Radfahren in Bonn

Der General-Anzeiger teilte heute mit, dass Bonn bei der Auswertung des Fahrradklima-Tests nur „im Mittelfeld“ landet und gerade einmal die Schulnote 3,9 erhält. Für eine Stadt mit grün angefärbter Koalition und dem Ziel Fahrradhauptstadt 2020 ist das eher eine Blamage. Mittlerweile kann ich die geäußerte Kritik sogar nachvollziehen – ganz anders war’s für mich im letzten Jahr: Als ich (Gelegenheitsradfahrer) von Trier nach Bonn zog, kam ich mir anfangs vor wie im Paradies. Ich meine, hey, yeah, Radwege! Fast überall! Gibt’s in Trier so gut wie gar nicht – oder wenn, dann nur mit Autos, Lastwagen und Bussen drauf und nur auf einer Länge von 50 Metern bis zur nächsten Kreuzung. Radfahren in meiner alten Stadt entsprach – zumindest im Stadtgebiet – dem Gefühl permanenter Lebensgefahr. An das war man zwar gewöhnt, aber schön war’s trotzdem nicht, wenn man sich eine zweispurige Fahrbahn nicht nur mit den Schlaglöchern teilen musste. Weshalb wohl nicht Wenige standardmäßig auf die Gehwege auswichen und regelmäßig Fußgänger über den Haufen fuhren. Auch nicht hübsch.

In Bonn dagegen existiert ein ziemlich gut ausgebautes Wegenetz, das die Mittelfeldnote 3,9 meines Erachtens nicht ganz rechtfertigt. Diese suggeriert, dass auch das Radfahren in Bonn so eine Sache ist. Hier werden wegen des Radwegenetzes allerdings andere Fragen als noch in Trier aufgeworfen. Prominent und bei vom GA erwähnt wird hier die gefährliche Situation an Kreuzungen. Das kann ich mehr als nachvollziehen – vor allem, wenn man abbiegen möchte, wird es an mancher Kreuzung in Bonn richtig gefährlich. So gibt es nicht bei allen separate Abbiegestreifen für Radfahrer, was dann öfter mal zu Hupkonzerten seitens der Autofahrenden führt. Auch das ist die Konsequenz eines Radwegenetzes: In Bonn existiert faktisch eine Art Illusion der Vollständigkeit – und Autofahrende denken, dass sie automatisch im Recht  sind, wenn sie sich über einen den Radweg verlassenden, weil abbiegenden Radfahrer aufregen. Dass dem ganz und gar nicht so ist, beweist §9 der StVO. Besser wäre es natürlich, wenn das Netz so ausgebaut wäre, dass es hier von vornherein nicht zu Verständnisproblemen käme. Meine eigene Erfahrung damit bestätigt das: Solche Abbiegesituationen sind richtig heikel. Einmal hielt ein Motorradfahrer sogar extra an, um mich mitten auf der Kreuzung zu stoppen und mit hochrotem Kopf anzupöbeln. Dabei wollte ich nur normal abbiegen und war im Recht – aber das dem armen Herrn in der Situation beizubringen, war hoffnungslos. So etwas ist unnötig, gefährlich und wird durch die Unvollständigkeit und Inkonsequenz des Netzes unnötig provoziert. (Aber immerhin: Besser, die Leute sehen mich und regen sich auf, als dass sie mich über den Haufen fahren.)

Ein weiterer Punkt, der die Note runterzieht, liegt laut GA in der schlechten Vereinbarkeit von öffentlichem Nahverkehr und Fahrrad. Und dieses Argument kann ich mehr als nachvollziehen: Möchte ich aus irgendwelchen Gründen (z.B. nicht enden wollender Sturzregen, Gewitter, Atombombenangriff) mein Rad mit der Stadtbahn nach Hause transportieren, dann kostet mich das mindestens 2,80 Euro pro Fahrt. Zusätzlich zum Ticket, das ich mir selbst noch kaufe – womit dann eine Fahrt in der Regel über 5 Euro kostet. Da wird man dann lieber doch richtig nass und ärgert sich schwarz über die unflexible und unpraktische Preisgestaltung. Tadaa, in Trier war das tatsächlich besser: Sofern die Busfahrer nicht extra weiterfuhren, wenn man mit dem Rad alleine an einer Haltestelle stand, nahmen sie einen ohne Aufpreis mit. Dort war dieser Service allerdings auch bedeutend wichtiger als im flachen Bonn: Zwischen Innenstadt und Campus gibt es knapp 120 Meter Höhenunterschied zu bewältigen – die fährt man auch mit Kondition nicht mal einfach so ab.

Verbesserungsbedarf wäre in Bonn also schon vorhanden. In Trier übrigens ebenso – auch wenn die Stadt laut Test als stärkster Aufholer gilt und zumindest nicht mehr auf dem viertletzten Platz landet.

Bahnhofsreflexionen II

Dieses Mal zum zweiten Teil meiner gewohnten RE-Fahrerei: Koblenz – Trier.

Koblenz Hautpbahnhof: Der zu kurz geratene Regionalexpress nach Trier ist jetzt schon gut gefüllt. Radtouristen, Rentner, Studis und ein paar Polizisten laufen vor- und rückwärts durch den Zug, um noch Sitzplätze ohne Nachbarn mit McDonald’s Tüte zu bekommen. Wer Erfahrung hat, weiß: Sitzen auf der in Fahrtrichtung liegend rechten Seite empfiehlt sich – hier hat man nachher seine Ruhe. Mutmaßlich wegen des hübschen Blicks auf das romantische Moseltal wird sich die linke Seite des Zuges zur Nerv-Seite mausern. Hier werden später ältere Leute mit teuren Kameras romantische Fotos durch schmutzige Fenster schießen.

Kobern-Gondorf: Erster Ort mit Doppelnamen. Schaut man aus dem Fenster, sieht man außer einem kleinen Dörfchen an der Mosel eigentlich nichts.

Treis-Karden: Zweiter Doppelname auf der Fahrt. Klingt komisch und so gucken auch die wenigen Leute, die hier meist schon in einen viel zu vollen Zug einsteigen.

Cochem: Urig, alt, weißhaarig. Zwischen amerikanischen Touristen finden sich hier auch ein paar deutsche Rentner, die den Zug verlassen. Überhaupt der einzige Unterwegshalt, an dem etwas los ist. Spektakulärer Tunnelbau hinter dem Bahnhof, irgendwo soll’s auch ein Schloss geben und die Bundesbank ließ hier während des Kalten Kriegs um die 17 Milliarden D-Mark einlagern. In einem Atombunker mitten im spießigen Wohngebiet. Eine atomare Druckwelle hätte (wie auch sonst so vieles) das enge Moseltal nicht erreicht. Und der Feind wäre schon nicht darauf gekommen, ausgerechnet hier nach der Kohle zu suchen.

Bullay: „Umweltbahnhof“ mit ein paar Solarzellen auf dem Dach. Endlich verlassen auch die Radtouristen den Zug.

Wittlich: Hier steigen stets die Polizisten aus. Warum auch immer. Der Bahnhof von Wittlich ist übrigens Etikettenschwindel – denn er liegt ein paar Kilometer entfernt vom Stadtzentrum.

Schweich: Neuester Haltepunkt der Regionalexpresslinie, wird erst seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2014 regelmäßig angefahren. Allerdings wissen das die Schweicher nicht: Hier steigt niemand ein oder aus. Cf. Oberwinter.

Trier Hauptbahnhof: Der Zug würgt mit einem Male alle Passagiere heraus, um sogleich wieder neue aufzunehmen. Außer irgendwelchen in Alkohol eingelegten Kegelclubs fährt fast niemand von Koblenz bis nach Saarbrücken oder gar Mannheim durch. Derweil werden die Reisenden beim Verlassen des Hauptbahnhofs vom malerisch-verträumten Bahnhofsviertel der ältesten Stadt Deutschlands begrüßt: Mediamarkt, Burger King, Puff, Army Shop und pöbelnde Jugendliche.

Fernbus: Eine Erfahrung mit Flixbus

Oder: Wie ich mit Flixbus lernte, die Bahn wieder zu schätzen

Am liebsten hätte ich ja geschrieben, dass meine erste Fernbusfahrt sehr angenehm verlaufen wäre. Denn der Bahn täte Konkurrenz wahrlich gut – nicht nur wegen der Streiks, sondern auch in Anbetracht unzähliger Verspätungen. Aber leider kann ich nicht schreiben, dass meine erste Fernbusfahrt eine angenehme Erfahrung war. Das Gegenteil war der Fall. Doch fangen wir von vorne an.

Wegen meiner Prüfungen und Sprechstundentermine bin ich zur Zeit oft in Trier – traditionell mit der Bahn, was für einen Studi – obwohl ab Koblenz mit Semesterticket unterwegs – immer noch reichlich teuer ist. Die Fahrt ist zudem langwierig, um die drei Stunden ist man von Bonn aus eigentlich immer unterwegs. Da kann mir die Einrichtung einer Fernbuslinie zwischen Bonn und Trier gerade recht sein, dachte ich mir. Bedient wird diese vom Unternehmen Flixbus, das derzeit im Begriff ist, sich zu einem der größten Anbieter in Deutschland aufzuschwingen.

Zwei gute Argumente – Preis und Fahrzeit

Vor allem der Preis ist ein starkes Argument für die Linie – die Rückfahrt aus Trier habe ich einen Tag vorher gebucht, sie kostete mich 7 Euro. Das ist selbst trotz Studententicket (was im Bus ja nicht gilt) noch erheblich günstiger als die Schiene. Allein für die Fahrt nach Koblenz zahle ich für den Regionalexpress der Bahn immer noch 11,80 Euro. Zahlt man für die volle Strecke nach Trier, dann sind es bei der Bahn bereits im Regionalverkehr über 35 Euro.

Das zweite starke Argument für den Bus ist die kürzere Fahrzeit – obwohl die Verbindungen ja meist den Ruf haben, deutlich langsamer zu sein als die Bahn. Das mag im Durchschnitt korrekt sein, trifft aber auf die Relation Trier – Bonn nicht zu, denn eine schlecht ausgebaute Moselstrecke und die lange Umsteigezeit in Koblenz (+35 Minuten) bremsen die Züge hier ziemlich aus. Somit ist ist man per Flixbus mit ca. 2 Stunden Fahrzeit eine ganze Stunde schneller am Ziel. Naja, dachte ich.

Denn in Trier selbst nahm das Unheil dann seinen Lauf. Es begann damit, dass ich am späten Nachmittag eine SMS des Unternehmens bekam:

Zwei Argumente dagegen: Verspätungen und unentspanntes  Fahren

Damit war der Zeitvorteil dann schon einmal dahin. Gut, dachte ich mir, dann gehe ich eben noch einen Kaffee trinken. Das empfahl sich auch, denn die Haltestelle am Trierer Hauptbahnhof ist weder überdacht noch windgeschützt. Bei nasskaltem Wetter also kein guter Ort, um auf einen über 45 Minuten verspäteten Bus zu warten.

An der Haltestelle selbst hängt am Fahrplan ein QR-Code, über den aktuelle Informationen zur Fahrt abgerufen werden können. Das probierte ich natürlich sofort aus – und lernte dadurch, dass solche Verspätungen bei Flixbus kein Einzelfall sind:

Flixbus-Verspätungen
http://flixbus.de/aktuelle-streckeninfos, 11.11.14
http://flixbus.de/aktuelle-streckeninfos
http://flixbus.de/aktuelle-streckeninfos, 11.11.14

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach einem leckeren Kakao im Café Lecca direkt am Hauptbahnhof und der Rückkehr zur Haltestelle fanden sich dann gegen 8 Uhr die ersten genervten Fahrgäste ein, darunter viele, die zum ersten Mal in einen Fernbus steigen sollten. Ein Paar aus Solingen war dabei regelrecht verzweifelt, denn die beiden würden aufgrund der Verspätung in Düsseldorf keinen Anschluss mehr bekommen. Sie rechneten bereits, was das Taxi kosten würde.

Schließlich kam dann auch unser Bus – nach kurzem Check des Tickets (man kann dem Fahrer einfach die Email des Unternehmens auf dem Smartphone zeigen) stiegen wir ein. Nach ein paar Minuten waren die Koffer alle eingeräumt, die Fahrgäste hatten es sich gemütlich gemacht, der Motor lief, unser Busfahrer saß vorne – und fuhr nicht los. So ging das 10, 20, 30 Minuten… bis ich aus Neugier nach vorne ging und höflich fragte, warum sich denn unsere Weiterfahrt noch einmal verzögerte. Der nette Fahrer zeigte daraufhin auf die Uhr und erklärte mir schulterzuckend, dass er seine Pflichtpause machen muss und erst in drei Minuten losfahren darf. Dafür kann der Mann natürlich nichts – aber ich finde es mindestens interessant, dass Flixbus die Fahrpläne wohl sehr, sehr eng taktet. Zu eng für gesetzlich vorgeschriebene Pausen und erst recht für andere Verspätungen.

Mit mittlerweile über 60 Minuten Verspätung ging es dann endlich los, raus aus Trier, rauf auf die Autobahn. Der Bus entpuppte sich dabei als leise und komfortabel – aber nur, weil er nicht mal zur Hälfte besetzt war und so alle Fahrgäste zwei Sitzplätze zur Verfügung hatten. So konnte man sich breit machen und entspannt dem Ziel entgegenschaukeln. Bei einem voll besetzten Bus wären die engen Sitze dagegen deutlich mehr zu spüren.

Deutlich zu spüren war dann später der ruppige Fahrstil des Fahrers. Vor allem auf einem kurzen Landstraßenabschnitt bei Mayen, bei dem eine seit Wochen bestehende Umleitung vermutlich für Verwirrung sorgte, reihten sich einige scharfe Bremsungen und sportliches in-die-Kurve-legen aneinander. So sehr, dass manche Taschen von den Sitzen flogen. Auch sonst war der Bus spürbar zügig unterwegs. Vermutlich müssen sich die Passagiere während der Fahrt auch anschnallen – was  aber niemand tat, denn eine entsprechende Ansage des Fahrers gab es nicht. Es wäre auch schwergefallen, denn zumindest mein Gurt zog mich so feste an den Sitz, dass mir das unangenehm war. Zu lockern war er auch nicht mehr, sodass ich ihn umgehend wieder löste.

„Fernbusbahnhof“ – ein schlechter Witz

„Entspannt“ war die Fahrt also nicht gerade und wir erreichten Bonn trotz des rasanten Fahrstils erst um 22.30 Uhr – also immer noch eine gute Stunde zu spät. Die einmal entstandene Verspätung wieder einzuholen lässt der Flixbus-Fahrplan also nicht zu.

Was mich dann in Bonn erwartete, sollte auch nicht gerade ein Anblick der Freude sein. Der Bonner „Fernbusbahnhof“ verdient seinen Namen nicht wirklich – über einen unbeleuchteten und nicht ausgeschilderten Weg, der über düstere Parkplätze und Fahrradwege an den Schienen entlang führt, muss man sich dann noch die 800 Meter lange Route zum Bonner Hauptbahnhof suchen. Zuhause war ich schlussendlich nach 23:00 Uhr. Eine Fahrt mit der Bahn wäre schneller und entspannter gewesen – vermutlich auch bei einer Verspätung. Mein Experiment „Fernbus“ wird sich wohl in absehbarer Zeit nicht wiederholen.

AfD Trier: Lehrstunde in Sachen Fremdenfeindlichkeit (update)

Die AfD Trier macht vor, wie einfach es ist, Stimmung gegen die hilflosen BewohnerInnen eines vollkommen überbelegten Flüchtlingsheims zu machen. In der der Trierer Aufnahmeanstalt für Asylbegehrende (AfA) sind über 1000 Menschen einquartiert, jeweils nur für ein paar Wochen, teilweise unter desaströsen Bedingungen. Trotzdem und vor allem wegen der vielen Kinder dort erhalten sie umfassende Hilfe aus der Bevölkerung. Das passt einigen Mitmenschen natürlich nicht. So ziehen die AfD-Verantwortlichen der ältesten Stadt Deutschlands eine Aussage von Integrationsministerin Irene Alt heran, um bei ihren reinlichen deutschen WählerInnen Stimmung zu machen. Selbstverständlich werden alle weiteren Informationen zu dem schwierigen Thema vorenthalten. Naja, seht selbst, wie das funktioniert und mit welchen Reflexen die Anhänger der Partei auf Facebook reagieren:

Screenshot 01.11.2014, Quelle: https://www.facebook.com/afdtrier

Die sanitären Anlagen der AfA sind natürlich eine Katastrophe – sonst würde Frau Alt nicht eine solche Stellungnahme abgeben. Was die AfD geflissentlich ignoriert: Sie wären es ziemlich sicher auch, wenn man in diesen beengten Verhältnissen 1000 Volksdeutsche von der Alternative einquartiert hätte. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Menschen dort auf eine Toilette kommen. Für unsere deutsch-alternativen Reinigungsfachleute ist dieser Umstand in jedem Fall der beste Vorwand, um sich weiter in den Sphären der NPD zu profilieren.

Man möchte brechen.

#Update: Bei der Landesschau des SWR gibt es ein paar Hintergründe zu den Zuständen in den beiden Aufnahmeeinrichtungen Trier und Ingelheim.

Neues Farbschema bei DB-Regio

Nach vielen Jahren durchgehend knallroter Züge präsentiert sich die Bahn in ungewohnter Weise: Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2014 bekommen viele Regionalexpress-Züge neben neuen Fahrzeugen auch ein neues Farbschema. Das alte Verkehrsrot spielt dann häufig nur noch die Nebenrolle, stattdessen werden beispielsweise die neuen Züge auf der Strecke Koblenz-Saarbrücken fast vollständig in silbergrau lackiert. Laut der Infoseite des Rheinland-Pfalz Takts besteht das neue Farbkonzept des Nahverkehrs aus „farbigen Dreiecken in der Unternehmensfarbe des jeweils betreibenden Eisenbahnunternehmens.“ Allerdings betreffen diese Änderungen wohl ausschließlich den Rheinland-Pfalz Takt und alle damit verbundenen Linien (z.B. auch die Ahrtalbahn von Bonn nach Ahrbrück und die Eifelstrecke Köln-Trier). Jedes Bundesland kocht in puncto Design in Zukunft sein eigenes Süppchen.

Als ich dann gestern am Trierer Hauptbahnhof auf meinen Zug wartete, präsentierte sich dieses neue Design auch prompt:

Neues Farbschema bei DB-Regio Südwest

Neues Farbschema DB-Regio

Kleiner Vorgeschmack… aus der Tiefe

Ein kleiner Teaser zu meinem nächsten Artikel für 16vor:

Aus der Tiefe... vermutlich ein Notausgang
Hier geht’s runter… vermutlich ein Notausgang

 

So viel sei gesagt: Es handelt sich um eine Recherche zu einem gut versteckten und etwas vergessenen Trierer Atombunker, den ich bis dato noch gar nicht auf der Rechnung hatte. Das Ergebnis könnte, sofern man mich reinlässt, gar nicht mal unspektakulär werden. Denn größentechnisch könnte das Objekt alle anderen Anlagen in der Römerstadt in den Schatten stellen. Und fast jedeR hat sich schon einmal darüber aufgehalten. Nächste Woche werde ich dann wohl mehr wissen…

Kommunalwahlen in Bonn – Liste ankreuzen, fertig?

Letzten Sonntag war es dann so weit: Europa- und Kommunalwahlen. Auch in NRW. Kaum lebe ich hier, schon wähle ich hier. Eigentlich ja nett und zuvorkommend von der Stadt. Vor allem, wenn man berücksichtigt, dass man in manchen Kommunen erst nach drei Monaten ins Wählerverzeichnis aufgenommen wird. Das ist tatsächlich kein Scherz, meiner ehemaligen Mitbewohnerin wurde – bedingt durch ihren Umzug von der Stadt Trier in den Kreis Trier-Saarburg unmittelbar vor der Wahl – de facto das Kommunalwahlrecht entzogen. Unglaublich, aber wahr. Einfach mal so, Gleichheitsgrundsatz hin oder her, Rheinland-Pfalz darf das.

Eine andere rheinland-pfälzische Tradition zur Wahl vermisse ich allerdings im schönen Bonn: Das Kumulieren und Panaschieren. Oder allgemeinverständlich formuliert: Die Möglichkeit, auf den Wahllisten einzelne KandidatInnen durchzustreichen (okay, das ist böse, aber manchmal notwendig) oder bestimmte Personen besonders zu gewichten – und eben, viel wichtiger noch, dabei keine Rücksicht auf Parteigrenzen nehmen zu müssen. Folglich lassen sich in RLP quer auf dem ganzen Wahlzettel verteilt Kreuzchen machen. In Bonn ging das dagegen nicht, man wählt lediglich Listen und SpitzenkandidatInnen.

Kumulieren und Panaschieren ist aber eine überaus tolle Sache für alle, die sich zumindest ab und an mit Kommunalpolitik auseinandersetzen. Und daher wissen, was von bestimmten Herrschaften in der Politik zu halten ist. Man kann dadurch den unangenehmeren Zeitgenossen seine Stimme verweigern, aber z.B. trotzdem den Rest einer Wahlliste wählen. Oder man wählt gezielt jene BewerberInnen, die man für kompetent hält. Egal auf welcher Liste sie stehen. Obgleich das zwar zu einem verwirrenden Riesen-Wahlzettel führt, auf dem alle Listen mit Namen im Detail aufgeführt sind – für Menschen, die mit den Namen nichts anfangen können, bleibt ja immer noch die Möglichkeit, ihr Kreuz (wie in NRW) einfach unter eine Liste zu setzen. Dann verteilen sich die Stimmen so, wie es von der jeweiligen Partei vorgesehen ist.

Das habe ich aber immer vermieden, stattdessen habe ich auf kommunaler Ebene häufig quer durch den Gemüsegarten gewählt. Denn Parteien – gerade die großen – setzen nicht immer die besten Leute auf die Spitzenplätze oder zumindest auf aussichtsreiche Positionen. Und wie demokratisch so eine Listenaufstellung aussieht, bleibt auch jeweils immer den Parteien selbst überlassen. Dazu ein anschauliches Beispiel aus dem Nachbar-Bundesland: Bei den Aufstellungen der Trierer Wahllisten glänzten nur die Grünen und die Piraten mit wirklich ‚gewählten‘ Listen. Bei allen anderen Parteien wurden die Listen im Vorfeld ausgekungelt und dann von einem Parteitag abgenickt bestätigt.

Wie es dazu im Vergleich bei den Bonner Parteien aussieht, kann ich in Anbetracht meiner noch kurzen Zeit hier nicht beurteilen. Aber trotzdem vermisste ich es beim Urnengang doch, durch gezieltes Wählen von Einzelpersonen solchen ausgekungelten Listen im wahrsten Sinne des Wortes einen Strich durch die Rechnung zu machen.

Needless to say: Ich fände ein solches Wahlsystem auch für Landtags-, Bundestags- und Europawahlen ziemlich spitze. Auch wenn dadurch die Auszählung natürlich länger dauerte, wäre es doch eine wesentlich sympathischere Variante der repräsentativen Demokratie.

Schutzräume auf meinem Weg durch Bonn (Vorbereitung Zombie-Apokalypse)

Obacht: Dieser Beitrag handelt erneut von Bunkern. Der Nächste wird garantiert wieder von etwas anderem handeln, aber es ließ sich gerade einfach nicht anders einrichten. Denn das, was mir neulich mehr nebenbei auffiel, sollte zumindest erwähnt werden – weil es mich als Bekloppten „vom Fach“ selbst amüsierte und für BonnerInnen vielleicht gar nicht uninteressant ist.

Auf meinem Weg nach Trier – den ich vom schönen Plittersdorf öfter mal fahren werde in diesem Sommer – durchquere ich mit der Stadtbahn gleich drei Bunkeranlagen. Nicht irgendwelche Nazidinger, sondern moderneren Kram aus dem Kalten Krieg. Was in Bonn per se keine Überraschung ist, denn die ehemalige Bundeshauptstadt wurde damals im Vergleich zu anderen Städten recht solide untertunnelt. Was mich überrascht hat, ist eher, dass ich sowieso nur drei Haltestellen Stadtbahn bis zum Bahnhof in Bonn – Bad Godesberg zu fahren habe – und alle drei sind ausgebaute Zivilschutzanlagen. Wenn also nun plötzlich beim Sitzen in der Stadtbahn die Zombie-Apokalyse losbricht, kann ich bequem an der Wurzerstraße, der Plittersdorfer Straße oder direkt in der Godesberger U-Bahn-Station rausspringen. Diese Stationen können unter der Erde hermetisch abgeriegelt werden, nach oben hin wie zu den U-Bahn-Tunneln. Zumindest ein paar Stunden ließen sich hier also sicher verbringen. Bis man dann mal auf Klo muss oder Hunger bekommt. Denn es war auch im Kalten Krieg nicht vorgesehen, hier irgendwelche Lebensmittel zu lagern. Sanitäranschlüsse u.ä. müssten auch erst einmal installiert werden, genauso wie Betten (Pritschen) und andere Einrichtungsgegenstände. Diese für eine Zombie-Apokalypse eher unvorteilhafte Auslegung geht auf die Vermutung eines relativ langen Vorlaufs zurück, der dem atomaren Inferno der 60er/70er/80er-Jahre-Kriegsspielchen stets vorausging. Man bräuchte also erst mal eine Weile, bis man so einen Atombunker für Zivilisten ans Laufen brächte. Zwei Wochen, um’s genau zu sagen. Wieso und warum öffentliche Schutzräume nicht von heute auf morgen funktionieren können, habe ich letzten Sommer hier näher erklärt. Der Artikel handelt zwar von einer Trierer Anlage, aber die Sachlage ist im Prinzip identisch. Fun Fact: Atombunker funktionieren fast immer auf dieselbe Weise. Ob in Bonn, Trier, Berlin oder Woauchimmer. Auch der Großschutzraum unter dem Bonner Hauptbahnhof, von dessen Existenz immer noch viele nichts wissen, funktioniert nach demselben Muster. Darüber hat Christoph Lubbe einen sehr lesenswerten und schön bebilderten Artikel geschrieben (den Herrn Lubbe kann man übrigens des Öfteren bei unseren bunker-doku.de-Führungen live erleben).

Und was macht man, wenn die Zombies in der U-Bahn rumlaufen? Dann könnte man versuchen, in einen der zahlreichen Schulschutzräume oder gleich in den Godesberger B9-Tunnel zu gelangen. In Letzterem hätten gleich 7200 Menschen Platz. Gemütlich wäre das allerdings nicht unbedingt und das Problem mit der langen Vorbereitungszeit gibt es auch hier. Nicht unbedingt die beste Lösung, wenn es schnell gehen muss.

Die Bahn. Von Bonn nach Trier. Oh Dear.

Eine längere Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu planen ist ja immer so eine Sache. Ich zähle mich selbst dabei zu den eher erfahrenen Nutzern – also zum Beispiel zu jenen, die umherirrenden Menschen am Bahnsteig meistens schnell weiterhelfen können und bestimmte Fahrpläne auswendig im Kopf haben. Eigentlich sollte also ein Wechsel nach Bonn – mit zwar einem anderen, aber doch sehr umfassenden ÖPNV – keine nennenswerten Probleme bereiten für einen Vielnutzer wie mich. Eigentlich.

Letzte Woche musste ich dann wieder nach Trier. Natürlich studentisch-standesgemäß mit der Bahn. Die Leserin* ahnt nun sicherlich, dass die Fahrt in Anbetracht meiner Betonung des Wortes „eigentlich“ nicht ganz reibungslos verlief. Eines vorab: Ich kam wohlbehalten und wie geplant in Trier an. Eher waren es Planung und Fahrkartenverkauf, die mir nicht so ganz vorkamen wie im zweiten Jahrzent des 21. Jahrhunderts. Und die mich die Frage stellen ließen, ob mich der hiesige Verkehrsverbund nicht einfach nur ärgern möchte. Oder die Bahn. Oder beide.

Die Planung der dreistündigen Fahrt funktionierte zum Beispiel nur über Umwege so, dass man sie als ‚vernünftig‘ bezeichnen kann. Sowohl die Seite der deutschen Bahn als auch die Eingabemaske des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg wollten mich mit der Bonner Stadtbahn (Fahrt ab Dt. Museum/Hochkreutz, also beim Godesberger Bahnhof um die Ecke) bei den meisten Verbindungen über Bonn Hauptbahnhof leiten. Entfernungs- und zeittechnisch ist das bei Nutzung des Regionalverkehrs ziemlicher Quark – und wäre mich auch noch teurer gekommen. Die Suchmasken ließen sich zwar ‚überlisten‘, indem ich die Plittersdorfer Straße als „via“-Haltepunkt einfügte. Damit verschwanden dann auch die teils absurd langen Fahrzeiten. Aber das ist ein Aufwand, der eigentlich gar nicht passieren dürfte. Wenn ich mir dabei Opa oder Oma vorstelle, wie sie eine Fahrt aus Bonn heraus mit den im Netz gegebenen Möglichkeiten planen wollen… dann bekomme ich plötzlich Verständnis für die Menschen, die eine Reise auch heute noch lieber mit den guten alten Faltplänen aus Papier oder gleich am Schalter planen. Oder lieber direkt mit dem Auto fahren. Usability = Totalausfall.

Die zweite Gelegenheit zur Irritation bot sich dann an der Haltetelle der Bonner Stadtbahn. Man darf es wohl verwunderlich finden, dass man hier nur Karten innerhalb des Verkehrsverbundes kaufen kann. Also, hmm, zumindest ich finde das verwunderlich. Über darüber hinaus liegende Ziele – wie z.B. das nicht sooo weit entfernte Koblenz – ist ein Ticketkauf einfach nicht möglich. Bedeutet für einen ahnungslosen Neu-Bonner wie mich konkret: Würde ich eine Reise so planen, wie sie die Eingabemasken im Internet in der Standardeinstellung vorschlagen, dann ergibt sich daraus unversehens ein Zeitproblem. Und zwar ein großes. Die Umsteigezeiten sind oft knapp kalkuliert und wer nicht direkt online bucht (was in Verkehrsverbünden auch immer so eine Sache ist, über die DB-App z.B. konnte ich die Fahrt auch nicht buchen), also sein Ticket erst am Automaten ziehen möchte, der guckt in die Röhre. Denn die Fahrt an besagtem Automaten kann zunächst mal nur bis zum nächsten „richtigen“ Bahnhof der deutschen Bahn gelöst werden. Dort muss dann das Ticket für den Rest der Fahrt gekauft werden, was in Anbetracht kurzer Umsteigezeiten ein delikates Unterfangen ist.

Wenn man unerfahren ist. Oder sich nicht richtig auskennt. Oder den Eingabemasken im Internet zu sehr vertraut.

Zwar treffen die beiden beschriebenen Beispiele eher auf eine kleine Zahl an Reisenden zu. Aber genau diese Nicht-Vielfahrer sind es, die langfristig von den Öffentlichen überzeugt werden müssen. Ich habe mich irgendwie durchgeschlagen und das System nun begriffen (irgendwie, glaube ich), aber hatte bei der ersten Tour auch Glück mit der Zeit. Eine schlechte Usabillity der Online-Suche und nur unflexible Möglichkeiten zum Ticketkauf tragen jedenfalls nicht unbedingt zu mehr FreundInnen des ÖPNV bei.

 

*Ich nehme es mir ab jetzt übrigens heraus, gelegentlich und unangekündigt offensiv zu gendern. Bringt Spaß und Spannung in die Tristesse der Männersprache.