10/10

Es gibt so einen Punkt in diesem Referendariat… den ich jetzt mal als 10/10 bezeichne (sprich: zehn von zehn). Halten wir das bisher Erreichte einmal kurz fest:

  • zehn Unterrichtsbesuche: Done. 10/10. Finito. Pflichtprogramm erledigt.
  • über ein Jahr mehr oder weniger guter Unterricht in
    • Ausbildungsklassen und -kursen, also denen, wo einem ständig ein/e Mentor/in auf die Finger schaut und man regelmäßig zerlegt wird
    • „bedarfsdeckendem Unterricht“ – also jenen Kursen, für die man selbstständig die Verantwortung über das ganze Schuljahr trägt und die dem Land die Einstellung von mehr Lehrern ersparen, da es ja auf absehbare Zeit immer genug Referendare geben wird…
  • zahlreiche Klassenarbeiten und Klausuren, die alle zeitnah korrigiert werden wollten. Was vor allem dazu führte, dass ich den Begriff „zeitnah“ völlig neu definieren musste. In der Tat: Die endlos scheinende Dauer für eine einzelne korrigierte Oberstufenklausur (aber auch zum Beispiel eine Deutsch-Klassenarbeit in einer 9. Klasse) ist mit die größte Überraschung, die der Lehrerberuf für mich mit sich brachte.
  • das Erkennen der eigenen Stärken – und der Tatsache, dass Classroom Management und Akzeptanz bei SchülerInnen jeglicher Altersgruppen wohl mein geringstes Problem ist. Wieder eine Überraschung: Ich erwartete das definitiv anders und auch Außenstehende sprechen einen, sobald das Thema Lehrer fällt, zumeist in einem suggestiven „Ist bestimmt krass mit den Kindern heutzutage, oder?“-Duktus an. Also halten wir das hier offiziell für alle fest: Nein, ist es nicht. Die Kinder heutzutage sind viel netter als wir in unserer eigenen Schulzeit.
  • die Einsicht, dass das Berufsbild unfassbar komplex und anspruchsvoll ist, enorme Selbstdisziplin und -Strukturierung voraussetzt, gleichzeitig aber auch richtig Spaß macht. Meistens kam ich zwar nie zu den Sachen, die richtig Spaß machen, aber egal. Theoretisch macht es wirklich richtig Spaß. Zum Beispiel Lektüren mit SchülerInnen durchnehmen. Super Sache.
    • bis auf Woyzeck. Woyzeck habe ich hassen gelernt. War bis dato gar nicht so klar. (Ja, auch Lehrer finden manche Bücher aus dem Lehrplan doof. Kommt vor.)
  • last but not least: Don’t even try to hide in the internet. They will find you. Ist aber in Ordnung. Meinen Umgang mit sozialen Medien habe ich nicht im Ansatz geändert. Auch das gehört für mich dazu: sich einfach nicht zu verstellen. Denn auch SchülerInnen können ruhig wissen, dass der komische Vogel vor der Tafel ein Mensch ist.

Wie geht es nun weiter? Ruhiger. Noch drei Wochen Schule, Gutachten hinterher rennen, Bürokratie meistern, Arbeiten fertig korrigieren, Noten festlegen, Sommerferien, Spaß mit Johannes und Sascha, Spaß in Schottland, Staatsexamen planen, und im September folgt dann der große Tag X mit zwei praktischen und einer theoretischen Prüfung. Läuft.