„Neues“ Zivilschutzkonzept des Bundes?

Das Bundesinnenminsterium präsentiert also am Mittwoch ein neues Zivilschutzkonzept. Da alte Bunkerbauten, vor allem die aus dem Kalten Krieg, ein Hobby von mir sind, interessiert mich so eine Meldung natürlich. Und vielleicht kann man sie auch besser einordnen, wenn man sich schon etwas öfter mit der Materie beschäftigt hat. Vor allem interessiert mich die Frage, was davon die eigentliche Neuigkeit darstellt – dass man Vorräte bunkern sollte, ist es nämlich nicht.

Zunächst ist im Konzept wohl tatsächlich die Rede von Bevorratung. Das ist gerade das Thema, auf das sich die deutsche Medienöffentlichkeit stürzt – vor allem auf Twitter unter dem Hashtag #Zivilschutzkonzept. Okay, das ist legitim, denn wenn man sich noch nie damit beschäftigt hat, mag das zunächst einmal krass klingen. Laut FAS heißt es im Papier konkret, dass die Bevölkerung dazu angehalten werden solle, für fünf Tage Wasser vorzuhalten. So weit, so wenig neu. Empfehlungen zur Notfallbevorratung von Lebensmitteln gab es von Seiten des Bundesamtes für Bevöllkerungsschutz- und Katastrophenhilfe schon immer. Wenn man das vorher nicht auf dem Schirm hatte, kann man unter Umständen durchaus überrascht sein, ja.

Was mich an der Diskussion hingegen stört, ist, dass zwei wesentliche Aspekte völlig untergehen. Denn zum einen wird, sofern die Meldungen stimmen (!), der bisherige Standard des BBK, einer Behörde aus dem eigenen Hause, damit erheblich aufgeweicht. Hier werden bislang nicht fünf Tage Wasservorrat nahegelegt, sondern 14. Vierzehn. Im Grunde würden bisherige Zivilschutzszenarien durch das neue Konzept also eher geschwächt. Zumindest in puncto Vorräte. Das ist eine Neuigkeit.

Der andere Punkt, über den man m.E. mehr diskutieren sollte: Im eingangs verlinkten FAS-Artikel finden sich Formulierungen wie beispielsweise diese hier:

„Erörtert wird außerdem die Notwendigkeit eines verlässlichen Alarmsystems, einer Härtung von Gebäuden und ausreichender Kapazitäten im Gesundheitssystem.

(…) Eingriffe in die Verkehrslenkung, wenn die  Bundeswehr Kampfverbände verlegen muss.

(…) sind Vorkehrungen zu treffen, um die Aufgabenwahrnehmung einer Behörde an einen anderen, geschützteren Platz (Ausweichsitz) verlagern zu können. (…) kam bei einer internen Bestandsaufnahme heraus, dass die bisherigen Vorkehrungen gänzlich unzureichend sind.“ 

Auch das sind Neuigkeiten. Denn diese Aussagen brächten nicht unerhebliche Konsequenzen mit sich.

Ein paar (vielleicht überspitzte) Fragen, die ich mir dazu stelle:
Reicht die Warn-App NINA nicht aus? ( = Kommen die Warnämter aus dem Kalten Krieg zurück? Wie soll das konkret ablaufen?)
Wie härtet man denn bestehende Gebäude? ( = Einbau von Bunkertüren und drucksicheren Räumen in den Kellern? Reaktivierung der Zivilbunker und Schulschutzräume?)
Was sind ausreichende Kapazitäten im Gesundheitssystem? (Werden die Notkrankenhäuser wieder betriebsbereit gemacht?)
Was bedeuten Eingriffe in die Verkehrslenkung? (  = könnte es sein, dass hier auch auf das Thema Autobahn-Landeplatz angespielt wird?

Und last but not least wird die Ausweichsitzplanung explizit angesprochen. Mein Quasi-Lieblingsthema. In der Dokumentationsstätte Regierungsbunker erzählen wir den Leuten seit dem Jahr 2013, dass unser Kenntnisstand von einer weitgehend abgeschlossenen Ausweichsitzplanung des Bundes ausgeht; die Bundesregierung und die Behörden also über entsprechende, aktuelle Liegenschaften dafür verfügen. Die Angabe basiert unter anderem auf Aussagen von Bundestagspräsident Lammert und des BBK. Nun ist das laut neuem Konzept offenbar völlig unzureichend und es muss nachgebessert werden. Oder ist gerade einfach eine gute Gelegenheit, diese (auch finanziell) heiklen Planungen endlich mal in Gesetzesform zu gießen?

Würde ich derzeit als Journalist arbeiten, wären das meine Schwerpunktlegungen bei diesem Thema. Und nicht die Frage, wie viele Liter Wasser oder wie viele Powerbanks man für den Katastrophenfall im Keller rumfliegen haben soll.

Update: Als ob mein Gemoser erhört worden wäre, hat sich die FAZ einer doch recht sachlichen Hintergrund-Beleuchtung angenommen.

Drucktor in der Trierer Tiefgarage am Viehmarkt. Eine der modernsten Bunkeranlagen Deutschlands, fertiggestellt 1993.
Drucktor in der Trierer Tiefgarage am Viehmarkt. Eine der modernsten Bunkeranlagen Deutschlands, fertiggestellt 1993.

Reisetagebuch UK 2016: Sechster bis achter Tag

(GREATER) Manchester

Der sechste Tag ist ein Sonntag. Es ist recht angenehm, noch immer ist es draußen etwas frisch (um die 19 Grad), aber gemessen an dem, was man zwischenzeitlich von Deutschland so hört (einstellige Werte in der Nacht und wir haben Mitte August), sind wir am Golfstrom doch etwas weiter entfernt. Wir hängen, noch etwas erschöpft von der letzten Nacht, lange in der Wohnung rum, futtern Porridge, ärgern die Katzen.

Streetart im Gay Village
Streetart im Gay Village

Irgendwann dann nachmittags machen wir uns auf den Weg und schlendern durch Manchesters Innenstadt, die von Stockport gerade einmal sieben Minuten mit der Bahn entfernt ist. Obgleich Manchester an sich eine Millionen-Metropole ist, kann man den eigentlichen Stadtkern noch ganz gut zu Fuß erlaufen. Die Millionen kommen vor allem von der Agglomeration Greater Manchester, da hier ähnlich dem Ruhrgebiet alles von Wigan bis Stockport zusammengefasst wird. Manchester an sich lässt sich mit 520.000 Einwohnern in etwa mit Leipzig vergleichen. Und auch das Stadtbild ist nicht ganz unähnlich – genau wie Glasgow bietet auch Manchester alt neben neu; „völlig runtergekommen“ reiht sich direkt neben „hübsch rausgeputzt“ ein.

Wir tingeln vor allem durchs Northern Quarter, das ein bisschen alternativer angehaucht ist. Auch das Gay Village finden wir wirklich nett und nein, Mama, du musst dir keine Sorgen machen. Es ist ein unglaublich lebendiges und attraktives Stadtviertel mit vielen Bars und Restaurants, und die queere Szene lässt hier zu Recht ihre stolzen, bunten Fahren an jeder Straßenecke hängen. Zum Essen landen wir bei einem Pizza-Express (mal wieder, ich finde deren Essen schon seit Glasgow großartig) und während wir auf der Außenterasse sitzen, checken wir parallel die Pokestops der Piccadilly Gardens ab. Irgendwann ist es Abend, selbiger wird schließlich in Manchesters berühmter Metalkneipe The Grand Central mit Bier abgeschlossen. Da bereits Sonntag ist, ist natürlich nicht so viel los, aber dafür kommen wir einem süßen Hund ins Gespräch.

Manchester Town Council
Manchester Town Hall

Siebter Tag, Montag. Mario muss arbeiten, obwohl er sich eigentlich Urlaub nehmen wollte. Aber als Spieledesigner ist zu Gamescom-Zeiten nichts zu machen. Also trolle ich alleine durch Manchester, was auch ganz angenehm ist. Zudem ist das Wetter nun hervorragend, 23 Grad und Sonnenschein versüßen mir den Tag, während ich mir die Manchester Town Hall und die enorm mächtige Rylands Library ansehe. Dort stellen sie ein (vielleicht DAS älteste) Fragment des Neuen Testaments aus. Für sein knapp zweitausendjähriges Alter ist das kleine Stück Papyrus noch erstaunlich gut erhalten. Später gehe ich irgendwo in Spinningfields lecker Burger essen und abends landen wir mal wieder im Pub in Stockport. Dort ist übrigens auch die Brauerei des offiziellen Iron Maiden-Bieres ansässig, weshalb es den Trooper hier überall aus dem Fass gibt. Lecker.

John Rylands Library: Eine Kathedrale für Bücher
John Rylands Library: Eine Kathedrale für Bücher

Achter Tag, Dienstag, Heimflug. Erneut verlässt Mario in aller Herrgottsfrühe das Haus, ich schlafe erst einmal aus. Gegen Mittag dann verabschiede ich mich von den liebgewonnenen Miezen und mache mich mit Backpacker auf den Weg nach Wilmslow. Dort treffen wir uns zur Schlüsselübergabe noch mal zur Mittagspause und verabschieden uns. Den Rest des Tages nutze ich, um in einem netten Pub zu Mittag zu essen, Postkarten zu schreiben und durch den Ort zu streunen. Was ob des Gewichts auf meinem Rücken eher suboptimal ist, weshalb ich irgendwann einfach im Grünen sitze und lese. Wilmslow ist echt hübsch und ordentlich rausgeputzt – was mitunter daran liegen könnte, das hier diverse Promis aus der englischen Premier League leben. So sieht man auf den Straßen auch nicht selten ziemlich teure Luxus-Sportwagen rumfahren.

Schlussendlich fahre ich gute zwei Stunden vor Abflug zum nahegelegenen Manchester Airport und gebe mein Gepäck ab. Eingecheckt habe ich schon vorher per Smartphone, wie ich überhaupt fast alle Tickets, auch die für die Bahn, nur mit dem Smartphone gekauft habe. Es ist ein Segen, dass man nicht mehr den ganzen Papierkram mitschleppen muss. Und die Briten bekommen das in ihrem Verkehrswesen irgendwie deutlich einfacher und besser hin als die Deutsche Bahn.

Zurück zum Flughafen: Die Sicherheitskontrolle zieht sich fast eine Stunde lang hin, es ist ein Wahnsinn, was hier los ist. Irgendwann bin ich froh, endlich im Flieger zu sitzen, wie gerne würde ich doch noch einmal mit dem Schiff reisen. So herrlich entspannt! Der Flug verläuft dann bei bestem Wetter auch wie auf Schienen – zumal mich während der Startphase noch ein wunderschöner Sonnenuntergang anlacht. Das wars, England, Schottland, nächstes Jahr gerne wieder.

Byebye UK.
Byebye UK.

Reisetagebuch UK 2016: Zweiter bis fünfter Tag

Das mit dem täglichen Bloggen hat ja gut geklappt. Nicht. Man ist am Ende von solchen Reisetagen oft viel zu müde, um darüber wirklich noch einen halbwegs brauchbaren Beitrag zu verfassen. Oder man hat  schlicht Besseres zu tun. Also nutze ich Wunderlist, um meine Eindrücke festzuhalten und in Schriftform zu gießen, sobald ich mal Zeit und Ruhe habe. Jetzt zum Beispiel, während mich auf Marios Sofa eine Katze anschnurrt (okay, gerade putzt sie sich und mich mit) und man in Manchester mal etwas ruhiger macht. Also, Reisetagebuch, here we go:

Die Fahrt/Newcastle

Tag 2. Ankunft in Newcastle am frühen Morgen (10 Uhr Ortszeit). Besondere Vorkommnisse: Spitzenwetter (Sonnenschein, warm, man muss den Parka nicht verschließen). Der Blick von der Fähre auf den Hafen von Newcastle ist phänomenal und non-refundable.

Bemerkenswert: Die lange Fahrt auf so einer Fähre ist ganz fantastisch. Man fährt am späten Nachmittag in Amsterdam ab und kommt morgens um 10 Uhr Ortszeit in Newcastle an. Das ist entschleunigtes Reisen, wie ich es noch gar nicht kannte. Auf dem Schiff gibt es nicht einmal Internet – okay, für 10 Euro die Stunde, aber das gibt man dann eher nicht aus. Ich stehe jedenfalls stundenlang am Bug des Schiffes und schaue aufs Meer raus. So entspannt kam ich noch nie irgendwo an – trotz Sturm. Denn der haut dann zwischenzeitlich ganz schön rein, sodass man auch auf der erhöhten Bug-Plattform manchmal etwas Gischt abbekommt. Und sturmbedingt sehen dann auch diverse Menschen an Bord des Schiffs irgendwann sehr blass aus, denn trotz ihrer Größe wippt die King Seaways ordentlich mit. Wir lassen den stürmischen Abend dann schließlich im Pub an Bord ausklingen, mit Bier und einem Singer-Songwriter, der nette Cover darbietet.

Nach der Ankunft in Newcastle folgt ein kurzer Aufenthalt in der Stadt upon Tyne, dann geht es mit der sehr komfortablen (keine Ironie) englischen Bahn auch schon weiter nach Edinburgh. Sehr angenehm: In den Bahn-Apps der Briten gibt es Online-Tickets. Im Gegensatz zur Deutschen Bahn lassen sich diese sogar völlig unkompliziert buchen.

Edinburgh

Edinburgh ist eine interessante Stadt. Vor allem ist sie wesentlich größer als die vielen Bilder von pittoresken historischen Bauwerken denken lassen (ich denke bei pittoresken Bildern von historischen Bauwerken ja immer an Städte wie Trier, aber da liegt man bei diesem Moloch völlig daneben). Es gibt richtige Häuserschluchten, nur ohne Hochhäuser. Dafür wurde ein Großteil der viktorianisch/neogotischen Bausubstanz so errichtet, dass man trotzdem denkt, man befinde sich in einer Art New York des 19. Jahrhunderts. Und den Eindruck vermittelt der Ort auch ganz locker im 21. Jahrhundert, speziell im August. Es ist die Zeit des Fringe-Festivals, die Straßen sind voller Menschenmassen und man bekommt alle zehn Meter einen Werbeflyer in die Hand gedrückt. Selbst einen großstadtaffinen Menschen wie mich irritiert das bunte Treiben zuweilen, es ist laut, heftig, nass. Sehr nass, das Wetter spielt leider nicht so mit. Macht aber nichts. Wir klettern dann trotzdem noch auf den Arthur’s Seat rauf, einen 251 Meter hohen Felsbrocken oberhalb der Stadt. Die Tour entpuppt sich als recht abenteuerlich, da man über nasse Steine rüberrutscht und die Windstärke auf der Spitze nicht zu verachten ist. Hat sich trotzdem gelohnt.

Bemerkenswert: Mit Beschilderungen hat man es am Arthur’s Seat irgendwie nicht so. Hätten wir gewusst, dass es zum alpin anmutenden Kletteraufstieg noch eine leichtere Alternative mit Halteseil gab… nunja.

Einziger Negativpunkt: Das Hostel. Cowgate. Don’t go there, it’s beschissen. (Ein Bett war kaputt, das Licht im Raum funktionierte kaum, es gab nicht genug Steckdosen und von denen, die es gab, war eine kaputt.)

Glasgow

Tag 3 und 4: Wir fahren nach Glasgow. Die Stadt, die häufig als Gegenpol zu Edinburgh beschrieben wird, entpuppt sich als echt schöner, angenehmer Ort mit erheblich freundlicheren Menschen. Auch unser Hostel ist dieses Mal ganz fantastisch, da es richtig sauber ist, der Service stimmt und auch nichts kaputt ist (Tartan Lodge, man kann es nur empfehlen).

Die Innenstadt von Glasgow ist wirklich interessant, dem Auge des Betrachters bietet sich hier ein heiterer Mix aus runtergekommenen, hochmodernen und gepflegten Altbauten aus dem 19.Jahrhundert an. An einigen Stellen muss ich manchmal an Leipzig denken und wären wir länger geblieben, hätte sich dieser Eindruck unter Umständen auch manifestieren können. Es ist wirklich schön dort und ich habe zum ersten Mal das Gefühl, in Schottland wirklich angekommen zu sein. Vielleicht auch, weil in Glasgow nicht so ein extremes Touristen-Gewusel durch die Stadt läuft und alles etwas ruhiger, aber immer noch halbwegs großstädtisch ist.

Sehenswert: Der Clyde (ein Fluss), die Pokestops am Flussufer, die Innenstadt, das Riverside-Museum inklusive Dreimaster, auf den man kostenlos rauf darf. Loch Lommond ist zudem nicht weit entfernt (ca. 40 Minuten per Bahn) und sollte unbedingt angeguckt werden. Er gilt als der schönste See in Schottland – vorausgesetzt, man sieht ihn. Wir sehen vor allem Nebel, freuen uns aber trotzdem über das exzellente Essen im einzigen noch geöffneten Restaurant direkt am See.

Fazit: Ein bisschen habe ich mich in Glasgow verliebt.

Manchester

Tag 5: Manchester (Stockport). Nach einer dreieinhalbstündigen Bahnfahrt, die mir ob der schönen Aussicht zuweilen den Atem raubt, komme ich in Manchester an. Mario lebt in Stockport, was noch irgendwie dazu gehört und mit einem Regionalzug in 7 Minuten erreicht ist. Wir gehen dann erst mal schön essen und kehren im Anschluss  in einem Rock-Pub ein. Gegen Ende des Abends kommen wir noch mit einigen Leuten ins Gespräch, was sich wiederum als ziemlich amüsant herausstellt.

Bemerkenswert: Der in Manchester ortsübliche Dialekt/Akzent ist gegen das schottische Englisch ein Klacks. Endlich verstehe ich die Leute wieder.

Reisetagebuch UK 2016: Erster Tag

Fangen wir also an – es geht endlich los, der große Tag ist gekommen. Das da unten ist meine Reiseroute. Teilweise auch die von Christiane – wir sind gemeinsam unterwegs, ziemlich genau bis Glasgow, wo sich die Wege dann trennen werden. Christiane zieht es nach Norden, mich dagegen nach Süden, zu meinem Kumpel Mario, mit dem ich schon zu Abiturzeiten eine Punkband hatte und der auch mal eine zeitlang mein Mitbewohner war. Mario arbeitet schon eine ganze Weile als Computerspiel-Designer in Manchester, jetzt muss man sich endlich mal wiedersehen.

Zurück zur Tour: Erster Tag, nur unterwegs. ICE. In Amsterdam schön Kaffee trinken. Heute werden wir insgesamt nicht weiterkommen als irgendwo auf dem Meer zwischen Station 2 (Amsterdam) und 3 (Newcastle) auf der Karte. Denn man fährt heutzutage wieder Schiff. Und das dauert. Entschleunigt. Und man kann nachts auf dem Meer die Sterne ziemlich gut sehen. Hört man so.

Wifi gibts derweil keines. Internet und Telefon natürlich auch nicht, bzw. nur zu unfassbaren Preisen (10 Euro für ’ne Stunde in der „Wifi-Lounge“ des Schiffs). Damit ist dies also auch ganz offiziell der erste und letzte Beitrag, bevor wir in gut 20 Minuten ablegen.

Rübergeschippert werden wir von der DFDS Seaways. Ich bin gespannt, was das für eine Erfahrung wird. Die Guinness-Preise sind jedenfalls schon mal auf  einem erfreulichen Festlandniveau.

Luftlinie etwas über 2000 Kilometer Strecke
Luftlinie etwas über 2000 Kilometer Strecke

Bloggen: Vom Sinn und Unsinn

Yeah, es gibt mal wieder eine Blogparade. Und am besten sind bekanntermaßen jene, bei denen man einfach ungefragt mitmacht. Wie zum Beispiel die von Ellen: Sie fragt sich und uns, warum wir denn überhaupt bloggen. Was das alles soll. Da sie mit ihrem Job als Lehrerin einem ähnlichen Schicksal wie ich ins Angesicht schaut, fühle ich natürlich empathisch mit und gebe meinen unnötigen Senf dazu.

Also, warum bloggt man überhaupt?

Das Blog ist mein Mülleimer. Meine Kreativitätsfabrik. Hier kommt einfach alles rein, was mir so auf dem Herzen liegt. Vieles allerdings auch nicht, zumal die Funktion des richtigen, wirklich negativen Seelenmülleimers immer noch meinem analogen, aus Papier bestehendem und mit Füller ausgefülltem Tagebuch obliegt. Würde jemand dieses gut versteckte Schriftstück alleine lesen, dann könnte diese Person vermutlich denken, ich sei vollkommen fertig und reif für die netten Leute in weiß. Allein deswegen stellt das Blog natürlich eher die harmlosere Mülleimer-Variante dar.

Auf Ideen kommt man dabei immer. Zeit ist berufsbedingt schon eher das Problem. Ich habe dafür aber eine ganz passable Lösung gefunden: Jedes Mal, wenn mir ein Blog-Thema einfällt, schreibe ich es in meine To-Do-Liste oder lege direkt einen Kurzentwurf in WordPress an. Idealerweise stehen da schon ein paar Stichpunkte drin, an denen ich mich dann später im eigentlichen Artikel entlang hangeln möchte. So geht mir ein potenziell interessanter Text, den ich erst später schreiben kann, nicht völlig durch die Lappen. Manchmal dauert es dann auch richtig lange, bis so ein Beitrag fertig ist. Meine Entwürfe gammeln zuweilen mehrere Wochen und manchmal Monate auf dem Server vor sich hin. Für den nötigen Schreibdruck sorgen derweil die Ironblogger – aber dazu später mehr.

Ein weiterer Grund: Tradition. Beständigkeit. Oder wesentlich ehrlicher zu sich selbst formuliert: Ein dauerhaftes, diffuses Mitteilungsbedürfnis. Diese Domain existiert seit 2014, insgesamt blogge ich schon etwas länger. Es begann im Jahr 2005 –  man machte irgendwie Abitur und fing mit dem Zivildienst an – mit einer zum Blog mutierenden eigenen Homepage (wer erinnert sich noch an die lustigen .de.vu-Domains?); dann kam Blogspot, war halt bequemer; dann eine sehr lange Zeit auf Englisch auf der mittlerweile geschlossenen Plattform my.opera.com, denn da gabs eine richtig coole Community (hauptsächlich andere Opera-User, also Nerds); schließlich schrieb ich ein Auslandsblog, um meine Erfahrungen in England auch ins Internet und damit an meinen deutschen Freundeskreis und die Verwandtschaft zu tragen. Nach dem Ausland folgten zwei neue Anläufe mit my.opera und mit tumblr, bis ich schlussendlich mal ein Blog unter einer eigenen .de-Domain aufgesetzt habe – dieses hier. Kurzum: Bloggen begleitet mich schon über ein Jahrzehnt, ich kann es irgendwie nicht lassen.

Und was bringt das?

Lernen. Das Blog hält mich im Oberstübchen fit. Ganz im Ernst: Man lernt, Gedanken ordentlich zu strukturieren (wie zum Beispiel in stillose Listen, die mit fett gedruckten Schlagwörtern á la Bento beginnen…), aber auch Themen zu analysieren und sachlich (mehr oder weniger) zu kommentieren. Das bedeutet für mich, dass das Bloggen – auch, da man sich der Sprache durchaus bewusst sein sollte – mehr als nur eine kleine Fingerübung für das Schreiben zwischendurch darstellt.

Auch klinkt man sich, weil man ja neben den ganzen Quatsch-Beiträgen gelegentlich einen Artikel mit etwas Substanz schreiben möchte, stark in die einzelnen Inhalte ein. Ich hätte vermutlich niemals so viel über Verschlüsselung und Messenger gelernt, wenn ich dazu keine Blogartikel geschrieben hätte.

Auch interessant: Vernetzung. Eine Sache, die eigentlich nicht mehr zu „warum“, sondern zu „Sinn“ zählt. Ein Nebeneffekt nämlich, dessen ich mir bis zu diesem Blog gar nicht bewusst war. Denn durch das Bloggen habe ich jede Menge Leute in Bonn kennengelernt, vor allem über die bierseligen Ironblogger. Aber auf die immer weiter wachsende Bonner Community auf Twitter bin ich im Grunde nur hierdurch gestoßen. So haben sich viele schöne Bekanntschaften und manchmal auch richtige Freundschaften entwickelt. Das ist (subjektiv) bedeutender, als mir das vorher gedacht habe – ich zog in eine neue Stadt und kannte im Grunde niemanden außer meiner damaligen Freundin. Damit war das Ironblogger-Treffen sozial schon irgendwie interessant. Das führte dann neben neuen Bekanntschaften auch zu Barcamp-Besuchen (das Format war mir vorher kein Begriff), der Entdeckung diverser digitaler Veranstaltungen in Bonn, einem Engagement bei bundesstadt.com und schlussendlich auch zu einem Praktikum bei bonn.digital. All das hätte es ohne Blog nicht gegeben.

Zudem lese ich gerne andere Blogs. Dabei folge ich manchen über einen Feedreader, andere Artikel werden mir von den Linktipps, dem Feed der Bonner Blogs oder einfach durch Twitter-Empfehlungen in die Timeline gespült.

Sinn? Durchaus. Ich kann den Themen, die mir wichtig sind, manchmal einen größere Reichweite geben (beispielsweise durch das Google-Ranking). Da es häufig kleinere Spartenthemen wie z.B. unsere Bunker-Touren oder meine Band sind, ist das gelegentlich also in eigener Sache praktisch. Aber nur so lange, wie es auch andere Leute außer mir interessiert – was ich hoffe.

Und: Es macht Spaß. Sehr viel Spaß.

Warn-Apps – meine große Verwirrung

Seit dem verheerenden Amoklauf von München ist Katwarn in aller Munde. Als eine der beiden großen erhältlichen Warn-Apps soll sie die Stadtbevölkerung vor Gefahren warnen, worunter Unwetter, Blitzeis und eben auch eine sogenannte Amoklage zählen. Zu den „Partnern“ von Katwarn zählen unter anderem Fraunhofer Fokus und die Versicherungsbranche. Verständlicherweise.

So weit, so gut. Klasse Idee, denn das Smartphone ist weitverbreitet, im Grunde läuft kein Mensch mehr ohne rum. Über eine solche Warn-App können also binnen kürzester Zeit enorm viele Menschen erreicht und gewarnt werden. Und so habe ich Katwarn auch mal selbst ausprobiert, denn für mich persönlich sind gute Warnungen gerade in Bezug auf die Wetterlage schon irgendwie wichtig. Vor allem, da mir die meisten gängigen Wetter-Apps echt stinken – häufig entpuppten sich diese in Vergangenheit als Akkukiller, ungenau und buggy.

Und da fängt mein Leid mit diesen Apps auch schon an – Stichwort „buggy“: Auch bei Katwarn hakt es leider in puncto Zuverlässigkeit – so wurden beispielsweise während des Amoklaufs von München nicht alle Menschen erreicht, da dass System durch die große Relevanz der Warnungen schlicht überlastet war. Auch in meinem eigenen Test konnte die App ihre Stärke der genauen und detaillierten Warnungen eigentlich nie ausspielen, und dabei ging es nicht mal um großflächige Amoklagen: Bei jeder kleinen Unwetterwarnung kam ich nie über die Vorschau in der Informationsleiste des Smartphones hinaus, denn der Aufruf der jeweiligen Warnmeldung führte in aller Regel zum Totalabsturz von Katwarn. Es sei dazu gesagt: Ich benutze ein aktuelles Mittelklasse-Smartphone mit 2 Gigabyte Ram und einem sehr schlanken, gut gepatchten Android 6, auf dem alle gängigen Installationen flüssig laufen. Leistungsprobleme sollten hier also nicht zugrunde liegen und auch meine Leitung ist ziemlich fix. Dass die App durch ihre inhärente Instabilität kaum nutzbar war, ist sehr schade.

Dazu bringt Katwarn für mich noch ein weiteres Problem mit: Nicht alle Landkreise und Städte sind hier kooperationsbereit, der Rhein-Sieg-Kreis speist seine Meldungen beispielsweise bei Katwarn ein, die Stadt Bonn dagegen gar nicht. Das ergibt für mich als Endnutzer irgendwie keinen Sinn.

Die Alternative: NINA
Nützlich: NINA bietet nicht nur Warnungen, sondern auch allgemeine und konkrete Verhaltenstipps
Nützlich: NINA bietet nicht nur Warnungen, sondern auch allgemeine und konkrete Verhaltenstipps

Und dann gibt es da noch die Konkurrenz. Wie in der digitalen Welt üblich, gibt es auch beim Thema Katastrophenschutz mehr als eine App für ein- und dieselbe Sache. Und in diesem Fall ist die Konkurrenz sogar hochoffiziell: Sie heißt NINA (Notfall-Informations und Nachrichten-App des Bundes) und zieht ihre Informationen aus dem modularen Warnsystem des Bundes (MoWaS). Dahinter steckt, kurz gesagt, das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Die müssens ja wissen, denkt man sich. Leider hat aber auch diese App dasselbe Problem wie Katwarn: So deckt auch NINA nicht alle Landkreise bei lokalen Gefahrenlagen ab – eine Übersicht kann man auf der Homepage einsehen. Aber immerhin: Im Gegensatz zu Katwarn funktionierts. Das ist bei einer App, die man in eher selteneren, aber dann dringenden Fällen unbedingt braucht, für mich ein unerlässliches Kriterium. Wie das mit NINA allerdings bei einer umfangreichen Gefahrenlage wie in München aussähe, vermag ich nicht zu beurteilen. Bei Unwetterwarnungen funktionierte die App auf meinem Durchschnittsphone bislang sehr zuverlässig.

Meine vorsichtige, grundsätzliche Empfehlung tendiert bei diesem schwierigen Thema also zu NINA. Vorausgesetzt, man lebt in einer Gegend, in der das System unterstützt wird. Nordrhein-Westfalen kommt da schon ganz gut weg, bei anderen Bundesländern sieht es – sprichwörtlich – katastrophal aus. Um die Verwirrung perfekt zu machen, gibt mir NINA auf der Deutschlandkarte aber dennoch Warnungen für nicht unterstützte Landkreise aus. Ebenso erinnere ich mich an Warnungen von Katwarn, während ich mich in Bonn aufhielt – obwohl die Stadt das System offiziell nicht unterstützt. Vielleicht liegt es daran, dass Wetter-Warnungen immer bundesweit rausgegeben werden. Zumindest die Erklärungen zur Funktion der beiden Apps sind dann aber sehr intransparent.

Abschliessende Fragen

Was ich mich nun frage: Warum bekommen wir es in Deutschland nicht hin, EINE App zur Warnung zu entwickeln? Oder zumindest auf EIN transparentes System zu setzen, aus dem sich App-Entwickler bedienen können? Warum können Katwarn und NINA nicht kooperieren? Der Zweck ist doch schließlich ein gemeinnütziger. In Anbetracht dieses Durcheinanders ist es natürlich kein Wunder, dass es nicht einmal der WDR schafft, eine eindeutige Empfehlung auszusprechen. Vielleicht liegt die Zukunft der Warn-Apps dann im Bereich Open Data, schön wäre es jedenfalls.

Sommer-Leseliste

Es liegen nun also folgende Werke hier rum, die noch gelesen werden wollen. Eine private Leseliste, die eigentlich keine ist, da leider auch wieder sehr viel beruflich gelesen werden muss. Macht aber nichts, den privaten Spaß an Literatur sollte man sich ja nie nehmen lassen. Mindestens die ersten beiden Titel stammen zumal aus der Kategorie Klassiker, die man eigentlich kennen sollte.

Heinz Strunk – Fleisch ist mein Gemüse. Herrn Strunks neuestes Machwerk, Der Goldene Handschuh, brachte dem häufigen Gast der heute show kürzlich geradezu feuilletonesquen Ruhm ein. Das Stück muss ich also bei Gelegenheit auch mal lesen. Aber vorerst möchte ich meinen Lieblingsautor der Titanic (Lieblingsrubrik: Heinz Strunks Intimschatulle, stets vor allem anderen gelesen) chronologisch verarbeiten. Zumal der erste Absatz erst einmal schön das Scheitern eines Jugendlichen am Rasenmähen seziert. Der wirklich perfekte Beginn dieser Ferien.

Rocko Schamoni – Dorfpunks. Zu Herrn Schamoni muss ja allgemein nichts mehr gesagt werden. Meiner Meinung nach einer der besten deutschen Gegenwartsautoren, dessen Sternstunden der Bedeutungslosigkeit und das Sequel Tag der geschlossenen Tür als nihilistisch-legendär bezeichnet werden können. Auch das etwas weniger düster daherkommende Rentner-mit-Gewehr-Epos Fünf Löcher im Himmel hat mich im letzten Sommer überzeugt.

John le Carré: A Small Town in Germany. Keine Ahnung, Neuland für mich. Der Autor ist vor allem durch das Genre Agententhriller bekannt, wo er durch seine eigene Vergangenheit quasi vom Fach ist. Bekannt war er mir vorher nur durch seine berühmten Verfilmungen, etwa Tinker Tailor Soldier Spy (Dame, König, As, Spion). Das mir nun vorliegende Stück mit Kleinstadt im Titel ist konsequenterweise ebenfalls ein Agententhriller – einer, der in Bonn spielt. Auf die Idee gekommen bin ich durch diesen Blogbeitrag, in dem man noch weitere literarische Bonn-Empfehlungen serviert bekommt.

Notiz: Verrückter Sommer

Sommerferien, erste Woche: Check. Und es zeichnet sich immer deutlicher ab: Unter Umständen wird mein Sommer 2016 genauso bescheuert, durchgeknallt und grenzwertig verrückt wie der letzte. Einige Anzeichen sprechen deutlich dafür. Eigentlich alle. Positiv wie negativ – es ist noch alles drin. Reinschnuppern in andere Bereiche, emotionales Achterbahn fahren, Konzerte, Albumaufnahmen, Kilometer fressen in Schottland und England, das zweite Staatsexamen an der Backe, endlich ein neues Tool-Album. Es fühlt sich alles nach Wahnsinn an. Und das nicht nur, weil das Wetter verrückt spielt. Oder um uns alle herum die Welt in Flammen steht. (Was ist eigentlich mit dieser Welt los?)

In der Zwischenzeit möchte ich das nicht existente Sommerloch mit einem Musiktipp überspannen. Kennt jemand Thrice? Ja? Gut. Nein? Hier. Sie sind sehr gut. Rockmusik aus der Kategorie nicht kategorisierbar. Nachdenklich, laut, melancholisch, heftig.