Aus Versehen im Trend: Metalshirts jetzt „in“

Hoppla. Was geht denn jetzt ab… der alt-ehrwürdige Metal Hammer erklärt, dass Metalshirts für diesen Sommer kraft diverser Mode-Mags zum Trend erklärt würden. Dabei nimmt man auf die Modeseite Harper’s Bazaar Bezug, die jetzt nicht wirklich eine Referenz in Sachen Subkultur ist, aber den Look wohl gerade cool findet. Auch die deutsche GQ schließt sich dem an und empfiehlt uns auch direkt passende Kombinationen – darunter ein Karohemd und eine lochfreie (!) schwarze Hose. Das ist das Gruselige an Trends – plötzlich findet sich der/die kleine, ziemlich vom Mainstream angenervte MetallerIn selbst mitten im absoluten Mainstream. Aus Versehen trendy. Mir kanns ja relativ egal sein, ich trage kaum noch öffentlich Bandshirts (was mehr der Tatsache geschuldet ist, dass meine Shirts teilweise sehr alt sind und nur noch zu besonderen Anlässen aus dem Schrank geholt werden, als dass ich sie blöde fände).

Andere hingegen werden sich in diesem Sommer vermutlich wundern. Denn Shirts oder Batches mit klaren musikalischen Ansagen dienen dem bewanderten Subkultur-Connaisseur seit tausenden von Jahren zum Erkennen gleichgesinnter und geschmacklich ästhetischer Menschen. Was unter jenen Gleichgesinnten nicht selten zu interessanten Gesprächen und neuen, netten Bekanntschaften führt. Nicht zuletzt ging mir das auch schon öfter so – man hat einfach sofort ein Gesprächsthema, fremde Leute sind per Definition nicht mehr komplett fremd, wenn sie dieselbe Lieblingsband haben wie man selbst. Und nun… nun stelle ich mir die Gesichter der Modehipster in Metalshirts vor, die keinen blassen Schimmer von der Musik haben und dann von richtigen Metalfans kumpelig angequatscht werden.

Grundsätzlich ist die Metalszene ja gottlob sehr offen – man muss nicht alle Alben von Slayer auswendig kennen und auf Gitarre und Schlagzeug rauf und runter spielen können, um dazuzugehören. (Ich mag Slayer zum Beispiel überhaupt nicht, Asche auf mein Haupt.) Aber so ein bisschen Bezug zur Musik sollte man dann schon haben, ein Bandshirt als reines Accessoire kann ich mir nur schwer vorstellen. Ein Glück, dass diesem Trend nur die Halbwertszeit eines Sommers prophezeit wird. (Oder sollte ich mit meiner Band schon mal, rein präventiv, versteht sich, massenhaft Shirts in Druck geben, damit wir im Sommer das Geschäft unseres Lebens machen können?)

Und überhaupt: Wie stehen eigentlich die Bonner ModebloggerInnen so dazu? Bitte benachrichtigt mich doch, falls das Thema dort irgendwo aufgegriffen wird. Nur so aus Interesse ;-)