Reisetagebuch UK 2016: Sechster bis achter Tag

(GREATER) Manchester

Der sechste Tag ist ein Sonntag. Es ist recht angenehm, noch immer ist es draußen etwas frisch (um die 19 Grad), aber gemessen an dem, was man zwischenzeitlich von Deutschland so hört (einstellige Werte in der Nacht und wir haben Mitte August), sind wir am Golfstrom doch etwas weiter entfernt. Wir hängen, noch etwas erschöpft von der letzten Nacht, lange in der Wohnung rum, futtern Porridge, ärgern die Katzen.

Streetart im Gay Village
Streetart im Gay Village

Irgendwann dann nachmittags machen wir uns auf den Weg und schlendern durch Manchesters Innenstadt, die von Stockport gerade einmal sieben Minuten mit der Bahn entfernt ist. Obgleich Manchester an sich eine Millionen-Metropole ist, kann man den eigentlichen Stadtkern noch ganz gut zu Fuß erlaufen. Die Millionen kommen vor allem von der Agglomeration Greater Manchester, da hier ähnlich dem Ruhrgebiet alles von Wigan bis Stockport zusammengefasst wird. Manchester an sich lässt sich mit 520.000 Einwohnern in etwa mit Leipzig vergleichen. Und auch das Stadtbild ist nicht ganz unähnlich – genau wie Glasgow bietet auch Manchester alt neben neu; „völlig runtergekommen“ reiht sich direkt neben „hübsch rausgeputzt“ ein.

Wir tingeln vor allem durchs Northern Quarter, das ein bisschen alternativer angehaucht ist. Auch das Gay Village finden wir wirklich nett und nein, Mama, du musst dir keine Sorgen machen. Es ist ein unglaublich lebendiges und attraktives Stadtviertel mit vielen Bars und Restaurants, und die queere Szene lässt hier zu Recht ihre stolzen, bunten Fahnen an jeder Straßenecke hängen. Zum Essen landen wir bei einem Pizza-Express (mal wieder, ich finde deren Essen schon seit Glasgow großartig) und während wir auf der Außenterasse sitzen, checken wir parallel die Pokestops der Piccadilly Gardens ab. Irgendwann ist es Abend, selbiger wird schließlich in Manchesters berühmter Metalkneipe The Grand Central mit Bier abgeschlossen. Da bereits Sonntag ist, ist natürlich nicht so viel los, aber dafür kommen wir einem süßen Hund ins Gespräch.

Manchester Town Council
Manchester Town Hall

Siebter Tag, Montag. Mario muss arbeiten, obwohl er sich eigentlich Urlaub nehmen wollte. Aber als Spieledesigner ist zu Gamescom-Zeiten nichts zu machen. Also trolle ich alleine durch Manchester, was auch ganz angenehm ist. Zudem ist das Wetter nun hervorragend, 23 Grad und Sonnenschein versüßen mir den Tag, während ich mir die Manchester Town Hall und die enorm mächtige Rylands Library ansehe. Dort stellen sie ein (vielleicht DAS älteste) Fragment des Neuen Testaments aus. Für sein knapp zweitausendjähriges Alter ist das kleine Stück Papyrus noch erstaunlich gut erhalten. Später gehe ich irgendwo in Spinningfields lecker Burger essen und abends landen wir mal wieder im Pub in Stockport. Dort ist übrigens auch die Brauerei des offiziellen Iron Maiden-Bieres ansässig, weshalb es den Trooper hier überall aus dem Fass gibt. Lecker.

John Rylands Library: Eine Kathedrale für Bücher
John Rylands Library: Eine Kathedrale für Bücher

Achter Tag, Dienstag, Heimflug. Erneut verlässt Mario in aller Herrgottsfrühe das Haus, ich schlafe erst einmal aus. Gegen Mittag dann verabschiede ich mich von den liebgewonnenen Miezen und mache mich mit Backpacker auf den Weg nach Wilmslow. Dort treffen wir uns zur Schlüsselübergabe noch mal zur Mittagspause und verabschieden uns. Den Rest des Tages nutze ich, um in einem netten Pub zu Mittag zu essen, Postkarten zu schreiben und durch den Ort zu streunen. Was ob des Gewichts auf meinem Rücken eher suboptimal ist, weshalb ich irgendwann einfach im Grünen sitze und lese. Wilmslow ist echt hübsch und ordentlich rausgeputzt – was mitunter daran liegen könnte, das hier diverse Promis aus der englischen Premier League leben. So sieht man auf den Straßen auch nicht selten ziemlich teure Luxus-Sportwagen rumfahren.

Schlussendlich fahre ich gute zwei Stunden vor Abflug zum nahegelegenen Manchester Airport und gebe mein Gepäck ab. Eingecheckt habe ich schon vorher per Smartphone, wie ich überhaupt fast alle Tickets, auch die für die Bahn, nur mit dem Smartphone gekauft habe. Es ist ein Segen, dass man nicht mehr den ganzen Papierkram mitschleppen muss. Und die Briten bekommen das in ihrem Verkehrswesen irgendwie deutlich einfacher und besser hin als die Deutsche Bahn.

Zurück zum Flughafen: Die Sicherheitskontrolle zieht sich fast eine Stunde lang hin, es ist ein Wahnsinn, was hier los ist. Irgendwann bin ich froh, endlich im Flieger zu sitzen, wie gerne würde ich doch noch einmal mit dem Schiff reisen. So herrlich entspannt! Der Flug verläuft dann bei bestem Wetter auch wie auf Schienen – zumal mich während der Startphase noch ein wunderschöner Sonnenuntergang anlacht. Das wars, England, Schottland, nächstes Jahr gerne wieder.

Byebye UK.
Byebye UK.

Reisetagebuch UK 2016: Zweiter bis fünfter Tag

Das mit dem täglichen Bloggen hat ja gut geklappt. Nicht. Man ist am Ende von solchen Reisetagen oft viel zu müde, um darüber wirklich noch einen halbwegs brauchbaren Beitrag zu verfassen. Oder man hat  schlicht Besseres zu tun. Also nutze ich Wunderlist, um meine Eindrücke festzuhalten und in Schriftform zu gießen, sobald ich mal Zeit und Ruhe habe. Jetzt zum Beispiel, während mich auf Marios Sofa eine Katze anschnurrt (okay, gerade putzt sie sich und mich mit) und man in Manchester mal etwas ruhiger macht. Also, Reisetagebuch, here we go:

Die Fahrt/Newcastle

Tag 2. Ankunft in Newcastle am frühen Morgen (10 Uhr Ortszeit). Besondere Vorkommnisse: Spitzenwetter (Sonnenschein, warm, man muss den Parka nicht verschließen). Der Blick von der Fähre auf den Hafen von Newcastle ist phänomenal und non-refundable.

Bemerkenswert: Die lange Fahrt auf so einer Fähre ist ganz fantastisch. Man fährt am späten Nachmittag in Amsterdam ab und kommt morgens um 10 Uhr Ortszeit in Newcastle an. Das ist entschleunigtes Reisen, wie ich es noch gar nicht kannte. Auf dem Schiff gibt es nicht einmal Internet – okay, für 10 Euro die Stunde, aber das gibt man dann eher nicht aus. Ich stehe jedenfalls stundenlang am Bug des Schiffes und schaue aufs Meer raus. So entspannt kam ich noch nie irgendwo an – trotz Sturm. Denn der haut dann zwischenzeitlich ganz schön rein, sodass man auch auf der erhöhten Bug-Plattform manchmal etwas Gischt abbekommt. Und sturmbedingt sehen dann auch diverse Menschen an Bord des Schiffs irgendwann sehr blass aus, denn trotz ihrer Größe wippt die King Seaways ordentlich mit. Wir lassen den stürmischen Abend dann schließlich im Pub an Bord ausklingen, mit Bier und einem Singer-Songwriter, der nette Cover darbietet.

Nach der Ankunft in Newcastle folgt ein kurzer Aufenthalt in der Stadt upon Tyne, dann geht es mit der sehr komfortablen (keine Ironie) englischen Bahn auch schon weiter nach Edinburgh. Sehr angenehm: In den Bahn-Apps der Briten gibt es Online-Tickets. Im Gegensatz zur Deutschen Bahn lassen sich diese sogar völlig unkompliziert buchen.

Edinburgh

Edinburgh ist eine interessante Stadt. Vor allem ist sie wesentlich größer als die vielen Bilder von pittoresken historischen Bauwerken denken lassen (ich denke bei pittoresken Bildern von historischen Bauwerken ja immer an Städte wie Trier, aber da liegt man bei diesem Moloch völlig daneben). Es gibt richtige Häuserschluchten, nur ohne Hochhäuser. Dafür wurde ein Großteil der viktorianisch/neogotischen Bausubstanz so errichtet, dass man trotzdem denkt, man befinde sich in einer Art New York des 19. Jahrhunderts. Und den Eindruck vermittelt der Ort auch ganz locker im 21. Jahrhundert, speziell im August. Es ist die Zeit des Fringe-Festivals, die Straßen sind voller Menschenmassen und man bekommt alle zehn Meter einen Werbeflyer in die Hand gedrückt. Selbst einen großstadtaffinen Menschen wie mich irritiert das bunte Treiben zuweilen, es ist laut, heftig, nass. Sehr nass, das Wetter spielt leider nicht so mit. Macht aber nichts. Wir klettern dann trotzdem noch auf den Arthur’s Seat rauf, einen 251 Meter hohen Felsbrocken oberhalb der Stadt. Die Tour entpuppt sich als recht abenteuerlich, da man über nasse Steine rüberrutscht und die Windstärke auf der Spitze nicht zu verachten ist. Hat sich trotzdem gelohnt.

Bemerkenswert: Mit Beschilderungen hat man es am Arthur’s Seat irgendwie nicht so. Hätten wir gewusst, dass es zum alpin anmutenden Kletteraufstieg noch eine leichtere Alternative mit Halteseil gab… nunja.

Einziger Negativpunkt: Das Hostel. Cowgate. Don’t go there, it’s beschissen. (Ein Bett war kaputt, das Licht im Raum funktionierte kaum, es gab nicht genug Steckdosen und von denen, die es gab, war eine kaputt.)

Glasgow

Tag 3 und 4: Wir fahren nach Glasgow. Die Stadt, die häufig als Gegenpol zu Edinburgh beschrieben wird, entpuppt sich als echt schöner, angenehmer Ort mit erheblich freundlicheren Menschen. Auch unser Hostel ist dieses Mal ganz fantastisch, da es richtig sauber ist, der Service stimmt und auch nichts kaputt ist (Tartan Lodge, man kann es nur empfehlen).

Die Innenstadt von Glasgow ist wirklich interessant, dem Auge des Betrachters bietet sich hier ein heiterer Mix aus runtergekommenen, hochmodernen und gepflegten Altbauten aus dem 19.Jahrhundert an. An einigen Stellen muss ich manchmal an Leipzig denken und wären wir länger geblieben, hätte sich dieser Eindruck unter Umständen auch manifestieren können. Es ist wirklich schön dort und ich habe zum ersten Mal das Gefühl, in Schottland wirklich angekommen zu sein. Vielleicht auch, weil in Glasgow nicht so ein extremes Touristen-Gewusel durch die Stadt läuft und alles etwas ruhiger, aber immer noch halbwegs großstädtisch ist.

Sehenswert: Der Clyde (ein Fluss), die Pokestops am Flussufer, die Innenstadt, das Riverside-Museum inklusive Dreimaster, auf den man kostenlos rauf darf. Loch Lommond ist zudem nicht weit entfernt (ca. 40 Minuten per Bahn) und sollte unbedingt angeguckt werden. Er gilt als der schönste See in Schottland – vorausgesetzt, man sieht ihn. Wir sehen vor allem Nebel, freuen uns aber trotzdem über das exzellente Essen im einzigen noch geöffneten Restaurant direkt am See.

Fazit: Ein bisschen habe ich mich in Glasgow verliebt.

Manchester

Tag 5: Manchester (Stockport). Nach einer dreieinhalbstündigen Bahnfahrt, die mir ob der schönen Aussicht zuweilen den Atem raubt, komme ich in Manchester an. Mario lebt in Stockport, was noch irgendwie dazu gehört und mit einem Regionalzug in 7 Minuten erreicht ist. Wir gehen dann erst mal schön essen und kehren im Anschluss  in einem Rock-Pub ein. Gegen Ende des Abends kommen wir noch mit einigen Leuten ins Gespräch, was sich wiederum als ziemlich amüsant herausstellt.

Bemerkenswert: Der in Manchester ortsübliche Dialekt/Akzent ist gegen das schottische Englisch ein Klacks. Endlich verstehe ich die Leute wieder.