Ex Machina

Ein exzellenter Film war das, den ich letzte Woche im Kino sah. Das Regiedebüt des Briten Alex Garland, der zuvor als Romancier (The Beach) und Drehbuchautor (28 Days Later, Sunshine) in Erscheinung trat, überzeugt mich persönlich auf ganzer Länge und ist nun auch ein Kandidat, später auf DVD orginal eingekauft zu werden (mehr kann mich ein Film eigentlich nicht überzeugen). Obgleich das Thema von Ex Machina nicht unproblematisch ist für eine Filmlänge: Es geht um nichts anderes als die moralischen Folgen der Entwicklung künstlicher Intelligenz. Dennoch diskutiert der Film die Problematik trotz der medial bedingten Zeitbeschränkung absolut gekonnt – auch dank der beiden Hauptdarsteller Alicia Vikaner (Inside Wikeleaks, Anna Karenina) und Domhnall Gleeson (True Grit, Never Let Me Go), um deren existenzielle Dialoge sich die Handlung in weiten Teilen dreht. Action, Spektakel? Nur ein bisschen, am Schluss. Ganz zart. Wer aufgrund des Titels ein Science-Fiction-lastiges Baller-Epos mit Maschinen erwartet, wird eher enttäuscht. Science Fiction ja, total,  aber die Eskalationsspirale erzählt der Plot ganz ruhig runter – mit zahlreichen Anlehnungen nicht nur an die in manchen Passagen explizit erwähnten philosophischen und historischen Vorbilder, sondern auch und vor allem an das große Thema, mit dem die gesamte britische Science Fiction – Tradition schlechthin begann: Den Frankenstein-Roman. Obgleich Shelleys Werk nicht wörtlich genannt wird, finden sich zahlreiche Anspielungen durch die gesamte Handlung hindurch. Der Archetyp des wahnsinnigen Wissenschaftlers Viktor Frankenstein ist jetzt eben kein Wissenschaftler mehr, sondern wurde zum modernen IT-Nerd-Hipster mit Hornbrille und Bart ummodelliert. Das Monster ist weiblich – und wie im Roman stellt sich auch die hier die Frage, wodurch sich eigentlich genau ein Monster definiert. Denn pauschal böse ist die Figur wie im Roman nicht von Beginn an. Garland hat seinem Stück also eine erzählerische Tiefe verpasst, die in dem Genre in dieser Form eher selten vorkommt. Davor kann ich nur meinen Hut ziehen und muss hier ganz dringend (absolut unbezahlte) Schleichwerbung machen. Denn ich war, zugegeben, etwas erschrocken darüber, dass man den Film schon in der dritten Woche nur noch um 21 Uhr im Godesberger Kinopolis anschauen konnte. Den Kinosaal teilte ich mir nur mit wenigen älteren Herren, die sich an einer Hand abzählen ließen.

Das hat so ein geniales Stück nicht verdient. Also: Anschaubefehl!