Rap + Metal = Grütze? Weit gefehlt.

Manche Musikrichtungen passen einfach nicht zusammen. Zum Beispiel käme niemand auf die Idee, Freejazz mit Techno und Volksmusik zu kreuzen (oder doch?). Das würde schließlich alle völlig verwirren und Volksmusikfans sowieso überfordern. Beim Thema Metal sieht das nicht viel anders aus.

Und so verwundert es kaum, dass es auch und gerade unter den konservativen Metalfans (ja, die – gefühlt – zwar weltoffen, aber eben doch sehr traditionsbewusst sind) häufig zu Widerständen gegen Innovationen in der eigenen Musikrichtung kam. Und auch immer noch kommt: Das berühmteste Beispiel dafür dürften mithin die bekannten 90er/2000er Bands der großen Crossover-Welle sein, die damals von Bands wie Faith No More und Rage Against The Machine losgetreten und wenig später von Korn, Limp Bizkit, Linkin Park und anderen in den Metal getragen wurde. Man findet selbst heute auf den richtigen Metalkonzerten kaum jemanden, der sich für diese Musik begeistern kann. Das Problem nennt sich Rap. Aus irgendwelchen Gründen kann und möchte der gemeine Metalfan sich nicht mit diesem Gesangsstil in der harten Gitarrenmusik identifizieren.

Vielleicht, weil hart und hart einfach nicht passen. So wie minus minus plus ergibt.

Vielleicht, weil man früher – während der traumatischen Schulzeit – von der Hiphop-Fraktion gehänselt und kopfüber ins Klo getaucht wurde.

Vielleicht, weil man eben einfach konservativ ist und nur das gut finden kann, an das man sich in einem jahrelangen Prozess gewöhnt hat.

Vielleicht auch nur weil darum. Weil Rap nicht zur Szene gehört und ein Kutte tragender Rap-Hörer irgendwie scheiße aussieht.

Man weiß es nicht. Tatsache ist aber nun einmal, dass es trotzdem immer wieder Bands gibt, die genau diese beiden Stile kreuzen und damit mehr oder weniger untrue sind. Zumindest aus Sicht der mit verschränkten Armen rumstehenden, ziemlich grim dreinblickenden Metal-Community, die schon in den 90ern die großartigen, brillant textenden Such A Surge blöde fand (die unter anderem deswegen heute niemand mehr kennt):

Und nun gibt es ein paar neue Entwicklungen, vielleicht schickt sich gar eine dritte Crossover-Welle an, die Festival- und Clubbühnen zu erobern. Die Rede ist von einer völlig neuartigen Kreuzung aus Metal und Rap. Als Ausgangsbasis beim Metal dient hier eine der neuesten Entwicklungen, das Subgenre mit der seltsamen Bezeichnung Djent. Auszeichnend für diesen Stil sind deutlich tiefergestimmte Gitarren, deren Tonlage teilweise eine ganze Oktave unterhalb der Standard-Stimmung liegt und zumeist mit sieben oder acht Saiten erreicht wird. Das macht natürlich viel Bumms und groovt ohne Ende, Beispiele finden sich dafür im Sound von Meshuggah und Vildhjarta, wer es melodischer mag, sollte sich Tesseract und Textures geben.

Und eben genau dieser knackige, sehr solo-arme, aber stark rhythmusbetonte Sound wird von einigen nun mit dem ebenfalls rhythmusbetonten Rap gekreuzt. Wie in den 90ern, nur tiefer. Und grooviger. Böser. Den Archetypus dieser Entwicklung stellen Hacktivist aus Großbritannien dar. Die im Jahr 2012 gegründete Band glänzt mit deutlich an Rage Against The Machine angelehnten Texten und schiebt auf ihrer aktuellen Europa-Tour einfach alles weg. Just gestern sah ich die fünf im Kölner Luxor – einem kleineren Club der 400-Leute-Klasse (?), wo niemand still stehen bleiben konnte. Es war einfach viel zu gut. Tiefe Stimmung, Rhythmik und ekstatischer Publikumskontakt transportieren eine Wahnsinnsenergie, die sich in der knappen Stunde Spielzeit kaum abbauen ließ. Eine absolute Wucht. Ich persönlich halte das Konzert sogar für einen heißen Kandidaten für den ersten Platz auf meiner Jahres-Bestenliste. Wer also grundsätzlich offen gegenüber Rappern im progressiven Gitarren-Genre ist, sollte sich die Jungs mal anhören. Ihr bester Song ist meine Ansicht nach dieser hier, aber das bleibt letzten Endes Geschmacksfrage:

In eine ganz ähnliche Kerbe schlagen die Australier DVSR. Auch sie kombinieren Rap mit dem neuesten Metal-Stil, etwas runder und zugänglicher als Hacktivist, dafür aber auch konsequenter und völlig ohne cleane Gesangspassagen, die bei den Briten manchmal auch nur nach Metalcore klingen. Beide Bands haben gerade ihre Debüt-Alben veröffentlicht, Outside The Box (Hacktivist) und D.V.S.R., woraus man sich eigentlich alles gut anhören kann. Beide Alben sind richtig gut, das Debüt von DVSR gefällt mir dann auch nur ein kleines bisschen besser. Leider wird man die Band aufgrund ihrer relativ weit entfernten Herkunft in nächster Zeit wohl nicht auf europäischen Bühnen sehen, weshalb hier erst einmal ein Musikvideo-Vorschlag reichen muss  – den man sich aber dafür prima öfter reinziehen kann, oder man kauft sich das Album: