Mit dem Smartphone bezahlen

Kurz vor Ostern 2017 bezahle ich zum ersten Mal mit dem Smartphone, und auch zum ersten Mal per NFC. Die Kassiererin an der Tankstelle sieht mich etwas verdutzt an; meint, sie könne jetzt nicht garantieren, ob das funktioniert. Nun, dennoch lasse ich mich von diesem Vorhaben nicht abbringen, so fuhr ich doch extra spät zur Tanke, um möglichst keinen Menschen bei diesem Test aufzuhalten oder zu stören. Und durch NFC als technische Basis kann ich mir auch relativ sicher sein, dass es mit den gängigen Karten-Terminals funktionieren muss. Schließlich sind kontaktlose Kredit- und EC-Karten ja auch schon eine Weile im Umlauf.

So rufe ich also die kurz zuvor installierte seqr-App auf und halte mein Smartphone einfach neben das Gerät, in welches man sonst überlicherweise seine EC-Karte steckt. Selbiges verlangt umgehend nach Eingabe einer von der App vergebenen PIN, da mein Betrag beim Tanken natürlich höher als 25 Euro liegt. Nachdem das erledigt ist, bekomme ich von der staunend dreinblickenden Kassiererin („ich habe das gerade zum ersten Mal so gesehen“ – „…und ich habe das zum ersten Mal ausprobiert“) meinen Kassenzettel ausgehändigt und ziehe zufrieden von dannen. Wenig später folgen ein Einkauf bei Aldi und einer bei Rewe, beides funktioniert ebenfalls sehr rasch.

Einen wirklichen Mehrwert bietet der ganze Spaß meiner Meinung nach noch nicht. Denn um mobil zu bezahlen, muss man das Handy entsperren, die App aufrufen und bei hohen Beträgen noch mal eine PIN am Kartengerät eintippen. Eine Zahlung läuft somit also in etwa gleich schnell ab wie mit der guten alten Karte. Trotzdem mag ich das Konzept, und das nicht nur, weil ich so endlich mal die so stiefmütterlich behandelte NFC-Technik nutzen kann: Man muss einfach kein Portemonnaie aus der Hose ziehen und keine Karte dort herausfummeln.

Ein kleiner, noch zu verifizierender Nebeneffekt wäre zudem, dass seqr angeblich auf jeden Einkauf 3 Prozent am Ende des Monats erstattet. Ob das der Wahrheit entspricht, werde ich dann feststellen.

Das eigentliche Killer-Argument scheint mir in der Einfachheit des Konzepts zu liegen. Ich finde jedenfalls bislang keinen Anbieter, bei dem mobiles Bezahlen einfach nach Hinterlegung der Kontodaten funktioniert. So weit ich weiß, gibt es noch boon, aber das scheiterte bei mir bereits an der umständlichen Registrierung. Zudem muss boon wie eine Prepaidkarte immer wieder manuell aufgeladen werden. Android Pay und Apple Pay werden in Deutschland derzeit noch nicht angeboten.

*Update: Die Nachteile*:

Leider dauert es ziemlich lange, bis die App das anfängliche Limit von 75 Euro heraufsetzt. Und leider dauert es noch viel länger, bis sich bezahlten Beträge automatisch automatisch aktualisieren. Will heißen: Wenn ich an der Tankstelle einmal 50 Euro bezahle und wenig später noch für 25 Euro einkaufen gehe, ist seqr aufgrund des Limits dann mindestens für eine Woche unbenutzbar. Laut einer Mail des immerhin schnellen und freundlichen Kundensupports dauert das automatische Wiederaufladen des Guthabens in etwa sieben Werktage. Dadurch, dass in meinem Fall Ostern dazwischen lag, habe ich zwei Wochen warten dürfen, ehe ich seqr wieder nutzen konnte. Das finde ich ein bisschen schade, so bleibt das Bezahlen mit dem Smartphone weiterhin nicht wirklich massentauglich.

Stichwort massentauglich: Apple-Nutzer/-innen sind bis jetzt von der NFC-Nutzung ausgesperrt. Ihr könnt mit seqr zwar auch mobil bezahlen, aber nur über das Scannen von QR-Codes.

Sofern jemand noch weitere Alternativen kennt, die auf nicht gebrandeten Smartphones und vielleicht auch bei Apple-Geräten funktionieren, bin ich der Neugier halber für Hinweise in den Kommentaren dankbar.