Resümee zu Rhein in Flammen 2015

Zentrale Erkenntnisse:

1. Die Bonner Ausgabe von Rhein in Flammen machte ihrem Namen alle Ehre: Ein schönes Feuerwerk gab’s allemal. Und besser als letztes Jahr. Deutlich besser. Regelrecht beeindruckend. So beeindruckend, dass ich es verpasste, Fotos davon zu machen. Keine Feuerwerks-Selfies. Omfg, und das als Digital Native? Nee, ist ja auch mal gut. Von wegen „den Moment genießen“ und so.

2. Die standardisierten „Shalalala“-Kölschrockbands von der Hauptbühne ließen sich ganz hervorragend ignorieren. Stattdessen gab’s auf der Rheinimpuls-Bühne guten Indie/Funk/Pop. Und SkaGB. Welche sich als äußerst exzellente Liveband entpuppte und richtig Bewegung in die Menge reinbrachte. Kein Wunder, zieht der Musikstil ja doch immer die richtigen Leute an.

3. 300.000 Menschen. Sagt Wikipedia. Also geschätzte 100.000 pro Abend. Es ist wahrlich interessant, wie sehr sich diese 100.000 Leute auf dem riesigen Gelände so verteilen können, dass stets genug Platz und Freiraum da ist und der Zugang zu Essen und Getränken nie mit Drängeln zu tun hat. Die Masse fiel mir bewusst gar nicht auf, es hatte eigentlich mehr was von Dorfkirmes, nur riesig verteilt und mit Bühnen. Die Besucherzahl wurde mir erst klar, als ich mich mit dem Auto auf den Rückweg begab. Es wollten dann doch recht viele Menschen gleichzeitig aus Bonn raus. Was wiederum in Bonn nicht geht.

4. Die allerdings fundamentalste Erkenntnis: Nie wieder werde ich mich auf eine Krake setzen. Wie üblich: Große Naivität bei der Vorabbewertung und -Einschätzung diverser Fahrgeschäfte.

Rhein in Flammen

Aus der Neu-Bonner Perspektive bietet Rhein in Flammen ein durchaus sehenswertes Erlebnis. Frisch mit einem Besucherrekord gesegnet, boten die – trotz Menschenmassen – nicht überfüllt wirkenden Rheinauen fast schon Festivalatmosphäre. Kein Wunder, zwischen den drei Bühnen konnte der interessierte Besucher sich an ungezählten Fressbuden die Plauze vollhauen, sich alle 20 Schritte am jeweils nächsten Bierbrunnen für erstaunlich humane Preise die nötige Erfrischung gönnen und selbige frisch acquirierte Mageninhalte anschließend auf Kirmesgeräten oder gleich beim Bungee-Jumping vom 70-Meter-Kran wieder loswerden. Ja, beim sogenannten „Landprogramm“ war für alle Alters- und Interessensgruppen etwas dabei.

Für mich ging es dabei vor allem um Musik, wollte ich doch ein paar alte Bekannte wiedersehen. Überhaupt: Speziell die musikalische Untermalung des Abends kann an dieser Stelle nicht genug gewürdigt werden. Denn dadurch, dass die drei Bühnen für drei unterschiedliche Musikstile standen, kamen sich deren Freunde auch nicht allzu sehr in die Quere. Gekrönt wurde das Ganze dann (zumindest für mich) durch den Auftritt von Lake Cisco, einer Progressive Rock Band aus Koblenz. Mir sind die Jungs noch von „früher“ geläufig, als man sich gelegentlich auf regionalen Musikwettbewerben die Bühne teilte. Wir wollten ja alle mal Rockstar werden. Lake Cisco gehören dabei zu den ganz wenigen Protagonisten, die es bis heute durchziehen – und verdammt nah dran sind. Zumal diese Band, meist im Gegensatz zu anderen aufstrebenden Regionalbands von „früher“, bereits vor ein paar Jahren verdammt gut war – aber das ist trotzdem kein Vergleich zu dem, was aus den Jungs geworden ist. Was das Quartett mittlerweile bei Auftritten wie in den Rheinauen lässig und professionell auf die Bretter zimmert, zieht einem wahrhaft die Schuhe aus. Muse und Konsorten können nach Hause fahren. Absolut großartige Rockmusik, abgedreht, verspielt, technisch versiert bis hin zur Überforderung des Publikums. Die meiste Zeit wirkte es dennoch so, als schmölzen die Anwesenden vor Staunen und Bewunderung regelrecht hinweg. Der einzige Bruch für diesen guten – perfekten – Auftritt lag dann viel mehr darin, dass die Band ausgerechnet den (normalerweise äußerst komfortablen) „Headliner“-Slot belegte. Zeitlich kollidierte dieser mit dem angekündigten „großen Höhenfeuerwerk“. Wer sich also Selbiges ansehen wollte, begab sich mitten während des Konzerts weg von der Bühne, die eingekesselt zwischen Südbrücke und hohen Bäumen alles andere als eine gute Lage für das Abschlussspektakel von Rhein in Flammen bot. So auch dann unser kleines Grüppchen, welches sich komfortabel auf einem der Hänge an den Rheinauen einrichtete. Dafür kann die Band natürlich nichts, ich hoffe, sie verzeiht es uns.

Das Feuerwerk selber war dann allerdings… eher unspektakulär. Zugegeben, gemessen am flammenden Titel der Veranstaltung hätte ich da etwas mehr erwartet. Das kann jedes Dorf-Weinfest im Ahrtal genauso gut.

Das Fazit lautet aber trotzdem: Rhein in Flammen ist definitiv einen Besuch wert. Die Rheinauen boten friedliche Volksfestatmosphäre mit guter Musik, die verschiedene Geschmäcker ansprach, und selbst das Bier ließ sich nicht als krass überteuert bezeichnen – zumindest gemessen am kostenlosen Eintritt.

Bonn, ich fange an, dich zu mögen.

 

 

#Update 05.05.2014: Ich sollte öfter Festivalvergleiche anstellen – zumindest berichtet der Bonner General-Anzeiger heute, dass wegen des durchschlagenden Erfolgs von Rhein in Flammen das R(h)einkultur-Festival vor einer Wiederauflage stünde. Na das wäre ja mal was.