Sommer-Leseliste

Es liegen nun also folgende Werke hier rum, die noch gelesen werden wollen. Eine private Leseliste, die eigentlich keine ist, da leider auch wieder sehr viel beruflich gelesen werden muss. Macht aber nichts, den privaten Spaß an Literatur sollte man sich ja nie nehmen lassen. Mindestens die ersten beiden Titel stammen zumal aus der Kategorie Klassiker, die man eigentlich kennen sollte.

Heinz Strunk – Fleisch ist mein Gemüse. Herrn Strunks neuestes Machwerk, Der Goldene Handschuh, brachte dem häufigen Gast der heute show kürzlich geradezu feuilletonesquen Ruhm ein. Das Stück muss ich also bei Gelegenheit auch mal lesen. Aber vorerst möchte ich meinen Lieblingsautor der Titanic (Lieblingsrubrik: Heinz Strunks Intimschatulle, stets vor allem anderen gelesen) chronologisch verarbeiten. Zumal der erste Absatz erst einmal schön das Scheitern eines Jugendlichen am Rasenmähen seziert. Der wirklich perfekte Beginn dieser Ferien.

Rocko Schamoni – Dorfpunks. Zu Herrn Schamoni muss ja allgemein nichts mehr gesagt werden. Meiner Meinung nach einer der besten deutschen Gegenwartsautoren, dessen Sternstunden der Bedeutungslosigkeit und das Sequel Tag der geschlossenen Tür als nihilistisch-legendär bezeichnet werden können. Auch das etwas weniger düster daherkommende Rentner-mit-Gewehr-Epos Fünf Löcher im Himmel hat mich im letzten Sommer überzeugt.

John le Carré: A Small Town in Germany. Keine Ahnung, Neuland für mich. Der Autor ist vor allem durch das Genre Agententhriller bekannt, wo er durch seine eigene Vergangenheit quasi vom Fach ist. Bekannt war er mir vorher nur durch seine berühmten Verfilmungen, etwa Tinker Tailor Soldier Spy (Dame, König, As, Spion). Das mir nun vorliegende Stück mit Kleinstadt im Titel ist konsequenterweise ebenfalls ein Agententhriller – einer, der in Bonn spielt. Auf die Idee gekommen bin ich durch diesen Blogbeitrag, in dem man noch weitere literarische Bonn-Empfehlungen serviert bekommt.

Notiz: Verrückter Sommer

Sommerferien, erste Woche: Check. Und es zeichnet sich immer deutlicher ab: Unter Umständen wird mein Sommer 2016 genauso bescheuert, durchgeknallt und grenzwertig verrückt wie der letzte. Einige Anzeichen sprechen deutlich dafür. Eigentlich alle. Positiv wie negativ – es ist noch alles drin. Reinschnuppern in andere Bereiche, emotionales Achterbahn fahren, Konzerte, Albumaufnahmen, Kilometer fressen in Schottland und England, das zweite Staatsexamen an der Backe, endlich ein neues Tool-Album. Es fühlt sich alles nach Wahnsinn an. Und das nicht nur, weil das Wetter verrückt spielt. Oder um uns alle herum die Welt in Flammen steht. (Was ist eigentlich mit dieser Welt los?)

In der Zwischenzeit möchte ich das nicht existente Sommerloch mit einem Musiktipp überspannen. Kennt jemand Thrice? Ja? Gut. Nein? Hier. Sie sind sehr gut. Rockmusik aus der Kategorie nicht kategorisierbar. Nachdenklich, laut, melancholisch, heftig.

Listen abhaken

Neulich bei Facebook… Listen ankreuzen macht nicht nur dort Spaß.

Schule ✔️
Bei einer Geburt dabei gewesen
Jemanden beim Sterben begleitet
Mit einem Rettungswagen gefahren ✔ (wenn auch „Krankenwagen“ zählt…)
In Amerika gewesen
In anderen Ländern gewesen
Disneyland besucht
Legoland besucht
In einem Helikopter geflogen (aber dafür Segelflugzeug… selbst. Äätsch.)
Eine Kreuzfahrt gemacht (70000 tons of metal ist aber mal angedacht)
Im Regen getanzt ✔ (Festivals…)
In einer Band gespielt ✔️ ✔️ ✔️ (je nach Zählweise 3 oder 4)
Karaoke gesungen (das möchte niemand hören)
Telefonstreiche gemacht (das möchte grundsätzlich niemand)
Mehr gelacht als geweint ✔ (sofern debil grinsen auch zählt)
Eine Schneeflocke mit dem Mund gefangen
Kind(er) haben (um Himmels Willen)
Haustier(e) haben  (✔️) (hatte welche)
Mit Schlitten einen Hügel runtergefahren
Abfahrtslauf gemacht ✔️
Wasserski gefahren (kein Interesse)
Motorrad gefahren/mitgefahren (kein Interesse²)
Einen Fallschirmsprung gemacht (oh, relativ weit oben auf meiner Priority-Liste)
Im Autokino gewesen
Auf einem Kamel geritten
Auf einem Esel geritten (wozu?!?)
Auf einem Pferd geritten
Im Fernsehen gewesen ✔️ 
In der Zeitung gestanden
Im Krankenhaus gewesen
Blut gespendet
Ein Piercing haben
Ein Tattoo haben
Über 180 km/h gefahren ✔️
Alleine gewohnt
In einem Polizeiauto mitgefahren
Ein Ticket für zu schnelles Fahren bekommen ✔️ (soziale Ader, Kommunen finanzieren und so)
Einen Knochenbruch gehabt
Eine Wunde wurde genäht ✔️
Alleine verreist ✔️

Nicht-Ort, die zweite

Ach hallöchen, liebes V., alte Kackbratze. Lange habe ich nicht mehr über dich hergezogen, da müsste es doch eigentlich einmal wieder Zeit werden, dachtest du dir ganz bestimmt, denn als wenig liebgewonnene Einöde im Brachland der Zülpicher Börde gibt ja auch sonst für dich und deine Nörgelbürger nichts zu lachen. Ja, jedenfalls, V., eben diese Nörgelbürger haben sich nun einen neuen Nörgelstreich ausgedacht, der mir recht gut in dein perfektioniertes Bild zu passen scheint, ja deinen gesamten Existenzsinn: nämlich möglichst jeden Besuch von außerhalb maximal unangenehm zu gestalten. Dies gelingt dir heute auf neue, perfide Art, denn die Ordnungshüter, die du gezielt auf die den Seminarstandort umgebenden Parkplätze ansetzt, haben es natürlich auf uns, die völlig überbezahlten und daher finanziell teilungsfreudigen Referendare abgesehen.

Freilich, V., man muss es dir lassen: In Deutschland gelten immer noch Recht und Ordnung. Darauf legst du Wert, das ist dir wichtig. Bei dir kann nicht einfach jeder irgendwo sein Auto abstellen. Wo kämen wir denn da hin – also schon schon mal nicht zu dir. Vor allem darf man seinen Wagen auf keinen Fall auf den Parkplätzen rund um das von dir so verhasste Studienseminar für die Lehrerausbildung abstellen, denn wir seien ja schließlich, wie deine Ordnungshütenden mahnend feststellen, Zitat, „jung und dynamisch (…) und können gefälligst vom Ortseingang zum Seminar laufen.“ Was du dabei ignorierst: Jung und dynamisch ist bei End-20ern und Anfang-30ern durchaus schon mal Definitionssache, und selbst wenn es so wäre, scheint diese wohlfeile Charakterisierung bei strömendem Regen nicht zielführend. Aber egal, was kümmert’s dich, V., du musst schalten und walten und die leeren Parkplätze leer halten. Und natürlich mit den Ordnungsgeldern deine Finanzen aufbessern. Drum können auch deine Nörgelnden brav hinter ihren Gardinen hocken und darauf lauern, dass erneut fußlahme und überraschend wenig dynamische Referendare die maximale Parkdauer von zwei Stunden um wenige Minuten überschreiten.

Was ich dir jedoch dringend empfehlen möchte: Schaffe Verbindungen mit Bus und Bahn zu dir. Auch wenn deine eigenen Schildbürger möglicherweise nie mit solchen Verkehrsmitteln führen, denn wozu sollte man schon über seinen eigenen Horizont blicken – viele von uns würden sie sicher nutzen. Und: Stelle Schilder in deinen Seitenstraßen auf. Zum Beispiel solche hier: Halteverbot

Dann wird sich auch niemand mehr mit seinem Auto in deine Sträßchen verirren. Sowieso wird sich ab September niemand mehr von uns in deinen Ortskern verirren. Wozu auch? Man kommt ohne Auto nicht hin, darf aber gleichzeitig nirgendwo parken und zu sehen oder zu verweilen gibt es gleich auch nichts.

10/10

Es gibt so einen Punkt in diesem Referendariat… den ich jetzt mal als 10/10 bezeichne (sprich: zehn von zehn). Halten wir das bisher Erreichte einmal kurz fest:

  • zehn Unterrichtsbesuche: Done. 10/10. Finito. Pflichtprogramm erledigt.
  • über ein Jahr mehr oder weniger guter Unterricht in
    • Ausbildungsklassen und -kursen, also denen, wo einem ständig ein/e Mentor/in auf die Finger schaut und man regelmäßig zerlegt wird
    • „bedarfsdeckendem Unterricht“ – also jenen Kursen, für die man selbstständig die Verantwortung über das ganze Schuljahr trägt und die dem Land die Einstellung von mehr Lehrern ersparen, da es ja auf absehbare Zeit immer genug Referendare geben wird…
  • zahlreiche Klassenarbeiten und Klausuren, die alle zeitnah korrigiert werden wollten. Was vor allem dazu führte, dass ich den Begriff „zeitnah“ völlig neu definieren musste. In der Tat: Die endlos scheinende Dauer für eine einzelne korrigierte Oberstufenklausur (aber auch zum Beispiel eine Deutsch-Klassenarbeit in einer 9. Klasse) ist mit die größte Überraschung, die der Lehrerberuf für mich mit sich brachte.
  • das Erkennen der eigenen Stärken – und der Tatsache, dass Classroom Management und Akzeptanz bei SchülerInnen jeglicher Altersgruppen wohl mein geringstes Problem ist. Wieder eine Überraschung: Ich erwartete das definitiv anders und auch Außenstehende sprechen einen, sobald das Thema Lehrer fällt, zumeist in einem suggestiven „Ist bestimmt krass mit den Kindern heutzutage, oder?“-Duktus an. Also halten wir das hier offiziell für alle fest: Nein, ist es nicht. Die Kinder heutzutage sind viel netter als wir in unserer eigenen Schulzeit.
  • die Einsicht, dass das Berufsbild unfassbar komplex und anspruchsvoll ist, enorme Selbstdisziplin und -Strukturierung voraussetzt, gleichzeitig aber auch richtig Spaß macht. Meistens kam ich zwar nie zu den Sachen, die richtig Spaß machen, aber egal. Theoretisch macht es wirklich richtig Spaß. Zum Beispiel Lektüren mit SchülerInnen durchnehmen. Super Sache.
    • bis auf Woyzeck. Woyzeck habe ich hassen gelernt. War bis dato gar nicht so klar. (Ja, auch Lehrer finden manche Bücher aus dem Lehrplan doof. Kommt vor.)
  • last but not least: Don’t even try to hide in the internet. They will find you. Ist aber in Ordnung. Meinen Umgang mit sozialen Medien habe ich nicht im Ansatz geändert. Auch das gehört für mich dazu: sich einfach nicht zu verstellen. Denn auch SchülerInnen können ruhig wissen, dass der komische Vogel vor der Tafel ein Mensch ist.

Wie geht es nun weiter? Ruhiger. Noch drei Wochen Schule, Gutachten hinterher rennen, Bürokratie meistern, Arbeiten fertig korrigieren, Noten festlegen, Sommerferien, Spaß mit Johannes und Sascha, Spaß in Schottland, Staatsexamen planen, und im September folgt dann der große Tag X mit zwei praktischen und einer theoretischen Prüfung. Läuft.

Aus Versehen im Trend: Metalshirts jetzt „in“

Hoppla. Was geht denn jetzt ab… der alt-ehrwürdige Metal Hammer erklärt, dass Metalshirts für diesen Sommer kraft diverser Mode-Mags zum Trend erklärt würden. Dabei nimmt man auf die Modeseite Harper’s Bazaar Bezug, die jetzt nicht wirklich eine Referenz in Sachen Subkultur ist, aber den Look wohl gerade cool findet. Auch die deutsche GQ schließt sich dem an und empfiehlt uns auch direkt passende Kombinationen – darunter ein Karohemd und eine lochfreie (!) schwarze Hose. Das ist das Gruselige an Trends – plötzlich findet sich der/die kleine, ziemlich vom Mainstream angenervte MetallerIn selbst mitten im absoluten Mainstream. Aus Versehen trendy. Mir kanns ja relativ egal sein, ich trage kaum noch öffentlich Bandshirts (was mehr der Tatsache geschuldet ist, dass meine Shirts teilweise sehr alt sind und nur noch zu besonderen Anlässen aus dem Schrank geholt werden, als dass ich sie blöde fände).

Andere hingegen werden sich in diesem Sommer vermutlich wundern. Denn Shirts oder Batches mit klaren musikalischen Ansagen dienen dem bewanderten Subkultur-Connaisseur seit tausenden von Jahren zum Erkennen gleichgesinnter und geschmacklich ästhetischer Menschen. Was unter jenen Gleichgesinnten nicht selten zu interessanten Gesprächen und neuen, netten Bekanntschaften führt. Nicht zuletzt ging mir das auch schon öfter so – man hat einfach sofort ein Gesprächsthema, fremde Leute sind per Definition nicht mehr komplett fremd, wenn sie dieselbe Lieblingsband haben wie man selbst. Und nun… nun stelle ich mir die Gesichter der Modehipster in Metalshirts vor, die keinen blassen Schimmer von der Musik haben und dann von richtigen Metalfans kumpelig angequatscht werden.

Grundsätzlich ist die Metalszene ja gottlob sehr offen – man muss nicht alle Alben von Slayer auswendig kennen und auf Gitarre und Schlagzeug rauf und runter spielen können, um dazuzugehören. (Ich mag Slayer zum Beispiel überhaupt nicht, Asche auf mein Haupt.) Aber so ein bisschen Bezug zur Musik sollte man dann schon haben, ein Bandshirt als reines Accessoire kann ich mir nur schwer vorstellen. Ein Glück, dass diesem Trend nur die Halbwertszeit eines Sommers prophezeit wird. (Oder sollte ich mit meiner Band schon mal, rein präventiv, versteht sich, massenhaft Shirts in Druck geben, damit wir im Sommer das Geschäft unseres Lebens machen können?)

Und überhaupt: Wie stehen eigentlich die Bonner ModebloggerInnen so dazu? Bitte benachrichtigt mich doch, falls das Thema dort irgendwo aufgegriffen wird. Nur so aus Interesse ;-)

Muss das jetzt wirklich sein?

Anscheinend schon.

Dass ein Beitrag wie dieser heutzutage überhaupt noch geschrieben wird… es ist schon bitter, in einem Land zu leben, in dem ein Herr Gauland als führendes Mitglied einer 10+X Prozent-Partei offen rassistisch rumpöbelt. Und andere hohle Fritten aus eben jener Politgruppierung ebenfalls, teilweise läuft das ja schon seit Jahren. Unwidersprochen bleiben solche bewusst lancierten Aufmerksamkeitsakionen in den sozialen Netzwerken natürlich nicht, aber ich finde es dennoch traurig, dass sich überhaupt jemand traut, sein Profil offen mit derart verblödeten Aussagen zu schärfen.

Ja, dumm, verblödet, völlig gehirnamputiert. Was anderes fällt mir dazu nicht mehr ein. Dumm im Sinne von biologisch falsch. Dieses ganze Gelaber von Rassen und Hautfarbe, was gerade – im Jahr 2016! – aus dem Gullideckel der Geschichte wieder hoch blubbert: Es kotzt mich an. Menschen, die sich solcher Aussagen bedienen, wenden sich rhetorisch gegen jede Form von Miteinander und Zusammenleben und offenbaren darüber hinaus ein fundamentales Nichtwissen über Genetik und Biologie. Professor Harald Lesch bringt das mit den vermeintlichen Menschenrassen schön auf den Punkt und mehr möchte ich darüber auch gar nicht verlieren.

Laufen gehen II: Kondition aufbauen

Man sagte mir, dass man schnell Kondition aufbauen könne.

Man sagte mir auch, dass man recht schnell ohne Pausen durchlaufen könne.

Und was soll ich sagen: Es stimmt. Etwas über einen Monat versuche ich nun, mir ein paar Ausdauer-Grundlagen zu legen. Ohne wirklich ambitionierte Ziele, es geht nur darum, etwas fitter, etwas wacher zu werden, dabei die Distanzen und Längen zu steigern, daraus eine Regelmäßigkeit, ein Ritual zu schaffen. Bei winzig kleinen 1,3 Kilometern bin ich Mitte April gestartet, und selbst die konnte ich nur mit zwei Geh-Pausen und sehr langsamem Tempo bewältigen. Mein Körper reagierte völlig ermattet, mein Herz war auf Belastung überhaupt nicht eingestellt. Seitdem: Jeden zweiten/dritten Morgen lockeres Laufen, vor der Arbeit, manchmal um kurz nach fünf, dabei ab und zu die Strecke und die Zeit verlängert. Eine bessere Ernährung versuche ich mir auch anzugewöhnen, das geht schon ganz gut. Seit heute dann: 5,3 Kilometer ohne Pause. Und zum ersten Mal spürte ich das seltsame Gefühl in den Beinen, dass man ewig weiterlaufen könnte. Wie gesagt, das ist nur ein Monat. Und es ist auch nur eine kurze Momentaufnahme. Es geht wirklich enorm schnell und so langsam muss ich mir wohl doch mal richtige Laufschuhe kaufen, wenn ich die Distanzen weiter steigern oder etwas schneller laufen möchte. Was mir nur logisch erscheint.

Und noch so ein Nebeneffekt: Tagsüber ist man wacher, fitter, aufmerksamer, die Wirkung von einem Morgenlauf ist, zumindest mal bei mir, mit der einer großen Tasse Kaffee gleichzusetzen.

Fazit: Kondition aufbauen funktioniert in sehr kurzer Zeit auch ohne große Marathon-Ziele und man tut sich damit wirklich etwas Gutes.