Man entwickelt sich weiter (oder so)

Weniger ist manchmal mehr, und genau aus diesem Grund verabschiede ich mich von der Leitline, dieses Blog mit wöchentlichen Beiträgen zu befeuern. Es funktionierte eh nur mehr schlecht als recht und oftmals gefallen mir die Resultate bis heute nicht.

Stattdessen sollst du, liebes Blog, mehr Platz bekommen für ausführlichere, längere Texte, die aber dafür gerne mal wie ein abstoßender französischer Stinkekäse ein halbes Jahr (okay, Extremfall) auf dem Server reifen. Mehr schönes Schreiben, oder vielleicht – zur Abwechslung – überhaupt mal schönes Schreiben, indes weniger regelmäßig. So sollte es in Zukunft aussehen. Stelle ich mir vor.

Fokus auf das, was wichtig ist.

Wichtig sind derzeit: Geliebte Menschen, der Job, die Musik. In dieser Reihenfolge. Und da das Priorisieren im letzten Jahr bereits (leider) dazu führte, dass die absolut faszinierenden, aber mitunter auszehrenden Bunker-Stories einstweilen am Nagel hängen müssen, gibt es nun eben ein weiteres, äh, Opfer. Wobei dieses Blog genaugenommen gar kein Opfer ist, sonder eher meine IronBlogger-Mitgliedschaft, die – erwartbarerweise – verloren gehen wird.

Man stellt sich diesem dunklen Gefühl, irgendetwas verpassen zu können. Verpassen ist manchmal besser als durch alles nur oberflächlich hindurch rushen zu wollen. Mehr Zeit für das, was zählt.

“No matter how careful you are, there’s going to be the sense you missed something, the collapsed feeling under your skin that you didn’t experience it all. There’s that fallen heart feeling that you rushed right through the moments where you should’ve been paying attention.”
- Chuck Palahniuk

Vielleicht einfach erwachsen werden. Was weiß ich denn schon.

#MiMiMiMi – le Nachwort

Es gab da so eine Lesung. Mitten in der hübschen Bonner Südstadt, der Laden heißt übrigens Friedrichs Coffeeshop und soll auch sonst ganz empfehlenswert sein.

Letztes Jahr war ich noch als Gast dort, der wahrlich nicht schlecht staunte, wie gut sich die vier Blogger nicht nur im Internet, sondern auch auf der Bühne verkaufen konnten. Dieses Jahr war es anders, denn es wurden nicht nur vier, sondern elf AutorInnen eingeladen. Darunter ich. Verdammt. Und da einem eine solche Einladung natürlich nicht schlecht schmeichelt, lehnt man sie wider jeder Vernunft auch nicht ab. Zwar zählen manche Kurzgeschichten durchaus zu meinem Repertoire, aber vorlesewürdig sind diese aufgrund der Textlänge und der Themen nicht. Zumindest nicht für einen solchen Abend. Ich könnte ja wenigstens meine kleinen Vettweiß-Texte lesen, dachte ich mir. In denen bekommt jener Ort meiner Lehrerausbildung sein Vett (haha) weg, der mich bis zum Schluss genervt hat. Die Texte wären unter Umständen durchaus publikumstauglich und vielleicht lacht ja auch irgendwer, schwante es hoffnungsvoll. Mit diesem entspannten Gedanken sank die Einladung darauf im Posteingang nach unten; ein Urlaub und ein Arbeitsplatzwechsel folgten.

Und plötzlich steht er vor der Tür, der große Tag. Morgens noch Schule, mit der zehnten Klasse rede ich über englischsprachige Autoren. Zuhause angekommen schiebe ich mir eine Pizza in den Ofen und schaue mir noch einmal die Texte an. Dabei fällt plötzlich auf, dass ich ja eigentlich noch einen dritten Text schreiben wollte, ein Erklärstück, eine Kontextualisierung, eine Hilfe, damit Nicht-LehrerInnen überhaupt verstehen, was es mit diesem Ort so auf sich hat. Noch vier Stunden, bis es losgeht. Also setze ich mich mit der Pizza an den Schreibtisch und fange an zu tippen. In zwei Stunden springt so die besagte Erklärung heraus, völlig ungeschliffen, gedacht als ein Einzelstück, dann trenne ich sie, zerschneide, schiebe Versatzstücke hin und her, schließlich werden aus meiner Erklärung, die auch eigentlich nur ein paar Zeilen umfassen sollte, zwei neue Texte. Einer davon behandelt eine ganz neue Szene, eine Alltagsbeobachtung, die ich weder eingeplant noch bedacht habe, mein Kopf wirft sie mir an diesem Freitagnachmittag einfach auf den Tisch. Hier, friss, den Scheiß musst du gleich vorlesen. Die Macht der Überarbeitung. Die Macht des „Hier könntest du ja eigentlich doch noch erzählen, wie…“

Eine Überarbeitung, die eigentlich noch einmal überarbeitet gehört hätte. Keine Zeit, eine halbe Stunde noch, bis der Spaß anfängt, zwischendurch noch Emails mit Kollegen geschrieben, ich muss irgendwas Frisches anziehen.

Ein paar Lacher habe ich an diesem (grandiosen) Abend auf meiner Seite, auch wenn ich mir vollkommen seltsam vorkomme und in der anschließenden Videoanalyse deutlich wird, wie unkomfortabel ich da sitze, steif und nervös auf dem Platz herumrutsche und wie soll man eigentlich so ein scheiß Mikro halten? Souverän geht anders, denke ich mir beim Betrachten meiner selbst und frage mich, wer sich von den AutorInnen dieses Abends noch alles selbst angucken – und vor allem – aushalten kann. Irgendwann finde ich dann doch wieder meine innere Zufriedenheit. Denn auf dem Stream finde ich meinen Rhythmus, vor allem bei den beiden älteren Texten, die schon mehrere Überarbeitungen hinter sich haben. Dann: Pause, mit anderen Leuten quatschen, das Programm geht schlussendlich weiter und ich höre mir die restlichen AutorInnen des Abends an – allesamt mit wirklich guten, teilweise berührenden, oft zum Brüllen komischen Texten zur Hand.

Man muss das klar sagen: Ich empfinde ich diese kleine Veranstaltung als absolut großartig, so ein kleiner Rahmen mit doch großer Wirkung; und kann nur jedem empfehlen, der auch nur halbwegs gerne liest und vielleicht mal etwas schreibt, einen Auftritt in dieser Art oder zumindest den Besuch einer Lesung zu versuchen.

Für mich persönlich war das eine ganz neue Erfahrung und ein großer Gewinn.

Kopenhagen im Herbst

Kaum ist man mal da, ist man auch schon wieder weg. Natürlich nie lange, denn die eigene Geldbörse gibt als Noch-Referendar leider nicht furchtbar viel her (und kaputt gehen darf sowieso nichts).

Dieses Mal jedenfalls musste es Kopenhagen sein. Endlich Skandinavien. Und die dänische Hauptstadt hat tatsächlich viel zu bieten. Da ich noch sehr von Eindrücken überflutet bin, reiße ich diese jeweils nur kurz an. Kopenhagen bot uns auf diesem viertägigen Kurztripp

  • hervorragende Free Tours, die für uns bei diesem Trip der Einstieg waren. Die durch Trinkgelder bezahlten Guides machen ihren Job hervorragend und kriegen die für den ersten Eindruck so wichtige Mischung zwischen Oberfläche und Tiefe genau hin. So eine Tour dauert circa zwei bis zweieinhalb Stunden, also Zeit mitnehmen!
  • Architektur und Stadtplanung, ganz vorne die Schlösser, Parks und das frei zugängliche Parlamentsgebäude mit seinem hohen Aussichtsturm (Christiansborg). Auch das sehr gut ausgebaute Radwegenetz sollte für Mutige einen Versuch wert sein. Mut ist allerdings auch erforderlich, denn das Durchschnittstempo schien mir mitunter recht hoch. Wer dagegen nicht Rad fahren möchte und sich auch nicht in die Busse traut, ist zu Fuß ebenfalls ganz gut unterwegs. Die gesamte Innenstadt und auch der Hafenbereich ist recht gut zu erlaufen.
  • Kultur, zum Beispiel günstigen Eintritt ins Theater und die Oper, aber auch jede Menge Programm in Bars und Clubs. Und nicht zuletzt sollten die lustigen Pub Crawls erwähnt werden, bei denen man unterhaltsame, zumeist ebenfalls reisende Zeitgenossen kennenlernen kann.
  • Kunst, vor allem jede Menge Streetart und viele Gallerien.
  • ein nett durchgeknalltes alternatives Viertel: Christiania, super, um dem Lärm der Großstadt zu entfliehen und fast so etwas wie Landleben inmitten der Urbanität zu entdecken. Downside: üppiger Drogenhandel und Fotografieverbot, da einem die Dealer oder Hippies oder wer auch immer die Kamera zertreten würden. Das ist dann eher unschön. Wir haben uns trotzdem reingetraut, die Kameras und Smartphones in der Tasche gelassen und es nicht bereut.
  • ziemlich gutes Essen: bei Hauptspeisen gabs weniger traditionelle dänische Küche, sondern eher postmodernen Hipsterkram wie zum Beispiel auf der Papirøen, wo man eher so etwas wie die Street Food Märkte in Camden Town vorfindet – ziemlich cool und sehr lecker, wie ich finde.
  • ziemlich gutes Essen Pt. 2: Was die Dänen auch gut können, sind Nachtische, Kuchen, Pasteten und Teilchen… unbedingt mal entspannt Kaffee trinken, lohnt sich!
  • die Möglichkeit, einfach mal nach Schweden rüberzufahren: Mit Malmö findet man auf der anderen Seite der Ostsee, in Schweden, eine ihrem Image um einiges überlegene Stadt. Sauber, aufgeräumt, mit dem Chique einer Altstadt, aber auch wesentlich übersichtlicher und weniger von Touristen geflutet als Kopenhagen. Es gibt hier ein paar schöne Cafés, ein spannendes Technikmuseum und einen herrlich einsamen Strand (Ribergborgsstranden). Über den Öresund braucht man auf dem Hinweg aus der Innenstadt etwas über 50 Minuten, was aber nur an den Ausweiskontrollen am Bahnhof liegt. Der kontrollfreie Rückweg ist mit 30 Minuten deutlich zügiger und umsteigefrei.
  • ein leeres Konto: Ja, wie irgendwie alles in Skandinavien ist Kopenhagen (und auch Malmö) extrem teuer. Wer die britische Insel für kostspielig hält, wird hier ganz neue Dimensionen des Geldausgebens entdecken. Zusätzlich erschwert wird das durch den ungünstigen Wechselkurs, so wollte mir das Umrechnen in Euro bis zum Schluss nicht intuitiv gelingen. In diesem Zusammenhang auch erwähnenswert: In Dänemark schrieb ich wegen des Portos die teuersten Postkarten meines Lebens. Wer also zu den wenigen Leuten gehört, die eine von mir bekommen: Eure Freundschaft ist mir sprichwörtlich viel wert :p
  • Wind: Da wir die geniale Idee hatten, im Herbst rüberzumachen, war es natürlich nicht nur ziemlich kalt, sondern auch verdammt windig. Darauf waren wir zum Glück einigermaßen vorbereitet. Diese Erfahrung verbuche ich dennoch unter der Kategorie „interessant“.

Anniversary Update vs. Wlan (Rant inside)

Super gemacht, Microsoft. Ein Zwangs-Update (ist aus Sicherheitsgründen keine verkehrte Sache – eigentlich) zerschoss mir vor zwei Monaten den Wlan-Empfang am PC. Komplett. Tolles Geburtstags-Update. Man probierte daraufhin rum, frickelte, was das Zeug hielt, gar auf fast linuxesque Weise; löschte das Netzwerk und gab das Passwort neu ein, suchte nach neuen Treibern, die es nicht gab und gibt… nichts. Das Ergebnis? Ja genau, nichts. Nada. Außer unglaublich viel Zeitverschwendung, die schlussendlich darin mündete, das System zurückzusetzen. Worauf sich das Update erneut einspielte, schließlich aber doch nur crashte und eine erneute Rücksetzungsschleife eingeleitet wurde. Seitdem habe ich auf meinem Desktop zwar wieder Wifi-Emfpang, aber kein Anniversary Update und es sieht irgendwie auch nicht so aus, als würde Microsoft das für mich als Kunden noch vorsehen. Über den Twitter-Account verwies man mich auf Anfrage zu einer komplizierten manuellen Installationsroutine, die ich mir aus Zeitgründen einfach nicht geben wollte und will. (Auch: Weil mir das Risiko zu groß ist, dass bei meinem Arbeitsgerät wieder etwas schief geht.)

Das darf einem solchen Großkonzern nicht passieren. Man arbeitet mit so einem nicht ganz billigen Computer, man lebt quasi davon, ist in Prüfungssituationen sowie im Job maximal darauf angewiesen. Und dann sowas. Wenn die Herrschaften aus Redmond ihre Kunden weiter zu Apple treiben wollen… einfach genau so weitermachen.

Und schade, wirklich schade schade schade, dass Linux für den Arbeitsplatz nach wie vor keine Alternative darstellt.

Dinge, die…

geschafft sind: Zweites Staatsexamen. Endlich Lehrer, voll ausgebildet, ganz offiziell. Check. Wahnsinn. Irre. Gefühlt passendster Vergleich: Das fiese Elfmeterschießen, nach dem man im Spiel (Referendariat) über die ganze Partie hinweg ein halbwegs gutes Spiel geliefert hat und am Ende schon ziemlich abgekämpft ist. Trotzdem geht es am Schluss um alles oder nichts. Fürs Protokoll: Fühlte mich noch nie in meinem Leben vor einer Prüfung so schlecht. Und danach noch nie so gut.

abonniert sind: Spotify Premium. Hat mich doch geködert. Gutes Angebot und cleverer Algorithmus, um neue Bands kennenzulernen. Ideale Ablenkung und perfekt zum Runterkommen während der Prüfungsvorbereitung. Der eigentliche Grund für das Anschaffen der Bezahlvariante aber sind neue Kopfhörer fürs Smartphone, die

gekauft wurden: Sonys MDR-ZX330BT überzeugen schon sehr. Strammer Bass, aber – und das ist mir ja wirklich sehr wichtig – kein dumpfer Klang. Insgesamt schön ausgesteuert, so muss das sein. Kein Kabel mehr, 30 Stunden Akkulaufzeit, im Amazon-Blitzangebot stark vergünstigt geschossen. Läuft bei mir.

gemacht werden: Die weitere Zukunft recht intensiv vorbereiten. Mal sehen, was dabei so rumkommt.

Also ja. Ich lebe noch, dieses Blog lebt noch und es geht alles immer weiterweiterweiter…

Neumitgliedertag: Einer Partei beitreten

Eigentlich hatte ich diese Entscheidung schon länger gefällt. Eigentlich. Die Umsetzung folgte dann aber erst im Juni. Zumindest formal – offizieller Beitritt und so, mit Willkommenspaket, Mitgliedsausweis (!) und ein paar aus der Zeit gefallenen Gimmicks wie Sprüche-Postkarten. Der Kram sieht hübsch aus, liegt dann aber in dieser stressigen Ref-Zeit doch eine Weile in meine Wohnung rum, verschwindet schließlich in einer Schublade, ich habe einfach keine Zeit.

Bis jetzt. Zum denkbar allerungünstigsten Zeitpunkt, den es so geben kann – unmittelbar vorm großen, letzten Staatsexamen – dachte ich mir, dass es jetzt mal losgehen soll. Ich wollte mir eine einmalige Gelegenheit nicht nehmen lassen, denn die Partei veranstaltete einen Neumitgliedertag in der Landeshauptstadt und sowas findet ja nun nicht alle Tage statt. Und zwischendurch mal eine Auszeit von dem ganzen Stress schadet ja auch nicht. Also schloss ich mit Franziska, dem zweiten Neumitglied aus dem Rhein-Sieg-Kreis, kurz und wir fuhren gemeinsam zu diesem Treffen nach Düsseldorf.

Empfangen werden wir überaus freundlich durch zwei MitarbeiterInnen der Landesgeschäftsstelle, Anke und Wolfgang; direkt am Eingang mit Handschlag und per Du, bisschen quatschen inklusive. Wo kommt ihr denn so her, wie seid ihr zur Partei gekommen, kennt ihr schon Leute und so weiter. Drinnen bereits ein Haufen Menschen, teilweise noch schüchtern in der Ecke stehend, teilweise schon direkt in Gespräche vertieft, man hört Leute lachen, man spricht in gelöster Atmosphäre auch locker völlig Fremde an, denn hier kennt eh keiner keinen. Man sieht Jackets, Kapuzenpullis, kurze Hosen und Flip Flops – die Mode repräsentiert irgendwie auch Vielfalt. Ein paar Leute sind auch noch etwas schüchterner, die werden dann schließlich auch angeheizt durch Ankes „Find someone who…“-Spielchen, das die Gruppe erst mal ordentlich umrührt. Pädagogik goes politics, so wirds gemacht.

Danach geht es dann inhaltlich los, wir, so um die 25 bis 30 Neumitglieder, sollen wohl etwas lernen und hören uns erst einmal zwei Impulsvorträge zum Aufbau und zur Geschichte der Partei an. Das richtet sich vor allem an jene, die sich noch nicht wirklich mit dem Thema Politik beschäftigt haben. Mir fällt auf, dass man sich von Anfang an große Mühe gibt, alle mit ins Boot zu holen. Fragen werden geduldig beantwortet, man lässt die Leute ausreden und hört ihnen zu. Überhaupt ist die Stimmung sehr entspannt, die beiden MitarbeiterInnen der Landesgeschäftsstelle wirken einfach enorm sympathisch.

Hunger überkommt mich allerdings auch recht rasch und das ist kurzzeitig weniger sympathisch, schließlich musste ich für diesen Tag schon um halb sieben aufstehen. Irgendwie wird es dann aber doch schnell Mittag und wir werden mit überzeugendem Catering versorgt, was allerdings auch zum Image der Partei passt (ein derbes Holzfäller-Schnitzel darf man nicht erwarten). Auch während des Essens verfallen wir immer wieder in den Austausch und in Gespräche, ich merke mehr und mehr, dass es einer größeren Anzahl von Leuten so geht wie mir – nur wenige haben sich bereits voll in die Arbeit bei den Orts- und Kreisverbänden reingehangen. Einige dagegen schon, und hier fällt auf, dass jene häufig schon Ämter bekleiden. Nach gerade zwei, drei Monaten Parteimitgliedschaft. Das ist wohl auch ein Vorteil einer kleinen Partei: Wenn man will, kann man hier relativ schnell Fuß fassen.

Nach dem Essen dann kommen wir ins Gespräch mit Leuten aus den Landesarbeitsgemeinschaften – das sind 28 Gruppen innerhalb der (Landes-) Partei, die man sich im Prinzip als eine Art Motor hinter der parlamentarischen Arbeit vorstellen kann. Hier werden die Inhalte diskutiert, hieraus kommen auch die Vorlagen für das Wahlprogramm, man ist mit den Abgeordneten vernetzt. So interessiert mich natürlich besonders die Gruppe zur Bildungspolitik, aber auch das Thema Verkehr hat es mir angetan. Leider können sich nicht alle LAGs vorstellen, so ist aus meiner (natürlich subjektiven) Sicht vor allem die Abwesenheit der Netzpolitik zu beklagen. Trotzdem sind die Gespräche interessant, man wird dann auch direkt zu den nächsten Treffen eingeladen – anscheinend werden wir gebraucht. Oder zumindest ernst genommen. Das ist überhaupt der dominierende Eindruck dieses ganzen Tages. „Wir sind an eurer Meinung interessiert und wollen euch“ – so ungefähr nehme ich die Grundstimmung wahr.

Und das manifestiert sich auch, als wir zum Abschluss noch mit der Landesvorsitzenden Mona über anderthalb Stunden diskutieren. Auch hier ist man übrigens per Du und ich bin erstaunt, wie ausführlich sie auf jede Stellungnahme antwortet. Besonders deutlich wird das, als sie von einer anwesenden Neuntklässlerin in eine Diskussion über die Frauenquote verwickelt wird. Ja, richtig, neunte Klasse vs. Landesvorsitzende. Und obwohl der Ball mehrmals hin und her gespielt wird, habe ich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass man sich streiten würde.

Jedenfalls muss man bei dieser Partei auch nicht immer auf Linie sein. Eine offene, streitlustige Gruppe, die Raum lässt, miteinander ins Gespräch zu kommen und Positionen durch Diskussion erarbeitet. Vielleicht ist das eine arg idealisierte Vorstellung von mir und es ist gut möglich, dass das in den nächsten Monaten wieder zerbröselt, gar in Enttäuschung mündet, denn naiv bin ich nicht mehr; aber zumindest am Neumitgliedertag hält man dieses Bild auf sehr angenehme Weise. Es ist einfach nicht der geschlossene Club der Hinterzimmer-Entscheidungen und Altherren-Runden in bleiverglasten Eckkneipen am Stammtisch des Ortsvereins, in dem man erst mal in der Jugendorganisation bis ins 30. Lebensjahr Karriere gemacht haben muss, um überhaupt etwas zu sagen zu haben. So überhaupt nicht.

Und egal wie sich das entwickelt: Ich habe mir zwar vorgenommen, beim Wahlkampf dabei zu sein, aber meine eigene kritische Distanz möchte ich nicht aufgeben. Ich bin nicht bei allen Themen einer Meinung mit der Parteilinie, bei weitem nicht; tatsächlich ist es eher so, dass sie für die politische Partizipation das am wenigsten üble Vehikel darstellt. Und das geht an diesem Tag auch mehreren Leuten so, mit denen ich ins Gespräch komme. Dass dieser Beitrag insgesamt recht wenig kritisch und eher extrem positiv daherkommt, liegt nun aber vor allem daran, dass er meine persönliche Begeisterung ob dieses einen Tages widerspiegelt. Und das ist eben auch nur ehrlich.

Wer jetzt noch nicht weiß, um welche Partei es sich handelt...
Überraschung.

„Neues“ Zivilschutzkonzept des Bundes?

Das Bundesinnenminsterium präsentiert also am Mittwoch ein neues Zivilschutzkonzept. Da alte Bunkerbauten, vor allem die aus dem Kalten Krieg, ein Hobby von mir sind, interessiert mich so eine Meldung natürlich. Und vielleicht kann man sie auch besser einordnen, wenn man sich schon etwas öfter mit der Materie beschäftigt hat. Vor allem interessiert mich die Frage, was davon die eigentliche Neuigkeit darstellt – dass man Vorräte bunkern sollte, ist es nämlich nicht.

Zunächst ist im Konzept wohl tatsächlich die Rede von Bevorratung. Das ist gerade das Thema, auf das sich die deutsche Medienöffentlichkeit stürzt – vor allem auf Twitter unter dem Hashtag #Zivilschutzkonzept. Okay, das ist legitim, denn wenn man sich noch nie damit beschäftigt hat, mag das zunächst einmal krass klingen. Laut FAS heißt es im Papier konkret, dass die Bevölkerung dazu angehalten werden solle, für fünf Tage Wasser vorzuhalten. So weit, so wenig neu. Empfehlungen zur Notfallbevorratung von Lebensmitteln gab es von Seiten des Bundesamtes für Bevöllkerungsschutz- und Katastrophenhilfe schon immer. Wenn man das vorher nicht auf dem Schirm hatte, kann man unter Umständen durchaus überrascht sein, ja.

Was mich an der Diskussion hingegen stört, ist, dass zwei wesentliche Aspekte völlig untergehen. Denn zum einen wird, sofern die Meldungen stimmen (!), der bisherige Standard des BBK, einer Behörde aus dem eigenen Hause, damit erheblich aufgeweicht. Hier werden bislang nicht fünf Tage Wasservorrat nahegelegt, sondern 14. Vierzehn. Im Grunde würden bisherige Zivilschutzszenarien durch das neue Konzept also eher geschwächt. Zumindest in puncto Vorräte. Das ist eine Neuigkeit.

Der andere Punkt, über den man m.E. mehr diskutieren sollte: Im eingangs verlinkten FAS-Artikel finden sich Formulierungen wie beispielsweise diese hier:

„Erörtert wird außerdem die Notwendigkeit eines verlässlichen Alarmsystems, einer Härtung von Gebäuden und ausreichender Kapazitäten im Gesundheitssystem.

(…) Eingriffe in die Verkehrslenkung, wenn die  Bundeswehr Kampfverbände verlegen muss.

(…) sind Vorkehrungen zu treffen, um die Aufgabenwahrnehmung einer Behörde an einen anderen, geschützteren Platz (Ausweichsitz) verlagern zu können. (…) kam bei einer internen Bestandsaufnahme heraus, dass die bisherigen Vorkehrungen gänzlich unzureichend sind.“ 

Auch das sind Neuigkeiten. Denn diese Aussagen brächten nicht unerhebliche Konsequenzen mit sich.

Ein paar (vielleicht überspitzte) Fragen, die ich mir dazu stelle:
Reicht die Warn-App NINA nicht aus? ( = Kommen die Warnämter aus dem Kalten Krieg zurück? Wie soll das konkret ablaufen?)
Wie härtet man denn bestehende Gebäude? ( = Einbau von Bunkertüren und drucksicheren Räumen in den Kellern? Reaktivierung der Zivilbunker und Schulschutzräume?)
Was sind ausreichende Kapazitäten im Gesundheitssystem? (Werden die Notkrankenhäuser wieder betriebsbereit gemacht?)
Was bedeuten Eingriffe in die Verkehrslenkung? (  = könnte es sein, dass hier auch auf das Thema Autobahn-Landeplatz angespielt wird?

Und last but not least wird die Ausweichsitzplanung explizit angesprochen. Mein Quasi-Lieblingsthema. In der Dokumentationsstätte Regierungsbunker erzählen wir den Leuten seit dem Jahr 2013, dass unser Kenntnisstand von einer weitgehend abgeschlossenen Ausweichsitzplanung des Bundes ausgeht; die Bundesregierung und die Behörden also über entsprechende, aktuelle Liegenschaften dafür verfügen. Die Angabe basiert unter anderem auf Aussagen von Bundestagspräsident Lammert und des BBK. Nun ist das laut neuem Konzept offenbar völlig unzureichend und es muss nachgebessert werden. Oder ist gerade einfach eine gute Gelegenheit, diese (auch finanziell) heiklen Planungen endlich mal in Gesetzesform zu gießen?

Würde ich derzeit als Journalist arbeiten, wären das meine Schwerpunktlegungen bei diesem Thema. Und nicht die Frage, wie viele Liter Wasser oder wie viele Powerbanks man für den Katastrophenfall im Keller rumfliegen haben soll.

Update: Als ob mein Gemoser erhört worden wäre, hat sich die FAZ einer doch recht sachlichen Hintergrund-Beleuchtung angenommen.

Drucktor in der Trierer Tiefgarage am Viehmarkt. Eine der modernsten Bunkeranlagen Deutschlands, fertiggestellt 1993.
Drucktor in der Trierer Tiefgarage am Viehmarkt. Eine der modernsten Bunkeranlagen Deutschlands, fertiggestellt 1993.

Reisetagebuch UK 2016: Sechster bis achter Tag

(GREATER) Manchester

Der sechste Tag ist ein Sonntag. Es ist recht angenehm, noch immer ist es draußen etwas frisch (um die 19 Grad), aber gemessen an dem, was man zwischenzeitlich von Deutschland so hört (einstellige Werte in der Nacht und wir haben Mitte August), sind wir am Golfstrom doch etwas weiter entfernt. Wir hängen, noch etwas erschöpft von der letzten Nacht, lange in der Wohnung rum, futtern Porridge, ärgern die Katzen.

Streetart im Gay Village
Streetart im Gay Village

Irgendwann dann nachmittags machen wir uns auf den Weg und schlendern durch Manchesters Innenstadt, die von Stockport gerade einmal sieben Minuten mit der Bahn entfernt ist. Obgleich Manchester an sich eine Millionen-Metropole ist, kann man den eigentlichen Stadtkern noch ganz gut zu Fuß erlaufen. Die Millionen kommen vor allem von der Agglomeration Greater Manchester, da hier ähnlich dem Ruhrgebiet alles von Wigan bis Stockport zusammengefasst wird. Manchester an sich lässt sich mit 520.000 Einwohnern in etwa mit Leipzig vergleichen. Und auch das Stadtbild ist nicht ganz unähnlich – genau wie Glasgow bietet auch Manchester alt neben neu; „völlig runtergekommen“ reiht sich direkt neben „hübsch rausgeputzt“ ein.

Wir tingeln vor allem durchs Northern Quarter, das ein bisschen alternativer angehaucht ist. Auch das Gay Village finden wir wirklich nett und nein, Mama, du musst dir keine Sorgen machen. Es ist ein unglaublich lebendiges und attraktives Stadtviertel mit vielen Bars und Restaurants, und die queere Szene lässt hier zu Recht ihre stolzen, bunten Fahnen an jeder Straßenecke hängen. Zum Essen landen wir bei einem Pizza-Express (mal wieder, ich finde deren Essen schon seit Glasgow großartig) und während wir auf der Außenterasse sitzen, checken wir parallel die Pokestops der Piccadilly Gardens ab. Irgendwann ist es Abend, selbiger wird schließlich in Manchesters berühmter Metalkneipe The Grand Central mit Bier abgeschlossen. Da bereits Sonntag ist, ist natürlich nicht so viel los, aber dafür kommen wir einem süßen Hund ins Gespräch.

Manchester Town Council
Manchester Town Hall

Siebter Tag, Montag. Mario muss arbeiten, obwohl er sich eigentlich Urlaub nehmen wollte. Aber als Spieledesigner ist zu Gamescom-Zeiten nichts zu machen. Also trolle ich alleine durch Manchester, was auch ganz angenehm ist. Zudem ist das Wetter nun hervorragend, 23 Grad und Sonnenschein versüßen mir den Tag, während ich mir die Manchester Town Hall und die enorm mächtige Rylands Library ansehe. Dort stellen sie ein (vielleicht DAS älteste) Fragment des Neuen Testaments aus. Für sein knapp zweitausendjähriges Alter ist das kleine Stück Papyrus noch erstaunlich gut erhalten. Später gehe ich irgendwo in Spinningfields lecker Burger essen und abends landen wir mal wieder im Pub in Stockport. Dort ist übrigens auch die Brauerei des offiziellen Iron Maiden-Bieres ansässig, weshalb es den Trooper hier überall aus dem Fass gibt. Lecker.

John Rylands Library: Eine Kathedrale für Bücher
John Rylands Library: Eine Kathedrale für Bücher

Achter Tag, Dienstag, Heimflug. Erneut verlässt Mario in aller Herrgottsfrühe das Haus, ich schlafe erst einmal aus. Gegen Mittag dann verabschiede ich mich von den liebgewonnenen Miezen und mache mich mit Backpacker auf den Weg nach Wilmslow. Dort treffen wir uns zur Schlüsselübergabe noch mal zur Mittagspause und verabschieden uns. Den Rest des Tages nutze ich, um in einem netten Pub zu Mittag zu essen, Postkarten zu schreiben und durch den Ort zu streunen. Was ob des Gewichts auf meinem Rücken eher suboptimal ist, weshalb ich irgendwann einfach im Grünen sitze und lese. Wilmslow ist echt hübsch und ordentlich rausgeputzt – was mitunter daran liegen könnte, das hier diverse Promis aus der englischen Premier League leben. So sieht man auf den Straßen auch nicht selten ziemlich teure Luxus-Sportwagen rumfahren.

Schlussendlich fahre ich gute zwei Stunden vor Abflug zum nahegelegenen Manchester Airport und gebe mein Gepäck ab. Eingecheckt habe ich schon vorher per Smartphone, wie ich überhaupt fast alle Tickets, auch die für die Bahn, nur mit dem Smartphone gekauft habe. Es ist ein Segen, dass man nicht mehr den ganzen Papierkram mitschleppen muss. Und die Briten bekommen das in ihrem Verkehrswesen irgendwie deutlich einfacher und besser hin als die Deutsche Bahn.

Zurück zum Flughafen: Die Sicherheitskontrolle zieht sich fast eine Stunde lang hin, es ist ein Wahnsinn, was hier los ist. Irgendwann bin ich froh, endlich im Flieger zu sitzen, wie gerne würde ich doch noch einmal mit dem Schiff reisen. So herrlich entspannt! Der Flug verläuft dann bei bestem Wetter auch wie auf Schienen – zumal mich während der Startphase noch ein wunderschöner Sonnenuntergang anlacht. Das wars, England, Schottland, nächstes Jahr gerne wieder.

Byebye UK.
Byebye UK.

Reisetagebuch UK 2016: Zweiter bis fünfter Tag

Das mit dem täglichen Bloggen hat ja gut geklappt. Nicht. Man ist am Ende von solchen Reisetagen oft viel zu müde, um darüber wirklich noch einen halbwegs brauchbaren Beitrag zu verfassen. Oder man hat  schlicht Besseres zu tun. Also nutze ich Wunderlist, um meine Eindrücke festzuhalten und in Schriftform zu gießen, sobald ich mal Zeit und Ruhe habe. Jetzt zum Beispiel, während mich auf Marios Sofa eine Katze anschnurrt (okay, gerade putzt sie sich und mich mit) und man in Manchester mal etwas ruhiger macht. Also, Reisetagebuch, here we go:

Die Fahrt/Newcastle

Tag 2. Ankunft in Newcastle am frühen Morgen (10 Uhr Ortszeit). Besondere Vorkommnisse: Spitzenwetter (Sonnenschein, warm, man muss den Parka nicht verschließen). Der Blick von der Fähre auf den Hafen von Newcastle ist phänomenal und non-refundable.

Bemerkenswert: Die lange Fahrt auf so einer Fähre ist ganz fantastisch. Man fährt am späten Nachmittag in Amsterdam ab und kommt morgens um 10 Uhr Ortszeit in Newcastle an. Das ist entschleunigtes Reisen, wie ich es noch gar nicht kannte. Auf dem Schiff gibt es nicht einmal Internet – okay, für 10 Euro die Stunde, aber das gibt man dann eher nicht aus. Ich stehe jedenfalls stundenlang am Bug des Schiffes und schaue aufs Meer raus. So entspannt kam ich noch nie irgendwo an – trotz Sturm. Denn der haut dann zwischenzeitlich ganz schön rein, sodass man auch auf der erhöhten Bug-Plattform manchmal etwas Gischt abbekommt. Und sturmbedingt sehen dann auch diverse Menschen an Bord des Schiffs irgendwann sehr blass aus, denn trotz ihrer Größe wippt die King Seaways ordentlich mit. Wir lassen den stürmischen Abend dann schließlich im Pub an Bord ausklingen, mit Bier und einem Singer-Songwriter, der nette Cover darbietet.

Nach der Ankunft in Newcastle folgt ein kurzer Aufenthalt in der Stadt upon Tyne, dann geht es mit der sehr komfortablen (keine Ironie) englischen Bahn auch schon weiter nach Edinburgh. Sehr angenehm: In den Bahn-Apps der Briten gibt es Online-Tickets. Im Gegensatz zur Deutschen Bahn lassen sich diese sogar völlig unkompliziert buchen.

Edinburgh

Edinburgh ist eine interessante Stadt. Vor allem ist sie wesentlich größer als die vielen Bilder von pittoresken historischen Bauwerken denken lassen (ich denke bei pittoresken Bildern von historischen Bauwerken ja immer an Städte wie Trier, aber da liegt man bei diesem Moloch völlig daneben). Es gibt richtige Häuserschluchten, nur ohne Hochhäuser. Dafür wurde ein Großteil der viktorianisch/neogotischen Bausubstanz so errichtet, dass man trotzdem denkt, man befinde sich in einer Art New York des 19. Jahrhunderts. Und den Eindruck vermittelt der Ort auch ganz locker im 21. Jahrhundert, speziell im August. Es ist die Zeit des Fringe-Festivals, die Straßen sind voller Menschenmassen und man bekommt alle zehn Meter einen Werbeflyer in die Hand gedrückt. Selbst einen großstadtaffinen Menschen wie mich irritiert das bunte Treiben zuweilen, es ist laut, heftig, nass. Sehr nass, das Wetter spielt leider nicht so mit. Macht aber nichts. Wir klettern dann trotzdem noch auf den Arthur’s Seat rauf, einen 251 Meter hohen Felsbrocken oberhalb der Stadt. Die Tour entpuppt sich als recht abenteuerlich, da man über nasse Steine rüberrutscht und die Windstärke auf der Spitze nicht zu verachten ist. Hat sich trotzdem gelohnt.

Bemerkenswert: Mit Beschilderungen hat man es am Arthur’s Seat irgendwie nicht so. Hätten wir gewusst, dass es zum alpin anmutenden Kletteraufstieg noch eine leichtere Alternative mit Halteseil gab… nunja.

Einziger Negativpunkt: Das Hostel. Cowgate. Don’t go there, it’s beschissen. (Ein Bett war kaputt, das Licht im Raum funktionierte kaum, es gab nicht genug Steckdosen und von denen, die es gab, war eine kaputt.)

Glasgow

Tag 3 und 4: Wir fahren nach Glasgow. Die Stadt, die häufig als Gegenpol zu Edinburgh beschrieben wird, entpuppt sich als echt schöner, angenehmer Ort mit erheblich freundlicheren Menschen. Auch unser Hostel ist dieses Mal ganz fantastisch, da es richtig sauber ist, der Service stimmt und auch nichts kaputt ist (Tartan Lodge, man kann es nur empfehlen).

Die Innenstadt von Glasgow ist wirklich interessant, dem Auge des Betrachters bietet sich hier ein heiterer Mix aus runtergekommenen, hochmodernen und gepflegten Altbauten aus dem 19.Jahrhundert an. An einigen Stellen muss ich manchmal an Leipzig denken und wären wir länger geblieben, hätte sich dieser Eindruck unter Umständen auch manifestieren können. Es ist wirklich schön dort und ich habe zum ersten Mal das Gefühl, in Schottland wirklich angekommen zu sein. Vielleicht auch, weil in Glasgow nicht so ein extremes Touristen-Gewusel durch die Stadt läuft und alles etwas ruhiger, aber immer noch halbwegs großstädtisch ist.

Sehenswert: Der Clyde (ein Fluss), die Pokestops am Flussufer, die Innenstadt, das Riverside-Museum inklusive Dreimaster, auf den man kostenlos rauf darf. Loch Lommond ist zudem nicht weit entfernt (ca. 40 Minuten per Bahn) und sollte unbedingt angeguckt werden. Er gilt als der schönste See in Schottland – vorausgesetzt, man sieht ihn. Wir sehen vor allem Nebel, freuen uns aber trotzdem über das exzellente Essen im einzigen noch geöffneten Restaurant direkt am See.

Fazit: Ein bisschen habe ich mich in Glasgow verliebt.

Manchester

Tag 5: Manchester (Stockport). Nach einer dreieinhalbstündigen Bahnfahrt, die mir ob der schönen Aussicht zuweilen den Atem raubt, komme ich in Manchester an. Mario lebt in Stockport, was noch irgendwie dazu gehört und mit einem Regionalzug in 7 Minuten erreicht ist. Wir gehen dann erst mal schön essen und kehren im Anschluss  in einem Rock-Pub ein. Gegen Ende des Abends kommen wir noch mit einigen Leuten ins Gespräch, was sich wiederum als ziemlich amüsant herausstellt.

Bemerkenswert: Der in Manchester ortsübliche Dialekt/Akzent ist gegen das schottische Englisch ein Klacks. Endlich verstehe ich die Leute wieder.