Software aus grauer Vorzeit

Mit Erstaunen über mich selbst stellte ich vorhin Folgendes fest: Ich benutze jede Menge alten Kram auf dem PC, den man eigentlich gar nicht mehr braucht. Das fiel mir auch nur deswegen auf, weil ich mir die nativen Windows 10 – Apps einmal genauer ansah. Im Prinzip ersetzen diese jede Menge Tools, die man früher von Betriebssystem zu Betriebssystem mit umzog. Weil das Betriebssystem an sich einfach keine guten Alternativen bot, oder weil man Microsoft irgendwie nicht traute (wer kennt noch XP Antispy?) und deswegen lieber für alle denkbaren Tasks auf Drittsoftware zurückgriff. Zum Beispiel, jedenfalls in puncto Bildbetrachtung, auf Irfanview – ein kleines Grafikprogramm aus der Vorzeit, das wir schon in meiner Jugend, damals am Familienrechner, zu (sprichwörtlich) grauen Windows 95/98 – Zeiten zur Anzeige von Bildern nutzten. Nebenbei bietet das Tool aber auch einige praktische Funktionen, wie zum Beispiel die umfassende Batch-Konvertierung von Dateinamen und -Formaten sowie einige grundlegende Bearbeitungsmöglichkeiten, die alle sehr basismäßig daherkommen: Format, Größe oder Belichtung eines Bildes lassen sich fix ändern, für mehr Details und umfassende Bearbeitung braucht man aber ein richtiges Grafikprogramm. Aber gerade wegen ihrer Leichtigkeit empfand ich die Software immer als angenehm, und anstelle direkt Photoshop oder Gimp anzuwerfen, nutzte man meistens Iview. Und selbst professionell habe ich bereits damit gearbeitet: In unserem Handschriftenprojekt erstellten wir die komprimierten Dateiformate für den Browser (einschließlich PDFs) von grob 400 mittelalterlichen Kodizes mit relativ simplen Iview-Batches.

Im Zeitalter von Windows 10 könnte Irfanview also auch weiterhin nicht überflüssig sein. Das denkt sich auch der Entwickler und setzt noch eine 64-Bit-Version obendrauf. Und irgendwie habe ich mich über die Jahre so daran gewöhnt, dass es bei mir auch als Bildanzeige-Programm nicht weichen mag. Trotz Windows 10, trotz dem Jahre 2016.

(Wäre auch so ein Mitschlepp-Kandidat, wurde von mir mittlerweile aber abgeschafft: Winamp. Bei Freunden sehe ich aber selbst das immer noch installiert, auch auf Win 10 – Systemen.)