Pegida in Bonn: Linksammlung zu „Bogida“ (update 14.12.2014)

bogidabonnDamit niemand behaupten kann, dass das ja gar keine Rechten seien. Weiterführende Links, Recherchetipps, Medienberichte und zahlreiche Gegendemo-Aufrufe, von der Antifa bis zur CDU. All das soll der Information über unsere „besorgten Mitbürger“ dienen (soweit wie möglich nach Aktualität sortiert):

1. Hintergründe / Recherche zu den Hintermännern (-frauen) und Strukturen von Bogida

Lesetipp: Melanie Dittmer – eine extrem rechte Aktivistin unter der Lupe – sehr ausführlicher Artikel der Zeitschrift Lotta zur Organisatorin der Bonner „Bogida“-Demos. Klärt über ihre Aktivitäten bei NPD, JN, RockNord, Identitären und Verbindungen zu anderen bekannten Nazikadern auf. (NRW rechtsaußen / Lotta, 11.12.2014, Stand Mitte Oktober ’14)

D/BN/K: DÜGIDA, BOGIDA und KÖGIDA retten das “Abendland” – die „identitäre“ Veranstalterin von „Bogida“, Melanie Dittmer, wurde anscheinend als Beisitzerin in den Vorstand von „Pro NRW“ gewählt (NRW rechtsaußen, 10.12.2014, Update 11.12.2014)

Besagte Melanie Dittmer trat auch bei „Dügida“ auf und wird dafür von ihrem neuen Chef Jürgen Elsässer (verschwörungstheoretisches und prorussisches Compact-Magazin) ziemlich abgefeiert. Dittmer selbst schwadronierte während ihrer Rede irgendwas von Kriegern aus Sparta, die bei der Reconquista die Muslime aus Griechenland geschmissen hätten. Mmh, genau. Kann man ja schon mal durcheinander bringen, wenn man das Abendland verteidigt.

Bericht des General-Anzeigers (21.10.2014) zu anonymen Gewaltandrohungen aus dem neonazistischen Umfeld gegen SPD-Ratsfrau Loubna Aharchi – just nachdem diese Melanie Dittmer in einer Bornheimer Facebook-Gruppe aufgrund ausländerfeindlicher Äußerungen kritisierte. Der GA berichtete bereits zu diesem Zeitpunkt von einer Nutzerin mit dem Pseudonym „Mel Hunter“, die nach Aharchis Kritik aus der Gruppe ausgeschlossen wurde – gleichzeitig ist das auch Dittmers Pseudonym in dem Netzwerk.

bogida2
Unmissverständliche Ansagen auf der Facebook-Seite von „Bogida“

Ahu, Ahu, das Abendland kippt sich zu – ein hilfreicher Beitrag der Aktion Refugees Welcome Bonn mit Hintergründen zum Phänomen „XYZ-gida“ und dessen Urhebern (07.12.2014)

Bonn: PEGIDA-Demo am 15.12., kurze Infos über den Hintergrund und die Urheberin der Veranstaltung (Indymedia, 04.12.2014)

Nazi-Mob(i) 2.0 und unsere Antwort – lesenswerter Hintergrundtext der Antifa Köln zu „XYZ-gida“ und einer Reflexion der bislang schwierigen Organisation der Gegenwehr wie auch zum eigenen Umgang mit dem Thema Salafismus (Antifa Köln, 29.11.2014)

Neues vom rechten Rand – Kurztext über Melanie Dittmers Übergang von der „German Defence League“ zur „Identitären Bewegung“ (Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten – Kreisvereinigung Köln, 05.11.2014)

 

2. Pressetexte mit mehr oder weniger starkem Bonner Bezug (wo ist eigentlich der General-Anzeiger?):

Gewerkschafter zieht es zur Gegendemonstration (General-Anzeiger Bonn, 14.12.2014)

Demonstration gegen islamfeindlichen Aufmarsch (General-Anzeiger Bonn, 13.12.2014)

Bonn bleibt bunt: Rat verabschiedet Resolution (PM der Stadt Bonn, 12.12.2014)

Stadtrat verurteilt „Bogida“-Demo mit rund 500 Teilnehmern (Kölner Stadtanzeiger, 12.12.2014)

Die neuen Demo-Parolen im B.Z.-Check (Berliner Zeitung, 11.12.2014)

Drei Montagsdemonstrationen in Bonn geplant (Rheinische Post, 10.12.2014)

„Pegida“ in Düsseldorf floppt mit 400 Teilnehmern (ZEIT Störungsmelder, 09.12.2014)

Gegendemonstranten formieren sich gegen „Bogida“ (Kölner Stadtanzeiger, 09.12.2014)

Rechte wollen mit Fackeln durch Bonn ziehen (Express, 08.12.2014)

Rechts orientierte Wutbürger (Süddeutsche Zeitung, 03.12.2014)

 

3. Aufrufe zur Gegendemo

Aufruf zur Gegendemo und Statement des evangelischen Kirchenkreises Bonn (12.12.2014) (Interessant, bei den **-gida-Demos ist ja häufig vom Christentum die Rede…)

Aufruf von Katja Dörner (Grüne), Ulrich Kelber (SPD) und Claudia Lücking-Michel (CDU), sich an den Gegenprotesten zu beteiligen

Aufruf zur Gegendemo (stetig aktualisierte Fb-Veranstaltung) von der Linksjugend [solid] und der Initiative Bonn stellt sich quer >> hier finden sich die jeweils aktuellsten Informationen zum Gegenprogramm

DGB ruft Bonner Bevölkerung zur Kundgebung auf Pressemitteilung des DGB Nordrhein-Westfalen

Aufruf zur Gegendemo der Antifa Bonn

Wer noch mehr lesenswerte Texte mit einem Bezug zum Bonner Phänomen kennt, kann mir die Links gerne zukommen lassen. Ich würde diese dann hier einpflegen.

Nachtrag: Pegida, Bogida, irgendwergida

Bei „HoGeSa“ hatte ich diesen Gedanken direkt, bei „Pegida“ scheint er wohl auch mehr als berechtigt: Wenn DAS diejenigen sind, die das Abendland verteidigen wollen, dann gibt es hier schon lange nichts zu mehr zu verteidigen. Ein Beitrag der Sendung „Die Anstalt“ (s.u.) machte mich noch einmal auf den Organisator des Dresdner Vorbilds aufmerksam. Im vorigen Beitrag schrieb ich noch von einem Kleinkriminellen – wenn man sich die Person allerdings einmal näher anschaut, dann fällt die Sache noch etwas heftiger aus. Wie folgt äußert sich die Wikipedia – mit Quellenbelegen – zum Strafregister des Pegida-Initiators Lutz Bachmann:

„Bachmann ist wegen Einbruch, Diebstahl, falscher Verdächtigung, Anstiftung zur Falschaussage, Verletzung der Unterhaltspflicht, Trunkenheit am Steuer und Körperverletzung vorbestraft.[2][3] Bachmann wurde 1998 wegen Einbruch zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Er entzog sich der Justiz und flüchtete nach Südafrika, wo er sich an der Universität Kapstadt unter falschem Namen einschrieb und angeblich Grafik und Design studierte. Nach drei Jahren spürte ihn die dortige Einwanderungsbehörde auf und wies ihn aus. Nach zwei Jahren Haft in Deutschland wurde er wegen guter Führung entlassen.[4] 2008 wurden bei ihm 40 Gramm Kokain und ein weiteres Mal 54 Gramm gefunden. Bachmann ist derzeit wegen Drogenhandel auf Bewährung frei (Stand 2014).“

Durchaus interessant, wie also ein Krimineller unser schönes Abendland vor kriminellen Asylbewerbern retten möchte. Und wie ihm die zahlreichen „bürgerlichen“ Demonstranten die Masche abkaufen. Auch in Bonn gibt es – allerdings nicht belegte – Spekulationen, dass Mitglieder der „Identitären Bewegung“ bei der Verwüstung zweier Bonner Kneipen beteiligt waren. Die Sektionsleiterin der Identititären in Bonn organisiert „Bogida“.

PEGIDA in Bonn: „Bogida“

Allem Anschein nach unternehmen besorgte Bürger Nazis nun auch im gemütlichen Rheinland den Versuch, über systematische Angstmache und Islamophobie ihre politische Agenda gesellschaftsfähiger zu gestalten. In Bonn soll die von ostdeutschen Entwicklungen inspirierte Aktion unter dem Namen „Bogida“ am 15. Dezember um 18:30 Uhr starten, über 1400 Facebook-Likes (viele allerdings von außerhalb) hat die eindeutige Seite bereits.

Eine Gegendemo mit dem Bündnis „Bonn stellt sich quer“ und der Linksjugend (+ FB-Link für aktuelle Infos) wird es ebenfalls geben, diese startet um 17:30 am Kaiserplatz in Bonn. Mehr Informationen zu den Motiven der neurechten Bewegung wie auch zu deren Verbindungen zu „Identitären“ und „HoGeSa“ finden sich zum einen auf dieser Seite der Antifa Köln und zum anderen bei der Aktion Refugees Welcome Bonn. Beides sind lesenswerte Stücke, die die vermeintlich besorgten Bürger auf solide Weise als Kleinkriminelle (Organisator der „Pegida“-Demo: Vorbestrafter Einbrecher…) und politisch  einschlägig Bekannte entlarven.

In diesem Zusammenhang scheint die Erwähnung der Person interessant, die Bogida in Bonn verantwortet. Organisiert wird die ganze Sache anscheinend von einer Frau aus Bornheim, die auf ihrer öffentlichen Facebook-Seite Banner mit der Aufschrift „Famile, Volk, Heimat, Kultur, Identität“ und „Deutschland wacht auf“ postet und auch mit dem Logo der „Identitären Bewegung“ klar macht, wessen Geistes Kind sie ist. Besorgte Bürger? Man kann sich ja selbst ein Bild machen. Wie sich bei Indymedia nachlesen lässt, scheint die Organisatorin ganz zufällig gut in der rechten Szene vernetzt und unter anderem „Sektionsleiterin der Identitären Bewegung Bonn / Rhein-Sieg“ zu sein. Und das sind natürlich keine Nazis, nein, niemals.

Eine Sache noch in puncto Indymedia: Ich weiß natürlich, dass diese Quelle von ganz linksaußen kommt und ein relativ unkontrolliertes Netzwerk ist. Einen Zweifel an deren Recherchearbeit habe ich aber derzeit nicht – schließlich sind die Belege durch Screenshots und das dort gezeigte öffentliche Facebookprofil der Organisatorin ganz gut (das lässt sich dann auch relativ leicht finden). Wovon ich mich an dieser Stelle allerdings mit Nachdruck distanzieren möchte, sind die bei Indymedia ebenfalls zu findenden Gewaltaufrufe gegen eben jene Frau (die ich hier nicht verlinken werde). Egal, wie sehr ich mit einer Gruppe oder Person nicht übereinstimme – Gewalt ist immer ein verdammtes No-Go, überall. Das können sich auch die paar Spinner hinter die Ohren schreiben.

Diskussion und Auseinandersetzung mit dem Thema muss der Weg sein. Man kann und muss gewaltfrei zeigen, dass bestimmte Ansichten Ekel hervorrufen. Und ich hoffe, dass viele engagierte BonnerInnen den plumpen Rechten von Bogida am 15. Dezember diese Auseinandersetzung bieten werden. Denn ich möchte nicht, dass diese widerwärtige Bewegung jemals etwas zu sagen hat in diesem Land.

“Als sie kamen, um die Juden zu holen, schwieg ich, weil ich kein Jude war. Als sie kamen, um die Kommunisten zu holen, schwieg ich, weil ich kein Kommunist war. Als sie kamen, um die Gewerkschafter zu holen, schwieg ich, weil ich kein Gewerkschafter war. Dann, als sie kamen, um mich zu holen, gab es keinen mehr, der für mich seine Stimme hätte erheben können.” – Pastor Martin Niemöller

„Es ist auch mein Zuhause, selbst wenn’s ein Zufall ist – irgendwann fällt es auch auf mich zurück“