brillengläser geschärfte Auge, daher gibt’s auf dem Bild „nur“ Bonn und den Rhein zu sehen.

Blick auf Bonn
Blick auf Bonn

 

Die Burgruine ist interessant, allerdings haben Schweden und ein über Jahrunderte betriebener Steinbruch ganze Arbeit geleistet – wirklich viel ist nämlich nicht mehr übrig. Lediglich ein paar bröckelnde Umfassungsmauern und der ebenfalls nicht so wirklich glücklich wirkende Burgfried vermochten die Jahrhunderte bis heute zu überdauern.

Quasi zur Kompensation baute man ein modernes Restaurant unterhalb der Burg. Als wir uns dort stärken wollten, schauten wir jedoch nicht nur 200 Meter ins Rheintal hinunter, sondern auch tief in den Abgrund deutscher Ausflugsgastronomie: Verwirrung, wo muss man hier hin, wie bestellt man was? Bereits essende Gäste halfen uns schließlich weiter: Bedienung am Platz gab’s nämlich nicht, die Bestellung war nur über neben dem Gelände stehende Wagen mit langen Schlangen möglich; und dann hatten sie nichtmal das, was auf der Karte stand. Das fanden wir eher unsexy – kein Wunder, dass trotz Menschenmassen reichlich viele Tische leer blieben. Wir beschlossen kurzerhand, uns noch eine Weile zu entspannen und das mit dem Essen auf später zu verschieben. Bis dahin mussten halt Äpfel und Schokolade als Stärkung für die nächste Etappe reichen: Schloss Drachenburg. Eins muss man den Königswinterern ja lassen – mit den Drachen haben sie’s hier.

Schloss Drachenburg, vom Weg unterhalb des Drachenfels
Schloss Drachenburg, vom Weg unterhalb des Drachenfels

 

Das gar nicht mal so alte, da aus dem 19. Jahrhundert stammende Schloss entpuppte sich dann neben der bereits erwähnten, auch von dort immer noch prächtigen Aussicht als absolutes Highlight der ganzen Tour. Ein ziemlich guter Gästeführer gab uns dabei viele Hintergründe mit auf den Weg, unter anderem zu den vielen Geschichten, die die Architektur über seine vielen Zimmer und Statuen erzählt. Und die Infos zu den teilweise abgedrehten Inhabern waren auch hochinteressant – allen voran natürlich zu Paul Spinat, der dort in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts auf einer falschen Kirchenorgel seine Playback-Shows zum Besten gab. Definitiv eine kurzweilige und sehr empfehlenswerte Sache. Übrigens ist das Schlossgelände recht groß, wer noch die umliegenden, verwunschen wirkenden Gärten erkunden möchte, sollte etwas Zeit mitbringen. Ich würd’s übrigens sofort kaufen, wäre ich denn solvent genug.

Weiter ging es von dort aus noch zur Nibelungenhalle Richard Wagners, die wir leider wegen Renovierungsarbeiten nur geschlossen vorfanden. Das hätte man uns zwar beim Ticketkauf für die drei Ziele auch sagen können, aber naja, wir wollen mal nicht meckern. Statt in die Halle warfen wir dann noch einen Blick in den Reptilienzoo, der, um es ehrlich zu sagen, wegen seiner engen Käfige und Terrarien keinen besonders guten Eindruck machte. Ich kann mich aber auch täuschen, denn von Reptilien habe ich dann doch überhaupt keine Ahnung.

Mit den Drachensagen hat man es hier.
Mit den Drachensagen hat man es hier.

 

Der Trip endete dann nach einem kleinen Fußweg den Berg herunter in einem Restaurant an der Rheinpromenade. Sah von außen aus wie die übliche Touristenklitsche, entpuppte sich dann aber doch als wirklich lecker. Chapeau, Königswinter.

Übrigens habe ich bisher noch nicht so ganz herausgefunden, wieso jetzt genau diese spezielle Siegfried-vs-Drachen-Szene aus dem Nibelungenlied hier gespielt haben soll. Im Text selbst findet sich – zumindest meiner bescheidenen Meinung nach – kein richtiger Hinweis auf diesen Ort. Wenn da also von den heimatbeflissenen BonnerInnen jemand mehr weiß, wäre ich äußerst dankbar für Anregungen und Hinweise.

Kommunalwahlen in Bonn – Liste ankreuzen, fertig?

Letzten Sonntag war es dann so weit: Europa- und Kommunalwahlen. Auch in NRW. Kaum lebe ich hier, schon wähle ich hier. Eigentlich ja nett und zuvorkommend von der Stadt. Vor allem, wenn man berücksichtigt, dass man in manchen Kommunen erst nach drei Monaten ins Wählerverzeichnis aufgenommen wird. Das ist tatsächlich kein Scherz, meiner ehemaligen Mitbewohnerin wurde – bedingt durch ihren Umzug von der Stadt Trier in den Kreis Trier-Saarburg unmittelbar vor der Wahl – de facto das Kommunalwahlrecht entzogen. Unglaublich, aber wahr. Einfach mal so, Gleichheitsgrundsatz hin oder her, Rheinland-Pfalz darf das.

Eine andere rheinland-pfälzische Tradition zur Wahl vermisse ich allerdings im schönen Bonn: Das Kumulieren und Panaschieren. Oder allgemeinverständlich formuliert: Die Möglichkeit, auf den Wahllisten einzelne KandidatInnen durchzustreichen (okay, das ist böse, aber manchmal notwendig) oder bestimmte Personen besonders zu gewichten – und eben, viel wichtiger noch, dabei keine Rücksicht auf Parteigrenzen nehmen zu müssen. Folglich lassen sich in RLP quer auf dem ganzen Wahlzettel verteilt Kreuzchen machen. In Bonn ging das dagegen nicht, man wählt lediglich Listen und SpitzenkandidatInnen.

Kumulieren und Panaschieren ist aber eine überaus tolle Sache für alle, die sich zumindest ab und an mit Kommunalpolitik auseinandersetzen. Und daher wissen, was von bestimmten Herrschaften in der Politik zu halten ist. Man kann dadurch den unangenehmeren Zeitgenossen seine Stimme verweigern, aber z.B. trotzdem den Rest einer Wahlliste wählen. Oder man wählt gezielt jene BewerberInnen, die man für kompetent hält. Egal auf welcher Liste sie stehen. Obgleich das zwar zu einem verwirrenden Riesen-Wahlzettel führt, auf dem alle Listen mit Namen im Detail aufgeführt sind – für Menschen, die mit den Namen nichts anfangen können, bleibt ja immer noch die Möglichkeit, ihr Kreuz (wie in NRW) einfach unter eine Liste zu setzen. Dann verteilen sich die Stimmen so, wie es von der jeweiligen Partei vorgesehen ist.

Das habe ich aber immer vermieden, stattdessen habe ich auf kommunaler Ebene häufig quer durch den Gemüsegarten gewählt. Denn Parteien – gerade die großen – setzen nicht immer die besten Leute auf die Spitzenplätze oder zumindest auf aussichtsreiche Positionen. Und wie demokratisch so eine Listenaufstellung aussieht, bleibt auch jeweils immer den Parteien selbst überlassen. Dazu ein anschauliches Beispiel aus dem Nachbar-Bundesland: Bei den Aufstellungen der Trierer Wahllisten glänzten nur die Grünen und die Piraten mit wirklich ‚gewählten‘ Listen. Bei allen anderen Parteien wurden die Listen im Vorfeld ausgekungelt und dann von einem Parteitag abgenickt bestätigt.

Wie es dazu im Vergleich bei den Bonner Parteien aussieht, kann ich in Anbetracht meiner noch kurzen Zeit hier nicht beurteilen. Aber trotzdem vermisste ich es beim Urnengang doch, durch gezieltes Wählen von Einzelpersonen solchen ausgekungelten Listen im wahrsten Sinne des Wortes einen Strich durch die Rechnung zu machen.

Needless to say: Ich fände ein solches Wahlsystem auch für Landtags-, Bundestags- und Europawahlen ziemlich spitze. Auch wenn dadurch die Auszählung natürlich länger dauerte, wäre es doch eine wesentlich sympathischere Variante der repräsentativen Demokratie.

Schutzräume auf meinem Weg durch Bonn (Vorbereitung Zombie-Apokalypse)

Obacht: Dieser Beitrag handelt erneut von Bunkern. Der Nächste wird garantiert wieder von etwas anderem handeln, aber es ließ sich gerade einfach nicht anders einrichten. Denn das, was mir neulich mehr nebenbei auffiel, sollte zumindest erwähnt werden – weil es mich als Bekloppten „vom Fach“ selbst amüsierte und für BonnerInnen vielleicht gar nicht uninteressant ist.

Auf meinem Weg nach Trier – den ich vom schönen Plittersdorf öfter mal fahren werde in diesem Sommer – durchquere ich mit der Stadtbahn gleich drei Bunkeranlagen. Nicht irgendwelche Nazidinger, sondern moderneren Kram aus dem Kalten Krieg. Was in Bonn per se keine Überraschung ist, denn die ehemalige Bundeshauptstadt wurde damals im Vergleich zu anderen Städten recht solide untertunnelt. Was mich überrascht hat, ist eher, dass ich sowieso nur drei Haltestellen Stadtbahn bis zum Bahnhof in Bonn – Bad Godesberg zu fahren habe – und alle drei sind ausgebaute Zivilschutzanlagen. Wenn also nun plötzlich beim Sitzen in der Stadtbahn die Zombie-Apokalyse losbricht, kann ich bequem an der Wurzerstraße, der Plittersdorfer Straße oder direkt in der Godesberger U-Bahn-Station rausspringen. Diese Stationen können unter der Erde hermetisch abgeriegelt werden, nach oben hin wie zu den U-Bahn-Tunneln. Zumindest ein paar Stunden ließen sich hier also sicher verbringen. Bis man dann mal auf Klo muss oder Hunger bekommt. Denn es war auch im Kalten Krieg nicht vorgesehen, hier irgendwelche Lebensmittel zu lagern. Sanitäranschlüsse u.ä. müssten auch erst einmal installiert werden, genauso wie Betten (Pritschen) und andere Einrichtungsgegenstände. Diese für eine Zombie-Apokalypse eher unvorteilhafte Auslegung geht auf die Vermutung eines relativ langen Vorlaufs zurück, der dem atomaren Inferno der 60er/70er/80er-Jahre-Kriegsspielchen stets vorausging. Man bräuchte also erst mal eine Weile, bis man so einen Atombunker für Zivilisten ans Laufen brächte. Zwei Wochen, um’s genau zu sagen. Wieso und warum öffentliche Schutzräume nicht von heute auf morgen funktionieren können, habe ich letzten Sommer hier näher erklärt. Der Artikel handelt zwar von einer Trierer Anlage, aber die Sachlage ist im Prinzip identisch. Fun Fact: Atombunker funktionieren fast immer auf dieselbe Weise. Ob in Bonn, Trier, Berlin oder Woauchimmer. Auch der Großschutzraum unter dem Bonner Hauptbahnhof, von dessen Existenz immer noch viele nichts wissen, funktioniert nach demselben Muster. Darüber hat Christoph Lubbe einen sehr lesenswerten und schön bebilderten Artikel geschrieben (den Herrn Lubbe kann man übrigens des Öfteren bei unseren bunker-doku.de-Führungen live erleben).

Und was macht man, wenn die Zombies in der U-Bahn rumlaufen? Dann könnte man versuchen, in einen der zahlreichen Schulschutzräume oder gleich in den Godesberger B9-Tunnel zu gelangen. In Letzterem hätten gleich 7200 Menschen Platz. Gemütlich wäre das allerdings nicht unbedingt und das Problem mit der langen Vorbereitungszeit gibt es auch hier. Nicht unbedingt die beste Lösung, wenn es schnell gehen muss.

Die Bahn. Von Bonn nach Trier. Oh Dear.

Eine längere Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu planen ist ja immer so eine Sache. Ich zähle mich selbst dabei zu den eher erfahrenen Nutzern – also zum Beispiel zu jenen, die umherirrenden Menschen am Bahnsteig meistens schnell weiterhelfen können und bestimmte Fahrpläne auswendig im Kopf haben. Eigentlich sollte also ein Wechsel nach Bonn – mit zwar einem anderen, aber doch sehr umfassenden ÖPNV – keine nennenswerten Probleme bereiten für einen Vielnutzer wie mich. Eigentlich.

Letzte Woche musste ich dann wieder nach Trier. Natürlich studentisch-standesgemäß mit der Bahn. Die Leserin* ahnt nun sicherlich, dass die Fahrt in Anbetracht meiner Betonung des Wortes „eigentlich“ nicht ganz reibungslos verlief. Eines vorab: Ich kam wohlbehalten und wie geplant in Trier an. Eher waren es Planung und Fahrkartenverkauf, die mir nicht so ganz vorkamen wie im zweiten Jahrzent des 21. Jahrhunderts. Und die mich die Frage stellen ließen, ob mich der hiesige Verkehrsverbund nicht einfach nur ärgern möchte. Oder die Bahn. Oder beide.

Die Planung der dreistündigen Fahrt funktionierte zum Beispiel nur über Umwege so, dass man sie als ‚vernünftig‘ bezeichnen kann. Sowohl die Seite der deutschen Bahn als auch die Eingabemaske des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg wollten mich mit der Bonner Stadtbahn (Fahrt ab Dt. Museum/Hochkreutz, also beim Godesberger Bahnhof um die Ecke) bei den meisten Verbindungen über Bonn Hauptbahnhof leiten. Entfernungs- und zeittechnisch ist das bei Nutzung des Regionalverkehrs ziemlicher Quark – und wäre mich auch noch teurer gekommen. Die Suchmasken ließen sich zwar ‚überlisten‘, indem ich die Plittersdorfer Straße als „via“-Haltepunkt einfügte. Damit verschwanden dann auch die teils absurd langen Fahrzeiten. Aber das ist ein Aufwand, der eigentlich gar nicht passieren dürfte. Wenn ich mir dabei Opa oder Oma vorstelle, wie sie eine Fahrt aus Bonn heraus mit den im Netz gegebenen Möglichkeiten planen wollen… dann bekomme ich plötzlich Verständnis für die Menschen, die eine Reise auch heute noch lieber mit den guten alten Faltplänen aus Papier oder gleich am Schalter planen. Oder lieber direkt mit dem Auto fahren. Usability = Totalausfall.

Die zweite Gelegenheit zur Irritation bot sich dann an der Haltetelle der Bonner Stadtbahn. Man darf es wohl verwunderlich finden, dass man hier nur Karten innerhalb des Verkehrsverbundes kaufen kann. Also, hmm, zumindest ich finde das verwunderlich. Über darüber hinaus liegende Ziele – wie z.B. das nicht sooo weit entfernte Koblenz – ist ein Ticketkauf einfach nicht möglich. Bedeutet für einen ahnungslosen Neu-Bonner wie mich konkret: Würde ich eine Reise so planen, wie sie die Eingabemasken im Internet in der Standardeinstellung vorschlagen, dann ergibt sich daraus unversehens ein Zeitproblem. Und zwar ein großes. Die Umsteigezeiten sind oft knapp kalkuliert und wer nicht direkt online bucht (was in Verkehrsverbünden auch immer so eine Sache ist, über die DB-App z.B. konnte ich die Fahrt auch nicht buchen), also sein Ticket erst am Automaten ziehen möchte, der guckt in die Röhre. Denn die Fahrt an besagtem Automaten kann zunächst mal nur bis zum nächsten „richtigen“ Bahnhof der deutschen Bahn gelöst werden. Dort muss dann das Ticket für den Rest der Fahrt gekauft werden, was in Anbetracht kurzer Umsteigezeiten ein delikates Unterfangen ist.

Wenn man unerfahren ist. Oder sich nicht richtig auskennt. Oder den Eingabemasken im Internet zu sehr vertraut.

Zwar treffen die beiden beschriebenen Beispiele eher auf eine kleine Zahl an Reisenden zu. Aber genau diese Nicht-Vielfahrer sind es, die langfristig von den Öffentlichen überzeugt werden müssen. Ich habe mich irgendwie durchgeschlagen und das System nun begriffen (irgendwie, glaube ich), aber hatte bei der ersten Tour auch Glück mit der Zeit. Eine schlechte Usabillity der Online-Suche und nur unflexible Möglichkeiten zum Ticketkauf tragen jedenfalls nicht unbedingt zu mehr FreundInnen des ÖPNV bei.

 

*Ich nehme es mir ab jetzt übrigens heraus, gelegentlich und unangekündigt offensiv zu gendern. Bringt Spaß und Spannung in die Tristesse der Männersprache.

Rhein in Flammen

Aus der Neu-Bonner Perspektive bietet Rhein in Flammen ein durchaus sehenswertes Erlebnis. Frisch mit einem Besucherrekord gesegnet, boten die – trotz Menschenmassen – nicht überfüllt wirkenden Rheinauen fast schon Festivalatmosphäre. Kein Wunder, zwischen den drei Bühnen konnte der interessierte Besucher sich an ungezählten Fressbuden die Plauze vollhauen, sich alle 20 Schritte am jeweils nächsten Bierbrunnen für erstaunlich humane Preise die nötige Erfrischung gönnen und selbige frisch acquirierte Mageninhalte anschließend auf Kirmesgeräten oder gleich beim Bungee-Jumping vom 70-Meter-Kran wieder loswerden. Ja, beim sogenannten „Landprogramm“ war für alle Alters- und Interessensgruppen etwas dabei.

Für mich ging es dabei vor allem um Musik, wollte ich doch ein paar alte Bekannte wiedersehen. Überhaupt: Speziell die musikalische Untermalung des Abends kann an dieser Stelle nicht genug gewürdigt werden. Denn dadurch, dass die drei Bühnen für drei unterschiedliche Musikstile standen, kamen sich deren Freunde auch nicht allzu sehr in die Quere. Gekrönt wurde das Ganze dann (zumindest für mich) durch den Auftritt von Lake Cisco, einer Progressive Rock Band aus Koblenz. Mir sind die Jungs noch von „früher“ geläufig, als man sich gelegentlich auf regionalen Musikwettbewerben die Bühne teilte. Wir wollten ja alle mal Rockstar werden. Lake Cisco gehören dabei zu den ganz wenigen Protagonisten, die es bis heute durchziehen – und verdammt nah dran sind. Zumal diese Band, meist im Gegensatz zu anderen aufstrebenden Regionalbands von „früher“, bereits vor ein paar Jahren verdammt gut war – aber das ist trotzdem kein Vergleich zu dem, was aus den Jungs geworden ist. Was das Quartett mittlerweile bei Auftritten wie in den Rheinauen lässig und professionell auf die Bretter zimmert, zieht einem wahrhaft die Schuhe aus. Muse und Konsorten können nach Hause fahren. Absolut großartige Rockmusik, abgedreht, verspielt, technisch versiert bis hin zur Überforderung des Publikums. Die meiste Zeit wirkte es dennoch so, als schmölzen die Anwesenden vor Staunen und Bewunderung regelrecht hinweg. Der einzige Bruch für diesen guten – perfekten – Auftritt lag dann viel mehr darin, dass die Band ausgerechnet den (normalerweise äußerst komfortablen) „Headliner“-Slot belegte. Zeitlich kollidierte dieser mit dem angekündigten „großen Höhenfeuerwerk“. Wer sich also Selbiges ansehen wollte, begab sich mitten während des Konzerts weg von der Bühne, die eingekesselt zwischen Südbrücke und hohen Bäumen alles andere als eine gute Lage für das Abschlussspektakel von Rhein in Flammen bot. So auch dann unser kleines Grüppchen, welches sich komfortabel auf einem der Hänge an den Rheinauen einrichtete. Dafür kann die Band natürlich nichts, ich hoffe, sie verzeiht es uns.

Das Feuerwerk selber war dann allerdings… eher unspektakulär. Zugegeben, gemessen am flammenden Titel der Veranstaltung hätte ich da etwas mehr erwartet. Das kann jedes Dorf-Weinfest im Ahrtal genauso gut.

Das Fazit lautet aber trotzdem: Rhein in Flammen ist definitiv einen Besuch wert. Die Rheinauen boten friedliche Volksfestatmosphäre mit guter Musik, die verschiedene Geschmäcker ansprach, und selbst das Bier ließ sich nicht als krass überteuert bezeichnen – zumindest gemessen am kostenlosen Eintritt.

Bonn, ich fange an, dich zu mögen.

 

 

#Update 05.05.2014: Ich sollte öfter Festivalvergleiche anstellen – zumindest berichtet der Bonner General-Anzeiger heute, dass wegen des durchschlagenden Erfolgs von Rhein in Flammen das R(h)einkultur-Festival vor einer Wiederauflage stünde. Na das wäre ja mal was.

Neu in Bonn

Seit heute bin ich offiziell Bonner. So richtig mit Eintrag im Personalausweis und ’nem Stapel Gutscheine als Willkommensgeschenk. Fühlt sich trotzdem noch etwas seltsam an. Denn obgleich ich hier aus der Gegend stamme, gewöhnt man sich doch sehr an den eigenen Studien- und Arbeitsort – was in meinem Fall Trier war (und noch ist). Sieben Jahre lang war die „älteste Stadt Deutschlands“ quasi mein Wohnzimmer. Am Schluss kam es mir wirklich so vor, zumal die Entfernungen nie sehr groß waren – es sei denn, das Ziel lag woanders als in Trier. Dann kam man faktisch nicht vom Fleck. Trotzdem ein nettes, sympathisches Loch Städtchen, bei dem die Betonung auf dem Diminutiv „-chen“ liegen sollte. Eigentlich wirklich perfekt, um dort zu leben. Nette Stadt, nette Menschen (meistens), gute Freunde, ein absurd steiler Berg zur Uni, und innerhalb von einer halben Stunde konnte man mit dem Bus jeden Punkt des Stadtgebiets erreichen.

Nun aber Bonn. Aus nur einem Grund – der Liebe. Passiert, kann man wohl guten Gewissens zu stehen. Auch wenn einen viele schief ansehen.

Bonn ist anders als Trier, in mehrfacher Hinsicht. Nicht schlechter oder besser, aber anders. Wenn man das nach gerade einmal drei Tagen in der ’neuen‘ Stadt behaupten kann, dann sind die Unterschiede wohl doch beträchtlich. Zum einen ist Bonn größer. Bei weitem keine Millionenstadt wie Köln, aber doch fast genau das Dreifache von Trier. Das macht sich vor allem in den Entfernungen, einer schönen Stadtbahn (wobei eine solche auch Trier einmal hatte) und besser ausgebauten Straßen bemerkbar. Ein weiterer Unterschied, der im Vergleich zu Trier sofort auffällt: Die Bonner können diese Sache mit dem Fahrrad. Störenfried und Todfeind aller Trierer Autofahrer. Gefühlt sind in Bonn überall entweder Radwege oder -streifen, manchmal auch ganze Fahrradstraßen, die sich zudem reger Benutzung erfreuen. Enge Straßen werden in Bonn eben noch enger, damit ein Radstreifen hin passt. Bei der ziemlich ausführlichen Webseite der Stadt bezieht man sich scheinbar gerne auf’s „Strategiepapier Fahrradhauptstadt 2020“ – womit ein weiterer Unterschied zu Trier gefunden wäre. Da gibt’s zwar auch einen Haufen kommunalpolitischer Planungen und Überlegungen für dies und das, aber eher selten konkrete Ergebnisse. Eher schon außergewöhnlich ist es dort, wenn gerade einmal 100 Meter Straße einen Radstreifen bekommen sollen.

Da man so einen Umzug natürlich nicht mit dem Fahrrad machen kann, muss man sich als Autofahrer bei den ersten Besorgungen zunächst mal umgewöhnen und gefühlt mit einem zweiten Augenpaar unterwegs sein. Dennoch bin ich froh, mein Fahrrad mitgenommen zu haben. Zwar ist die Stadt gut drei mal so groß, aber als Radfahrer muss ich mich vermutlich nicht mehr so sehr um’s eigene Leben fürchten wie in Trier.

Das ist schon einmal ein ausgesprochen guter erster Eindruck. Weitere werden folgen. Hoffentlich.