Westdeutsche Flüchtlinge an der luxemburgischen Grenze

Klingt absurd?

Gar nicht mal so sehr. Denn so wie im Moment über Flüchtlinge geredet wird und gleichzeitig Grenzen „kontrolliert“ werden, sollte man nicht vergessen, dass es uns Deutsche bis vor kurzem selbst locker hätte erwischen können. Und die Rede ist hier nicht vom Zweiten Weltkrieg.

Tatsächlich reden wir über den Kalten Krieg. Und den gab’s bis 1989 und vielleicht auch bald wieder. Jedenfalls: Bis zu eben jenem historischen Jahr gehörte auch das Szenario mit massiven deutschen Flüchtlingsströmen gen Westen zu den ganz normalen, alltäglichen NATO-Planungen. Zwar wollte man die Bevölkerung über die Stay Put Doktrin an der Flucht hindern – aber gelungen wäre das wohl nicht, wie einige Unterlagen der Fallex– und Wintex-Manöver belegen. Denn wenn es Krieg gibt, gerade einer mit Nuklearwaffen, dann packen die meisten die Koffer. Die Frage wäre in diesem Fall viel mehr, ob das Packen noch rechtzeitig geschieht. Denn Frankreich und die Niederlande hätten aus Überforderung (kommt bekannt vor, oder?) und aus historischen Gründen ziemlich rasch die Grenzen geschlossen. Bleiben den verzweifelten Westdeutschen also nur noch Luxemburg und Belgien, um sich abzusetzen. Ein schmaler, gerade mal 120 Kilometer breiter Korridor für ziemlich viele Menschen. Oder für alle, die noch leben. Nach Süden fliehen wäre zwecklos, zumal Österreich selbst als Aufmarschgebiet des Warschauer Pakts betrachtet wurde.

Was dann geschieht, sieht in den Unterlagen dann trotz geschlossener französischer Grenze so aus:

fluechtlingefallex62-luxembourgWir reden hier nur vom Anfang des Desasters, denn später stranden die Deutschen allesamt in Luxemburg, da Frankreich komplett dicht macht. Schon in der Manöverauswertung zu Fallex ’62 war den Regierenden also klar, dass es bei der Fluchtthematik weniger darum ginge, irgendwelchen Anordnungen in puncto Grenzübertritt Folge zu leisten. Die westdeutschen Flüchtlinge agieren mehr nach dem Motto „Rette sich, wer kann.“ Auch das kann man als Parallele zur heutigen Situation sehen.

Wer mehr darüber wissen möchte, findet hier einen ausführlichen Text zum westdeutschen Fluchtthema.