Warn-Apps – meine große Verwirrung

Seit dem verheerenden Amoklauf von München ist Katwarn in aller Munde. Als eine der beiden großen erhältlichen Warn-Apps soll sie die Stadtbevölkerung vor Gefahren warnen, worunter Unwetter, Blitzeis und eben auch eine sogenannte Amoklage zählen. Zu den „Partnern“ von Katwarn zählen unter anderem Fraunhofer Fokus und die Versicherungsbranche. Verständlicherweise.

So weit, so gut. Klasse Idee, denn das Smartphone ist weitverbreitet, im Grunde läuft kein Mensch mehr ohne rum. Über eine solche Warn-App können also binnen kürzester Zeit enorm viele Menschen erreicht und gewarnt werden. Und so habe ich Katwarn auch mal selbst ausprobiert, denn für mich persönlich sind gute Warnungen gerade in Bezug auf die Wetterlage schon irgendwie wichtig. Vor allem, da mir die meisten gängigen Wetter-Apps echt stinken – häufig entpuppten sich diese in Vergangenheit als Akkukiller, ungenau und buggy.

Und da fängt mein Leid mit diesen Apps auch schon an – Stichwort „buggy“: Auch bei Katwarn hakt es leider in puncto Zuverlässigkeit – so wurden beispielsweise während des Amoklaufs von München nicht alle Menschen erreicht, da dass System durch die große Relevanz der Warnungen schlicht überlastet war. Auch in meinem eigenen Test konnte die App ihre Stärke der genauen und detaillierten Warnungen eigentlich nie ausspielen, und dabei ging es nicht mal um großflächige Amoklagen: Bei jeder kleinen Unwetterwarnung kam ich nie über die Vorschau in der Informationsleiste des Smartphones hinaus, denn der Aufruf der jeweiligen Warnmeldung führte in aller Regel zum Totalabsturz von Katwarn. Es sei dazu gesagt: Ich benutze ein aktuelles Mittelklasse-Smartphone mit 2 Gigabyte Ram und einem sehr schlanken, gut gepatchten Android 6, auf dem alle gängigen Installationen flüssig laufen. Leistungsprobleme sollten hier also nicht zugrunde liegen und auch meine Leitung ist ziemlich fix. Dass die App durch ihre inhärente Instabilität kaum nutzbar war, ist sehr schade.

Dazu bringt Katwarn für mich noch ein weiteres Problem mit: Nicht alle Landkreise und Städte sind hier kooperationsbereit, der Rhein-Sieg-Kreis speist seine Meldungen beispielsweise bei Katwarn ein, die Stadt Bonn dagegen gar nicht. Das ergibt für mich als Endnutzer irgendwie keinen Sinn.

Die Alternative: NINA
Nützlich: NINA bietet nicht nur Warnungen, sondern auch allgemeine und konkrete Verhaltenstipps
Nützlich: NINA bietet nicht nur Warnungen, sondern auch allgemeine und konkrete Verhaltenstipps

Und dann gibt es da noch die Konkurrenz. Wie in der digitalen Welt üblich, gibt es auch beim Thema Katastrophenschutz mehr als eine App für ein- und dieselbe Sache. Und in diesem Fall ist die Konkurrenz sogar hochoffiziell: Sie heißt NINA (Notfall-Informations und Nachrichten-App des Bundes) und zieht ihre Informationen aus dem modularen Warnsystem des Bundes (MoWaS). Dahinter steckt, kurz gesagt, das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Die müssens ja wissen, denkt man sich. Leider hat aber auch diese App dasselbe Problem wie Katwarn: So deckt auch NINA nicht alle Landkreise bei lokalen Gefahrenlagen ab – eine Übersicht kann man auf der Homepage einsehen. Aber immerhin: Im Gegensatz zu Katwarn funktionierts. Das ist bei einer App, die man in eher selteneren, aber dann dringenden Fällen unbedingt braucht, für mich ein unerlässliches Kriterium. Wie das mit NINA allerdings bei einer umfangreichen Gefahrenlage wie in München aussähe, vermag ich nicht zu beurteilen. Bei Unwetterwarnungen funktionierte die App auf meinem Durchschnittsphone bislang sehr zuverlässig.

Meine vorsichtige, grundsätzliche Empfehlung tendiert bei diesem schwierigen Thema also zu NINA. Vorausgesetzt, man lebt in einer Gegend, in der das System unterstützt wird. Nordrhein-Westfalen kommt da schon ganz gut weg, bei anderen Bundesländern sieht es – sprichwörtlich – katastrophal aus. Um die Verwirrung perfekt zu machen, gibt mir NINA auf der Deutschlandkarte aber dennoch Warnungen für nicht unterstützte Landkreise aus. Ebenso erinnere ich mich an Warnungen von Katwarn, während ich mich in Bonn aufhielt – obwohl die Stadt das System offiziell nicht unterstützt. Vielleicht liegt es daran, dass Wetter-Warnungen immer bundesweit rausgegeben werden. Zumindest die Erklärungen zur Funktion der beiden Apps sind dann aber sehr intransparent.

Abschliessende Fragen

Was ich mich nun frage: Warum bekommen wir es in Deutschland nicht hin, EINE App zur Warnung zu entwickeln? Oder zumindest auf EIN transparentes System zu setzen, aus dem sich App-Entwickler bedienen können? Warum können Katwarn und NINA nicht kooperieren? Der Zweck ist doch schließlich ein gemeinnütziger. In Anbetracht dieses Durcheinanders ist es natürlich kein Wunder, dass es nicht einmal der WDR schafft, eine eindeutige Empfehlung auszusprechen. Vielleicht liegt die Zukunft der Warn-Apps dann im Bereich Open Data, schön wäre es jedenfalls.

Spideroak: Dropbox-Alternative mit Schwächen

Lässt sich ein nützlicher Dienst wie Dropbox oder Google Drive überhaupt ersetzen? Die bekannten amerikanischen Cloud-Dienste kennen wir ja alle irgendwie – liebgewonnen und vor allem hochgradig praktisch. Man kommt nämlich immer gut an die eigenen Daten ran, egal wo man sich aufhält. Und: Man teilt mit Arbeitskollegen, der Band oder dem Karnevalsverein einen gemeinsamen Dropboxordner, und schon erspart man sich viele umständliche Mails und das Herumreichen von USB-Sticks.

Das Problem: Man teilt sich seine Daten eben nicht nur mit Freunden, sondern auch mit diversen Geheimdiensten.

Kann man das tatsächlich besser machen? Oder zumindest eine ähnliche Leistung verschlüsselt – also sicher und ohne Geheimdienste – nutzen?

Konkurrenz belebt das Geschäft

Die erste einfache, ernüchternde Antwort: Es geht so ein bisschen. Genügend Inspiration für einen Versuch mit SpiderOak fand ich in einem vom britischen Guardian veröffentlichten Interview mit Edward Snowden, in welchem er den amerikanischen (!) Dienst SpiderOak über den grünen Klee lobt. Zudem gibt es auch noch weitere Alternativen, die wohl alle relativ ähnlich funktionieren: Teamdrive, Tresorit und Wuala. Ein wohl ganz brauchbarer Gesamtvergleich der Stärken und Schwächen der einzelnen Dienste ist hier zu finden (etwas scrollen muss man aber schon).

SpiderOak habe ich mir selbst wegen dem guten Herrn Snowden einmal näher angesehen – und bin vorerst daran hängen geblieben. Im Prinzip funktioniert’s genau wie Dropbox: Man lädt sich ein Programm, das auf dem normalen Windows (oder Linux etc.)-Desktop und auch auf dem Smartphone installiert wird. Gebraucht werden dann noch ein Nutzername und ein sicheres Passwort, 2 GB Online-Speicher sind – genau wie bei Dropbox – kostenlos. Wer FreundInnen anwirbt, bekommt pro FreundIn 1 GB umsonst obendrauf – und der oder die jeweilige FreundIn ebenso. Die SpiderOak-Werbemasche ist also eine Win-Win-Situation (Win-Win-Link hier, bitte darüber anmelden ;)). Bis zu 10 GB Speicherplatz lassen sich über das Schneeballprinzip kostenlos erreichen.

SpiderOak-Screenshot
SpiderOak-Screenshot

Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gegen NSA und andere „Interessenten“

Was ist nun aber das „Besondere“ bei SpiderOak? Eigentlich wäre der Dienst schon grundsätzlich nicht vertrauenswürdig, da er in den USA sitzt und damit der merkbefreiten FISA-Regelung untersteht. Heißt im Klartext: Möchte ein amerikanisches Geheimgericht, dass SpiderOak Nutzerdaten rausgeben soll, dann kann die Firma nichts dagegen tun. Auch Dropbox, Facebook und wie sie alle heißen sind machtlos gegen diesen Missbrauch und die Sicherheitsparanoia der amerikanischen Regierung. Der Trick heißt daher – wie schon bei den Messengern und den Mails – Ende-zu-Ende-Verschlüsselung: Selbst wenn nun die Firma SpiderOak Daten rausgibt, können die Behörden schlicht nichts anfangen, da nach einer Herausgabe nur Zeichensalat zu sehen wäre. Diese Verschlüsselung übernimmt der Client, man selbst muss nichts dafür tun. So besitzt SpiderOak selbst laut eigenen Angaben dann keine Möglichkeit, die Daten für die Behörden zu entschlüsseln – allerdings können damit nicht einmal verloren gegangene Passwörter ersetzt werden.

Wie schon bei Threema muss allerdings auch die Frage nach der generellen Vertrauenswürdigkeit des Anbieters gestellt werden – da der Dienst aber plant, in der Zukunft zumindest teilweise auf das Open Source – Prinzip zu setzen, scheint das vorerst in Ordnung zu gehen. Oder zumindest schon einmal erheblich besser als Dropbox, zumal in dessen im Verwaltungsrat auch noch Condoleezza Rice sitzt – ehemalige Sicherheitsberaterin von George W. Bush.

Langsamer Client, (noch) keine gemeinsamen Ordner á la Dropbox

Wie schlägt sich SpiderOak nun im Alltag? Ich selber nutze den Dienst seit ein paar Wochen, die Funktionsweise ist tatsächlich weitgehend die selbe wie bei Dropbox. Nur dass man hier aus Sicherheitsgründen besser nicht das Webinterface nutzen sollte (der Dienst weißt selber darauf hin, dass dann nicht mehr für die Sicherheit der Daten garantiert werden kann). Zudem ist die Smartphone-Version leider ein absoluter Griff ins Klo. Bei mir läuft sie instabil und wirkt extrem verbuggt, zudem ist sie nicht in der Lage, Uploads vom Smartphone in die Cloud zu laden. SpiderOak gelobte allerdings in einem Tweet Besserung, mobile Uploads sollen demzufolge bald möglich sein. Ebenso wird laut einem weiteren Tweet alsbald die Möglichkeit geschaffen, vernünftige Gruppenordner zu führen – ein ziemlich entscheidendes Feature, weshalb Dropbox bei mir auch immer noch nicht ganz von der Bildfläche verschwunden ist.

Die Desktop-Software an sich finde ich okay, sie ist allerdings auch ein wenig komplexer als (und feiner einstellbar) als der große Konkurrent. Neben dem Ordner „SpiderOak Hive“, der in etwa dem klassischen Dropbox-Ordner auf dem PC entspricht, lassen sich über den Dienst auch noch weitere Ordner der verwendeten Computer zur Synchronisation hinzufügen. Das ist eine Sache, die ich bei Dropbox bisher immer vermisst habe. Zwei Schwachpunkte gibt es aber momentan auch noch hier: Zum einen ist die Synchronisation der Dateien eher langsam, das heißt: Mal eben schnell von unterwegs was abspeichern, Netbook zuklappen und dann zuhause mit dem Hauptrechner weiter arbeiten funktioniert oft nicht so. Man muss der Krypto-Cloud hier immer ein paar Minuten Zeit einräumen. Auch schnell mal was hochladen und dann direkt mit Kollegen oder Freunden per Link teilen ist wegen der Gemächlichkeit des Clients eher unrealistisch. Zum anderen lässt sich der Speicherort des „Hive“ nicht manuell ändern – dieser liegt immer fest auf dem Systemlaufwerk. Nervig, wenn man Wert auf eine separate Datenpartition legt und dann durch Spideroak doch wieder Daten auf C:\ schieben muss.

Ansonsten tut SpiderOak das, was es soll. Und das bisher auch absolut zuverlässig. Auch eine Funktion zum Bilder teilen ist implementiert, dazu müssen NutzerInnen aber zunächst einmal eine „Share-ID“ kreieren. Über letztere lassen sich dann aus SpiderOak heraus Weblinks mit beispielsweise Bilderordnern erstellen, um sie FreundInnen zu schicken.

Fazit

Die angesprochenen Schwächen, die Desktop-Client und vor allem die nahezu unbrauchbare mobile Version  mitbringen, sind möglicherweise nur Kinderkrankheiten. Auf jeden Fall sind es aber handfeste Nachteile, ein vollwertiger Ersatz für die bis auf ihre Sicherheitsprobleme gut funktionerenden Cloud-Dienste ist SpiderOak damit noch nicht. Die Frage ist, wie lange das amerikanische Unternehmen braucht, um dies einigermaßen auszubügeln und die Clients alltagstauglicher zu gestalten. Denn solange ich nicht mit Arbeitskollegen und Freunden gemeinsame Ordner führen kann, solange bleibt Dropbox zumindest in puncto Funktionalität erst einmal unersetzbar.