Whatsapp-Fasten (Facebook-Fasten II.)

Um Facebook kommst du einfach nicht drumherum. Das soziale Netzwerk an sich lässt sich vielleicht schon umgehen, aber der gesamte Konzern ist mit seinen Apps so allgegenwärtig und mächtig, dass dagegen kaum ein Kraut gewachsen ist. Das schwant mir zumindest, seit ich darüber nachdenke, in der Fastenzeit (höhö) auf alle Facebook-Apps zu verzichten und ausschließlich Alternativen zu verwenden. Also auch ein Verzicht auf Instagram, was meinem Herzen wohl ziemlich weh tun wird, denn ich mag diese App sehr; und, viel schwieriger eigentlich, Whatsapp.

Das Problem bei einem Whatsapp-Verzicht liegt auf der Hand: Nahezu mein gesamtes persönliches Umfeld nutzt die kleine Messaging-App, über Gruppen organisieren sich mehrere Freundeskreise, ein Sprachkurs, eine Band, viele ArbeitskollegInnen. Wie kann man das umgehen, frage ich mich – und zwar so, dass man trotzdem mit den meisten Leuten in Kontakt bleibt und man sich nicht selbst vom eigenen Leben ausschließt?

Vermutlich werde ich das wieder genau so wie im letzten Jahr machen. Wenn man nicht religiös ist, macht man letzten Endes eben doch seine eigenen kultischen Gewohnheiten auf. Diese Apps fliegen schlicht vom Smartphone für die 40 Tage.

Um die Leute darauf hinzuweisen, fiel mir bislang nicht mehr ein, als die relativ unbekannte Broadcast-Funktion von Whatsapp zu nutzen. Darüber schicke ich dann eine Nachricht an meine gesamte Kontaktliste, um die Leute über meinen temporären Verzicht zu informieren. Und viel wichtiger: Um sie auf meine anderen genutzten Messenger aufmerksam zu machen. Folglich würde ich meinen Kontakten via Broadcast den Vorschlag machen, dass man mich in besagter Zeit nicht über Whatsapp, aber weiterhin über Signal, Threema und Wire erreichen kann. Vielleicht schicke ich die Links zu diesen guten, Ende-zu-Ende verschlüsselnden Apps direkt mit in den Broadcast.

Bei der Familie und einigen engeren Freunden habe ich diese Ankündigung schon testweise vorgezogen. Und siehe da: Wir haben plötzlich eine Signal-Gruppe für die Familie und meine Kontaktliste in der schicken blauen Krypto-App ist mittlerweile zweistellig. Andere Freunde hingegen beschwerten sich, dass sie die besagten Apps nicht haben. Auf die Idee, diese einfach zu installieren, kamen sie nicht.

Durch dieses Whatsapp-Fasten mit Ankündigung kann ich, denke ich mir jedenfalls, einige Menschen dazu bewegen, endlich einmal alternative Chat-Apps auszuprobieren. Ob das funktioniert, weiß ich freilich nicht, aber den Versuch scheint es mir wert zu sein. Auch wenn es vermutlich enorm nerven wird.

Notizen: Facebook-Fasten

Bald ist Fastenzeit. Da ich weder religiös bin noch sonst mit kirchlichen Gebräuchen zu tun habe, könnte mir das eigentlich egal sein. Andererseits  bietet sich damit aber ein wunderbarer Grund, für eben jene 40 Tage bewusst auf etwas zu verzichten und gleichzeitig die perfekte Ausrede zu haben. Und was liegt da näher, als komplett auf Facebook zu verzichten? Facebook-Fasten als Variante für digitale Menschen? Klar, wirklich entsagenden Charakter hat das trotzdem nicht, der religiöse Mensch kann auch zu Recht dagegenhalten, dass man ja dann auch auf Twitter & Co oder gleich das ganze Internet verzichten müsse, sonst könne man wohl kaum von Fasten reden.

Aber: Das Internet ist nützlich und notwendig. Soziale Medien sind nützlich und notwendig. Facebook ist es nicht. Facebook nervt. Und meine Hypothese wäre, dass ich mich komplett ohne besser fühle. Auf meinem Smartphone gibts schon länger keine App mehr, aber man guckt trotzdem noch rein, über den Browser oder auf dem Desktop, weil man ja Angst hat, irgendetwas verpassen zu können. Weil man Social Media – Auftritte von zum Beispiel der eigenen Band verwaltet und da irgendwie auf der Höhe bleiben muss. Bei jedem Login erscheinen dann mindestens vier bis fünf Benachrichtungen in Form von Events, Einladungen zu irgendwas (i.d.R. nicht von Freunden), oder weil irgendeine Seite irgendeiner anderen Seite was auf die Pinnwand gepostet hat und neuerdings hatte ich sogar ein Statusupdate einer entfernten Bekanntschaft als Benachrichtung (wtf?) – logge ich mich mal 24 Stunden nicht ein, sammelt sich das schnell im zweistelligen Bereich an. Das Meiste ist dabei ziemlich irrelevant. Den Wald vor Bäumen nicht sehen. Dazu kommt, dass ich die Timeline subjektiv als unbrauchbar empfinde, zumindest die von Algorithmen zusammengestellte Standard-Timeline, die defaultmäßig bei jedem Login erscheint. Ich likte zum Beispiel einst ein paar Anti-Nazi/Pegida-Seiten, mit der Konsequenz, dass Facebook nun denkt, mich würde nur noch dieses Thema interessieren. Meine TL ist vollgemüllt mit rechtem Mist.

Lange Rede, kurzer Sinn: Wegen dieser Nerverei und eigenen Zweifeln am Nutzen des Netzwerks erreicht man mich von Aschermittwoch bis Ostern nicht auf Facebook. Ein Zeitkiller weniger. Einfach mal weg sein (okay, hallo Twitter). Jegliche Kommunikation mit mir muss also an Fb vorbei geführt werden, was für vermutlich 99% meiner Kontakte kein großes Problem sein dürfte, da ja sowieso alle über andere Kanäle zu erreichen sind.

Nur werde ich etwas verpassen? Das finde ich raus.

Nach Ostern.

Neue Facebook AGB und wie man sich (ein bisschen) wehren kann

Es ist so weit: Ab heute bedeutet jeder Facebook-Login automatisch die stillschweigende Zustimmung zu den überarbeiteten Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Unternehmens. Diese neuen Facebook AGB lassen sich auch gut als Allgemeine Spionagebedingungen umschreiben – ich persönlich finde es wenig sexy, wenn Facebook nun auch wissen möchte, auf welchen Seiten ich sonst so rumhänge und wo ich mich gerade aufhalte. Schenkt man dem allgemeinen Tenor in den Medien Glauben, dann ist dagegen kein Kraut gewachsen – außer eben der Löschung des eigenen Profils. Das kommt für viele – auch aus beruflichen Gründen – schlicht nicht in Frage und so sieht es so aus, als ob Spiegel Online, Tagesschau & Co den Eindruck einer digitalen Chancenlosigkeit erwecken möchten. (Weil viele Nachrichtenseiten selber tracken wie die Weltmeister?)

Und ich sage nein. Das stimmt nicht. Jedenfalls nicht ganz. Man kann sich (zumindest ein bisschen) wehren. Und das geht zum Beispiel so:

Smartphone: Fb-App löschen und über den Browser online gehen

Bei manch älterem Android-Phone lassen nachträglich die Berechtigungen editieren – hier muss bei Facebook der Zugriff auf’s GPS-Modul untersagt werden.

Für alle Anderen gilt: Wer nicht auf die Fb-Benachrichtigungen angewiesen ist und / oder ein akutelles Androidsystem benutzt, sollte die App komplett deinstallieren. Um Missverständnissen vorzubeugen: Damit löscht man nicht sein Profil. Auch bleibt das Netzwerk auf dem Handy erreichbar – über Browser wie Firefox, Chrome oder Opera ruft man die mobile Seite m.facebook.com auf, loggt sich ein und schon sieht alles wie gewohnt aus. Die mobile Webseite hat sogar einen regelrechten Vorteil: Im Gegensatz zur App lassen sich auch die Nachrichten aufrufen, ganz ohne den lästigen Messenger. Nach dem Besuch des Netzwerks sollte nur der Cache des Browsers gelöscht werden, um Facebook das Mitlesen anderer Webseiten zu vermasseln.

Wer die Benachrichtungen unbedingt braucht, sollte die Fb-Alerts via Email einrichten. Dann kommen die Infos über neue Nachrichten oder Likes eben im Postfach an – was die Meisten mutmaßlich auch auf dem Handy haben. Man ist auf jeden Fall nicht gezwungen, die App zu behalten.

Von Apple-Geräten habe ich leider keine Ahnung ;) Die Variante mit dem Browser müsste aber auch hier funktionieren.

Auf dem PC gibt es mehr Möglichkeiten

Beim eigenen PC lohnt sich ein Blick in die Datenschutz-Einstellungen des benutzten Browsers. Diese müssen so konfiguriert sein, dass Cookies nach jeder Sitzung gelöscht werden und Drittanbieter-Cookies komplett untersagt sind. Das hat natürlich zur Folge, dass man sich bei jedem Start des Browsers überall neu einloggen muss – m.E. ist das aber durchaus verkraftbar.

Schritt 2 besteht dann darin, das Ganze noch mit drei Erweiterungen zu garnieren. Eines gehört ja eh schon zum guten Ton: Ein Werbeblocker ist ganz nebenbei auch immer ein guter (Zusatz-) Virenschutz und gehört einfach zu jeder vernünftigen Browserinstallation dazu (sorry liebe Werbewirtschaft, das bist du selbst Schuld). Für Firefox, Chrome und Opera gibt’s dafür Adblock Plus. Dann lädt man sich noch die Erweiterung Ghostery – diese gibt es ebenfalls für alle drei Browser – oder wahlweise einen anderen Trackingblocker wie z.B. Disconnect. Ghostery bzw. Disconnect unterbindet die Verfolgung und das Mitlesen anderer besuchter Webseiten und ist ein weiterer Dorn im Auge der neugierigen großen Werbenetzwerke. Und natürlich von Facebook.

Der Bequemlichkeit halber sollte dann noch eine Erweiterung zur schnellen Cache-Löschung mit einem Klick installiert werden – dazu gibt es mehrere Möglichkeiten, einfach mal recherchieren. Für Opera empfiehlt sich zum Beispiel SimpleClear – nach dem Facebook-Logout dann einmal klicken und schon sind alle Cookies und Tracker weg.

Eine Komplettlösung ist das natürlich nicht, aber zumindest seinen Account muss man nicht löschen. Anspruch auf Richtigkeit erhebe ich übrigens nicht – das Geschriebene basiert auf meinem eigenen wunderbaren Halbwissen und auf der Annahme, dass Facebook seine Nutzer über Cookies und Tracking-Skripte verfolgen möchte. Sollte es dazu Anmerkungen und Kritik geben: Immer her damit. Je mehr Wissen über die Methoden des Netzwerks im Netz steht, desto besser.

Facebook ist besorgt (um seine Werbekunden)

Oder warum startet man sonst eine solche Umfrage? Gerade eben blinkte bei mir dieses Fenster auf:

Facebook-Umfrage

 
Im Anschluss zeigt das Netzwerk wahllos Beiträge von FreundInnen, Seiten und offensichtlichen Anzeigen. Ich stelle mir nun die Frage, ob das wohl mit der Genervtheit vieler UserInnen in Bezug auf die mittlerweile vollkommen willkürliche Facebook-Timeline zusammenhängt… oder ob sie nicht doch eher nach Wegen suchen, Werbung noch mehr „native“ – also nicht mehr als solche erkennbar – zu gestalten.

Facebook-Umfrage

 
tl;dr

Die Facebook-Timeline zieht sich wegen der ganzen gesponsorten Beiträge eh kaum noch jemand rein. Da bringt so ’ne Umfrage auch nichts mehr.