Notizen: Facebook-Fasten

Bald ist Fastenzeit. Da ich weder religiös bin noch sonst mit kirchlichen Gebräuchen zu tun habe, könnte mir das eigentlich egal sein. Andererseits  bietet sich damit aber ein wunderbarer Grund, für eben jene 40 Tage bewusst auf etwas zu verzichten und gleichzeitig die perfekte Ausrede zu haben. Und was liegt da näher, als komplett auf Facebook zu verzichten? Facebook-Fasten als Variante für digitale Menschen? Klar, wirklich entsagenden Charakter hat das trotzdem nicht, der religiöse Mensch kann auch zu Recht dagegenhalten, dass man ja dann auch auf Twitter & Co oder gleich das ganze Internet verzichten müsse, sonst könne man wohl kaum von Fasten reden.

Aber: Das Internet ist nützlich und notwendig. Soziale Medien sind nützlich und notwendig. Facebook ist es nicht. Facebook nervt. Und meine Hypothese wäre, dass ich mich komplett ohne besser fühle. Auf meinem Smartphone gibts schon länger keine App mehr, aber man guckt trotzdem noch rein, über den Browser oder auf dem Desktop, weil man ja Angst hat, irgendetwas verpassen zu können. Weil man Social Media – Auftritte von zum Beispiel der eigenen Band verwaltet und da irgendwie auf der Höhe bleiben muss. Bei jedem Login erscheinen dann mindestens vier bis fünf Benachrichtungen in Form von Events, Einladungen zu irgendwas (i.d.R. nicht von Freunden), oder weil irgendeine Seite irgendeiner anderen Seite was auf die Pinnwand gepostet hat und neuerdings hatte ich sogar ein Statusupdate einer entfernten Bekanntschaft als Benachrichtung (wtf?) – logge ich mich mal 24 Stunden nicht ein, sammelt sich das schnell im zweistelligen Bereich an. Das Meiste ist dabei ziemlich irrelevant. Den Wald vor Bäumen nicht sehen. Dazu kommt, dass ich die Timeline subjektiv als unbrauchbar empfinde, zumindest die von Algorithmen zusammengestellte Standard-Timeline, die defaultmäßig bei jedem Login erscheint. Ich likte zum Beispiel einst ein paar Anti-Nazi/Pegida-Seiten, mit der Konsequenz, dass Facebook nun denkt, mich würde nur noch dieses Thema interessieren. Meine TL ist vollgemüllt mit rechtem Mist.

Lange Rede, kurzer Sinn: Wegen dieser Nerverei und eigenen Zweifeln am Nutzen des Netzwerks erreicht man mich von Aschermittwoch bis Ostern nicht auf Facebook. Ein Zeitkiller weniger. Einfach mal weg sein (okay, hallo Twitter). Jegliche Kommunikation mit mir muss also an Fb vorbei geführt werden, was für vermutlich 99% meiner Kontakte kein großes Problem sein dürfte, da ja sowieso alle über andere Kanäle zu erreichen sind.

Nur werde ich etwas verpassen? Das finde ich raus.

Nach Ostern.